Montag, 28. September 2009

Kein Mitleid - auch nicht mit Polanski.

Nun. Natürlich ist der Fall brisant. Doch mir ist nach wie vor unerklärlich, warum es Heerscharen von Menschen, ausländischer Presse und scheinbar auch Schweizer Politiker gibt, welche einen Mann, der laut Aussagen des dreizehnjährigen Opfers Folgendes mitverschuldete, in Schutz nehmen können:
(Quelle 20min online)
«Am 20. Februar 1977 nahm mich Polanski mit zu unserem ersten Fotoshooting in den Hügeln nur wenige Blocks von meinem Haus entfernt. Nach einer Filmrolle sagte er, ich solle mein Hemd ausziehen und er schoss gleich ein paar Fotos, während ich mich umzog. Ich liess ihn gewähren, dachte aber gleichzeitig, 'ich sollte so was nicht machen'. Doch ich war ein Kid, und ich dachte, wenns nicht okay wäre, würde er mich nicht danach fragen. Wenn ich es meiner Mom gesagt hätte, hätte sie mich nie zum zweiten Shooting gehen lassen.
Danach gehen wir zu Jack Nicholsons Haus. Ich hatte 'Chinatown' gesehen und dachte mir, 'Wow! Jack Nicholson'. Das Dienstmädchen öffnet die Türe und verschwindet gleich, also waren wir meiner Meinung nach alleine – und ich war weit, weit weg von zuhause. Polanski bietet mir Champagner an. […] Er schenkt mir immer wieder nach. Dann sagt er, ich soll wieder oben ohne posieren – im Jacuzzi. Ich habe keine Badehosen dabei, also steige ich in Unterhosen ins Bad. Er schiesst ein paar Bilder und zieht sich selbst aus – und nun denke ich, 'oh, das ist nicht in Ordnung'. Ich habe Angst und mir ist etwas schwindlig. […] Ich schnapp mir ein Handtuch, doch er will mich noch nicht nach Hause nehmen. Und dann bietet er mir Quaaludes [Methaqualon] an und fragt, ob ich so was schon mal genommen hätte. Ich lüge und sage, ja. Ich nehm einen Drittel einer Pille. Er nimmt den Rest und sagt mir, ich soll mich doch kurz mal hinlegen. Ich weiss, er will Sex haben und dass er keine Widerrede dulden wird. Ich bin beduselt, habe Angst und weiss nicht, was ich machen soll – also lasse ichs geschehen.»
(Quelle hier )

Es gilt in der nüchternen Analyse fest zu halten, dass er nicht verurteilt wurde, weil er flüchtig war, somit auch ihm grundsätzlich noch immer die Unschuldsvermutung zukommt, obwohl er sich selbst bereits einmal im Fall schuldig bekannte. Trotzdem finde ich die Reaktionen der Presse im Ausland, welche sich ob der späten Verhaftung nun empören, als grundlegend falsch. Es ist wie damals, als man dem Opfer mit einer Lolita-Unterstellung die alleinige Schuld zusprach. Ist ein Mensch kein Verbrecher, nur weil er sehr berühmt ist? Oder Ist ein Mann kein Kinderschänder, nur weil er geniale Filme dreht? Heute müssen wir sagen, dass wir es noch nicht wissen, dass der Prozess aber zu Ende geführt werden muss, um über Schuld oder Unschuld zu richten, ist allemal richtig. Aus meiner Sicht hat die Schweizer Justiz richtig gehandelt. Besteht ein internationaler Haftbefehl, soll dieser vollstreckt werden. Ob jemand Polanski, Karadzic oder Müller heisst.

Dass diese Nachricht - wie nun einige Politiker, Medienleute oder Künstler behaupten - scheinbar dem Ansehen der Schweiz schaden solle, ist in meinen Augen nichts weiter als erbärmlich (zumal es darunter auch laut anderen Blogs und deren Kommentaren auch solche habe, welche die Schweizer Justiz sonst gerne mit Plüsch- und Kuschelargumenten eindecken), aber für diejenigen, welche einen solchen Schwachsinn behaupten: Stellen sie sich doch sonst mal ihr (fiktives) Kind in dieser Situation vor. Nicht wirklich angenehm...
Polanski hätte sich schon vor Jahren der Justiz stellen sollen, dann wäre (fast) allen diese unangenehme Situation erspart geblieben. Was denkt ihr?

Kommentare:

odin hat gesagt…

Man kann es auch in diesem Blog nicht oft genug sagen: Gegen Polanski lag ein internationaler Haftbefehl vor. Diesem ist unerzüglich Folge zu leisten, sobald der Gesuchte unseren Boden betritt. Das gilt auch für Herrn Polanski. Dieser hat auch schon lange seine Untaten gestanden.

Dabei spielt es keine Rolle, wenn das damalige Opfer unterdessen die Tat verziehen hat. Auch in den USA ist eine Vergewaltigung ein Offizialdelikt. Die Verhaftung war richtig. Über die Wahrheitsfindung sollen sich dann die Amis streiten und nicht wir. Deshalb sollte man diesen Bullshit nicht länger zum Thema machen. Wir hätten wichtigeres zu besprechen.

