Donnerstag, 20. Januar 2011

Wahlkampf - aber richtig. Jetzt geht's los!

Die Indizien werden immer deutlicher und häufiger. Das Nationalratswahlkarussell dreht sich bereits im Januar ordentlich schnell. Die Parteien nominieren Kandidierende am Laufmeter und schrecken auch vor politisch unerfahrenem, aber extrem bekannten Exemplaren nicht zurück. Frei nach dem Motto: "Ich bin ein Star, holt mich hier rein!", scheinen Thierry Carrel (FDP Kt. Bern), Jacques de Haller (SP Kt. Bern) und Matthias Aebischer (SP Kt. Bern) sich neu für die nationale Politik berufen zu fühlen.
Die Kandidierenden der SP Oberaargau für den Nationalrat anlässlich ihrer Nomination letzten Dienstag in Huttwil. Von links: Bernhard Marti (JUSO), Markus Meyer, Lilo Barthod-Malat, Lurata Reçi, Hans-Kaspar Schiesser.
 
Währenddem die FDP Liste des Kantons Bern den Eindruck vermittelt, dass nach dem Nichtantritt von Pierre Triponez und der Wahl von Johann Schneider in den Bundesrat die Luft vorhanden wäre, um Carrel den Sitz ohne grosse Kollateralschäden zu ermöglichen, werden sich auf der SP Männerliste wahrscheinlich Corrado Pardini (1. Ersatzplatz 2007) und auch Markus Meyer (2. Ersatzplatz 2007), beides alte Polithasen, welche sich seit 20 Jahren Treppchen um Treppchen im System hochgearbeitet haben, langsam aber sicher in den Hintern beissen. Die Trennung von Männern und Frauen auf den Listen der SP - was ursprünglich als Frauenförderung gedacht war - wird in diesem Jahr wohl zur männlichen, nationalrätlichen SP-Grossratsverhinderung. Da wird der Lumengo-"Rücktritt" auch nicht weiterhelfen, noch wenn plötzlich André Daguet und Hans Stöckli eine plötzliche politische Unlust verspürten und eine Wiederwahl nicht wollten. Denn vergessen wir nicht, wer als Alt-Nationalrat und Berner Stapi auch wieder ins Bundeshaus einziehen möchte: Alex Tschäppät.
Eine mögliche Lichtung verspricht sich momentan sowieso nur auf der Frauen-SP-Liste. Die Wahl von Ursula Wyss in den Ständerat - von der ich nun mal ausgehe - wird hier noch mehr Platz verschaffen. Es mag Zufall sein oder effektiv an profilierungsneurotischeren Auslegungen - am unterschiedlichen Drang zur Macht und zur Geltung der Geschlechter liegen, dass bisher sämtliche sog. Prominente allesamt dem männlichen Gender zuzuordnen sind. Dies wiederum könnte bedeuten, dass die Frauen sich nicht zu fürchten brauchen und Nadine Masshardt nun wirklich in die Erbfolge von Wyss und Evi Allemann treten könnte. Masshardt wird gemäss meiner Einschätzung den Einzug spätestens im Herbst schaffen, wenn sie nicht schon auf Grund der Wahl von Ursula Wyss, sowieso bereits "bloss" eine Wiederwahl zu bestreiten hat, da sie als 1. Ersatz von 2007 noch diesen Frühling in den Nationalrat nachrücken würde. Die SP des Kantons Bern darf sich natürlich insgesamt freuen. Treu dem Motto: "Konkurrenz belebt das Geschäft.", werden Kandidaten wie de Haller, Aebischer und Tschäppät zusätzliche Prozente einbringen.
Und. Das Karrussel dreht, dessen Beobachter auch: Sein Buch ist da:




Frisch von der Presse, direkt aus dem Briefkasten, liess die Auflistung des Wahlkampfes von 2007 gute Erinnerungen an den JUSO-Nationalratswahlkampf anno dazumals in mir hochkommen. Wirklich empfehlenswert und spannend. Sogar dieses Blog wird im Kapitel "Unter Freunden im Goldfischglas"  erwähnt, das als Überschrift des Kapitels zu den Social Medias im Wahlkampf nicht treffender hätte umschrieben werden können. Danke. "Reto Müller beispielsweise zählt auf seinem Blog 12'000 - 15'000 Besuche pro Monat." Nun. Das war einmal. So viel war es mal zu den Spitzenzeiten des täglich Bloggens begleitet durch allerhand hölzerne Print-Medienartikeln und durch provokatives Schreiben und Kommentieren auf allen möglichen Blogs dieser Schweiz und Welt. Heute zähle ich die Besuchenden schon gar nicht mehr mit. Diese Art des Internet-Narzissmus ist mir in der Zwischenzeit mangels Zeit abhanden gekommen. Trotzdem. Die Aussage stimmt. Wer sich ähnlich dahinter klemmt, wie ich vor einem oder zwei oder drei Jahren, mit derselben Ausdauer, dem gleichen Fleiss und ähnlicher Schreibe, dem gelingt dies auch. Wer aber jetzt noch für Herbst ein Blog eröffnen will, der sollte sich sputen. Noch 1 Monat Zeit, dann ist dieser Zug für die nächsten Wahlen auch wieder abgefahren. Item.
Das Buch liest sich auch sonst spannend, ist vergleichend und hält zahlreiche Tipps für einen erfolgreichen Wahlkampf bereit. Bestellen kann man es hier. Ich empfehle es wärmstens.
Noch hat mich das Wahlkampffieber nicht erreicht. Aber die Temperatur steigt...

1 Kommentar:

Titus hat gesagt…

Folglich gibt es zwei Möglichkeiten, in den Nationalrat gewählt zu werden:

Bewerbe Dich beim Schweizer Fernsehen (die haben inzwischen sogar auch einige Blogs) oder werde Chirurg (auch solche bloggen: http://www.skalpell-blog.ch/)...

;-)