Mittwoch, 30. September 2009

Fertig lustig. Amtsantritt.

Wie man bereits am Eintrag "About" rechts sieht, ist es jetzt aus, mit der Leichtigkeit des Seins oder Wahns oder .... wie auch immer. Ab morgen Donnerstag gehöre ich zur Exekutive der Stadt Langenthal. Gemeinderat heisst das im Bernbiet. Ressort Soziales & Altersfragen.
Das Bloggen geht aber weiter.
Letzte Woche stellte mir ein Journalist des Langenthaler Tagblattes folgende Frage, die in der Zeitung dann doch nicht abgedruckt wurde (wahrscheinlich war meine Antwort - darauf folgend - zu unspektakulär). Ich erlaube mir das jetzt publik zu machen, denn ich nehme nicht an, dass nochmals ein Artikel darüber erscheint:

"Wie stehts nun mit dem Bloggen? Du kannst nun ja nicht mehr so frei von der Leber weg schreiben wie bisher, oder?"

"Die nötige Sensibilität, wie und worüber ich schreiben darf, habe ich mir dank den bisherigen Erfahrungen bereits zulegen können. So lange keine Erwartungen aufkommen, dass mein Blog ein offizielles oder inoffizielles Sprachrohr des Gemeinderates wird und sich mir meine Erwartungen an die Texte und Rückmeldungen weiter erfüllen, will ich es weiterführen. Andere Blogger beweisen, dass ein Exekutivamt mit Bloggen vereinbar ist: Bundesrat Moritz Leuenberger bloggt und Barack Obama auch oder lässt zumindest bloggen. Vielleicht bloggt ja bald der gesamte Gemeinderat von der neuen Homepage der Stadt? Mir ist es nach wie vor wichtig, mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern sämtlicher Couleur ohne hohe Hürden in Kontakt zu kommen, über politische Themen zu diskutieren und ihnen zu sagen, was mich beschäftigt und bewegt. Im Bloggen habe ich einen Weg gefunden, mir dies zu ermöglichen. Ich behaupte aber nicht, dass es der einzig richtige sei." 
Mir ist es ernst mit dem neuen Amt und der neuen Verantwortung, welcher ich mich gerne stelle. Ich nehme die Herausforderung an, so wie ich das Bloggen und die damit verbundene Webkonversation aufgenommen habe. Mit Respekt und Einsatzwillen. Was sich hier ergibt, ist nicht selbstverständlich und gerne pflege ich diese Arbeit weiter. Ich muss manchmal schon schmunzeln, wenn ich von der einen Seite (in Sachen Polanski) kommentiert erhalte, dass sie mich nun wieder lesen oder gar gut finden, weil ich eine Meinung vertreten habe, welche sie als "nicht-a-priori-links" einstuften, andere mir im Gegenzug sagen, ich verträte eine sehr populistische Haltung. Liebe Lesenden: Das ist meine Meinung. Nicht mehr, nicht weniger. Die ist manchmal etwas mehr links aus eurer Sicht oder auch etwas weniger links aus EURER Sicht. Sie ist manchmal etwas mehr dem Mainstreamgedankengut entsprechend (sprich populistisch) und manchmal etwas weniger. Es bleibt trotzdem meine Meinung. Sie mag euch passen, verärgern, verunsichern, umstimmen, aufregen, reizen, provozieren oder bestätigen.

Dafür ist der Blog da. Er ist Sprachrohr dessen, was ich im Moment über bestimmte Themen denke. Und diese Themen diskutiere ich gerne mit euch. Ich hoffe weiterhin auf euer Verständnis und bin auch weiterhin hier auffindbar. Wenn IHR das wollt. Ihr müsst nicht kommen, wenn es euch schmerzt. Aber ihr seid willkommen, wenn es euch interessiert, freut, ablenkt, .... was ich denke.
Danke.