P.S. Wohl das erste mal das ich mit Reto M.eine inhaltliche Übereinstimmung habe.

Lonely Loon hat gesagt…

Internationaler Haftbefehl - o.k.

Und was macht der Bundesrat, wenn China einen internationalen Haftbefehl gegen den Dalai Lama ausschreibt? Passen sie ihn dann beim nächsten Besuch in der Schweiz vor dem Tibet-Institut in Rikon ab und liefern ihn aus?

Wer sich über den Fall Polanski etwas tiefgründiger informiert, merkt schnell, dass die Absurditäten sich überbieten. Wenn die ganzen Sache einen Sinn ergeben soll, dann liegt der wohl in erster Linie im Opferschutz. Samantha Geimer wurde zweimal Opfer: Zuerst von Polanski, und jetzt von der US-Justiz, sekundiert von einem einmal mehr kurios agierenden Schweizer Bundesrat.

Anonym hat gesagt…

Der einzige Grund warum trotzdem ein etwas schales Gefühl zurückbleibt, ist die Frage, warum man Hr. Polanski erst jetzt verhaftet hat. Dass man vorher immer erst im Nachhinein erfahren hat, dass er sich in der Schweiz aufgehalten hat, tönt doch ziemlich stark nach Ausrede.

@Lonely Loon. Der Dalai Lama hat ein Diplomaten Pass

Diana Kennedy hat gesagt…

Also mir ist es auch unerklärlich, warum nun vielfach so getan wird, als beginge die Schweiz da eine Art von Blasphemie.
Der internationale Haftbefehl besteht, Punkt. Was wäre das denn für eine Bananenrepublik die sagt "Och, ja, da ist zwar dieser Haftbefehl aber Sie sind nun mal ein berühmter Filmemacher, daher vergessen wir den jetzt einfach mal." Vor dem Gesetz sind alle gleich!
"Einvernehmlich" ist übrigens angesichts der Schilderung ein Witz. Der Ablauf ist recht typisch (und daher auch sehr glaubwürdig) da wurde der immer in einer Heranwachsenden innewohnende Respekt vor Erwachsenen (und noch dazu einem berühmten Erwachsenen) schamlos ausgenutzt.

So oder so, in der Tat ist es dann an dem Gericht, die Wahrheit hearuszufinden und zu richten.

Mir stellt sich aber auch die Frage, warum es nicht schon früher eine Gelegenheit gab, den Haftbefehl zu vollstrecken. Ich meine, 1978...über dreissig Jahre!

Anonym hat gesagt…

wo ist das Problem? Herr Polanski hat in von ihm autorisierten Interviews mehrfach die Vergewaltigung zugegeben, die kann jeder im Netz selber sehen. Wenn nun eine Gruppe von Menschen sich für das Recht auf Vergewaltigung von Minderjährigen stark macht ist das ihr gutes Recht, denn hier herrscht ja Meinungsfreiheit. Aber bitte liebe Befürworter des Rechts auf Vergewaltigung, steht dann auch offen dazu. Allerdings müssen diese Menschen dann auch die Konsequenzen tragen und damit leben, dass ich sie aus ganzem Herzen verabscheue. Ich werde jedenfalls versuche die Petitionsliste zugunsten des Vergewaltigers zu bekommen um die Möglichkeit zu haben diese Leute in Zukunft nicht mehr mit meiner Anwesenheit zu belästigen.

Marco hat gesagt…

Ob es sich um eine Berühmtheit oder einen 08/15-Bürger handelt, sollte eigentlich keinen Unterschied machen. Tut es aber in diesem Fall scheinbar doch...

Das eigentlich Abstruse ist aber, dass die Tat vor 30 Jahren stattgefunden hat, eine Verurteilung hat es bisher nicht gegeben.
Wie soll so ein Fall nun nach 30 Jahren vor Gericht verhandelt werden? Das ist schlichtweg unmöglich.

Darum gibt es normalerweise Verjährungsfristen für solche Taten, ausgenommen in Bananenrepubliken wie den USA und der Schweiz.

Anonym hat gesagt…

Zufällig lese ich wieder einmal diesen Blog. Und ich hätte es nie gedacht: Grosses Komplimemt an den Schreiber. Das wären auch meine Worte. Ist der Reto Müller etwa gar nicht SP-Mitglied? Irgendein SVP-Undercover? Die Sozis verdeidigen (mindestens hier in Zürich) doch samt und sonders alles glühend was auch nur entfernt nach Kultur riecht. Mehrere Servilatspromis aus dem erwähnten Kuchen geben im Tagi bekannt, Sie schgämen sich für die Schweiz oder wollen gar auswandern. Leider nur leere Versprechungen.

Lonely Loon hat gesagt…

Ich kann mich dem Tenor in diesen Kommentaren nicht anschliessen.

