Dienstag, 16. März 2010

Keine Sexmesse in unserer Stadt

Tja. Normalerweise ist das ja umgekehrt. Ich blogge hier und das Gebloggte erscheint als Notiz dann automatisch unter meinem Facebook-Account. Da ich nun bereits über eine Stunde surfte und las und schrieb und begründete und erklärte und schrieb und schrieb, reicht mir heute als Zusammenfassung in diesem Gefäss mein FB-Status:
Was machst du gerade?

Reto Müller

Reto Müller verteidigt den Entscheid des Langenthaler Gemeinderates in Sachen Erotikmesse in diversen Foren und Threads und staunt über die hohen Wellen, welche solch ein Thema wirft. Die Reaktionen reichen von: "Bravo!" bis zu "scheinheilige Füdlibürger!"

 

Wer sich näher erkundigen möchte, kann via Funk und Presse heute praktisch alle Kanäle besuchen, um fündig zu werden.
Zum Beispiel: BernerZeitung, Blick, 20 Minuten und Radio32.

Auch dieser Sturm geht vorüber. Noch offen bleibt, was uns der (nicht mehr) erotische "Spass" nun kosten wird.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Und als Bürger dieser Stadt will ich wissen wer nicht zu der Messe ja gesagt hat, denn der und dessen Partei ist ab sofort unwählbar für mich und wird politisch bekämpft. Ich bin mir sehr wohl bewusst das die Scheinheiligen Ja-Verweigerer nicht verstehen was sie mir mit ihrer Weigerung angetan haben, mich ganz persönlich für den Nichtbesuch dieser Messe zu entscheiden.

Jedenfalls erhält von mir bis auf weiteres keine Partei eine Stimme, welche sich nicht öffentlich von diesem Gemeinderats-Bescheiden distanziert.

Reto M. hat gesagt…

Ein anonymer Schreiberling in diesem Blog möchte also konkrete Details über die (im übrigen) geheimen Abstimmungen des Gemeinderates, ansonsten er keine Partei mehr wählt?

Ich lach' mich krumm.

Viel Vergnügen beim Nichtwählen. Ein erster Schritt wäre zum Beispiel sich zu erkennen zu geben.

Ach? Das wäre viel zu beschämend?
Erkläre mir doch erst mal, was wir dir denn konkret angetan haben, dass du jetzt nicht an die Erotikmesse darfst?

Anonym hat gesagt…

Treffer versenkt ;-) nicht keine Partei nur nicht mehr SVP,FDP/JIL, EVP/glp/edu, SP/grüne habe ich eine Gemeinderatspartei oder einen ihren Fraktions/Wahlpartner vergessen? möglicherweise aber distanziert sich ja noch die eine oder andere der aufgezählten Parteien oder eine der beiden 7+13 anderen nicht vertretenen/verbandelten Parteien als nicht so freigiebig mit unseren Steuergeldern. Gerade bei solchen Abstimmungen sehe ich im übrigen das "GEHEIM" bei Gemeinderadversammlungen als extremes Problem. Hätte man die Messe mit den gegebenen Auflagen durchführen lassen, wäre sie wohl fast sicher zum Flop geworden, jetzt bezahlt einfach die Bevölkerung der Stadt Langenthal an eine umstrittene Branche. Aber wer weiss, wenn die Damen und Herren Gemeinderäte ihre Argumente auf den Tisch legen könnten sie mich vielleicht sogar überzeugen. Zur Zeit jedenfalls sind meine Wahlzettel noch leer und die Parteien und Personen haben noch 12 Tage Zeit mich von Ihrer Redlichkeit zu überzeugen. Ich hoffe nur es machen das auch noch viele andere Wähler, sich nicht nur von schönen Worten bei den Versammlungen und Texten einlullen zu lassen, sondern die zu Wählenden auch an ihren Taten zu beurteilen. ach ja sobald sich zwei oder mehr der Gemeinderats Mitglieder offiziell dazu entschliessen sich zu ihrem Abstimmungsverhalten zu bekennen, lasse ich mir von google ien neues Passwort zukommen und logge mich mal wieder ein.

Diana Kennedy hat gesagt…

Auch wenn es mir persönlich in hundert Jahren nicht einfiele eine Sex-Messe zu besuchen - vorallem, nachdem man das Foto des Vorsitzenden und Porno-Darsteller gesehen hat, welches alles, ausser erotische Gefühle wekt ;-) - so frage ich mich doch nach den nachvollziehbaren Gründen für das Verbot.


