Freitag, 15. Oktober 2010

Kommentarkultur beim Newsnetz

Ich habe heute Morgen zum Bund und Tagi-Artikel "Die SP vergrault den Mittelstand" (der nicht in der BZ erschienen ist, aber auf www.bernerzeitung.ch online gestellt wurde) im sogenannten Newsnetz der Zeitungen einen Kommentar verfasst, der nicht veröffentlicht wurde. Das hat mich ziemlich verstört, da ich mich weder unflätig noch vulgär noch dergleichen äusserte und "nur" die Kompetenz dieser Art Journalismus - den Thesenjournalismus - "ich nehme mir alle Kantone und die Verluste der SP der letzten 3 Jahre zusammen und erkläre mir danach irgendwie, warum dieser wohl zustande gekommen ist mit verschiedensten (Stammtisch-)Thesen, obwohl der neuste Trend das Gegenteil dessen, was ich behaupte, zumindest in einer repräsentativen Umfrage gleich widerlegt" - angezweifelt.

Nun denn. Das wollten die Leute des Newsnetzes nicht veröffentlichen. Deshalb möchte ich mich hier ganz klar dafür entschuldigen, dass meine Kommentare zu aktuellen Geschehnissen einer Moderation bedurften. 'tschuldigung.

Interessant war auch, dass zumindest im Bund der Artikel zur Krise der SP oben stand und gleich darunter die Ergebnisse der 1. WählerInnenbefragung der gfs Bern. Fand ich persönlich bereits wieder amüsant. Oben das grosse Bashing und unten klein ein Tatsachenbericht.

Was ist denn eigentlich heute dieser Mittelstand? Falls es in der Auffassung des Journalisten diejenigen Menschen sind, welche ein Einkommen von über 250'000 CHF/Jahr generieren, dann pflichte ich dem Schreibenden bei, dass die SP diese vergraulen will.

Nun. Die SP eröffnete heute den Reigen der Parteienvorstellung vor den Nationalratswahlen in besagten Zeitungen. Vielleicht freut mich dann die Berichterstattung über die anderen Parteien (im Sinne von Schadenfreude), so wie mich heute die Darstellung der SP ärgerte, obwohl dies die Art des Journalismus' nicht wirklich verbessert. Und das sage ich euch als kritisches SP Mitglied. Als links-liberal Denkender, der als damaliger Unterstützer des Gurtenmanifestes sich auch schon anhören musste, dass er nicht rot, sondern bloss blassrosa sei in seiner Einstellung und doch die SP als diejenige Partei des echten Mittelstandes versteht.

Seid zudem versichert, dass bei mir jede und jeder kommentieren darf. 

Kommentare:

Mark Balsiger hat gesagt…

@ Reto

Gut, dass du das hier öffentlich machst. Noch besser wäre es, wenn du den Newsnetz-Leuten eine Mail - oder wenn das nicht hilft, einen Brief - schreiben würdest. Es darf nicht sein, dass Kommentare von dir unterdrückt werden. Deine Äusserung war zweifellos anständig. Was man ja von vielen Kommentaren nicht behaupten kann.

Die Kommentarkultur auf Newsnetz und in einigen anderen Onlineplattformen ist problematisch. Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb die Redaktionen nicht schon lange reagierten. Das hinterlässt mehr als nur einen Imageschaden.

Reto M. hat gesagt…

@ Mark:

Du hast Recht. Ich schreibe dem Newsnetz eine Email und verweise auf meinen Blogeintrag. Der Vollständigkeit halber erwähne ich hier auch noch einen Kommentar, der auf den gleichnamigen Facebook-Artikel einging:

„Die Kriterien der Moderation im Newsnetz sind undurchsichtig. Das löschen von Kommentaren wird wohl von Praktikanten erledigt. Was aber nie veröffentlicht wird: Kritik am Tamedia-Journalimus. Man darf SVP bashen und auch sonst rumlärmen dort. Aber nie die Kompetenz der Journalisten in Frage stellen.“

Andi hat gesagt…

Ich habe nie ganz begriffen, nach welchem System da moderiert wird - mir wurden teils völlig normale Kommentare zensuriert, dagegen andere recht böse freigeschaltet, und selbst Newsnetz-Schurnalismuskritik sieht man ab und zu.