Wie hiess es schon bei Orwell? Alle sind vor dem Gesetz gleich, aber einige Schweine sind gleicher (oder so ähnlich).
http://tinyurl.com/ycye95m

Auch das Kompliment an den Blogger kann ich in diesem Fall nicht erwidern, weil er sich offenbar nur sehr oberflächlich über den Fall informiert hat. Populistischen Mainstream kann ich auch sonstwo lesen. (Sorry, Reto, ansonsten lese ich Deinen Blog sehr gerne.)

odin hat gesagt…

Marc, der Schweiz kann es schnurzegal sein, ob dieser Fall nach 30 Jahren noch verhandelbar ist oder nicht. Das ist wie gesagt das Problem der Amis. Wir haben nur den Haftbefehl zu vollziehen und uns nicht über die Prozesschancen zu äussern. Selbstverständlich gilt auch für Herrn Polanski in der Schweiz die Unschuldsvermutung, inkl.das Recht auf einen Anwalt und Rekursmöglichkeiten. Davon hat Polanski schon Gebrauch gemacht.

@ L.L

Polanski hat in der Tat seit den 1970er Jahren schon mehrmals die Schweiz besucht. Der internationale Haftbefehl besteht aber erst seit 2005. Polanski wurde in der Zwischenzeit wohl nur deshalb nicht verhaftet, weil er nie den Pass vorzeigen musste. Das kann durchaus so gewesen sein. Erst Recht mit dem unnützen Schengener System.

Ich bin selber auch schon oftmals ohne Passkontrolle durch den Zoll gekommen. Aber selbst bei einem Blick auf den Pass können im dichten Ferienverkehr nicht alle Identitäten noch zusätzlich mit der Fahndungsdaten Bank abgeglichen werden. Bei einem Promi kommen dann eh viele Zöllner aus Verlegenheit nicht dazu, noch schnell einem Blick in die Fahndungsliste zu machen. Ausser man weiss aus dem Medien das Polanski zur Fahndung ausgeschrieben ist. Aber in Kloten scheint es mir ohnehin viele junge Grenzbeamte zu haben die keine Praxis haben.

Und das Beispiel mit dem Dalai Lama ist völlig unpassend. Jedes demokratische Land weiss doch, dass die Chinesen den Dalai Lama aus politischen Gründen suchen würden. Es würde sich hier um einen politisch Verfolgten handeln, den man nicht ausliefern darf. Das steht vermutlich sogar im Völkerrecht. Außerdem müsste das ganze dann auch über Interpol laufen. Glaube kaum das so ein internationaler Haftbefehl zu Stande käme. Die Chinesen würden so auch neue Unruhen in Tibet provozieren und den Dalai Lama bei einer Verhaftung zum Märtyrer machen. Lass also diesen abstrusen Vergleich bei Seite.

daniel.steiner.evp hat gesagt…

Gesetz ist Gesetz. Recht ist Recht. Ob nun jemand Polanski oder Müller ;-)) heisst. Ob die Tat nun 30 Jahre her ist oder gestern passiert ist.

Es ist schon peinlich genug, dass man über diese Verhaftung diskutiert. Bei Müller würde man dies nicht tun.

David hat gesagt…

Samantha Geimer, das damalige Opfer, schreibt: «Um ehrlich zu sein, war die Aufmerksamkeit des Publikums derart traumatisch, dass die eigentliche Tat im Vergleich längst verblasst ist.»

Das ursächliche Problem der ganzen Geschichte ist, dass man meint, mit drastischen Strafen Kinder schützen zu können. Unser Umgang mit pädokriminellen Taten schadet den Opfern zusätzlich und bedient nur den Voyeurismus und die Rachelust der Öffentlichkeit. Hätte Polanski Aussicht auf einen fairen Prozess mit einer vernünftigen Strafe und einer Therapie gehabt, wäre allen Beteiligten geholfen gewesen und der Fall längst abgeschlossen.

Lonely Loon hat gesagt…

@David: Schön gesagt.
Habe soeben Deinen Blog abonniert. :-)

@odin: Ich gebe zu, dass der Vergleich mit dem Dalai Lama Lücken hat. Doch wenn der Bundesrat sich hinter Begründungen verschanzt wie "Gesetz ist Gesetz, und wir haben einen internationalen Haftbefehl", da fragt man sich halt, wie weit unsere Regierung gehen würde mit dieser nur vordergründig ehrenwert scheindenden Grundhaltung.

Eins ist jedenfalls offensichtlich: Die Verhaftung von Polanski ist eine reine Sache von "Law and Order"; ein Machtspiel und eine späte Genugtuung für gewisse amerikanische Staatsanwälte. Mit Gerechtigkeit hat sie überhaupt nichts zu tun (s. Post von David). Der Täter ist längst keine Gefahr mehr für irgend jemanden, es gibt nichts mehr zu sühnen. Das Opfer hat ihm längst verziehen und wünscht sich für sich selber nichts dringlicher als dass der Fall endlich zu den Akten gelegt wird.

odin hat gesagt…

Euch zweien geht nicht in den Kopf das gegen Polanski ein Haftbefehl hängig war. Die Schweiz war dazu verpflicht so zu handeln wie sie eben gehandelt hat. Polanski darf nun die Rechtsmittel gegen die Auslieferung schöpfen.

Es liegt aber nicht an dir und der Schweiz, diesen Haftbefehl nun als unnötig zu erachten, nur weil Polanski angeblich keine Gefahr mehr sein soll. Ob dem wirklich so ist müssen die amerikanischen Gerichte hinterhergehen und nicht wir!

