Montag, 4. Oktober 2010

1 Jahr im Gemeinderat. Was nun?

Ich habe mir das wirklich gut überlegt, was man nun schreiben könnte, wenn man 1 Jahr einer Exekutive einer Stadt angehört, die ihr Dasein meist ziemlich durchschnittlich - aber gut - im Mittelland dieser Schweiz damit erklärt, dass sie hohe Trottoirs, einen tiefen Steuersatz, seit kurzem einen Bundesrat, unzählige Vereine und ein überdurchschnittliches Produktionsgewerbe aufzuweisen hat. Was du nun persönlich dafür oder dagegen getan hast, dass sich das eine oder andere in dieser Stadt verbesserte, verschlechterte oder schlicht verändert, spielt hierbei eine weitaus kleinere Rolle, als die Tatsache, dass es schlussendlich nicht relevant ist, in unserem System, wer genau an welcher Stelle sitzt - oder welches Departement oder Ressort zugeteilt erhält. Ob diese Meinung von unserem Mikrokosmos Gemeinderat auf den Bundesrat zu übertragen ist, wage ich allerdings nicht zu behaupten.

Alle erfüllen ihren Teil, sowohl in der Regierung, wie auch in der Verwaltung. Und ich darf mit Stolz und zu Recht behaupten, dass die Menschen, welche mir in meinem Ressort (mehr oder weniger zufällig) zugeteilt wurden, dies erfolgreich, mit grossem Elan und Begeisterung für die Menschen, die sie betreuen, tun. Ohne ihren Einsatz wäre ich verloren. Ohne sie wüsste ich oft gar nicht, worum es ginge. Auch wenn ich dann am Ende als eine Art Lichtgestalt - oder die FdP nannte dies einmal Leuchtturm - in der Öffentlichkeit, im Stadtrat, in der Zeitung oder sonstwo stehe und entweder die Arbeit des gesamten Gemeinderates oder meines Ressorts präsentiere oder vertrete, bin auch ich nur ein Teil, vielleicht ein ziemlich zufälliges Teilchen innerhalb des Gesamten. Zufall, weil wer stellt sich heute für ein politisches Amt überhaupt noch zur Verfügung? Ich sagte immer, die Wahlen in der Politik sind massgeblich dadurch beeinflusst, dass eine Selektion der Besten stattfinden sollte, die aber nur (noch) aus der Selektion derer besteht, die sich überhaupt noch wählen lassen wollen.

Sind wir somit ein letztes Grüppchen derer, die nicht "Nein"-Sagen konnten, als sie von einer Partei angefragt wurden, in eben dieser mitzutun, als sie von der Partei gefragt wurden, ob sie für ein Amt kandidieren möchten, um nachher im sogenannten Prestige - einer Würde des Amtes - für das Volk, in einer Art: "Wir sind alles Freiwillige im selben Boot und so werden wir auch bezahlt und bringen trotzdem alles unter einen Hut - erfolgreich zu politisieren, im Beruf weiterhin zu bestehen und das Privatleben nicht zu vernachlässigen?".

Worin besteht also der Gewinn, dass man sich zusätzlich Neidern (da gibt es plötzlich eine Menge, die das zwar nicht artikuliert und dich doch auf der Abschussliste hat) und denjenigen Personen ausstellt, die schon auf Grund dessen, dass man einer Partei angehört, die bei einer Stimmbeteiligung von maximal 40% noch von 20% gewählt wird - also faktisch und praktisch niemandem - scheinbar eine Politik macht und vertritt, die nicht diejenige ist, welche wählbar scheint?

Nun. Die Antworten auf diese Fragen, die ich nun etwas pessimistisch aufrührte, gibt es nicht.

Es sind der Enthusiasmus, die Ideologie und der Glaube daran, die in mir nach wie vor ungebrochen sind, dass ich etwas für diese Gemeinschaft tun kann, abgesehen davon, dass auch ich nur ein kleiner Teil im ganzen System bin, das diese Stadt, die Schweiz und unsere Gesellschaft ausmacht. Ich kann weder das System, noch die Sensibiltät für die Politik, noch die Menschen ändern, die nicht gut finden, was ich oder wir machen. Daher wäre es jetzt müssig aufzuzählen, was ich in diesem Jährchen bereits getan habe oder was ich beabsichtige, noch tun zu wollen. Denn das Ziel ist und bleibt, dass ich mich bis zum Ende meines politischen Amtes voll und ganz einsetzen will, um meinen Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat, den Mitarbeitenden im Kinderheim, im Altersheim, im PvB maxi.mumm, auf dem Sozialamt und den zahlreichen Menschen, die auch ein wenig von meiner Politik abhängen, das zurück zu geben, was sie mir in ihrem Alltag oft anvertrauen: Ihre wertvolle Arbeit und Vertrauen.

Nach einem Jahr im Gemeinderat habe ich vor allem eins zu tun: Dankbar zu sein.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

ich hätte da eine Anmerkung, die bewachte Velostation am Bahnhof war mal gut, aber sie ist es nicht mehr, der Pfupf ist draussen, kann man das wieder ändern?

Reto M. hat gesagt…

insofern die Beschreibung, was den Pfupf genau anbelangt, präzisiert wird, kann man da unter Umständen etwas machen.
Die bewachte Velostation gehört zum PvB maxi.mumm in Roggwil, einer Institution der Stadt Langenthal, in meinem Ressort beheimatet.

Also. Was soll sich verbessern? Was hat sich verschlechtert?