Montag, 20. September 2010

Wer im Glaspalast* sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen...

Ich bekam in den letzten Tagen von verschiedensten Seiten Signale, dass ich doch das Bloggen wieder aufnehmen solle. Unter anderem formulierten auch Parteifremde und trotzdem "Freunde", dass ich mich doch wieder einmal zu Wort melden sollte. Zumindest meine ich, dass es der Verlinkte ist, denn Michael Jägers scheint es in diesem Internet wie Reto Müllers in der Schweiz zu geben.
Der Entschluss mich still und heimlich mal von der Blogosphäre zu verabschieden, fiel eigentlich in Raten und auch nicht leicht. Seit ich dieser Exekutive, die in unserer Stadt Gemeinderat genannt wird, angehöre, hat einfach die Anzahl Fettnäpfchen in welche man treten könnte, bei Aussagen, welche man jetzt oder künftig politisch tätigt, ungemein zugenommen. Wer geht schon gerne freiwillig über ein Minenfeld? Und da es nicht meiner Art entspricht, wenn ich etwas sage, nicht dasjenige loszuwerden, was mich beschäftigt, musste ich andere Ventile finden: Jammern bei der Freundin sei als eines der Beispiele genannt.

Bestärkt wurde mein Verhalten dadurch, dass ich mich mit anderem, verbloggtem Dorfgeschwätz konfrontiert sah, das es dann gar noch in die Berner Zeitung (*Kopf schüttel*) schaffte. Ganz abgesehen davon, dass aus meiner Sicht, auch eigene Blogeinträge völlig verzerrt in die Holzmedien übertragen wurden (aber das Gejammer kennt ihr). Natürlich fand man - für den erwähnten Beitrag - für die Onlineausgabe auch noch ein passendes, schreckliches Archivbild. Merci, Redaktion. Und natürlich ist an den Vorwürfen nichts dran. Ich bin nun seit 5 Jahren stolz auf Macintosh unterwegs und die Schule auf Windows. Die Lizenzen, die ich als Lehrer privat erworben, bezahlt und unter den ehrlichen Angaben gar so weit registriert habe, als dass eben unter Organisation als freiwillige Angabe im fünften oder vierten Register bei den Dokumenteneigenschaften gar die Schule eingetragen ist, wenn man sie nicht von Hand rauslöscht, gingen ja sogar so weit, als dass ich sie für gewerbliche Zwecke einsetzen dürfte! Nun. Habe nun einen neuen Mac und beim erneuten registrieren MEINER Software keine Organisation mehr eingegeben. Man lernt halt nie aus. Es gibt viele Erklärungen, welche sich über das Vorgehen besagten Bloggers, winden, welchen ich aber hiermit nicht näher nachgehen möchte, um zu vermeiden, dass ich mich auf dasselbe Niveau herab- oder herauflasse (Frage des Standpunktes). Aber zu meiner eigenen Sicherheit habe ich mich an diversen Orten erkundigt, um mehr in Erfahrung zu bringen und auch Gesprächsbereitschaft signalisiert im Falle, dass noch Fragen bestünden, falls jetzt nicht Ruhe einkehrt. Hier würde das Zitat mit dem Glashaus wiederum lohnen, was ich aber nun nicht mehr wiederhole, da es schon im Titel steht.

Nun stellt sich die Frage: "Wozu oder warum bloggt man?"