War kein pragmatischer Mittelweg möglich? zB Auflagen in Sachen tolerierbarer und nicht mhr tolerierbarer Elemente des Programmes (Ausstellungstücke, Live-Sex, usw)

Markus P. hat gesagt…

Das ganze Getue ist einfach nur lächerlich und peinlich. Wer nicht an die Messe gehen will, soll es einfach lassen. Niemand muss daran Gefallen finden.

Aber einigen Leuten genügt das scheinbar nicht, sie sehen sich in der Position, allen anderen erwachsenen Menschen auch vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben.

Nach dem Motto: was mir persönlich nicht passt, soll auch niemand anderes haben, also wird es verboten.

Anonym hat gesagt…

In knapp zwei Wochen sind Wahlen. Und die Grossratskandidaten D. Steiner und Rufener sind - Amor sei Dank - in allen Medien vertreten. Ist doch legitim. Punkt, Schluss.

Genosse hat gesagt…

Hey Reto, jetzt nimmts mich aber doch auch wunder, wie du diesen Entscheid verteidigst. Die Auflagen wären ja mit Höschen und BH schon recht streng gewesen. Was also war das Problem?
Steiner sorgt sich um den Ruf von Langenthal, der schon unter der Minarettdebatte und den Nazis leide. Nun, wenn der Gemeinderat dieser Argumentation folgen wollte, warum toleriert man dann überhaupt die Nazis immer noch? Diese nerven mehr und länger als eine 3-tägige Erotikmesse...
Also was waren die Argumente?

Markus Meyer hat gesagt…

Mir machts immer Mühe, wenn die Spielregeln nachträglich geändert werden. Und das ist ja hier offensichtlich der Fall.

Rechtssicherheit, das Einhalten unserer selber gemachten Regeln auch durch die Behörden ist ein Gebot der Fairness. Auch gegenüber Sex-Messe-Organisatoren oder Minarett-Bauern.

Aber ich weiss, ich bin halt einfach zu liberal...

Noch etwas: Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden!
http://deutsche-geschichte.suite101.de/article.cfm/die_freiheit_des_andersdenkenden

Reto M. hat gesagt…

@ Markus:
Wer die Spielregeln nicht kennt, sollte sich zum Spiel nicht gross äussern. Das nervt nur diejenigen, welche am Spielen sind. Die Rechtssicherheit wurde mitnichten vom Gemeinderat angetastet. Punkt.

@ alle:
Die Forderungen nach den Argumenten des Gemeinderates, die ich hier bitte abzugeben hätte, kann ich nicht befriedigen, denn die Beratungen sind nicht öffentlich. Ergo ergeht hiermit auch nur die Kommunikation, welche bereits der Presse entnommen werden konnte.
Der Gemeinderat duldet in keiner städtischen Anlage eine Erotikmesse.

Meine Fragen an euch: Ist es wirklich sinnvoll, eine Messe nach Langenthal - in eine öffentliche Anlage zu holen - welche in Bern im privaten Umfeld der BEA Bern Expo durch den Veranstalter nicht mehr erwünscht war? Trotz des scheinbar grossen öffentlichen Interesses stellt sich hier denn auch gleich die zweite Frage, ob die Veranstaltung einer Sexmesse echt eine öffentliche Aufgabe darstellt?

Ich mag jedem privaten Anbieter die Messe gönnen. Ihr werdet bei Amor sicher auf offene Ohren stossen...
das ist ein Geschäft. Aber keines für eine Stadt.

Diana Kennedy hat gesagt…

Zu Deiner Frage:

Dass eine Sex-Messe ungefällig sein kann und in einer öffentlichen Halle abgehalten, vielleicht auch zusätzlich falsche Signale sendet, ist mir schon klar.
Und ganz ehrlich, ich wollte sie auch nicht in "meiner" Stadt. Nicht aus Prüderie, sondern wegen der so angelockten Klientel, welche tendenziell suboptimal rüberkommt.

Dass aber von allen Seiten handfeste, objektive Begründungen gewünscht werden, ist aber ebenso nachvollziehbar.

Gerade Verbote und Absagen sollten jederzeit gut begründbar sein. Sonst werden sie als Willkür aufgefasst.