Allenfalls dürfen wir nur das in die persönliche Diskussion führen was Polanski bisher zu diesem Fall öffentlich gesagt hat. Natürlich wissen auch wir nicht genau was damals alles geschah. Aber immerhin hat Polanski den sexuellen Missbrauch gestanden. In einem Interview von 1987 macht Polanski so quasi keinen Hehl daraus, dass er Sex mit Mädchen als nichts verwerfliches erachtet. Das sagt schon viel aus..

Das mit dem Dalai Lama ist und bleibt ein blöder Vergleich. Mich stört aber auch die Scheinheiligkeit einiger Zeitgenossen. Jetzt fordert man natürlich den gleichen Umgang mit Gaddafi und anderen Halunken, sobald etwas vorliegt was zum handeln verdammt. Die Linken sind aber keine Dreck besser, wenn abgewiesene Asylbewerber von diesen nicht ausgeschafft werden und ebenso Gesetze verletzt werden! Also auch hier endlich Law and Order einfordern und nicht bloss dort wo es einem linkspolitisch passt !!

P.S. Im übrigen müssen wir noch abwarten, ob Polanksi aus politischem Druck vielleicht doch bald frei kommt. Die Schweiz hätte dann wieder gekuscht.

Anonym hat gesagt…

Ja und die alte Tante Micheline muss ihrer Bundesratskollegin einmal mehr in den Rücken fallen und Mangel an Feingefühl vorwerden. Wie hält es die SP eigentlich mit dem Kollegialprinzip?

Lonely Loon hat gesagt…

@odin: Das mit dem Haftbefehl geht mir sehr gut in den Kopf. Darum teile ich auch Deine Meinung zum Vergleich mit dem Dalai Lama nicht. Es wäre wirklich interessant zu wissen, unter welchen Umständen es der Bundesrat mit "law and order" ernst meint und in welchen Fällen plötzlich andere Handlungsgründe wichtiger werden. Die Handlungsweise unserer Regierung in den letzten Jahren und Jahrzehnten ist moralisch keineswegs konsistent.

Was aber andererseits Dir nicht in den Kopf zu gehen scheint, ist, dass es beim ganzen Spiel keine Gewinner gibt, sondern ausschliesslich Verlierer. Und dass die zweitgrösste wenn nicht grösste Verliererin das Opfer selber ist (das sich schon vor 30 Jahren mit Polanski geeinigt hatte, was der Richter aber nicht zuliess).

Anonym hat gesagt…

@ Lonely Loon, es ist quatsch, das sich das opfer mit Polanski geeinigt hat, die Anwälte haben sich mit ihm geeinigt und das Opfer hat sich aus Therapeutischer Sicht richtiger weise damit abgefunden, Die überwältigende Mehrheit der Polen, der Franzosen und auch der übrigen Bevölkerung erwartet von der Schweiz die Überstellung des Kinderschänders an die USA. Diese ewigen Ausflüchte, das Mädchen wollte es, der Richter habe ein übermässig hartes Urteil gesprochen, die USA hätten die Auslieferung nicht mehr angestrebt die Tat sei verjährt und was da sonst noch rumgelogen wird könnne mittlerweilen alle leicht und einfach widerlegt werden.

Lonely Loon hat gesagt…

@(Anonym): Was hat das, was die Mehrheit der Polen und Franzosen (angeblich) will, mit der Sache zu tun?

Es ist eben nicht Quatsch, dass sich das Opfer mit Polanski geeinigt hat, sondern Fakt. Aus der Optik von vor 30 Jahren trifft das mit den Anwälten noch zu. Das Opfer ist aber nicht mehr 13, oder? Eben.

Und ebenso ist es Fakt (ich wiederhole mich), dass es in der Sache eigentlich nur Verlierer gibt. Mal abgesehen von ein paar amerikanischen Staatsanwälten und der Presse, die wieder mal ein paar Tage lang was Süffiges zum Schreiben hat.

(Wäre nett, wenn sich die "Anonymen" ein anständiges Pseudonym zulegen würden, damit man hier ein bisschen nachverfolgen kann, wer was sagt.)

Bruno hat gesagt…

Es geht ja gar nicht um die Frage, ob man ihn festnimmt oder nicht. Aber jetzt den Moralisten rauszuhängen und ihn jahrelang unbehelligt in der Schweiz feiern, skifahren und ihn ein Haus besitzen zu lassen, ist dann schon etwas... na ja. Jetzt heuchlerisch. Auf jeden Fall ist die Verhaftung heute bloss unverhältnismässig und dumm.

Der Staat muss sich die Frage gefallen lassen, warum er so lange willentlich einen mutmasslichen Vergewaltiger hat frei herumlaufen lassen. Und andererseits sich über geltendes Recht erhebt und den Idiotensohn aus Tripolis ausreisen lässt...

odin hat gesagt…

Wir sind kein US-Gericht

Es geht nicht um Gewinner und Verlierer, sondern einzig und alleine um das Recht. Der Haftbefehl war da und zu vollziehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich Täter-Opfer vor 30 Jahren schon geeinigt haben oder nicht. Über solche Sachverhalte müssen sich wie gesagt die Amis untereinder streiten. Wir haben nur den internationalen Haftbefehl zu vollziehen. Es liegt nicht an uns, zu werten was 1977 um Polanski herum passierte, um den Haftbefehl so zu ignorieren.

