Donnerstag, 8. Oktober 2009

Eklat in Zürich - Stocker hat verloren - Über Kurzschlussreaktionen in Radiointerviews...

Ernst Stocker (SVP) verliess in der Radiodiskussion mit Daniel Jositsch (SP) das Studio vorzeitig. Hier nachzuhören. Unglaublich, was sich dort abspielt. Das darf einem Politker nicht passieren. Nicht, wenn man ein Regierungsratsamt anstrebt. Verloren. So offen darf man - auch wenn man angegriffen wird - nicht handeln und auch nicht die Nerven verlieren. Am Ende greift er gar den Moderatoren als Gesprächsleiter an. Völlig absurd. Er betont mehrmals, er fände das nicht in Ordnung. Doch hier liegt Ernst Stocker aus meiner Sicht völlig falsch, politisch darf ein solches Thema allemal und mehrfach diskutiert werden, ohne dass sich jemand dieser Diskussion verweigert. Wenn ein Politiker eine derart dünne Haut aufweist und vor politischen Debatten davonläuft, ist er des Amtes nicht würdig.

Ernst Stocker verteidigt sich dann hier und meint:
"Ich glaube, ich habe damit Rückgrat bewiesen".
Nein. Ebenfalls eine krasse Falscheinschätzung. Rückgrat bewiesen hätte er, wenn er sich der Diskussion gestellt hätte. 

By the way Herr Jositsch. Die SP hat seit geraumer Zeit ein neues Logo.... beachten Sie das bitte mal auf Ihrer Webseite.

Kommentare:

odin hat gesagt…

Man kann schon kritisieren das Stocker das Interviews abgebrochen hat. Auf der anderen Seite finde ich es schon etwas komisch, wenn im Interviews schon nach knapp 2 Minuten, die Minarettfrage von Hiller und Jositsch angeschnitten wird. Zuerst müssten sich doch die beiden Kandidaten dem Publikum vorstellen und ihre Positionen erstmals darlegen. Erst danach sollte man als Zürcher Regierungsratskandidat über diese nationale Vorlage diskutieren und sich die Klingen kreuzen.

Es ist üblich das man im Vorfeld mit dem Gesprächsleiter das Themenfeld festlegt. Hier wurde aber einfach missachten, das Herr Stocker nicht mehr über die Minarettfrage diskutieren wollte. Man kann das gut oder schlecht finden. Aber man sollte es akzeptieren. Jositsch wiederum kann auch sehr deutlich werden, wenn ein Journalist etwas aufs Tapet bringt das nicht abgemacht war.

Meiner Meinung nach sollte die SP auch nicht immer so den Mund voll nehmen. Jositsch hat Stocker vorgeworfen, dass dieser in der Minarettfrage vom Saulus zum Paulus geworden ist. Aber was ist dann mit SP Moritz Leuenberger?? Dieser hat sich jahrelang gegen die zweite Gotthardröhre ausgesprochen. Jetzt plötzlich letzte Woche sprach Leuenberger sich für die zweite Röhre aus! Auch nicht besonders glaubwürdig!

Im weiteren verstehe ich diesen Jositsch nun gar nicht. Wenn jemand sich für Minaretts Verbote ausspricht ist es nicht gut. Wenn diese Person sich plötzlich dagegen spricht ist auch nicht gut:)

Laut Jositsch sei die Minarettfrage deshalb thematisiert worden, weil dies ein aktuelles Thema ist. Aber wenn man schon über nationale Abstimmungsvorlagen diskutiert, dann müsste man auch die zweite Vorlage ansprechen und erfahren wie Jositsch dazu steht. Man könnte jetzt auch sagen das der Kanton Zürich damit involviert ist ( was ja auch stimmt, weil von der zweiten nationalen Vorlage auch Zürcher Arbeitsplätze abhängen ). Wenn schon denn schon sollte man das Fenster ganz aufmachen für Themen die über den Kanton Zürich hinausgehen.

Der Interviewaufbau von Herr Hiller mit den Zürcher Regierungsratskandidaten finde ich schon etwas merkwürdig und linkslastig. Würde es nicht um Minarette gehen, dann würde man auch nicht so aggressiv über nationale Vorlagen sprechen. Bei der Minarettfrage hat ein zukünftiger SVP-oder SP Regierungsrat eh nichts mehr zu melden nach einem Volksentscheid. Der Amtsantritt ist dann wenn die Minarettfrage schon entschieden ist. Der billige linke Kampagnenjournalismus von DRS ist offensichtlich...

