Sonntag, 7. Februar 2010

Bumm-Bumm-B...anga

Nun, da hat jemand ziemlich locker aus der Tastatur-Hüfte geschossen und sich dabei selbst getroffen. Die scheinbar diffamierenden Kommentare vom Computer des Stadtpräsidenten in Grenchen, verfasst von seiner Frau auf dem Portal grenchen.net, schlagen in den Regionalmedien Solothurns, zu derer Leserschaft wir hier "oben" im Oberaargau meist auch verknurrt werden, recht hohe Wellen. Ebenfalls andere Kurzleserschaftsbotschafter schalten sich in die mediale Kampagne ein.

Warum?
Scheinbar geht es primär darum, den Stadtpräsidenten Grenchens los zu werden, auf Grund seiner eigenen, seiner Frau oder beider Naivität im Umgang mit Internetforen und Möglichkeiten des Web 2.0. Schon oft habe ich mich gefragt, wie dumm oder naiv einige Kommentarschreibenden in diesem meinem Blog sind und schon oft habe ich mich gefragt, warum sich einige - in der scheinbaren Anonymität des Internets - Aussagen erlauben, die sie auf offener Strasse nicht machen würden, einhergehend mit meinem eigenen Wissen und den IP-Adressen derer in der Hinterhand, welche solche Dinge ohne grosses Überlegen von sich gehen. Mein lieber Boris Banga und/oder seine Frau, was du/ihr im Internet auf Blogs tut und hinterlasst, ist nie und nimmer anonym. Ich weiss, dieser Hinweis kommt zu spät, aber trotzdem ist es als erste Reaktion falsch und ebenso naiv (wohl erst mal) zu behaupten, der eigene Computer sei wohl gehackt worden und man werde eine Strafanzeige einreichen.

Solche Dinge können einem als Politiker allzu leicht den Kopf kosten. Eigene Unannehmlichkeiten in Sachen freie Meinungsäusserung via dieses Blog über andere Politiker habe auch ich zugegebenermassen bereits erfahren müssen. Seit ich nun der Exekutive angehöre, unterlasse ich selbiges tunlichst, was sich zwar negativ auf meine Lesendenzahlen auswirkte, hingegen meiner eigenen (undefinierten) politischen Zukunft wohl nicht zu sehr abträglich sein wird.

Ein Blick auf besagtes Portal von Grenchen.net macht mein Unverständnis für das Vorgehen aus dem Hause Banga noch viel grösser. Die Einträge sind schlecht - sie bersten teilweise vor Rechtschreibfehlern und dann sind Werbeinträge für X-Boxes und Selbermach-Fingernägel eingestreut. Das Portal hat auch sonst mehr Werbung als ein Formel 1 Wagen. Die Kommentarzahlen (zumindest auf den ersten 4 Eintragsseiten) sind gar noch tiefer, als in meinem bescheidenen Provinzblog.

Warum also jemand das Risiko mit anonymen Einträgen auf sich nimmt, um in einem solch unbedeutenden Portal seinen eigenen oder denjenigen seines Mannes Beruf zu gefährden?
Ich weiss es nicht. Ich verstehe das nicht. Bumm-Bumm-Bumm. Zu rasch geschossen.

Kommentare:

Diana Kennedy hat gesagt…

Der Umgang mit dem Internet will gelernt sein. Viele nutzen Foren und andere Kommentarfunktionen um Dinge loszuwerden, die zu sagen sie im RL nie und nimmer die Eier hätten. Und meistens kommen sie ja auch damit durch. Wenn man jedem beleidigendebn Posting strafrechtlich nachginge, müsste man eine Spezial-Kommission "Forentrolle" gründen, mit hunderten von Polizeibeamten.

Nur ab und zu kriegt der eine oder andere doch zu spüren, dass das Netz sooo anonym nicht ist. Und natürlich rechne ich auch damit, dass das Internet mittelfristig immer weniger ein rechtsfreier Raum sein wird. Von daher gewohnt man sich lieber beizeiten an, auch im Internet nur das von sich zu geben, wozu man zur Not auch öffentlich stehen kann.
Der vorliegende fall ist aber ein durchaus interessanter. Politiker sind per Definition stärkerer Kritik ausgesetzt als Normalbürger und die Verlockung, mittels anonymer Trollerei zu kontern muss erheblich sein. Wir wären vermutlich verblüfft, wüssten wir wer so alles hinter manch namenlosen Schrott-Kommentar steckt.

