Sonntag, 26. September 2010

Langenthal die Schlöf, der Stadt Bern die Reithalle

Der Souverän hat entschieden. Beidenorts in ungefähr denselben Verhältnissen. 2/3 dafür, 1/3 dagegen. Langenthal darf auch weiterhin eine Kunsteisbahn betreiben und die Reithalle in Bern wird nicht an den Meistbietenden verschachert. Beide Ergebnisse machen mir Freude.

Auch wenn dies im Falle von Langenthal die Stadt teuer zu stehen kommt: Maximal 607'000 Franken pro Jahr wird Langenthal nun künftig investieren und zudem die Schulden tilgen, welche auf 2,225 Mio. Franken aufgelaufen waren, sowie eine Zusatztribüne für 670'000 Franken abkaufen, welche der Schlittschuhclub einmal finanzierte und einbaute (und die seither bei den Spielen eigentlich praktisch immer leer steht und die Stadt zum freien Eislaufen und Schulsport auch nicht bräuchte). Trotz aller Kritik an der Vorlage, die auch ich mir in der Klammerbemerkung nicht ganz verkneifen kann, bin ich heute sehr glücklich darüber, dass die 38,5% der stimmberechtigten Langenthalerinnen und Langenthaler, die zur Urne schritten,  so entschieden haben. Langenthal braucht eine Kunsteisbahn. Langenthal braucht die Sportstätten! Ich bin froh, dass wir weiterhin vom Stadion über die Hallen bis hin zur Kunsteisbahn ein breites sportliches Angebot für die Bevölkerung bieten können. Schliesslich sind genügend Vereine in Langenthal aktiv und kümmern sich mit viel Elan und freiwilliger Arbeit um sportliche Nachwuchsförderung und Jugendarbeit. 2 Aspekte des Sporttreibens, welche nicht zu vermissen wären. Natürlich sollte die Stadt, welche der KEB AG nun aus der Finanzpatsche geholfen hat, künftig gebührend strategischen Einfluss nehmen können und natürlich werden wir der stadträtlichen Meinung nachgehen, die im Volksbeschluss Ziffer 4 heute auch angenommen wurde, dass die Eigentumsverhältnisse mit den zig Kleinaktionären geklärt werden muss. Grundsätzlich sollte nun von der KEB AG überprüft werden, wie eine Kunsteisbahn am Standort Langenthal und explizit im Schoren möglichst effizient und kostenneutral (sprich ökologisch-ökonomisch) betrieben werden kann. Das ist meine Erwartung.
Wenn mir Gerüchte zu Ohren kommen, dass der SCB im August bereits im Schoren trainiere, weil es in Bern noch zu teuer sei, um Eis zu machen, dann frage ich mich als bescheidener Bürger auch, was das soll. Aber vielleicht war's nur ein böses Gerücht und nichts Wahres dabei. Das Geld der Stadt sollte aus meiner Sicht nun keineswegs einen Freipass aus dem Verteidigungsdrittel darstellen (der meist in überlaubtem "Icing" endet), sondern auch hier gilt, dass man aus einer soliden finanziellen Defensive nun zum kontrollierten Angriff übergehen kann. 

Was die anderen Abstimmungen anbelangen, so darf festgehalten werden, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger im Kanton Bern (deutlich) keine Gemeindeautonomie im Ausländerstimmrecht wollen und dass die Schweiz (präziser die Deutschschweiz) wohl das einzige Land auf dieser Erde bleibt, das freiwillig für höhere Beiträge und weniger Leistung bei der Arbeitslosenversicherung stimmt und zudem für ein Recht ist, das die Gutverdienenden massiv bevorteilt. Ich wage zu behaupten, dass eine solche Vorlage in Frankreich zu üblen Demonstrationen geführt hätte, in der Schweiz aber mit grossem Mehr passiert. Wir sind halt anders...

(P.s: Dieser Eintrag erscheint automatisch frühestens um 18.05 Uhr, da um 18 Uhr eine Pressekonferenz stattfindet und sich die Mitglieder des Gemeinderates zur KEB-Abstimmung erst ab diesem Zeitpunkt äussern.)

1 Kommentar:

Diana Kennedy hat gesagt…

Bei uns in F wäre allein schon der Vorschlag einer solchen Vorlage der Anlass, mindestes fünf Städte in Schutt und Asche zu legen ;-)

Das Resultat zeigt natürlich die unterschiedlichen Mentalitäten, und Lebensvoraussetzungen in CH: In der Ostschweiz gibt es tendenziell weniger Arbeitslose - nicht etwa, weil es dort an Arbeitsplätzen nur so wimmelt, sondern weil die alteingesessene Bevölkerung seit Generationen ein jeder sein Büdeli hat, sein Handwerk, seine Verbindungen - sein Auskommen eben.
Klar, dass für Elektrofachgeschäft Sepp Kalbermatten in Stanstad Arbeitslose nur faule Säcke sind. Dagegen steht die Realität der urbanisierten, wurzellosen Gesellschaft in Städten wie Genf oder Basel-Stadt. Die Realität der Mietwohnungen, Bürojobs und Grenzgängergeplagten Schatten, ohne Namen, ohne Erbe, ohne nichts.