Vermutung: Die grosse Willkür - je nach dem wieviele und welche Personen anwesend sind. Dass auf diese Art und Weise keine guten Diskussionen stattfinden können, versteht sich von selbst. Im Idealfall gäbe es eine Art ("senior") TagesredaktorIn, die sich sogar aktiv in die Diskussion einmischt.

Aber so wie heute ist das einfach bloss das altbekannte Newsnetzgebastel bzw. - wie Mark treffend sagt - mehr als ein Imageschaden.

Aber à propos Kommentare: Ich schreib jetzt dann mal einen Blogartikel über "die Unmöglichkeit, bei Blogger-Blogs innert vernünftiger Zeit einen Kommentare verfassen zu können". Zuerst mal wird man auf ne eigene Seite geleitet, dann muss man ein Captcha abtippen, eine Identität auswählen, eine Funktion zum Abonnieren weiterer Comments existiert nicht... nä-ä.

Reto, Du kannst dich vertrauensvoll für ein schönes Wordpressblog an mich wenden! blogger.com ist Chinderlizügs ;)

Reto M. hat gesagt…

ah, ja! müsste man da wohl am besten sagen, oder Andi? ;-)

Ich weiss. Ich weiss. Ich war Blogspot-Pionier in der Schweiz. Und irgendwie hänge ich heute noch an dem Teil wie ein alter Kaugummi am Schulpult des Lehrerseminars, das ich einst besuchte.

Dass ich selbst mittlerweile auch etwas anders könnte, mögen die Seiten www.retomueller.be oder das neueste Gratisgebastel auf http://server43.hostpoint.ch/~jztbch/imfallinlangenthal.ch/home/
zeigen. Danke trotzdem für das Angebot und deinen Kommentar Andi. Ich bleib, wo ich begann, auf Blogspot und sollte ich nicht mehr wollen, werde ich das hier auch beenden.

Ich habe bernerzeitung-online nun mal Folgendes geschrieben:

Werte Damen und Herren

Dürfte ich Sie bitten, mir die Richtlinien, nach welchen Sie die Prüfung zur Veröffentlichung von Onlinekommentaren vollziehen, zu erklären?
Ich habe gestern einen Kommentar verfasst, welcher nicht veröffentlicht wurde, obwohl er anständig verfasst war.

Weiteres entnehmen Sie bitte meinem Blogpost unter:
retomueller.blogspot.com

Gerne veröffentliche ich dann auch Ihre Stellungnahme.

Freundliche Grüsse,

Reto Müller


P.s. Danke auch für die Berichterstattung vom Tunneldurchstich, welche ich interessiert auf deinem Blöök eehh Blog verfolgte.

Diana Kennedy hat gesagt…

Eine Kommentar-Moderation sollte immer nachvollziehbar, transparent und geradlinig sein. Klare Regeln, was veröffentlicht wird und was nicht und wer sich an die Regeln hält sollte auch veröffentlicht werden, sonst ist das Willkür. Naja, im www ist es nicht selten dass Admins sich mit der Zeit in eine Art Machtfanatsie hineinsteigern und nur nach ihrem Gusto herrschen.

Andi hat gesagt…

Ich kämpfe mich nun also wieder durch die Captchas und weiteren Angaben hier... nostalgische Gründe ziehen natürlich bei mir immer als Ausrede :)

Und - gern geschehen wegen der NEAT. Es war wohl der letzte Tag hier oben in meinem Leben, an dem es sich lohnte, liveblogging zu machen. Ausser Moritz' Bemerkung "die Porta Alpina ist für mich nicht abgeschrieben" war tatsächlich ernst gemeint...