Mittwoch, 2. September 2009

Die Macht der Kommunikation - Vom Coop und so...

In diesen Tagen erleben wir wiederum ein gutes Beispiel, wie wichtig eine offene, ehrliche und nachvollziehbare Kommunikation wäre. Einige mögen sagen, dass wir dies aus der Coop-Halal-Fleisch-Geschichte lernen sollten:

Coop sendet nun also allen, welche sich bei ihr meldeten, folgende Mitteilung:
Sehr geehrter Herr Müller

Danke für Ihre E-Mail und dafür, dass Sie uns Gelegenheit zur Stellungnahme geben. Gerne gehen wir auf Ihr Anliegen betreffend HALAL-Fleischwaren bei Coop ein.

"Coop verkauft Halal-Fleisch, das nicht geschächtet ist"
In vereinzelten Medien wird fälschlicherweise geschrieben, dass Coop ab heute Aufschnitt aus "Halal" geschächtetem Fleisch anbietet. Das ist falsch.
Richtig ist: Coop bietet seit heute in den grössten 37 Filialen fünf Charcuterie-Produkte unter der aus Deutschland stammenden Marke Baktat an. Die Produkte enthalten Halal-Fleisch, das nicht geschächtet wurde.

Die Tiere werden vor dem Schlachten betäubt. Das in der Coop erhältliche Halal-Fleisch weicht damit in keiner Art und Weise weder vom schweizerischen noch vom EU Recht ab. Der einzige Unterschied ist, dass zusätzlich eine Person mit islamischem Glauben jeweils bei der Schlachtung anwesend ist.

Es handelt sich um die folgenden fünf Produkte:

Baktat Truthahn Salami 200g
Baktat Geflügelfleischwurst 200g
Baktat Rinderfleischwurst 200g
Baktat Truthahn Cocktailwürstchen 400g
Baktat Knoblauchwurst pikant 166g

Gerne hoffen wir, Ihnen mit diesen Informationen gedient zu haben und dass wir so Ihr Vertrauen in Coop wieder etwas stärken konnten. Wir garantieren Ihnen, dass wir uns auch in dieser Frage unserer Verantwortung für Mensch, Tier und Umwelt bewusst sind.

Freundliche Grüsse
Ist damit alles klar?
Wohl doch nicht ganz. Warum heisst das Fleisch denn trotzdem Halal (was scheinbar die höchste Stufe der Reinheit bedeute), wenn das Fleisch nicht rituell und ohne Betäubung geschächtet worden war? Scheinbar gebe es in Notsituationen oder wenn es das Gesetz so vorsehe für schlachtende Muslime die Möglichkeit der elektrischen Betäubung innerhalb von Sekunden vor der Schlachtung - so lerne ich aus ihren Kommentaren - doch warum wird dann das Fleisch importiert und nicht in der Schweiz in der Form des legalen Halal "gewonnen". Oder ist es eben doch nicht so Halal, wie Coop es den Konsumierenden aus aller Welt verkaufen möchte?

Eine Kommunikation, die mehr Fragen aufwirft, als beantwortet, ist keine gute Kommunikation. Gesteigert werden kann diese Stufe nur noch damit, dass man gar nichts sagen würde und alle Fragen unkommentiert im Raum stehen lässt, was Coop zum Glück - für sie selbst - nicht tut.

Ich liess es mir natürlich heute - als Vegetarier - nicht nehmen, mal in Langenthal durch die Fleischabteilung zu schreiten, auf der Suche nach den in der Email erwähnten Baktat-Produkten. Ich war gespannt zu sehen, was genau dort deklariert steht. Nun. Es mag daran liegen, dass ich mich nicht allzu lange neben all dem toten Fleisch aufhalten wollte (ob Halal oder nicht, das ist für mich alles gleich tot, was dort liegt) oder Langenthal nicht zu den 37 grössten Filialen gehört, die das führen. Auf alle Fälle wurde ich nicht fündig und Fragen stellen, wollte ich für einmal auch nicht.

Macht der Kommunikation. Ein Blog mit seinen direkten und konkreten Antwortmöglichkeiten scheint mir in meiner Sache je länger, je praktischer und besser zu sein. Auch wenn er die besagten Gefahren birgt, die wir schon längst kennen. Ich weiss wirklich nicht, ob ich dem Ding am 1. Oktober (Amtsantritt als Gemeinderat Langenthals) einfach den Stecker ziehen kann. Ich glaub' nicht. Obwohl ich damit auch nicht sagen will, dass ich die Kontrolle über mein eigenes Bloggen (mein offizielles Kommunikationsorgan) verloren hätte, (so in einer Art Suchtsyndrom) obwohl ich mit Kommentieren nicht immer nachmag... sorry. Ich geb' mir Mühe.

Und in StarWars-Manier sage ich nun deshalb zum Abschluss: Möge die Macht (der Kommunikation) mit dir sein. So lange man nicht zu oft auf die dunkle Seite wechselt, mag das gut gehen. Gute Nacht, allerseits.

1 Kommentar:

Diana Kennedy hat gesagt…

Dass Internet-Kommunikation immer mal schnell ausufern kann ist schon seit der Zeit der Diskussionsforen ein Thema, Vorallem bei Streitgesprächen. Später fragt man sich dann, ob es das wirklich wert war, hier Stunden seines RLs, zum Beispiel für Argumentiererei mit irgendeinem "sturen Vollkoffer" zu opfern. ;-)

Trotzdem halte ich den Erkenntnisgewinn durch Internet-Kommunikation für enorm. Man wird wohl einfach lernen müssen in Massen damit umzugehen und das bedeutet, auch mal ein paar sachen unbeantwortet zu lassen oder zu merken, wann man sich im Kreis dreht.


Zum Coop: Eine Mutmassung, warum Coop das betäubte halal Fleisch importiert, wäre dass dieser Bakat-Betrieb zu den wenigen gehört, der von einer angemessen grossen Muslim-Organisation anerkannt wird. Es reicht vermutlich eben doch nicht, einfach mal einen bekennenden Muslim in einen normalen, scheizer Schlachthof zu stellen. Das ganze muss irgendwelche Akreditierungen durch Geistlicher Sowieso haben. Und bevor man diesen wahrscheinlich mühsamen Prozess in der Schweiz durchführt, holt man das Zeug halt im Ausland.
Trotzdem; Wurde ja inzwischen vieklfach gesagt und dabei bleibt es auch: Die Coop-Info war unzulänglich und geradezu prädestiniert, Entrüstung zu provozieren.