Dienstag, 11. Mai 2010

Ich YB iPad

Sensationell. Das Ding und YB. Ich bin fasziniert, obwohl man sich über den Nutzen - neben all den Spielereien schon etwas streiten darf. Durchaus von beidem.

Montag, 3. Mai 2010

Du wolle kaufe...?

690 Millionen bezahlt die Schweiz an das griechische Debakel, sofern man den Onlinemedien Glauben schenkt. Ich gehe davon aus, dass dies selbstverständlich mit Zinsen wiederum zum eigentlichen Geschäft für die Schweiz werden wird - wie so oft. Gemessen am Beitrag zur Rettung der UBS ist Griechenland dann doch vergleichsweise günstig zu haben. Etwas zu Sagen haben werden wir in beiden Fällen wohl wieder etwa gleich viel: Nämlich gar nix.

Jetzt gehört uns (Steuerzahlenden) schon ein grosser Teil einer Bank, ein kleiner Teil eines Landes und so überlege ich mir, was uns wohl demnächst zum Kauf angeboten wird. Schöne Schweiz. Schönes Griechenland.

Samstag, 1. Mai 2010

3 Maifeiern später...

fühlt man sich ziemlich kaputt. In diesem Jahr war ich zwar erstmals nicht sehr stark in die Organisation oder das Auf- und Abbauen verwickelt, wie sonst - danke liebe Kolleginnen und Kollegen - doch war die Erwartungshaltung da, dass ich zumindest in Langenthal, Schwarzhäusern/Aarwangen (als Redner) und Bützberg an der Feier dabei bin.

Da ich wusste, dass die Feier in Schwarzhäusern eher in gemütlicherem und feinerem Rahmen stattfindet, habe ich hierfür keine klassische 1. Mai Rede vorbereitet, sondern übte mich eher im Geschichten erzählen. Natürlich haben diese Geschichten exemplarisch und in sich sehr viel mit dem 1. Mai und dem diesjährigen Motto zu tun. Es kann aber sein, dass sie als rein geschriebene Textbausteine, ohne meine Inputs und das "szenische" Laienspiel, nicht wirklich erfasst werden können. Die Resonanz war aber auf alle Fälle von erfrischend, über mal etwas anderes und passend, bis sehr gut, breit und positiv... zumindest mir gegenüber. Aber lest selbst, wenn es euch interessiert:

Rede zum 1. Mai für die SP Aarwangen / Schwarzhäusern am 1. Mai 2010 in Schwarzhäusern. Von Reto Müller.
-         „Hesch no Lohn – oder zocksch scho ab?“

-         „Was, was meinsch?“

-         „Jo, ganz eifach: Schaffisch no für Gäud, du Löu oder wirsch scho i Aktie uszauht?“

-         „Mit oder ohni 13. meinsch?“

-         „Das heisst dänk nüm 13., das heisst hüt Bonus und wes clever machsch, de isches meh aus ei 13. gar meh aus e 14. oder 15. oder 16.!

U we d Lüt aföh reklamiere, es sigi z viu, seisch eifach, es sigi ebe e integrale Lohnbestandteil. Weisch, wiene 13. ebe.“

-         „Aha. Jo, sorry, isch afang huere kompliziert. Sicher schaffi no. Nid mit de Häng, aber das isch ja hüt sowieso und überhaupt und glich o gschaffet, oder? Aber i ha eifach mi 13. wie die meischte andere ou. U nid emau dä 13. hei aui.“

-         „Was, ke Bonus? Ke 13.? Wo läbe de die?“

-         „Bi üs. Hie under üs! Es git meh Lüt wo’s Gäud vom Schaffe elei nüm zum Läbe längt aus du im Golf-, Tennis-, Wellness-, Fitness-. Lions-, etc-Club vilicht mit überchunsch!“

-         „Nei säg. Do hani aber nid Erbarme. Die söue meh Verantwortig für ihres eigete Läbe übernäh! I träge schliesslich für mi Bonus ou Verantwortig.“

-         „Weisch was? Du bisch e Löu! Du hesch ke Ahnig vom Läbe und was anderi Schaffe, nur damit sie sich und ihri Familie dürebringe!“



Liebe Zuhörerinnen und liebe Zuhörer, liebe Arbeiterinnen, Chrampfer und wohlverdiente Seniorinnen und Senioren


Jetzt könnte ich eigentlich schon aufhören zu reden. Der Streit zwischen ihm und ihm spricht die wesentlichen Themen des heutigen 1. Mais unter dem Motto „Arbeit, Lohn und Rente statt Profit und Gier“ an und eigentlich könnten wir diesen „Dialog“ auch zwischen euren Bänken weiterführen, denn er ähnelt den momentanen Debatten und Bestrebungen zwischen den Oberen und den Unteren, wobei aus meiner Sicht die Schere bezüglich des Lohns und des gegenseitigen Verständnisses immer weiter auseinander gehen. Aber vielleicht wollt ihr noch mehr hören? Nämlich: Wo führt das hin?


Heute ist jede 10. Person im Kanton Bern auf Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen angewiesen? Es reicht einfach nicht mehr.

