Sonntag, 29. November 2009

"Switzerland - The Heart Of Darkness" - nächste Folge?

An Deutlichkeit lassen die heutigen Abstimmungsresultate zumindest nicht missen. Zwei Prozentzahlen bringen mich stark ins Grübeln.
57,5 % Ja zur Anti-Minarett-Initiative in der Schweiz
und
75,2 % Nein zum Stimmrechtsalter 16 im Kanton Bern.

Die Schweiz will keine Minarette, will also nicht, dass der Islam seine Kultur und seine religiösen Symbole nach aussen darstellen und leben darf, so wie dies jede andere Religion vom Sikhismus über den Hindu- und Buddhismus bis hin zum Christentum in unserer christlich-abendländischen Kultur auch künftig tun darf. Ich weiss die Bedeutung der heutigen - sehr auf eine Religion hin zielende - Einschränkung noch nicht zu deuten. Wollen wir damit sagen, dass wir das Gefühl haben, dass damit die Integrationsprobleme gelöst sind? Wollen wir damit sagen, dass wir keine Kirchtürme, Sikh- und Buddha-Tempel mehr in unserer christlich-abendländischen Kultur haben wollen? Oder wollen wir damit einfach sagen, dass uns der Islam Angst macht und wir ihnen damit nun halt einfach eins ans Bein "ginggen" wollten?

Die Menschen im Kanton Bern wollen keine politische Einbindung weiterer Jahrgänge in unsere demokratische Kultur. Jegliche politische Bildung muss damit wiederum auf ihre Effektivität und ihre Sinnhaftigkeit hin überprüft werden und das demokratische Milizsystem - mit seinem Desinteresse insbesondere bei Jugendlichen - stellt sich für mich einmal mehr künftig in Frage. Werden wir PolitikerInnen aussterben, wenn wir es nicht schaffen, mit geeigneten Massnahmen - derer ich Stimmrecht 16 als geeignet erachtete - Nachwuchs zu rekrutieren?

Aber wie sagte doch schon Spinoza:
"Man soll die Welt nicht belachen, nicht beweinen, sondern begreifen.", wenngleich mir dies im Moment  zugegebenermassen schwer fällt.

Eine einzige Prozentzahl machte mir heute am Abstimmungswochenende grosse Freude, welche zudem für mein eigenes politisches Schaffen äusserst wichtig ist:
92,7 % sagten JA zum Budget und Voranschlag der Stadt Langenthal.
Ich wage mal zu sagen, dass an die FdP-Finanzpolitik, welche sich in den letzten drei Stadtratssitzungen äusserst aggressiv und "ranzig" zu vertreten suchte, ein deutliches Zeichen ausgesandt wurde.
Ich danke den Langenthaler Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern für ihre finanzpolitische Weitsicht und das Vertrauen, das sie mit diesem Entscheid Parlament und Regierung aussprechen.

Am Rande seien zur Aufwiegung des starken Grübelns noch zwei letzte Zahlen erwähnt. 2 zu 0. Gegen Basel. Danke für die gute und unterhaltsame Ablenkung, Young Boys. Ich gratuliere zum Wintermeistertitel.

Kommentare:

tinu hat gesagt…

Heart of Darkness. Hast du diesen Titel schon mal gebraucht? Aber, aber, selbst in den arabischen Staaten spricht man von einem zwar unverständlichen aber demokratischen Entscheid. Den Spinoza zitierst du ja selbst. Ich denke, wer verliert, muss den Fehler in erster Linie bei sich suchen und nicht bei den Umständen, auch wenn sie im einen oder anderen sicher misslich waren.

odin hat gesagt…

Herr Müller, wissen sie noch wie ich mit Ihnen bei all Ihren Islam- und Minarett-Themen gestritten habe?? Das ihre Argumente so nicht stimmen können hat sich heute eindrucksvoll bestätigt. Ihre Multikulti- Doktrin sollten Sie schleunigst überdenken. Sonst verlieren Sie noch mehr Wahlen. Das gleiche gilt für CVP und FDP.

Minarette sind nicht da zur Religionausübung, sondern für einen islamischen Machtanspruch. Muslime brauchen kein Minarett zur Gebets Ausübung. Im Koran steht nichts von Minaretten. Im muslimischen Indonesien gibt es schon gar keine Minarette.

Auch praktizierende Muslime müssen sich integrieren. Ein Minarett ist aber kein Symbol der Integration. Schon gar nicht müssen Sie hier wieder mit dem Switzerland - The Heart Of Darkness herkommen. Das zeugt von schlechtem Verliererstil und schlechtem Demokratieverständnis.

Das ich mich auch über die heutige GsoA Niederlage freue sei auch noch erwähnt.