Zudem bezweifle ich das man sich bei einem Offizialdelikt auf diese Art und Weise einigen kann. Aber auch diese Frage hat uns eigentlich nicht zu kümmern.

Die Linken kritisieren jetzt wieder wie Polanksi an ein Festival ( mit Bundesunterstützung) gelockt wurde, um dann kurz zuvor am Flughafen verhaftet zu werden. Man habe Polanski in eine Falle gelockt. Herr Meier und Herr Müller werden aber oftmals auch in eine Falle gelockt und verhaftet. Bei Normalsterblichen wird auch nicht lange überlegt wie und wann man einen Gesuchten verhaften sollte.

odin hat gesagt…

Aber Bruno, sollten nicht alle etwas aufpassen mit dem moralisieren? Gewiss gibt es viele Leute ( wohl hauptsächlich Linke) die nicht verstehen können weshalb Polanski jahrelang in der Schweiz frei herumlief. Andere verstehen dann nicht weshalb man bei Gaddafi so und bei Polanski anders gehandelt hat. Ich verstehe das ein Stückweit.

Aber viele dieser Stänkerer tolerieren dann auch, dass abgewiesene Asylbewerber einfach nicht ausgeschafft werden, obwohl hier auch das Gesetz nicht durchgesetzt wird. Die sind auch immer auf unseren Boden, ohne aber das etwas passiert. Das ist auch nicht konsequent. Herr Vischer sollte dann nicht auf einer Seite die Inkonsequenz kritisieren, wenn seines Spezies auf der anderen Seite auch inkonsequent ist. Solche Moralisten finde ich echt zum kotzen.

Lonely Loon hat gesagt…

@odin: Um den Fall moralisch zu beurteilen (und das tun wir hier schliesslich alle, hat nichts mit Moralisieren zu tun), muss man die Frage nach Gewinnern und Verlierern sehr wohl stellen.

Vordergründiger Zweck der Justiz ist wohl zweifellos die Gerechtigkeit. Wenn sie diese vor lauter Prinzipienreiten und Verschanzen hinter angeblichen technokratischen Sachzwängen aus dem Blickfeld verliert, hat sie ihren Daseinszweck verloren. Liefert die Schweiz Polanski an die USA aus, muss auch sie sich zwangsläufig den Fragen nach Gerechtigkeit und damit nach Gewinnern und Verlierern stellen.

Und übrigens, siehe da - plötzlich bekommen wir "Linken" Support von gänzlich unerwarteter Seite:
http://tinyurl.com/yfx4va3

odin hat gesagt…

Ich halte gar nichts davon, dass man mutmasslich Kriminelle auf den internationalen Haftbefehl aufmerksam machen soll. Die müssen schon selber darauf achten :)

Hier wird bemängelt, das der Staat jemanden einlädt, um diese Person nach der Einreise zu verhaften. Das Problem haben wir auch nur weil die Kultur nicht entstaatlicht ist. Ich sage schon lange das die Kultur keine Staatsaufgabe sein soll. Dann hätten wir nicht diese dummen Überschneidungen zwischen Justiz und Kultur.

Auf der anderen Seite arbeitet unsere Justiz unabhängig und muss überhaupt keine Rücksicht nehmen auf die Kulturschaffenden und deren Gästeliste. Es ist das Problem der Kulturschaffenden, wenn diese nicht wissen, dass Polanski international gesucht wurde.

Der eigentliche Verlierer bei dieser Sache ist Roman Polanski und nicht die Schweizer Justiz. Diese hat nur den Haftbefehl vollzogen und sonst nichts. Die Schuldfrage müssen die Amis beurteilen. Und hier soll ja dieser Vergleich von 1977 plötzlich rechtens sein. So lange aber der Haftbefehl nicht zurückgenommen wird bleibt es so wie es ist.

Das Polanski sich an einer Minderjährigen vergangen hat ist aber unbestritten. Das unsere Kulturfuzis sich nicht von Polanski distanzieren erachte ich als geschmacklos. Man könnte sich auch fragen, weshalb die Kulturschaffenden sich nicht längst von Polanski distanziert haben, obwohl der Vergewaltigungsfall seit langer Zeit bekannt ist??

Anonym hat gesagt…

@odin: Das Problem ist ja eben gerade, dass der grösste Verlierer nicht Roman Polanski heisst.

odin hat gesagt…

Unglaublich wie gewisse Leute eine Sexualstraftat verharmlosen. In dieser ganzen Geschichte von Unterlassungen, Juristen Meierei und Kindesmissbrauch, ist gerade der Kindesmissbrauch noch immer das aller schlimmste und Polanski ( abgesehen vom Opfer) damit der größte Verlierer!!