Eine weitere Geschichte:

Weinend sitzt eine junge Frau vor mir, 2 Kinder wuseln im Hintergrund.

„Wissen Sie, Herr Müller. Es reicht einfach nicht mehr. Ich weiss nicht, was ich tun soll. Ich arbeite der Kinder wegen 60% im Verkauf und verdiene CHF 1800.--, mein Mann bezahlt mir die Alimente nie pünktlich. Manchmal weiss ich echt nicht mehr, wie ich Essen, Miete und Strom bezahlen soll. Des Nachts sorge ich mich um die Zukunft und das Wohlergehen meiner Kinder. Am Morgen bis nach dem Mittag arbeite ich, damit ich den Nachmittag bei den Kindern sein kann. Aber etwas bieten kann ich ihnen sowieso nicht.“

Als ich ihr dann erklärte, dass sie für die Alimente eine Bevorschussung beantragen kann und das Inkasso vom Sozialamt übernommen werde, sowie dass sie ergänzend dazu wirtschaftliche Sozialhilfe zur Unterstützung annehmen könnte, klärte sich das Gesicht der Frau auf. Wir hatten im letzten Jahr auf Grund des Schreckensgespenst Wirtschaftskrise eine Zunahme der Sozialhilfefälle in Langenthal/Lotzwil von 15%. Die Menschen fanden in keine oder nur schlecht bezahlte Arbeitsstellen zurück, als das Arbeitslosentaggeld, das bei der letzten Revision bereits gekürzt worden war, ausgelaufen war. Wie sollen wir ihnen das verübeln? Die Arbeitslosigkeit sinkt, trotz Millionengewinne der Banken und Börsen nicht. Ist das die Schuld der Arbeitslosen?

Nein. Wer hat diese Wirtschaftskrise ausgelöst? Nicht der Arbeiter. Nicht die Arbeiterin. Wisst ihr noch, wie es begann? Fannie May und Freddie Mac in den USA. Gefolgt von anderen Banken und Investitionsspekulanten, Versicherung, etc.

Der SGB schreibt für heute: Die Abzockereliten haben die Welt in die Krise geritten. Die Arbeitnehmenden müssen die Zeche bezahlen. Dafür steigt wieder die Arroganz der Boniritter. Sie haben sich nur kurz geschämt über das Desaster, das sie angerichtet haben. Schon erheben sie wieder und ohne jegliche Schamesröte im Gesicht ihre Abzockerforderungen.

Oben prassen wenige, unten schnallen viele den Gürtel stets enger: So kann es nicht

weitergehen! Dem stellen wir uns entgegen.


Und liebe Leute. Die Banker und CEOs haben Erfolg damit. Zwar rebelliert das Volk verbal, bei der UBS-GV bei der CS-GV, doch die Macht liegt bei den Besitzenden und diese wollen ihren Besitz steigern, maximieren, fett dinieren, abkassieren, die Arbeitenden kast… item… die Vergütungsberichte passieren und auf alle Fälle sind die Boni wieder fetter denn je.


Noch eine Geschichte?

Ich war letzthin in der IKEA. Ich wollte was zum Schrauben und dann landeten – wie immer – auch zahlreiche andere Teile im Einkaufswagen, die ich eigentlich nicht benötigt hätte. Erschrocken bin ich erst an der Kasse. Für einmal nicht am gesammelten Preis des Unscheinbaren, das ich mir in den Wagen geladen hatte: „Wo sind die Kassierer und Kassiererinnen?"

„Sie müssen das jetzt selbst machen. Das geht viel schneller!“, sagte mir die Dame, welche wohl meine Frage von der runzeligen Stirn abgelesen hatte.

"Viel billiger für euch!", dachte ich bei mir und sagte dann trotzdem nichts, sondern scannte brav alle Waren ein, welche ich im Korb hatte. Von den Fixa-Schrauben, über das Befestiga-Seil, zum Drüffö-Hocker und überlegte bei mir, ob die Abzocker auch so ehrlich wären und alles brav selbst auf ihre Rechung einlesen würden. Ich will damit nicht sagen, dass ihr in der Ikea das System sabotieren solltet, indem ihr klaut, sondern einfach fragen, ob wir arbeitenden Normalo-Schweizer einfach zu wenig frech und viel zu angepasst sind, wir Normalo-Schweizerinnen, und viel zu ehrlich, als dass wir nicht schon längst ausrufen, ob dieser Zustände und Ungerechtigkeiten und dort stehend schrien: „Ich finde diese Kasse sollte in der Ikea den Namen „Föckja“ tragen! Das ist nämlich eine Verarschung der Arbeiterinnen und Arbeiter, welche ihren Job an den Kassen erledigten.“ Studentinnen, welche diesen Job verrichteten, brauchen jetzt mehr Stipendien, Arbeitslose mehr Unterstützung oder später gar Sozialhilfe und dann hört man von oben wieder: „Es ist schon verrückt, wie die Sozialfälle immer wie mehr zunehmen und was das den Staat und mich als Steuerzahler kostet... blabla.“ Nur damit das blöde Ördnä-Regal, das im nächsten oder übernächsten Jahr sowieso wieder auseinander kracht, 2 Franken billiger ist.


