Dienstag, 13. Oktober 2009

Dinge, die mich als Sozialminister nerven...

...sind falsche Interpretationen von Zahlen in der Sozialhilfe.

Die Folgerung - auch auf Grund der genannten Fakten im Artikel - "Beschäftigungsprogramme helfen arbeitslosen Sozialhilfebezügern nicht, eine neue Stelle zu finden." - ist in mehrerlei Hinsicht einfach katzfalsch. Zumal gemäss einer Art Gatekeeping-Modell auch andere Zielsetzung in der Beschäftigung von Sozialhilfebezügern möglich sein sollten, als das reine Faktum, ob diese nach Ablauf von 3, 6, 12 oder mehr Monaten wieder in den 1. Arbeitsmarkt integriert werden konnten. Was mich dann noch beunruhigt ist, dass dieser Artikel scheinbar nicht bloss von einem das Gymnasium kaum verlassenden, dahingetrabten Onlinejournalisten erstellt wurde, sondern von der sda. Wird also morgen Mittwoch leider auch in den Printausgaben zu lesen sein.

Gestern beim Kaffee mit den Sozialarbeitenden stiess ein weiterer Artikel des "Sonntag" sauer auf. Dort wurde behauptet, dass bei vielen Gefährdungsmeldungen gleich eine Beistandsschaft errichtet werde, die wohl nur darauf ziele, möglichst bald eine Fremdplatzierung des Kindes oder Jugendlichen vorzunehmen. Hierfür wurden dann noch als absolute Zahlen, die Verdoppelung der Beistandsschaften in den letzten 10 Jahren (als poppige Grafik) zum Vergleich herbei gezogen. Absoluter Chabis. Die sogenannte Expertin aus Zürich trug leider auch nichts Gegenteiliges zur Klärung bei. Absolut vergessen ging hierbei aber, dass die meisten Beistandschaften bei Scheidungen errichtet werden und die Kinder dort bestimmt nicht fremdplatziert sind, sondern die Beistandschaft hilft, bei Besuchsrecht, Finanziellem und anderen Streitigkeiten zum Wohle und Schutze des Kindes zu vermitteln. Und jetzt überlege dir mal, wie diese Scheidungsraten sich wohl so binnen der letzten 10 Jahre entwickelten....
Das Ziel heute - auch bei Fremdplatzierungen - ist sowieso möglichst ebenfalls wieder die Reintegration mit entsprechenden Kindesschutzmassnahmen in der Familie. Es geht immer primär um das Wohl des Kindes.
Dabei ist die Beistandsschaft einer Amtsperson aus meiner Sicht für schwierige Situationen, in welche Kinder und Jugendliche geraten können, eine sehr gute Lösung.

Sozialhilfe, Sozialarbeit sind komplexe Themen, das wurde mir in den letzten Wochen bewusst. Ich finde es gut, wenn darüber Bericht erstattet wird, und der Aufklärung der Bevölkerung dienen, in einem Bereich, mit dem die Mehrheit wohl lieber nichts zu tun haben will, doch: Wer Aussagen darüber treffen will, bedarf einer genauen Analyse der vorliegenden Zahlen. Es gibt in diesem Bereich kein reines "Schwarz-Weiss".

Ich verlinke in dieser Sache auf ihn.

Kommentare:

Diana Kennedy hat gesagt…

Es gibt kaum einen Bereich, der mehr für plakative Meinungsmache missbraucht wird als der Bereich Soziales. Statistiken un Zahlen lassen sich eben immer so drehen und interpretieren wie man es gerade braucht.

Peter hat gesagt…

Ich kennen den Bereich Soziales von beiden Seiten. Die Programme werden von "Beamten" erstellt die keinen Tag artbeitslos oder in sozialen Nöten waren.Bei der Sozialhilfe gelandet ist schon ziemlich die letzten Stufe. So auch die Programme. Stundenlang Textilien zu sortieren entspricht ja nicht unbedingt dem Willen, die Leute nachhaltig wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Mehr als 15 Jahre Selbsthilfeprojekt liesse mich noch viels schreiben. Es geht um Menschen die Opfer einer verfehlten Politik wurden . Deshalb sind Zahlen sind doch sekundär. Lese doch meinen heutigen Artikel dazu. Das Gymnasium habe ich schon lange verlassen ))::

Reto M. hat gesagt…

Mich nervt manchmal noch so vieles in Zeitungen, vielleicht sollte ich denen auch mal sagen, dass sie auch Gutes bringen. ;-) Sonst meinen die noch, ich sei ein Ewigstänkerer.

@ Peter
Da verlink ich drauf. ;-)

Anonym hat gesagt…

I want not approve on it. I assume warm-hearted post. Especially the title attracted me to review the unscathed story.