Heute erschien nun also der Artikel im Langenthaler Tagblatt deren
1000-Zeichen-Stellungnahme mir mehrere Hirnzellen raubte. Interessant scheint mir, dass die Parteien ausserordentlich ähnlich zu argumentieren scheinen.

Link zur Digitalausgabe:
http://www.a-z.ch/news/vermischtes/mehrheit-ist-fuer-den-minarettbau-2194545Wie bereits versprochen, veröffentliche ich hier und auf der
Website der SP Langenthal die ganze (ungekürzte) Stellungnahme der SP Langenthal (also von mir und einigen zugewandten, ungenannten Mitschreibenden), um unsere Haltung zu verdeutlichen und einer neuerlichen Diskussion zur Verfügung zu stellen:
Stellungnahme der SP Langenthal zum Baugesuch eines Minaretts in LangenthalIst der Entscheid der Stadt zur Bewilligung eines Minaretts aus Sicht Ihrer Partei richtig?Der Entscheid wurde nach geltendem Baurecht gefällt. Das Baurecht – Teil der schweizerischen Gesetzgebung - gilt für alle Bewohnerinnen und Bewohner gleichermassen. Es gibt kein Verbot religiöser Symbole oder Bauten. Der Entscheid ist richtig.
Können Sie sich erklären, warum dieses Verfahren seit der Rückweisung der kantonalen Baudirektion im April 2007 über zwei Jahre in Anspruch nahm?Unserer Partei gegenüber erklärte der Gemeinderat das Erstellen des Nutzungskonzeptes durch die Glaubensgemeinschaft und das Verhandeln zwischen den Antragsstellern und Einsprechenden habe viel Zeit in Anspruch genommen. Wir haben ein gewisses Erstaunen, dass ein Baugesuch über zwei Jahre Zeit in Anspruch nimmt, sehen aber weder Gründe, noch Anzeichen einer Verschleppung des Entscheids.
Was bedeutet der Bau eines Minaretts für die Stadt Langenthal?Grundsätzlich ändert sich nichts. Für die Ausübung des Islams braucht es keine Minarette, aber durch ein Verbot oder das Verhindern einzelner religiöser Symbole wie Kopftücher oder Minarette, Kirchenkreuze, -glocken oder Sikh-Fahnen lösen wir weder gesellschaftliche, noch religiöse, fundamentalistische Konflikte. Die Glaubensgemeinschaft Xhamia e Langenthalit besteht schon seit 17 Jahren und sie leben ihren Glauben integriert in unserer Gesellschaft. Bevor sie das Minarett aufstellen wollten, waren keine Klagen zu vernehmen. Sie fiel ohne Minarett nicht negativ auf, wieso sollte sie es mit Minarett? Ob das Anbringen eines Turmes aus dieser Gemeinschaft urplötzlich radikalere Menschen macht oder gar eine Islamisierung Langenthals oder der Schweiz nach sich zöge, ist stark zu bezweifeln und gehört ins emotionale Ausredenrepertoire der Gegnerschaft verbannt. Dass die Gemeinschaft ihren Glauben gegen aussen – ähnlich wie viele Kirchen, Freikirchen, Sikhs und Buddhisten in Langenthal – zeigen wollen, können wir verstehen. Die Akzeptanz der Kuppel und eines drei Meter hohen Minaretts durch die Bevölkerung bedeutet für uns daher einerseits die Einhaltung der geltenden Gesetze inklusive der schweizerischen Verfassung und das Ausleben einer gegenseitigen religiösen Toleranz und Freiheit. Wir sind eine aufgeklärte und demokratische Stadt. Die Diskussion über Toleranz und Freiheit wird die Langenthaler Bevölkerung und unsere muslimische Glaubensgemeinschaft einander näher bringen und gegenseitiges Verständnis und religiöses Wissen aufbauen. Das Minarett auf der Fabrikliegenschaft, wird in der Stadt sichtbar machen, dass innerhalb der abendländisch-christlichen Kultur auch das Leben einer anderen Kultur möglich ist, wie der Sikhs-Tempel im Dennli dies auch symbolisiert. Das Minarett wird deshalb hoffentlich den Anstoss geben, gerade auch in der eigenen Kultur über Vielfalt und Toleranz nachzudenken und wird helfen, gegenseitig religiöses Wissen aufzubauen.
Das religiöse Mit- und Nebeneinander kann in Langenthal gelebt werden, wie in den aufgeklärten Städten Genf, Zürich oder Winterthur, wo es auch Minarette gibt. Unsere Stadt hat im 19. Jahrhundert als liberales „Grütli der Schwiez“ eine Kultur der Humanität aufgebaut, welche religiöse Toleranz mit einschliesst. Wir können gerade im Zusammenhang mit der Minarettfrage beweisen, dass es uns damit heute noch ernst ist. Eine vernichtende, politisch polemische Schlammschlacht über religiöse Gefühle, Fanatismus und Extremismus, wie in Wangen bei Olten, kann verhindert werden.
Was erwarten Sie nach dem Entscheid von der Glaubensgemeinschaft Xhamia e Langenthalit?Ein Minarett wird die Muslime noch mehr in die Verantwortung nehmen. Es macht ihnen unsere demokratisch-rechtstaatliche Verfassung sichtbar, die die Bewilligung des Minaretts ermöglicht hat. Deshalb wird der Turm sie selber noch mehr verpflichten, in jeder Beziehung die Gesetze und die Verfassung unseres Staates und unserer Gesellschaft einzuhalten.
Wir erwarten von allen Beteiligten – auch von der Glaubensgemeinschaft - dass sie sich nun öffentlich über ihre Beweggründe austauschen. Das Misstrauen und die Vorurteile der Bevölkerung sind in weiten Teilen gross und basieren meist auf Angst oder Unwissenheit. Diese gilt es abzubauen. Es geht nicht darum eine einseitige Toleranz oder Bereitschaft zu zeigen, es braucht immer beide Seiten. Eine solche muss gelebt werden, damit das Minarett für Langenthal mehr ist, als ein umstrittenes drei Meter hohes Türmchen.
Reto Müller
Präsident SP Langenthal

Die Stellungnahme unseres Parteimitglieds Toni Ronchi in derselben Zeitung verdeutlicht mir auf alle Fälle, dass wir als Partei eine einheitliche und für uns richtige Meinung vertreten.
Danke, Toni.