Weitere Geschichten gefällig?

Das Prinzip ist leider immer gleich. Wohin wir auch schauen: Die Post schafft für Millionen Briefsortiermaschinen an, welche bei der Arbeiterschaft im untersten Erwerbssegment wiederum Hunderte Menschen vor die Türe setzt. Das nennt man heute Gewinnmaximierung. So etwas gilt heute als Erfolg! Nicht zuletzt muss die Post heute überhaupt so wirtschaften, weil man die erfolgreichen Teile der PTT längst in die Swisscom überführt hatte, welche heute als AG ihr Geld, das sie uns unter anderem mit Handy und TV aus der Tasche ziehen, lieber spekulativ mit der Ex-Geldwäsche-AG - der Fastweb Italia - verlocht. Nicht zu vergessen ist hierbei, dass es immer um Menschen geht, hinter diesen Zahlen. Sonst wäre der Zynismus in meinen Zeilen gar lustig.

Was hat die CS damit gespart, dass sie das Rechnungswesen nach Polen und in andere Länder verlegt hat? Millionen. Wem kommen diese heute zu Gute? Den Obersten – unter anderem als Bonus. Too big to fail. Too small to survive. Zu gross um zu Scheitern gilt für die Banken und Manager. Vollkasko trotz hirnrissigster Aktionen im Bankensektor – dank Staatsmillionen. Zu klein zum Überleben gilt für die einfachen Büezerinnen und Büezer, welche ihren Job auch bei der Post und bei den Banken gewissenhaft und mit Stolz ausgeübt hatten. Das hat einigen von ihnen schlussendlich trotzdem nur eines - die Kündigung - gebracht.


Es ist wirklich an der Zeit, dass wir sagen, was wir denken, über die heutigen Praktiken und dass wir Regeln schaffen, welche auf Ausgleich und Gerechtigkeit bauen. Nicht nur im Arbeitssektor, sondern auch überall sonst, zum Beispiel im Umgang mit der Natur. Heute kannst du so günstig fliegen, wie nie zuvor, dass ist auch klar, denn das Öl sprudelt mittlerweile von alleine ins Meer. Das sind Katastrophen, die wir verhindern müssten... verhindern müssen. Aber diese kann man nicht gratis und bei gewinnoptimierender, super gesteigerter Maximalrendite erreichen. Nein. Das ist das Übel und wird das Ende der Menschheit sein, wenn wir in diesem Glauben an den Superkapitalismus verbleiben.

Ein ökologisches, globales und wirtschaftliches Umdenken ist nötig und ich bin überzeugt, dass die Mehrheit der Menschen damit nicht teurer oder schlechter fahren würden. Stellt euch mal vor, man hätte die Boni auf alle Angestellten der UBS oder CS im letzten Jahr gleich verteilt, anstatt auf einige wenige, so hätten alle eine ordentliche Stange Geld mehr verdient und hat der oder die einfache Büroangestellte wirklich weniger zum Erfolg beigetragen als sein Chef? Oder Brady Dougan wirklich 70 Millionen Franken mal mehr?


Wir brauchen Lösungen. 1:12 von der JUSO schlägt einen Weg vor, den  Boni-Exzessen Einhalt zu gebieten. Die Clean-Tech Initiative der SP müsst ihr unbedingt unterschreiben, denn es braucht in Sachen Wirtschaft und Umweltschutz neue Ideen und dass wir das Referendum ergreifen müssen, gegen den Arbeitslosenversicherungsabbau der wiederum vor allem gegen die Jungen gerichtet ist, scheint ebenso klar.


Ende der Geschichten.

Wo führt das hin? Ich weiss es nicht genau. Im Moment sind die Probleme hinsichtlich der Marktwirtschaft und deren Arbeitnehmenden grösser, globaler und kritischer als auch schon.

Klar ist:

Wir brauchen Jobs, faire Löhne, faire Renten und mehr Gerechtigkeit. Der 1. Mai ist ein grosser Tag. Ein historischer Tag, aber auch der Tag der Arbeit heute. Der Tag, an dem die Arbeiterin und der Arbeiter sagen kann, was sie oder er denkt. Schliesst euch an. Sagt es ins Mikrofon, sagt es über den Tisch, sagt es mit eurer Unterschrift bei Initiativen und Referenden, eurem Nachbarn, an eurem Arbeitsplatz. Aber sagt endlich, wie ihr die Schweiz als Gewerkschafterin und Gewerkschafter und als SP Mitglied haben wollt! Das Motto insgesamt, hier lokal, im Kanton Bern und in der Schweiz lautet nämlich nach wie vor gleich: „Wir gegen die Bürgerlichen!“ Arm gegen reich. Wobei mit arm rund 85% der Bevölkerung gemeint ist. Hören wir damit auf, den Reichtum, den Besitz und die Macht nach oben umzuverteilen und setzen wir uns für mehr Gerechtigkeit ein.


Danke für die Einladung, merci auch für Speis und Trank. Danke für das Zuhören.