Ich fand es gestern ziemlich pervers, wie ein Rolf Lyssy in der Arena solchen Bockmist verzapfen konnte. Aus dem Opfer wurde ein Täter und aus dem Täter ein Opfer gemacht. Die Kulturschaffenden geht es doch einen Scheissdreck an, ob ein Polanski nun schuldig oder unschuldig ist. Das müssen einzig und alleine die Richter beurteilen und nicht die Schweizer Kulturszene! Bei einem Normalsterblichen wird auch keine Arenasendung gemacht, wenn diesem ein Kindsmissbrauch angelastet wird! Mit moralischer Unterstützung durch die Kultur kann ein solcher Verdächtiger schon gar nicht rechnen.

Lonely Loon hat gesagt…

@odin: Es geht mir ja gar nicht darum, etwas zu verharmlosen. Wenn Du das glaubst, hast Du etwas gründlich missverstanden.

Nein: Polanski ist nur der zweitgrösste Verlierer. Der grösste Verlierer ist das Opfer, das man nicht zur Ruhe kommen lässt. Zuerst missbraucht durch Polanski (das zweifelt ja gar niemand an), dann indirekt Opfer eines prestigegeilen Richters, der eine Einigung im Interesse aller aus vermutlich rein populistischen Gründen verhindert hat, und jetzt erneut aufgewühlt durch das Wiederaufrollen des Falles, das sich das Opfer selber keinesfalls gewünscht hat, weil es - nach eigener Aussage - nicht ein erneutes Trauma erleiden will.

Natürlich ist die Tat Polanskis verurteilenswert. Natürlich lief etwas falsch, dass das Gerichtsverfahren nicht schon vor 30 Jahren abgeschlossen werden konnte (aber in diesem Fall die Schuld allein Polanski zuzuschieben, greift zu kurz.)

Trotzdem: Wer ums Verrecken diese Gerichtsverhandlung gegen Polanski fordert, muss sich im Klaren sein, dass er damit dem Opfer ebenfalls Schaden zufügt.

Anonym hat gesagt…

1. Mit dem verharmlosen habe ich eigentlich den Anonymen gemeint. Dieser hat natürlich das Recht auf eine Gegendarstellung. Damit man aber weiss mit welchem Anonymen man redet, solche man sich vielleicht noch eine Zahl zum Anonym hinzulegen.

2. Ich weiss wirklich nicht was Sie hier zu meckern haben?? Sie kritisieren hier die US-Justiz und das Geschehenen in den USA im Jahre 1977. Das ist aber nicht unser Problem. Die Kritik müssten Sie schon in den USA einbringen und nicht bei uns. Aus Schweizer Sicht haben wir uns nur über den Vollzug des internationalen Haftbefehls zu streiten, bzw. über die angeblich lange Untätigkeit der Behörden. Andere demokratische Länder mögen es auch nicht, wenn wir uns in deren Justiz einmischen. Die haben ihre Gesetze und wir unsere.

3. Man darf aber sagen das auch in den Staaten ein sexueller Missbrauch ein Offizialdelikt ist! Man muss also von Amtes wegen in dieser Sache ermitteln. In den USA ist jeder sexuelle Kontakt mit einer Minderjährigen eine Vergewaltigung. Wenn Sie wiederum ein Problem damit haben, dann wären hier auch die Amis zu kritisieren und nicht unsere Rechtsordnung. Wir sollten wirklich nicht über amerikanische Sühne und Unschuld diskutieren, sondern nur endlich über das was die Schweiz betrifft!

4. Sie wissen ganz genau, dass eine Vergebung für eine Vergewaltigung, oftmals nur aus Scham oder psychischem Stress erfolgt und weniger aus freien Stücken. Deshalb ist eine Vergebung für eine Vergewaltigung immer sehr fragwürdig, egal vor welchen Rechtssystem das ich immer der Fall ist.

odin hat gesagt…

Sorry, der Beitrag von oben ist auch von mir. Jetzt habe ich mich selber anymisiert :)

Lonely Loon hat gesagt…

Das mit dem Anonymisieren ist mir genau gleich passiert - der vorletzte Anonym war ich. :-)

Du bringst nichts Neues als gehabte Law and Order. Das Meiste lass ich aus, weil wiederholt durchgekaut. Höchstens noch zu 2.: Die Schweiz ist meines Wissens sehr wohl verpflichtet, die Umstände in dem Land, in das der Verhaftete ausgeliefert werden soll, zu prüfen. Darin eingeschlossen ist auch - jedenfalls gemäss NZZ - das Gerichtsverfahren, das vor 30 Jahren stattgefunden hat.
http://tinyurl.com/yd676p6

Nur in Punkt 4 gehst Du auf den Inhalt meiner letzten Aussage ein, aber nicht stichhaltig. In dieser Aussage sprach ich vom Schaden für das Opfer, den dieses selber befürchtet. Wenn Du Scham und Stress erwähnst, untermauerst Du meine Aussage. Diese werden sicher nicht reduziert, wenn man das Verfahren nun mit Law-and-Order-Mentalität durchstiert, statt es einfach einzusehen, dass es so nur Verlierer gibt, und das Opfer selber die grösste Verliererin ist.

Nochmals: Wer ums Verrecken diese Gerichtsverhandlung gegen Polanski fordert, muss sich im Klaren sein, dass er damit dem Opfer ebenfalls Schaden zufügt.

