Dienstag, 25. Januar 2011

Fulminanter Stadtratsauftakt

Der Stadtrat Langenthals hat gestern wiederum ins alljährliche Tagesgeschäft gefunden. Aber wie!
Der neue Stadtratspräsident Roland Christen liess grosses Theater auffahren. Beeindruckend. Dank der stadtchronistischen Einführung von Simon Kuert wurden wir anschliessend in szenischen Dialogen, geschrieben von Pedro Lenz, aufgeführt durch die beiden Schauspielenden ins 18. Jahrhundert zurück versetzt, in welchem die liberalen Geister Mumenthaler und Dennler inmitten Langenthals, in der Marktgasse, Denken und Glauben revolutionär beeinflussten. Ich war echt beeindruckt. Einerseits von den schauspielerischen und auch musikalischen Leistungen (Rainer Walker) der Beteiligten, andererseits durch den zweiten szenischen Teil, der Begegnung Mummenthalers und Dennlers mit der heutigen Zeit, wie sie vom Himmel herabblicken und das Gefühl haben, dass sich in Langenthal doch mal etwas tun sollten, wenn sie es von oben betrachten und dass sie den revolutionären und liberalen Geist ihrer damaligen Zeit vermissen: "...die mache ja hüt scho id Hose, we öper wott es Minarett boue...".
 Nun. Das ist die extreme Kurzform dessen, was sich vor uns abspielte. Um den Zusammenhang zu verstehen, müsste man schon mehr über die Personen und Langenthal in der damaligen Zeit erklären, wozu ich aber keine grosse Lust verspüre und in Wikipedia ist leider nur der berühmte Vater Mumenthalers verzeichnet, der es zu grossen Forscherehren brachte.

So müssen diese Bilder des gestrigen Abends ausreichen. Ich danke allen Organsierenden und insbesondere auch Stadtratspräsident Roland Christen für diesen gelungenen Auftakt. Herzlichen Dank.












Donnerstag, 20. Januar 2011

Wahlkampf - aber richtig. Jetzt geht's los!

Die Indizien werden immer deutlicher und häufiger. Das Nationalratswahlkarussell dreht sich bereits im Januar ordentlich schnell. Die Parteien nominieren Kandidierende am Laufmeter und schrecken auch vor politisch unerfahrenem, aber extrem bekannten Exemplaren nicht zurück. Frei nach dem Motto: "Ich bin ein Star, holt mich hier rein!", scheinen Thierry Carrel (FDP Kt. Bern), Jacques de Haller (SP Kt. Bern) und Matthias Aebischer (SP Kt. Bern) sich neu für die nationale Politik berufen zu fühlen.
Die Kandidierenden der SP Oberaargau für den Nationalrat anlässlich ihrer Nomination letzten Dienstag in Huttwil. Von links: Bernhard Marti (JUSO), Markus Meyer, Lilo Barthod-Malat, Lurata Reçi, Hans-Kaspar Schiesser.
 
Währenddem die FDP Liste des Kantons Bern den Eindruck vermittelt, dass nach dem Nichtantritt von Pierre Triponez und der Wahl von Johann Schneider in den Bundesrat die Luft vorhanden wäre, um Carrel den Sitz ohne grosse Kollateralschäden zu ermöglichen, werden sich auf der SP Männerliste wahrscheinlich Corrado Pardini (1. Ersatzplatz 2007) und auch Markus Meyer (2. Ersatzplatz 2007), beides alte Polithasen, welche sich seit 20 Jahren Treppchen um Treppchen im System hochgearbeitet haben, langsam aber sicher in den Hintern beissen. Die Trennung von Männern und Frauen auf den Listen der SP - was ursprünglich als Frauenförderung gedacht war - wird in diesem Jahr wohl zur männlichen, nationalrätlichen SP-Grossratsverhinderung. Da wird der Lumengo-"Rücktritt" auch nicht weiterhelfen, noch wenn plötzlich André Daguet und Hans Stöckli eine plötzliche politische Unlust verspürten und eine Wiederwahl nicht wollten. Denn vergessen wir nicht, wer als Alt-Nationalrat und Berner Stapi auch wieder ins Bundeshaus einziehen möchte: Alex Tschäppät.
Eine mögliche Lichtung verspricht sich momentan sowieso nur auf der Frauen-SP-Liste. Die Wahl von Ursula Wyss in den Ständerat - von der ich nun mal ausgehe - wird hier noch mehr Platz verschaffen. Es mag Zufall sein oder effektiv an profilierungsneurotischeren Auslegungen - am unterschiedlichen Drang zur Macht und zur Geltung der Geschlechter liegen, dass bisher sämtliche sog. Prominente allesamt dem männlichen Gender zuzuordnen sind. Dies wiederum könnte bedeuten, dass die Frauen sich nicht zu fürchten brauchen und Nadine Masshardt nun wirklich in die Erbfolge von Wyss und Evi Allemann treten könnte. Masshardt wird gemäss meiner Einschätzung den Einzug spätestens im Herbst schaffen, wenn sie nicht schon auf Grund der Wahl von Ursula Wyss, sowieso bereits "bloss" eine Wiederwahl zu bestreiten hat, da sie als 1. Ersatz von 2007 noch diesen Frühling in den Nationalrat nachrücken würde. Die SP des Kantons Bern darf sich natürlich insgesamt freuen. Treu dem Motto: "Konkurrenz belebt das Geschäft.", werden Kandidaten wie de Haller, Aebischer und Tschäppät zusätzliche Prozente einbringen.
Und. Das Karrussel dreht, dessen Beobachter auch: Sein Buch ist da:




