Sonntag, 20. September 2009

Ein Autobahnzubringer im Oberaargau?

Dieser Vision wird schon seit mehr als 30 Jahren gefröhnt. Damals, als man noch glaubte, dass Langenthal bald eine Einwohnerzahl von über 30'000 Menschen aufzeigen werde und die Raumplanung mit mehreren Hochhäusern diesen hätte Obdach geben sollen, mag man dieser Idee noch einigermassen glauben. Heute ist aber von dieser ursprünglichen Vision ein einziges Hochhaus in Langenthal sichtbar, noch aber lebt der Gedanke an einen Autobahnzubringer, welcher insbesondere das Dorf Aarwangen entlasten soll, weiter.
Zwischenzeitlich wurde die Idee umgetauft. Wirtschaftsstrasse genannt. Dann kam die Zweckmässigkeitsbeurteilung des Kantons Bern, welche aufzeigte, dass die Variante West eines Autobahnzubringers - trotz allem guten zureden - doch unter der Wirtschaftlichkeitsgrenze liegt. Woraufhin man die Variante West nun Bestlösung nennt, was aber weder der Wirtschaftlichkeit noch Umweltverträglichkeit Besseres bringt.

Die Standesinitiative um Aufnahme der Strasse ins nationale Strassennetz steht bereits. Sollte sie abgelehnt werden, müsste der Kanton die Finanzierung alleine oder in PPP übernehmen und obwohl weder Volkes Legimitation bis zum heutigen Zeitpunkt objektiv überprüft, noch die Realisierung von Massnahmen für wirkliche Verkehrsprobleme im Oberaargau angegangen wurden, scheint die rot-grüne Regierung überzeugt zu sein, dass sie diesen bürgerlichen Traum aus den 70er Jahren realisieren möchte. Irgendwie klingt dies in meinen Ohren äusserst komisch. Aber belehrt mich... bitte.

Schöne Homepage der Gruppe "Netzwerk Verkehr"...

Nun, da sich in der Vergangenheit oft höhere Leute aus Wirtschaft und Politik der Region haben dazu vernehmen lassen und sich für den Autobahnzubringer Variante West aussprachen, trat vorgestern eine Gruppe mit dem Namen "Netzwerk Verkehr" an die Öffentlichkeit, welche anstelle neuer Strassen, welche zwangsläufig mehr Verkehr bringen würden, die Lösung der Probleme in Aarwangen durch die Variante Null + fordern. Und sich mit dieser Forderung auch gegen die bisherigen Pläne wendet. Alles kann für Interessierte auf der Homepage nachgelesen werden. Wir - ja, ich bin Teil der Gruppe - wollen jetzt eine Lösung für die Probleme, statt eine neue Strasse, welche in 20 Jahren tausende Quadratmeter Kulturland zerstört und neue Flaschenhälse und Engpässe auf unseren Strassen bringen wird. Man baut immer umweltfreundlichere Autos, weil immer mehr umweltfreundliche Autos gekauft werden. Wann beginnen wir mit unserem Strassenraum respektive Landraum umweltfreundlicher umzugehen, weil wir keine umweltzerschneidenden und kulturlandzerstörenden, neuen Strassen fahren wollen?

Als ich mich bereits vor 10 Jahren gegen den Autobahnzubringer wehrte und ihn als unsinnig und nutzlos bezeichnete, wurde mir an einem Podium vom damaligen Stadtpräsidenten vorgeworfen, ich sei ein Nestbeschmutzer: "Jetzt, da die Region ein Ziel habe, solle man doch zusammenstehen, wie die Oberländer. Die hätten diese Strasse schon längst."
Ich weiss nicht mehr, was ich damals daraufhin sagte. Wohl nichts. Heute erscheint mir eine zusätzliche Strasse im Oberaargau immer noch recht sinnlos und heute würde ich sagen: "Wenn mich etwas einen Chabis dünkt, dann sage ich auch, dass es ein Chabis ist. Alles andere ist nicht demokratisch. Alle Duckmäuser, die bloss schweigen, weil sie nicht im Gegenwind stehen wollen, sollten sich schämen." Ich bin ein etwas einflussreicherer "Nestbeschmutzer" geworden im Verlaufe dieser 10 Jahre, aber deswegen meine Meinung zu ändern, bedurfte es trotzdem nicht.

Wollt ihr diese Strasse wirklich? Ich nicht.

Kommentare:

Diana Kennedy hat gesagt…

"Wirtschafstrasse"... Jesses, was es doch alles für Euphemismen für Planungs-Schrott gibt. Warum reden die Befürworter nicht Klartext und sagen einfach: "ICH brauche die Strasse, weil Autobahn nun mal bequem ist und ich so bequem wie möglich autofahren will, Umwelt, Landschaftsbild usw sind mir egal".

Reto M. hat gesagt…

Sie - die Befürworter - glauben noch heute an einen wirtschaftlichen Impuls... doch man weiss ja mittlerweile, welche Firmen sich durch Autobahnzubringer angelockt fühlen. Grosse Logistikzentren. Riesige Gebäude, mit wenig Arbeitsplätzen. Dafür haben wir eindeutig auch zu wenig Platz...
zumal für die bestehenden Firmen wohl kaum eine grosse Veränderung eintreten wird, ausser dass sie 2 Minuten Wegzeit einsparen.