Stocker war zudem nicht der erste SVP-ler der plötzlich ein Studio verließ. Andere aus der SVP haben das auch schon gemacht und wurden oder blieben dennoch National und/oder Bundesräte :)
Vielleicht auch genau aus diesem Grund...

Michael hat gesagt…

Wer austeilt, muss einstecken können. Die SVP gebärdet sich seit Jahren als Elefant im politischen Porzellan-Laden. Da sind solche Mimositäten einfach nur peinlich. Danke, Reto, für die schöne Zusammenfassung.

odin hat gesagt…

Herr Jositsch ist einfach ein verlogener Heuchler, wenn er den Positionswechsel von Herrn Stocker als so stossend empfindet. Die neuerliche groteske 180°Wendung eines Parteikollegen wird natürlich nie werwähnt. Die Sozis sollten zuerst vor der eigen Tür den Teppich kehren und R.M sich nicht als Moralapostel aufspielen.

Jetzt wird auf einmal so getan als ob Herr Stocker nur austeilen kann und nicht einstecken. Dabei wird ihm selbst von Zürcher SP-Leuten adestiert, dass er nicht der Mann des austeilens ist. Euer Vorwurf und diese wischi-waschi Argumentation ist absolut lächerlich.

Wirklich stossend finde ich aber die Tatsache, dass die SP noch einen dritten Regierungsratssitz im Kanton Zürich anstrebt, obwohl die SP vom Wähleranteil damit krass übervertreten wäre. Aber diese Arroganz und Konkordanzbrecherei sind wir ja leider gewöhnt von der SP.

Michael Jäger hat gesagt…

Nicht der Mann, odin, die Partei verhält sich, als hätte sie einen Sack Hummeln im Hintern. Hemmungslos und frei von jedem Anstand. Wie kann es da glaubwürdig sein, diesen vom politischen Gegner einzufordern? Das ist schon ein wenig schizoid.

odin hat gesagt…

Als FDP-Liberaler sollten Sie den Mund nicht so voll nehmen. Sie reden hier von Anstand, den Ihre Parteikollegen auch nicht walten lassen.

Ich erinnere da nur an die primitive Kritik der FDP-Frauen des Kanons Zürich, als es um die Wahl von Ueli Maurer in das Stöckli ging. Dann auch die immer wieder primitiven Äußerungen der FDP-Basis, als es darum ging die SVP Kandidaten für den Zürcher Regierungsratsitzt zu unterstützen.

Frau Gut / FDP mussten die SVP-Magistraten in Komitees unterstützen, während Frau Gut das im umgekehrten Fall verweigerte und abwertend nichts von der SVP wissen wollte.

Das können Sie von mir aus so machen. Sie dürfen dann aber nicht jedesmal das Gefühl haben, dass die SVP-Basis noch Ihre Kandidaten durchbring. Deswegen auch ist Frau Martelli nicht zum STAPI gewählt worden. Über andere zu spotten und dennoch deren Hilfe in Anspruch zu nehmen liegt eben nicht drin. Den Moralapostel müssen Sie als FDP-ler schon gar nicht raushängen.

odin hat gesagt…

Ach ja, Peter Bodenmann (SP) verließ 1992 vor laufenden Kameras die Arena, weil es ihm anscheinend an kompetenten Gegnern fehlte. Grund genug also das Reto.M etwas leiser tritt.

Reto M. hat gesagt…

Ich lasse mich weder von Odins noch Bodenmanns leiser schalten, denn ich bin einzig und alleine für mein Verhalten verantwortlich und man darf mir abnehmen, dass ich bis jetzt vor keinen Interviews, Podien oder nervigen Diskussionen - auch im Blog - weggelaufen bin.

;-)

odin hat gesagt…

Ich finde es gut wenn sich nicht vor eingeschalteten Mikrofonen davon laufen. Ob Sie sich hier aber im Forum immer der Diskussion und unbequemen Fragen stellen ist eine andere Frage. Aber lassen wir das mal bei Seite.

Was mich einfach nervt ist immer das scheinheilige moralisieren von Ihnen und der SP. So als ob bei Ihnen noch nie jemand aus einem Interview davongelaufen wird. Und dann die Kritik von Jositsch an Stocker wegen dessen Positionswechsel, wie man es im Interview hörte. Seien Sie doch froh wenn dieser die Meinung geändert hat. Genau so froh bin ich doch wenn Jositsch nicht immer den ganz Blödsinn der SP mitträgt. Ueli Mauer ist auch schon aus einer laufenden Fernsehsendung davon gelaufen. Und was ist Maurer heute?? Hat es Ihm geschadet??