Frisch von der Presse, direkt aus dem Briefkasten, liess die Auflistung des Wahlkampfes von 2007 gute Erinnerungen an den JUSO-Nationalratswahlkampf anno dazumals in mir hochkommen. Wirklich empfehlenswert und spannend. Sogar dieses Blog wird im Kapitel "Unter Freunden im Goldfischglas"  erwähnt, das als Überschrift des Kapitels zu den Social Medias im Wahlkampf nicht treffender hätte umschrieben werden können. Danke. "Reto Müller beispielsweise zählt auf seinem Blog 12'000 - 15'000 Besuche pro Monat." Nun. Das war einmal. So viel war es mal zu den Spitzenzeiten des täglich Bloggens begleitet durch allerhand hölzerne Print-Medienartikeln und durch provokatives Schreiben und Kommentieren auf allen möglichen Blogs dieser Schweiz und Welt. Heute zähle ich die Besuchenden schon gar nicht mehr mit. Diese Art des Internet-Narzissmus ist mir in der Zwischenzeit mangels Zeit abhanden gekommen. Trotzdem. Die Aussage stimmt. Wer sich ähnlich dahinter klemmt, wie ich vor einem oder zwei oder drei Jahren, mit derselben Ausdauer, dem gleichen Fleiss und ähnlicher Schreibe, dem gelingt dies auch. Wer aber jetzt noch für Herbst ein Blog eröffnen will, der sollte sich sputen. Noch 1 Monat Zeit, dann ist dieser Zug für die nächsten Wahlen auch wieder abgefahren. Item.
Das Buch liest sich auch sonst spannend, ist vergleichend und hält zahlreiche Tipps für einen erfolgreichen Wahlkampf bereit. Bestellen kann man es hier. Ich empfehle es wärmstens.
Noch hat mich das Wahlkampffieber nicht erreicht. Aber die Temperatur steigt...

Dienstag, 11. Januar 2011

ausgebloggt

Nun. Da kündigt man (also ich) am 31. Dezember 2010 das Ende dieses Blogs an und siehe da: Die nächste Tageszeitung, die am 3. Januar 2011 erschien, berichtet prominent auf Seite 2 - zwischen dem 1. Neugeborenen des neuen Jahres und dem Rausch-Autounfall mit dem Titel: "Müller hat ausgebloggt". Danke, Berner Zeitung. Ich fühle mich geehrt. Liebe Lesenden, herzlich Willkommen im lokalen Glanz & Gloria.

Nun. Über mangelnde Medienresonanz durfte ich mich nie beklagen und dies weder im positiven - noch im negativen Sinne. Es war ja auch das, was ich mit dem Blog suchte, dank der grossen Klappe, wie sie auch in der BZ wiederum Ausdruck findet. Das Authentische des Bloggens, manchmal gar etwas skrupellose Schreiben, dessen wofür ich gar in Studien von Universitäten zu einem frühen Zeitpunkt überdurchschnittlich gut abschnitt, Lesendenzahlen generierte, welche Firmen auf den Plan riefen, die gar Werbung im Blog implementieren wollten. Ich werde es nicht wirklich vermissen.