PaulCH hat gesagt…

Sieg der Kleingeister und Krämerseelen

Der 27. November 2009 wird für die Schweiz als schwarzer Tag in die Geschichte eingehen. Es haben die gesiegt die niemals siegen dürften. Wadenbeisser, Angsthasen und Ignoranten konnten sich gegen jede Vernunft durchsetzen. Jetzt steht ein Schwachsinn erster Güte in unserer Bundesverfassung, der dort nichts zu suchen hat. Punkt.
Immerhin ist es ja weiterhin nicht verboten, Moscheen einzurichten. Insofern richtet sich das Ergebnis tatsächlich nicht auch noch gegen den islamischen Glauben. Es wäre wohl am einfachsten für unsere muslimischen Eidgenossen, wenn sie in Zukunft ihre Bauvorhaben für Minarette als Leuchtturm deklarieren würden (was sie ja tatsächlich dem Wortsinn nach sind). Man kann einem Büsi nämlich auch Katze sagen und der Wortsinn wird dadurch keineswegs entstellt.
An sich dachte ich nach dem Dezember 1993, dass eine Steigerung des politischen Blödsinns nicht mehr möglich ist, muss nun aber mit Erschrecken das Gegenteil zur Kenntnis nehmen. Es geht sogar noch um Meilen dümmer als die Intervention von Bundesrat Merz in Lybien. Wenn das jemand persönlich nehmen möchte, darf er /sie das gerne tun. Es ist nämlich auch so gemeint.

odin hat gesagt…

Unglaublich wie Sie hier breite Volksmassen und die Mehrheit der heutigen Wähler beleidigen! Schämmen Sie sich Paul CH !! Sie sind kein guter Demokrat und Verlierer mit so einer Aussage!!

Es ist das zu akzeptieren was das Volk beschlossen hat. Ich stand auch schon oft genug auf der Verliererseite. Für meine Haltung musste ich von ihrer Seite in den letzten Wochen viel Abneigung einstecken. Auf diesem Forum gehörte ich zur Minderheit der Minarett Gegner. Nun habe meine Argumente mehr überzeugt als jene der Gegner.

So ziemlich dreckig finde ich die Rolle von SF DRS. Der Herr mit der Fliege versucht wieder krampfhaft zu erklären, weshalb er um 20% daneben lag mit seine Vorhersagen. Bei den 37% der vormaligen Befürworter wurden viele arrogant vom gfs als ungebildet abgekanzelt. Nun sind es aber ein bisschen viele Ungebildete geworden wie mir scheint. Finden sie nicht auch??

Es haben gerade haufenweise Gebildete für die Vorlage gestimmt, bei grosser Abstimmungsbeteiligung. Selbst in der Westschweiz. Der beste Beweis dafür das die Linken mit ihren Argumenten voll daneben liegen. Wir haben ein Islamproblem!! Unglaublich auch wie CVP Pfister behauptet das seine Partei eine gute Arbeit gemacht hat, wenn scheinbar auch viele CVP-ler für ein Verbot votierten. Erfreulich ist die Tatsache, dass breite Massen in FDP und CVP ihren Parteien die Gefolgschaft verweigert haben!

Bravo!!

Anonym hat gesagt…

Ich habe heute drei mal verloren, unter anderem auch bei der Minarettinitiative, ich muss aber sagen, gerade bei dieser Abstimmung war mein Entscheid ein reiner Kopfentscheid, mein Bauch hätte eher ein Ja eingelegt.

Diana Kennedy hat gesagt…

Ich möchte es mal ganz offen ansprechen: Natürlich sollte dieses "Ja" dem Islam eins ans Bein ginggen.

Solange man meint, deer Islam sei einfach mit jeder anderen Religion gleichzusetzen und so tut, als würde das Gegenüber auch von der Prämisse ausgehen, Islam und Busddhismus seien qualitativ das selbe, hat man schon verloren, weil man das zu überzeugende Gegenüber so nicht erreicht.

Der Islam ist der Mehrheit unsympatisch. Punkt. Und das nicht aus Zufall oder weil der Islam bei einer Tombola als "Arsch-Religion des Jahres" gezogen wurde, sondern wegen den von ihm vermittelten Werte: Frauenunterdrückung, In,toleranz gegen Anders- und Ungläubigen, Monopol auf Rechthaberei, scheinbar völlige Unfähigkeit zur Selbstkritik, penetrantes Zelebrieren der Opferolle usw und usw.

Fliessend sind die Übergänge von blosser Antipathie bis zur offenen Angst / Feindseligkeit. So falsch man diese Ressentiments auch immer finden mag, so sehr man sich auch immer über die "Intoleranz" die Haare raufen will - es hilft alles nichts, diese Emotionen sind nun mal da und es ist höchste Zeit, sie im Kontext der Debatte endlich ernst zu nehmen.

Selbst wenn man selber den Islam neutral oder positiv einschätzt, so sollte man als kleinsten gemeinsamen Nenner einmal anerkennen, das es irgendeinen Grund geben muss, warum der Islam eben nicht mit dem Buddhismus oder der Santeria gleichgesetzt wird. Und diesem Grund gilt es OFFEN zu analysieren, und zwar auch auf die Gefahr hin, zB Moslmes mal auf die Füsse zu treten.