Viel erstaunlicher finde ich den Positionswechsel von Moritz Leuenberger. Warum in aller Welt soll nun plötzlich die zweite Gotthardröhre für Leuenberger kein Problem mehr sein? So als ob in den letzten 10-15 Jahren kein Sicherheitsrisiko im nicht richtungsgetrenten Tunnel bestanden hätte!!

Reto M. hat gesagt…

Was Meinungswechsel anbelangen, so bin ich stets der Meinung, dass man als Politiker auch schlauer werden darf.
Politik ist dahingehend volatil, dass die Vorzeichen einer Vorlage auf Grund anderer Begebenheiten wechseln können und man diesbezüglich umdenkt.
Dazu kann und soll man im Einzelfall auch stehen können. Diese Meinungswechsel sind zu begründen. Man darf nicht einfach davon laufen, wenn davon die Rede ist, das habe ich mit meiner Stellungnahme ausdrücken wollen.

Mühe habe ich mit Wechselkursen ganzer Parteien. Die SVP Schweiz tat dies bei der Personenfreizügigkeit und die SVP Kanton Bern bei der Vorlage von HarmoS. Aus der Luft gegriffen sind diese "Vorwürfe" also nicht.

Ich bin übrigens nach wie vor der Meinung, dass es keine 2. Gotthardröhre braucht. Mehr Strassen = mehr Verkehr. Natürlich ist das Sicherheitsrisiko im Tunnel aber klar angestiegen. Verglichen mit den Anfangszeiten hat sich das Verkehrsvolumen bestimmt um einiges vervielfacht.

Ich kommentiere manchmal übrigens nicht mit, weil mir a) die Zeit fehlt oder b) manchmal auch die Lust.

odin hat gesagt…

Sich der Diskussion zu verweigern finde ich auch nicht gut. Auf der anderen Seite sollte man wirklich als Regierungsratskandidat über zürcherische Dinge reden und nicht über nationales. Als Zürcher Wähler möchte ich logischerweise über Zürcher Belange etwas erfahren, auch wenn ich die Minarettinitiative gut finde. Deshalb wohl hat Stocker das Studio verlassen. Die Minarettfrage ist aber eine nationale Sache, zu der Stocker schon zuvor ausgiebig Stellung genommen hat. Jositsch sollte doch auch wissen, dass er als Gewählter Regierungsrat dazu eh nichts mehr zu sagen hat. Die Sache ist am 29 November entschieden.

Finde ja lustig, wie Chantal Galladé (SP), heute im linken Tele Zueri Daniel Jositsch wegen Herrn Stocker in Schutz nimmt. Galladé ist nämlich die Freundin von Jositsch und damit befangen in so einer Talksendung. Was der Sender sich wohl dabei gedacht hat?? Vielleicht hätte da deswegen das SVP-Gegenüber auch diese Sendung verlassen müssen:)

Dann müssten Sie aber auch Mühe haben mit dem Wechselkurs der SP. Gerade in Sachen Jugendkriminalität hat die SP Schweiz vor kurzer Zeit in ihren Positionspapieren Dinge übernommen, die jenen der SVP sehr ähneln :) Das war auch wieder eine 180° Drehung. Aber war wohl nur weil Sie überall die Wahlen verlieren ( wie heute wieder :)). Auch hier war das SP-Pärchen aus Winterthur einer der Hauptprotagonisten bei diesen Positionsbezügen.

Und ich mag mich auch wieder erinnern an letztes Jahr, wo BDP-Schmid noch Verteidigungsminister war. Da hat die SP plötzlich auch den neuen Kampflugzeugen zugestimmt ( Vielleicht nur wegen dem A.. Schmid). Richten Sie also mal besser Ihren Zeigfinger nicht immer auf andere Parteien, lieber Genosse Müller.

P.S. Das Jositsch sehr sensibel werden kann, wenn es um den Menschen geht, der hinter dem Regierungsratskandidaten steht, konnte man heute in den Zueri News sehen. Stocker war da viel aufgeschlossener.

Reto M. hat gesagt…

Auch wenn das Thema national war, sagt das Davonlaufen etwas über den dahintersteckenden Geist aus.

Das Sicherheitspapier der SP gab's vorher noch gar nicht. Es ist also neu. Von daher ist das kein Richtungswechsel, sondern eine neue Definition.