Reto M. hat gesagt…

Liebe Diana:
Ich kann deine Ausführungen 1 zu 1 verstehen. Doch ich muss in dieser Sache, was handfeste Aussagen betreffen, sagen, dass zwar ein öffentliches Interesse herrscht, darüber zu diskutieren, dass aber gewisse verlangte Informationen nicht für die Öffentlichkeit (zumindest vorerst) bestimmt sind, sondern zuallererst für die Betroffenen und wenn dann später, dieses Blog nicht das richtige Organ wäre, um diese erwünschten Infos zu verbreiten. Ich bin nicht einmal die richtige Person...
wir haben eine Pressestelle. Offiziell. Wie sich das für eine Stadt gehört. ;-)

Ich kann deine Aussage:
"Gerade Verbote und Absagen sollten jederzeit gut begründbar sein. Sonst werden sie als Willkür aufgefasst.", aber effektiv sehr gut verstehen. Es ist ein heikler Bereich und ich hoffe, dass wir in der Zukunft nicht mehr mit solchen konfrontiert werden.

Genosse hat gesagt…

Reto, du argumentierst damit, dass die Erotikmessse auch in Bern nicht mehr erwünscht war. Gut, du verschweigst allerdings die Hintergründe. In Bern wollten sie anlässlich dieser Messe live Sex zeigen. Verständlicherweise führte das zu Protesten und diese dazu, dass die Messe nicht mehr erwünscht war. Von solchem live Sex war aber in Langenthal niemals die Rede. Sonst hätte ich die ganze Aufregung ja noch verstanden.

Deine Frage, ob die Veranstaltung einer Sexmesse eine öffentliche Aufgabe darstellt, ist gut. Die öffentliche Aufgabe ist natürlich nicht das Veranstalten von Messen, sondern das zur Verfügung stellen von Räumlichkeiten für solche. Oder soll es jetzt in der Markthalle keine Messen oder andere Anlässe mehr geben, weil das keine öffentlichen Aufgaben sind? Für Pubfest ähnliche Massenbesäufnisse wird die Markthalle ja auch zur Verfügung gestellt. Jetzt müsste man auch Fragen, ist das organisieren von Massenbesäufnissen eine öffentliche Aufgabe?

Meine Freundin und ich wären jedenfalls gerne vorbeigegangen. Naja, ich komme sowieso immer etwas suboptimal rüber. Wie es Frau Kennedy sagen würde.

daniel.steiner.evp hat gesagt…

Steiner-Rufener-Müller = prüde

J.P. Love = armer, hintergangener, vertrauenswürdiger Organisator einer harmlosen Kaninchenzüchter-Ausstellung

ergo: Partei ist für J.P. Love zu ergreifen


Hand aufs Herz: Ist es wirklich so einfach?

Fakt ist (immer noch):
- Langenthal braucht einfach keine solche Veranstaltung, schon gar nicht in einer städtischen Liegenschaft.
- J.P. Love ist eine höchst illustre Persönlichkeit. Was an ihm erotisch sein soll, entzieht sich meiner Wahrnehmung.
- Schliesslich: Wer sich gegen die Veranstaltung ausspricht, ist nicht automatisch prüde. Und umgekehrt...

Bruno hat gesagt…

Langenthal hat eine Pressestelle? Ist mir irgendwie entgangen. Aus naheliegenden Gründen.

Im Ernst: Das war ein absoluter Fehlentscheid. Der eigenen Verwaltung fällt man nicht so in den Rücken. Und wenn man doch einen solchen Entscheid fällt (was durchaus legitim und zu akzeptieren ist), sollte man ihn NIE NIE auf diese traurige Art und Weise kommunizieren.

Man hätte ganz handfeste Gründe finden können, um den Vertrag aufzulösen. Schon allein die Website der Veranstalter ist ein Indiz dafür, dass mit den Organisatoren wohl etwas nicht stimmt.

Fazit: Erst nachdenken, dann entscheiden, dann nochmals nachdenken, dann kommunizieren. Das ist die korrekte Reihenfolge.

Und für alle E-Messe-Fans: Es gibt ja noch das Original vom Technopapst.

;-D

Diana Kennedy hat gesagt…

@Genosse: Ich sagte "tendenziell suboptiomal" ;-)

Tendenzen sind keine Konstanten.