Ich weiss. Ich habe mit meinem Bloggen - dazumals - auch schon Menschen vor den Kopf gestossen. Sie mit meiner subjektiven Wahrnehmung der Wahrheit konfrontiert, welche eventuell nicht derjenigen entsprach, welche die eigenen Rezeptoren aufzunehmen gewohnt waren. Aber ich habe oft versucht, mit den Menschen in Kontakt zu treten und mit ihnen einen Dialog zu beginnen.
Heute werde ich deshalb manchmal gefragt: "Wo ist deine provokative Ader, die du als Stadtrat noch hattest?"
Und ich weiss es nicht. Sie ist in der Exekutive halt schlicht nicht mehr gefragt. Heute geht es zum Beispiel darum, dass ich für eine Stelle eines/einer Jugendbeauftragten im Stadtrat kämpfen muss. Emotional zwar, aber sachlich und fundiert. Da bringt es nichts, die Menschen vor oder während der Debatte, inner- oder ausserhalb der virtuellen Welten zu brüskieren. Es erscheint mir heute sowieso nicht mehr als Gewinn, sich mit Halbwahrheiten und Scheinlösungen in einem Wortewettbewerb zu duellieren. Politik kann als Poetry-Slam durchaus manchmal Spass machen. Doch wer in der Verantwortung eines 35 Millionen-Haushalts und über 100 Mitarbeitenden steht ("alleine" in seinem Ressort), dem vergeht die Lust am Fabulieren durchaus rasch. So zumindest erging es mir.

Es könnte aber durchaus sein, dass ich in dieser Phase, die ich ohne mein Bloggen durchlebte nun dann bald zum Schluss kommen könnte, dass es eventuell eine andere Form annehmen könnte. Ich könnte zum Beispiel Bericht erstatten, wie ich die Delegationsteilnahme im Bundeshaus bei der Wahl der neuen Bundesräte oder -innen erlebe. Ich freue mich auf jeden Fall auf dieses Erlebnis. Wir werden sehen.

Danke auf alle Fälle an alle, welche den bloggenden Reto M. in irgendeiner Form vermisst haben.

*übrigens: Glaspalast nennt der Volksmund das Verwaltungsgebäude der Stadt Langenthal.

Kommentare:

Priska hat gesagt…

schön, schreibst du wiedermal. Auch wenn ich den physischen reto.m meist mehr vermisse bzw. schätze, so lese ich immer noch gerne deinen Blog. Und ich bin überzeugt, dass du auch als Gemeinderat interessante Zeilen bringen kannst, ohne anzuecken!
Weiter so!

Adrian Wüthrich hat gesagt…

Ciao Reto! Auch ich habe mit Interesse einer Deinen in letzter Zeit seltenen Einträge gelesen. Fehr oder Sommaruga? Schneider oder Keller? Wir werden sehen. Gespannt bin auch ich... Gruess, Ädu

Reto M. hat gesagt…

@ Priska:
Danke, danke, dass du immer Verständnis hast, auch wenn ich nicht immer verständlich bin. ;-)

@ Adrian:
Ich sage immer: Vielleicht kommt es anders oder vielleicht doch so, wie alle denken. Wir werden sehen. Du sagst es. Bei Mark Balsiger wird's heute konkret: http://www.wahlkampfblog.ch/?p=3638
Das gefällt mir aber nur zu 50%!

Diana Kennedy hat gesagt…

Puh, dieser schmierige "Enthüllungsartikel" ist ein Grund, warum ich nie in die Politik möchte. Gegner könnten rausfinden, dass ich mit 12 mal eine Schulschere mitgehen liess...
Im Ernst, das ist halt typischer Klientel-Journalismus. Für Leute, die Dich in erster Linie deswegen bescheiden finden, weil Du bei der SP bist und nach lesefutter ungern, die ihre nsicht untermauert. Um Substanz geht es da gar nicht, nur um's Fingerzeigen. Dem einigermaqssen unvoreingenommen wäre es vermutlich sogar wurscht, wenn Du wirklich Schul-PCs "zweckentfremden" würdest. Wer hat noch nie einen privaten Brief im Büro geschrieben? Sich ein Armband aus Büroklammern geflochten? Seinen Arsch fotokopiert? Es gibt wichtigeres.

Reto M. hat gesagt…

@ Diana:
Aiaiai... eine Schulschere! Tststs...
;-)
Sämtliche Rückmeldungen, welche ich bekommen habe, gehen in dieselbe Richtung, welche du auch betonst. Ich danke dir auch für deine.