Reto M. hat gesagt…

Wie die Zeitung "Sonntag" heute berichtet, unterstützt das Opfer die "Gnade" um Polanski vor allem seit sie Ende der 90er Jahre eine Zahlung in der Höhe von etwa 1 Million US-Dollar erhielt.

Warum drängen alle Kindesschutzorganisation auf die Unverjährbarkeit solcher Taten, wenn sie dem Opfer Schaden zufügen? Das glaube ich halt einfach nicht.

Ich bin sonst und immer der Meinung dass der Kindesschutz Vorrang vor allem anderen hat. Also in dieser Situation auch vor einem Vergewaltiger, der halt ein berühmter Regisseur ist.

Lonely Loon hat gesagt…

Schon wieder so ein Kurzschluss: Das Opfer nimmt eine Entschädigungszahlung von Polanski an, also kann es ja gar nicht sein, dass es um Traumatisierung geht; ganz offensichtlich geht es nur ums Geld.

Halloo…? Könnte es vielleicht sein, dass all die, die Polanski verhaftet sehen möchten, einfach nicht wahrhaben wollen, dass - im Gegensatz zu ihnen - das Opfer selber dem Täter längst vergeben hat? Weil nicht wahr sein kann, was nicht wahr sein darf?

Von Kinderschutz kann man in diesem Fall ganz offensichtlich nicht mehr reden, weil das Opfer kein Kind mehr ist. Es geht wenn schon um Opferschutz. Sollte man da nicht endlich auch mal auf das Opfer hören?

Und übrigens ist auch die NZZaS der Meinung, dass es in dem Fall nur noch Verlierer gibt.
http://tinyurl.com/yek87o6

odin hat gesagt…

@L.L

Sorry wenn ich mich immer wiederhole. Aber ich kann auch nichts dafür, wenn Sie offensichtlich so schwer von Begriff sind.

Ich kann Ihnen jetzt noch hinzufügen was Juristen dazu sagen, die etwas mehr davon verstehen als wir zwei. Das deckt sich mit dem was ich bisher schon sagte. So haben in der Arenasendung zwei Juristen genau gesagt, was die Kriterien des Haftbefehls und der Auslieferung sind.
Wir haben keine Beurteilung über Sühne und Unschuld zu machen. Wir haben nur einen Gesuchten zu überstellen, damit die Amis EBEN genau diese Beurteilung machen können, wie weiter mit Polanski zu verfahren ist. Das ist ein Verfahren hängig wo die Schweiz Rechtshilfe leisten muss! Sprich eine Auslieferung von Polanski um dieses Verfahren zu ermöglichen. Wir sind dazu rechtlich verpflichtet. Umgekehrt müssen uns die Amis auch Kinderschänder ausliefern die in der Schweiz einen Missbrauch begingen!

Was vor 30 Jahren verfahrensmässig war ist völlig haltlos, ansonsten hätte es ja keinen internationalen Haftbefehl gegeben. Dort wird auch schon vorher völkerrechtlich abgeklärt, ob das Land des Gesuchstellers färe Prozessbedingungen stellt, bzw. eine Offizialdelikt vorliegt! Das ist hier eindeutig der Fall. Bei Nordkorea oder Burma würde momentan kein einziger internationaler Haftbefehl gültig sein.

Bei einem Offizialdelikt muss der Staat ( hier die USA) ermitteln bis der Fall abgeschlossen ist und ggf. ein Urteil fiel. Das ist hier eindeutig der Fall. Rechtlich ist das einfach so, egal wenn Sie und das Opfer ein Problem damit haben ( bei uns gibt es dazu noch ein Opferhilfegesetz). Sehr viel liegt jetzt auch an Polanksi, damit des Opfer möglichst wenig an das Geschehene erinnert wird und nochmals aussagen muss. Aber diesen Umstand erwähnen Sie ja nie. Die Aussagen des Opfers sind ja sicher noch protokolliert, Polanski gestand ja auch schon seine Tat. Polanski hat es also in der Hand ob das Opfer wieder leidet und nicht die Justiz.

Lonely Loon hat gesagt…

@odin: Vergiss die Juristerei. Das steht mir nun wirklich nicht im Vordergrund.

Kannst Du eine einfache Frage beantworten? Nützt der ganze Aufruhr dem Opfer, oder schadet er ihm? Wie ist Deine Einschätzung?

odin hat gesagt…

Ob Sie es gern hören oder nicht, bei diesem Fall zählt mehr das juristische und nicht Ihre Bedenken. Das ist sehr wichtig. Man kann doch aber nicht pauschal sagen, das eine Neuverhandlung einem sexual Opfer immer Schaden zufügt.

Umgekehrt zu Ihrer Aussage, gibt es doch auch Frauen, die erst Jahre und Jahrzehnte nach der Tat gegen Vergewaltigter (neu)aussagen können und das auch relativ gut durchstehen. Diese Frauen sind auch zu solchen Verfahren gewillt. Sie stellen die Prozessfähigkeit einfach pauschal in Frage, was ich nicht gut finde und gefährlich. Aber so oder so bleibt das ganze halt immer ein Offizialdelikt,wo das Opfer halt ggf. nochmals mit der Tat konfrontiert wird.