Aber wenn ich ihn nun doch noch habe, diesen Moment der Blog-Aufmerksamkeit so will ich ihn doch auch pflegen, bis zum Ende und die Gunst der Stunde nutzen. Liebe Medien, ich wünsche mir als nächstes den folgenden Titel:


Ursula Wyss hat die beste Homepage aller Ständeratskandidierenden.
Dazu fände ich folgenden Text noch recht originell:
Währenddem sich die meisten Ständeratskandidierenden - wenn überhaupt - mehr schlecht als recht um ihren Internetauftritt für die Wahlen kümmern - verblüfft Ursula Wyss mit einem attraktiven und aktiven Auftreten auf ihrer Webseite.
Glücklicherweise muss man sagen, schaffte es Christa Markwalder dann doch noch auf ihrer alten Homepage den Blogeintrag von 2008 oder 2009 zu entfernen, in dem sie als neueste Aktualität jahrelang die Trennung von ihrem damaligen Ehemann bekannt gab und nun hat sie sogar eine eigene Wahlwebseite - welche, wenn wir das Beispiel der letzten Webseite heranziehen - nach den Wahlen wahrscheinlich sofort wieder unbearbeitet ihrem Schicksal überlassen sein wird. Schliesslich ist es, gemäss eigenen Aussagen in der Berner Zeitung, Frau Markwalder ja auch zu kalt, um einen Strassenwahlkampf zu betreiben. Wie mühsam ist es dann erst, bei schönem Wetter eine Homepage zu pflegen? Dass bei der FdP eine Webseite der anderen auf's Haar gleicht und somit statt Individualität eine Art Generalität herrscht, mag störend wirken oder beruhigend. Immerhin hat sie nun aber einen Webauftritt und die Fotos sind auch sehr anschaulich.

Beides Attribute welche uns zum Beispiel beim Webauftritt von Adrian Amstutz gänzlich versagt bleiben. Wo ist der Schweizer Illustrierte Auftritt mit der Harley Davidson, wo ist Amstutz mit der Motorsäge in der Hand. Nein, es gibt nur Amstutz mit Velofahrerdress, Amstutz im Sturzflug. Ein Sinnbild für seinen Webauftritt? Immerhin: An mangelnder Authentizität scheint es auch ihm nicht zu fehlen, denn der Webauftritt sagt vor allem eines aus: Das Internet ist uns scheissegal.

Nun. Marc Jost. Schade, dass seine Kandidatur aussichtslos ist, denn rein webmässig betrachtet, macht er vieles richtig. Inklusive Youtube-Film und Blog - ebenfalls noch ein Genosse mit veraltetem Blogspot-Portal - der es aber in derselben Zeitspanne auf geschätzte knapp 100 Einträge und nicht 1000 bringt, was aber nicht für mangelnde Qualität spricht, dahingehend eher die Kampagne: Wenn ich lese, dass sich hier schon wieder ein Brückenbauer um ein hohes poltisches Amt bewirbt, dann bin ich froh, dass diese nicht immer gewählt werden. Vor lauter Brücken wäre keine Schweiz mehr da.

Bleibt denn als Siegerin dieses webmässigen Vergleichs Ursula Wyss. Auch auf ihrer neu gestalteten Homepage listet sie - wie früher - unter Themen in den 4 Unterkategorien sämtliche Publikationen und Reden auf, die bis ins Jahr 2000 zurück reichen. Ebenfalls findet man unter Medien ausgewählte Artikel, die bis ins Jahr 2007 zurück gehen, was eindrücklich belegt, dass Frau Wyss in Sachen Transparenz und Langatmigkeit im Web etwas mitbringt, was andere schmerzhaft vermissen lassen, die sich nun nur kurzfristig um die Aufmerksamkeit im Internet und die Wählerschaft kümmern wollen. Dass sie hierbei vor lauter Ernsthaftigkeit weiss, mit dem Internet auch spielend umzugehen, beweisen die Videos auf der Hauptseite. Ursula Wyss läuft hinein und stellt einen Plakatständer hin oder plakatiert sich - wie zur Zeit gerade zu sehen - mit dem Wahlplakat selbst an den Bildschirm des Betrachtenden. Das ist grosses Kino! Ursula Wyss gehört aus Sicht des Schreibenden - nicht bloss auf Grund des besten Webauftritts - als Nachfolgerin von Simonetta Sommaruga in den Ständerat.

So. Besten Dank für's Publizieren in der Zeitung. Wäre nett.