Ein grosser Teil der SP ist für die Armee. Aber auch für eine Redimensionierung. Folgedessen stimmt ein Teil der Parlamentarier wohl auch neuen Flugzeugen zu.
Eher erstaunlich ist, dass sehr viele Bürgerliche - aus finanztechnisch nachvollziehbaren Gründen - die neuen Flieger nicht mehr wollen.

Mir soll's recht sein.

odin hat gesagt…

Das Sicherheitspapier der SP ist gewiss neu, aber auch deren härtere Haltung gegenüber kriminellen Jugendlichen. Vorher haben Sie 15 Jahre lang die Probleme nur schöngeredet, wie auch bei der Ausländerkriminalität. Bis die SP dann 2007 eins mächtig auf den Deckel bekam...

Hören Sie also mal bitte auf mit Ihren einfältigen Verdrehungen und Wortklaubereien. Ich hätte wirklich eine klügere Antwort von Ihnen erwartet. Was Sie dann noch als bürgerlich bezeichnen nähme mich auch noch wunder...

Reto M. hat gesagt…

Das hat nichts mit schlau oder nicht schlau zu tun. Ich stelle fest, dass viele Menschen in die SP immer eine Haltung interpretieren möchten, die dann unglaublich diffamierend ist, weil sie der Partei extrem ideologisches Denken und Handeln vorwirft, dass weit ab der Realitäten zu stehen scheint. Doch meistens werden die Menschen dann getäuscht, wenn sie das erste Mal genau hinsehen, wie die SP ihr Handeln begründet.

odin hat gesagt…

Beim SP-Positionswechsel zur Jugendkriminalität ist es ja nicht so, dass ich der SP ideologisches Denken vorwerfe. Ich werfe hier der SP opportunistisches Denken vor, weil diese nur auf Grund von Wahlniederlagen so handelte!!

Natürlich müsste ich es jetzt vollumgänglich begrüssen, wenn die SP bei diesem Thema nach rechts rückt. Mache ich aber nicht, weil die Genossen nur aus Wahlniederlagen so handeln und nicht aus Überzeugung! Gleich wie bei der deutschen SP, die plötzlich vom Saulus zum Paulus wird wenn diese die Wahlen verliert. Da wählt man doch lieber das Original. Beim Thema innere Sicherheit trauen die Leute der SVP ohnehin mehr zu als der SP.

Aber das Sie zuvor das Problem 15 Jahre lang verdrängt haben, ist sehr wohl auf ihr extremes ideologisches Handeln und Denken zurückzuführen.

Und die vorherigen Ausführungen von Ihnen waren schon nicht so klug. Ein erstmaliges Sicherheitspapier zu einem Thema kann ja nicht darüber hinwegtäuschen, dass die SP davor eine Grundhaltung hatte, die genau diesem Papier wiederspricht. Eine Richtungsänderung haben Sie sehr wohl volzogen.

Reto M. hat gesagt…

es ist einfach eine blosse und unhaltbare unterstellung zu sagen, die sp würde nur handeln, weil sie in den wahlen nicht erfolgreich gewesen sei. das wäre eine völlig falsche motivation und eine völlig falsche wahrheitsverblendende, bösartige unterstellung, die ich vehement zurückweise.

odin hat gesagt…

" es ist einfach eine blosse und unhaltbare unterstellung zu sagen, die sp würde nur handeln, weil sie in den wahlen nicht erfolgreich gewesen sei."

Nicht ausschließlich, aber eben auch und immer öfters. Der Rest ist verkappte Ideologie und Realitätsverweigerung.

odin hat gesagt…

Irgendwie gibt es schon viele Deppen bei Radio DRS. Besonders beim Radiostudio in Zürich. Zum Thema Kampfflugzeuge wurde gestern Ueli Maurer in die Samstagsrundschau von Radio DRS eingeladen. Dabei agierte der Journalist Phasenweise sehr unsicher mit seinen Fragestellungen. Am Schluss wusste dieser nicht mehr so genau was er den Verteidigungsminister fragen sollte.

Um die Zeit tot zu schlagen musste dieser Amateurjournalist einmal mehr die Minaret Frage in den letzten 2 Minuten thematisieren. Obwohl das nichts mit dem Verteidigungsdepartement zu tun hat. Und wenn der Gesamtbundesrat schon seine Meinung dazu gab, dann dürfte die persönliche Einzelmeinung eines Bundesrates eh nicht interessieren.

So gesehen ist Stockers Verhalten sehr nachvollziehbar, wenn man immer und immer wieder an der Sache vorbeiredet und dazu noch Äpfel mit Birnen vermischt.