Komplett falsch sind Aktionen wie das tumbe verbieten von Plakaten. Heilige Götter, war DAS vielleicht dämlich!
Beschneiden der Meinungsfreiheit ist genau das Schreckgespenst, von dem sich Islamophobe ja schon lange bedroht fühlen. Dieses Verbot bestätigte diese Ängste ja geradezu.
Das plakatverbot hat in jedem Fall zum Minarett-Verbot massiv beigetragen, so meine Meinung.
Will man das Ruder rumreissen, dann muss endlich Schluss sein mit Rede- und Dekverboten.

uertner hat gesagt…

Lieber Reto. Nun der uertner hatte wieder mal recht ;-). Die Minarette wurden selbst für mich erstaunlich wuchtig abgelehnt (Potz heilanttonner, miherrrgotsstüri). Ich wähnte die Sache "uf der gnepfi" aber ich dachte, Du würdest doch Sieger bleiben.
Meine grosse Freude muss ich aber über die eselsdeutliche Ablehnung von "Stimmrechtsalter 16" laut herausschreien: Bravo Bern!
Fertig mit der Politk aus dem Gymeler-Schülerclub.
Was kannst Du tun? "Begreifen" wäre schon mal nicht schlecht. Der Souverän hat gesprochen. Wenn Du Deiner Partei dienen willst: biete schleunigst einen Kursus: "Realitätsbezug für SP-Politküken (Grütter, Masshardt und wie all die Stiftungsmässig geförderten heissen): ein Schulmeister únd Sozialvorsteher erzählt aus der Praxis".
Zweitens: Grabe in der Geschichte Deiner partei: lies das Buch, das Röbi Grimm im Chefig schrieb: "Die Geschichte der Schweiz als Geschichte von Klassenkämpfen". Lies nochmals das belächelte Gurten-Manifest von Strahm/Sommaruga. Gehe regelmässig zPredigt, was dir neue Einsichten in das Wesen der Herkunfstkultur (mit deinem Jahrgang hast ja nur zynische Spassgesellschaft erlebt) und auch neue Wähler bringen wird.
Der 29. November 2009, wird Dir bald als heilsamer "chlapf a gring" des Souveräns erscheinen, der "Im Namen des Allmächtigen" weiter schreiten möchte, wie schon seit 718 Jahren.
Ich bin gespannt auf die Fortsetzung des Langenthaler Gotthelf-Romans: "Freuden und Leiden eines Schuemeischters".

Aufwärts blicken, vorwärts schauen, kannst ja noch die Sterne sehn.

Anonym hat gesagt…

Eine christliche Sekte die die Rechte der Frauen derart beschneidet wie das ein (grosser) Teil des Islam tut, eine christliche Sekte bei der Ehrenmorde legitim sind, eine christliche Sekte die eigene Gesetzte und Regeln weit über die staatlichen Gesetzte stellt, usw. hätte man längstens verboten.
Mit dem Ja zum Minarettverbot haben wir einfach gesagt, diese Art von Islam wollen wir nicht.

flashfrog hat gesagt…

Als Litwisserin gefällt mir die "Heart of Darkness"-Metapher. Psychoanalytische Theorien sagen, dass man im Fremden das bekämpft, was man bei sich selbst verdrängt und nach aussen projeziert hat.
Die Initianten der Initiative haben es offenbar verstanden, mit dämonisierenden Islam-Klischees die in jeder Gesellschaft bestehenden diffusen Ängste vor dem Fremden auf das Symbol des Minaretts zu projezieren und zu fokussieren und haben damit in der Tat einen Pappkameraden aufgebaut und erlegt. Kein reales Problem ist dadurch ansatzweise gelöst, aber Rechtsnationale, Fundamentalchristen und die SVP-Rechte dürften das Ergebnis als Rückenwind verstehen, auszutesten, wie weit sie noch gehen können.

odin hat gesagt…

Anonymer Anonym

Wie viele Anhänger haben radikale christliche Sekten und wie viele Anhänger die radikalen Muslime?? Punkto Quantität und Qualität übertreffen die radikalen Muslime bei weitem unsere radikalen Christen. Bewahren sie also die Relationen!

Anonym hat gesagt…

@odin

Du hast mich falsch verstanden. Ich wollte sagen, dass eine christliche Sekte die ähnlich extreme Ansichten vertreten würde, wie dies ein Teil des Islams tut, verboten würden. Und diejenigen die bei den Moslems von Toleranz usw. schwaffeln, wären die ersten die das fordern würden

odin hat gesagt…

Das stimmt was Sie sagen. Ich habe Sie vorhin falsch verstanden. Sorry

Diana Kennedy hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Diana Kennedy hat gesagt…

Die meiner Ansicht nach bislang klügste Reaktion auf das ganze stammt von einem ägyptischen Schrifstseller:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2009-11/minarette-debatte-muslime

Der mann bringt es auf den Punkt.

Anonym hat gesagt…

Die Demokratie ist der Zug zum Ziel, die Minarette sind die Bajonette....

Ich meine in unserem Fall:

Die Demokratie ist der Weg zum Ziel, der Stimmzettel ist die Lanze... gebrochen für ganz Europa, welcher die direkte Demokratie leider nicht gegeben ist... aber das Abstimmungsresultat wäre dort wohl gleich ausgefallen. Wenn man genau hinschaut...