Kommentare:

Diana Kennedy hat gesagt…

Erst mal alles Gute für den Amtsantritt. Und ich finde es sehr gut, dass Du weirerbloggst. Ich sehe Deinen Blog nicht als Blog irgendeines Amtes, sondern als Blog einer Privatperson, die zufällig von Beruf Politiker ist.

Lonely Loon hat gesagt…

Hallo Reto

Ich fühle mich da ein wenig angesprochen (von wegen "populistischem Mainstream" :-)

Nicht dass Du eine Meinung hast, die der meinen widerspricht, hat mich in Deinem letzten Beitrag gestört. Sondern dass Deine Meinung und Dein Blogeintrag den Eindruck hinterliessen, dass Du (in diesem Fall) nicht sonderlich gut über die Hintergründe informiert warst.

Aber ich bin doch sehr froh zu lesen, dass Du weiterbloggst. :-)

Reto M. hat gesagt…

@ Diana:
Also ganz so zufällig ist das mit dem Politiker ja auch nicht. ;-) Trotzdem danke für deine Worte.

@ Lonely Loon:
Meine Meinung entsteht meist im Studium der Printmedien oder in der direkten Konfrontation auch während des Diskussionsprozesses, der mitunter manchmal im Blog stattfinden kann. Eher seltener informiere ich mich im Internet. Scheibchenweise ist im Fall Polanski nun immer wieder etwas an die Öffentlichkeit von früher herausgetragen worden, aber das meiste stützt die Thesen derjenigen, welche eher keinen oder zumindest nicht die Grösse dessen Polanski stets propagierten Justizskandals hinter der Affäre vermuten. Vgl. "Sonntag" von heute.

Lonely Loon hat gesagt…

Hallo Reto

Mein eigentlicher Antrieb, überhaupt in Dein Forum zu schreiben, war Dein Titel: "Kein Mitleid - auch nicht mit Polanski".

Ich erinnere kurz an die beiden schlimmsten Höhepunkte von Polanskis Lebensgeschichte: Deportierung und Ermordung der Mutter durch die Nazis, selber im KZ, wo ihm die Flucht gelang, viele Jahre später die brutale Ermordung seiner schwangeren Ehefrau durch Mitglieder einer Psychosekte (die später erst noch von einigen als Kult gefeiert wurde.

Jeder stelle sich das mal bildlich vor: Du kommst nichtsahnend nach Hause und findest Deine schwangere Frau ermordet und massakriert am Boden. An Deine Haustüre haben die Mörder mit dem Blut Deiner Frau das Wort "Pig" geschrieben. Wir können davon ausgehen, dass Polanski von diesem Ereignis traumatisiert wurde.

Ich will einfach wieder mal betonen, nur damit keine Missverständnisse entstehen: Dies rechtfertigt selbstverständlich nicht Polanskis Vergehen an dem Mädchen, und eine schlimme Vergangenheit soll auch nicht bedeuten, dass jemand zu einer Tat nicht zur Rechenschaft gezogen werden sollte. Und letztlich geht mir in diesem Beitrag auch gar nicht darum, ob Polanski nun ausgeliefert werden soll oder nicht.

Mir geht es darum, in der Ganzheit zu verstehen, was passiert ist. Eine Traumatisierung liefert vermutlich Erklärungen, warum ein Mensch auf eine bestimmte Art und Weise handeln mag. (Doch letztlich weiss niemand, was in einem traumatisierten Menschen vorgeht.)

Nicht das "Recht so!" in Deinem Artikel war es, was mich am meisten gestört hatte, sondern der Titel. Es ist so einfach, in Unkenntnis einer Sachlage einfach mal aus dem Bauch heraus zu schreiben: "Kein Mitleid...!" (Und es ist schon so, dass ich in solchen Dingen von jemandem aus sozialdemokratischen Kreisen höhere Massstäbe ansetze als z.B. von einem SVP-Mitglied.) Ich habe eben Mitleid: Mit dem missbrauchten Mädchen, und mit Roman Polanski. Und ich finde, dass auch er (wie jeder Mensch) das Mitgefühl der Mitmenschen verdient.