Anonym hat gesagt…

naja, der selbstknieschuss dürfte grenchen.net selber betreffen. auch wenn das viele Leute nicht wissen, scheinbar auch der Hausherr hier, das aufzeichnen von ip-nummern ist eine Grauzone, das auslesen derselben ist auch dem Admin eigentlich nur mit richterlicher Genehmigung gestattet, oder um technische Belange zu klären, auch das verwenden der ip-nummer für einen ping ist unzuläsig, es sei den aus technischer Notwendigkeit und auch dann ist es eigentlich nur geduldet, das herausposaunen wer hinter dieser IP-Nummer aber dann steht ist eindeutig eine Straftat, ich denke wenn Familie Banga klagt wird sie wohl recht bekommen. Im übrigen habe ich in der Zeitung nichts wirklich schlimmes gelesen was denn Familie bange geschrieben haben soll, ok. ich habe mir nicht die mühe gemacht wirklich auf grenchen.net zu lesen. Aber den Rat den ich Familie Banga geben kann, sie sollen sich einen guten Anwalt suchen der sich im Tellekomm und Datenschutzrecht auskennt. und natürlich in Zukunft, so zuschreiben wie wenn Name und Adresse unter jedem Beitrag stehen würde. Ach ja. Wenn Herr Müller meine Ip anpingen will, darf er das gerne tun. ;-)

Titus hat gesagt…

Es überrascht mich schon auch, wie grenchen.net herausgefunden haben will, wer dahinter steckt. Denn: Hinter einer IP-Adresse steckt noch lange nicht eine physische Postadresse. Bestenfalls ist der Provider, das Land und der Ort bekannt, wobei letzteres nach meiner Erfahrung häufig auch falsch zugeteilt wird (das sieht man auf Blogs mit einem Plugin das angibt, woher die letzten Besucher gekommen sind und wo bei mir dann häufig etwas Falsches steht). Ich frage mich daher, ob nicht seitens grenchen.net noch ein «tieferer» Eingriff auf den fraglichen Computer nötig war (ein eigentliches Aushorgen dieses Geräts), um herauszufinden, um wen es sich tatsächlich handelte.

Zur Sache an sich: Es ist ihr gutes Recht, genauso anonym auf diffamierende Kommentare zu reagieren wie die Kommentare selbst verfasst sind. Ob das geschickt ist, ist eine andere Frage. Ein Auftritt mit dem echtem Namen wäre eher schwierig gewesen. Damit stellt sich die Frage, wie man denn sonst auf solche Angriffe reagiert?

Eine Möglichkeit bestünde im Erstellen eines Blogs, in welchem man die Dinge klarstellt, in welchem man eben die andere Seite zeigt.

Andererseits: Gleiches mit Gleichem schlagen zu müssen, nur weil sich gewisse Kommentatoren im Ton vergreifen, ist auch müssig.

Darum frage ich mich, weshalb denn die Administratoren von grenchen.net nicht schon von Anfang an die anderen, diffamierenden Kommentare gelöscht haben, die schliesslich Frau Banga aufgrund der emotionalen Bindung zu ihren Handlungen verleiteten. Wie zu lesen war, hatte sie ja vorgängig das Gespräch mit den Betreibern von grenchen.net gesucht, das war auch absolut richtig. Besser wäre es dann allerdings gewesen, damals schon rechtliche Schritte einzuleiten, denn ob Web oder Print oder was für ein Medium auch immer: Es gelten für alle die gleichen Gesetzesgrundlagen. Und Internet ist KEIN rechtsfreier Raum.

Zappadong hat gesagt…

Im Nachhinein ist man immer klüger und sogar der ziemlich abgeklärte Alain de Botton hat einen öffentlichen (Blog)Ausraster gehabt. Wenn man genug geplagt wird, kann man schon mal die Kontrolle verlieren, auch wenn man theoretisch weiss, dass im Netz eigentlich nichts wirklich anonym ist.

Es braucht schon sehr viel Grösse und Gelassenheit, gemeine Angriffe unwidersprochen zu lassen. Dass die in einem Moment der Schwäche fehlen kann, verstehe ich.

Da gibt es dann - falls man wirklich selber hinter den Kommentaren steckt - nur eins: zugeben, kurz erklären und dann die ganze Häme über sich ergehen lassen.