Montag, 28. Februar 2011

Der letzte und 1000. Blogeintrag: "Libyen ist überall"

Dieser Text erscheint heute gleichzeitig auch in der Berner Zeitung in der Kolumne: "Mein Langenthal".
Übrigens: Es war die Idee der Zeitungsredaktion das Ende meines Bloggens in ihrer Zeitung gleichzeitig zu begehen. Ein würdiges Ende - auch aus meiner Sicht. Danke, BZ!


«Libyen ist überall»

«Wer hat Angst vor Twitter und Blogs?», schrieb die junge Araberin auf ihr Schild, das sie in einer Kleinstadt Nordafrikas in die Luft hielt. Die Welt scheint wieder einmal im Umbruch und der Mut der Menschen in Libyen für ihre Freiheit, das Recht und ihre Meinungen einzustehen und auch zu sterben, ist bewundernswert. 
Nun könnte ich «mein» Langenthal als das der grossen Freiheit und des liberalen Denkens seit mehr als 200 Jahren preisen und damit als Beispiel für so manche Stadt. Jedoch scheinen mir gegenwärtig Vergleiche mit den Bestrebungen eines jeden Menschen – wo immer er auf dieser Welt auch leben mag - wichtiger. 
Jede und jeder hat seine Meinung. Viele äussern diese in Gesprächen, in der Zeitung, in ihren Blogs, im Facebook oder sowieso überall und jederzeit. Einige zeigen sich zufrieden. Anderen kann man es kaum einmal recht machen. 
Wird in Langenthal zum Beispiel eine  Strasse asphaltiert, so kann es vorkommen, dass man als Teil der Regierung gefragt wird, warum man denn nicht Pflastersteine genommen habe, da diese doch viel schöner seien. Ringt man sich aber zu Pflastersteinen durch, sagen viele, diese seien doch viel teurer als Asphalt und für alte sowie handicapierte Menschen auf Grund der Unebenheiten sowieso ungeeignet. Schleift man die Steine daraufhin flach ab, so gilt man bei einigen als gemeingefährlicher Gemeinderat, da diese in nassem und oder eisigen Zustand einem zu ungewollten Rutschpartien verhelfen – ungeachtet dessen, ob das Flugobjekt in winterfesten Schuhen oder eben doch sommerlichen Lackschuhen unterwegs war. 
Langenthal ist die Stadt der vielen und vielfältigen Meinungen. Baum hin oder her, um nur ein weiteres Beispiel streitbarer Positionen unserer Stadt aufzugreifen. 
Und trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen liebe ich diese Stadt. Auch ich deckte sie früher praktisch täglich mit meiner Meinung ein in meinem Blog. Mal wütend, dann wieder lieblich, verzweifelt fragend oder auch erstaunt. Die Reaktionen waren unterschiedlich, liessen sich aber meist in dieselben Kategorien einteilen. 
Diese Zeit ist nun vorbei. Mein Bloggen endet mit dieser letzten Meinung: «Libyen ist überall. Eine Meinung haben und äussern, bedeutet und belebt die Demokratie.»


Reto Müller

Langenthal feiert 2011 das 1150-Jahr-Jubiläum. In dieser Kolumne schreiben jeden Montag Langenthalerinnen und Langenthaler sowie andere Personen, die eine Beziehung zur Stadt haben, über Langenthal. Heute: Reto Müller, Gemeinderat (SP) von Langenthal und Reallehrer. Müller war langjähriger unermüdlicher Blogger (retomueller.blogspot.com). Aus Zeitgründen stellt er das Bloggen nun allerdings ein. Vorliegende Kolumne ist sein 1000. und letzter Blogbeitrag.  

Kommentare:

Harald Jenk hat gesagt…

Wenigstens passen die Pflastersteine gut zum Thema Revolution

Musiker hat gesagt…

Schön gesprochen, die offene und ehrlich vertreten Meinung hilft und sollte auch bei uns zur Regel werden.

Pedro hat gesagt…

1.000 Blogeinträge ja eine Leistung, nun, meine waren bei 577. Wurde gelöscht. Neuer Blog simpel ohne Texte. www.freimaurer-gestik.blogspot.com