P.S. Kriegsverbrechen sind auch unverjährbar. Da kann man auch nicht solche Prozesse auslassen," nur " weil die Oper womöglich wieder traumatisiert werden.

Wichtig ist bei solchen Traumata Prozessen einfach die Opferhilfe, damit dem Opfer möglichst Hilfe geboten wird und der Rechtsstaat dennoch gegen den Angeklagten urteilen kann.

Lonely Loon hat gesagt…

@odin: Was natürlich auch eine Antwort ist. Es geht nicht um die Prozessierfähigkeit der Frau, sondern darum, dass sie gar nicht prozessieren *will*. Leider sitzen nicht diese Leute am Hebel, die bereit wären, ihr diesen Wunsch zu erfüllen.

Die Aussagen des mündigen Opfers sind klar. Und somit ist es eigentlich auch die Antwort auf meine Frage, um die Du Dich drückst. Aber ich kann es nachvollziehen, wenn Dir eine ehrliche Antwort auf diese Frage so peinlich wäre, dass Du sie nicht geben kannst.

Der Vergleich mit den Kriegsverbrechen ist an den Haaren herbeigezogen, weil es bei Kriegsverbrechen auch immer weitere Opfer gibt sowie ein allgemeines Interesse, die Verbrechen restlos aufzuklären. Beides ist hier nicht der Fall bzw. nicht nötig, weil es keine weiteren Opfer und auch nichts mehr aufzuklären gibt.

Und wichtig ist bei Traumata in erster Linie, die Opfer vor einem erneuten Trauma zu schützen, vor allem wenn es mit sich selber den Fall längst abgeschlossen hat und nun von Staatsanwälten wieder zur Konfrontation gezwungen wird. Und der Rechtsstaat hat in diesem Fall schon vor 30 Jahren versagt. Wenn er jetzt, wo die Sache auch ohne ihn längst zur Ruhe im beidseitigen Einverständnis gekommen ist, meint, er müsse den Fall jetzt noch "abschliessen", macht er die Sache nicht besser, sondern nur noch schlimmer.

Lonely Loon hat gesagt…

Bevor ich mich hier nun endgültig verabschiede, nur noch das:

"I am no longer a 13-year-old child. I have dealt with the difficulties of being a victim, have surmounted and surpassed them with one exception.
Every time this case is brought to the attention of the court, great focus is made of me, my family, my mother and others. That attention is not pleasant to experience and is not worth maintaining over some irrelevant legal nicety, the continuation of the case."
Samantha Geimer

odin hat gesagt…

Bei einem Offizialdelikt ist es nun einmal so, dass man von Amtes wegen ermitteln muss. Das Opfer kann so womöglich nochmals traumatisiert werden, oder eben auch nicht. Deswegen würde ich ja nicht die Unverjährbarkeit von Sexualstrafen im voraus verteufeln. Die einten Opfer wären froh, nun endlich (nochmals) gegen den Täter aussagen zu können.

Auf der anderen Seite muss man auch sagen, dass so eher gefährliche Täter- zumindest für eine gewisse Zeit- vor der Allgemeinheit geschützt werden. Ohne Unverjährbarkeit und ohne Offizialdelikt, könnte z.B. nach 10- 15Jahren nicht mehr gegen mutmaßliche Kinderschänder (neu)ermittelt werden, bzw. solche verurteilt werden. Dafür das diese nicht mehr geahndet werden können verüben diese vielleicht einen neuen Missbrauch. Bei Sexualstraftätern keine Seltenheit, wobei ich jetzt das dem Polanski nicht automatisch unterstelle.

Und da frage ich mich halt schon: Was ist wichtiger? Das Opfer vor einem neuerlichen Prozess und Traumata schützen, oder davor das es nicht weitere Opfer gibt?? Vielleicht werden dann auch noch weitere Missbrauchte durch die Aussage des Opfers identifiziert. Überleg dir das einmal!!

In der Schweiz haben wir übrigens auch die Unverjährbarkeit von Sexualstraftaten, die das Volk deutlich angenommen hat. Du kannst dich also am herzlosen und unmenschlichen Volkswillen beschweren. In der Schweiz würde ich es eben nicht gut finden, wenn man eine Vergewaltigung in US-Manier finanziell sühnen muss. Die reichen können sich dann herauskaufen. während andere in den Knast müssen. Schon nur deshalb finde ich eine Neubeurteilung der amerikanischen Richter gut. Man weiß ja auch nicht ob die Mutter des Opfers damals finanzielle Gelüste hatte.

Im übrigen kann man auch eine Aussage auf Video machen, damit man dem Täter nicht 1:1 gegenübersteht. Alles hängt wie gesagt auch vom Täter Polanski ab. Die Aussagen von damals sind auch noch protokolliert. Wenn Polanski nicht etwas anderes sagt und die Aussagen nicht zurückgenommen werden, dann muss das Oper nicht mehr der Neuverhandlung beiwohnen.

Lonely Loon hat gesagt…

Lesen:
http://tinyurl.com/ygvjsop