Dienstag, 15. September 2009

Bundesratskandidaten im Web

Morgen ist die Wahl! Können wir uns als Bloggergemeinde auf den neuen Bundesrat freuen? Wohl kaum!

Würde ein Kriterium zur Wahl des neuen Bundesrates nämlich die Webpräsenz der Kandidierenden darstellen, so müssten alle offiziellen Kandidaten: Didier Burkhalter, FdP, Christian Lüscher, FdP, und Urs Schwaller, CVP, deutlich abgelehnt werden.
Und doch gibt es in meinem Rating der Bundesratskandidatenhomepages und allgemeinen Webpräsenz einen Sieger - weil sonst so ein Rating auch keinen Sinn machen würde.

Zuerst einmal das Gute vorneweg: Gebe ich bei Google den Namen Schwaller ein, so erscheint zuoberst der Link auf die Homepage des CVP-Mannes. Nicht schlecht.

Auf dieser erwartet mich dann aber das grafisch-nichtssagende Etwas eines tumben standardisierten Joomla-Hintergrundes:



Was bloss will uns Herr Schwaller mit den Hochhäusern sagen und den Blümelis, die zwar schön sind und zu seiner Krawatte passen? Die Grafik schreit nach: "Hauptsache gratis!", und ist wohl vom webaffinen Freund oder Nachbarn hausgemacht für den Nationalrat zur Verfügung gestellt worden, der ihm dafür eine Flasche Véchy oder anderes Spülwasser hinterliess. Standardisiert in Aufbau und Inhalt. Undurchdacht. Langweilig. Risikolos. Herr Schwaller zeigt zwar gute Ansätze: Im Impressum ist ersichtlich, dass er für ein Video die Dienste von Profis in Anspruch nahm, doch ist ein Video auf den Seiten leider nicht (mehr) zu finden. Interessant in der Diskussion über Deutschschweizer oder Romand dünkt mich noch die Tatsache, dass die meisten "Tagebucheinträge" unter "Aktuell" Herrn Schwallers... in deutscher Sprache verfasst sind.

Nun. Es geht noch schlimmer. Christian Lüscher wirbt auf dem Netz nach wie vor mit seiner Hompage für die Nationalratswahlen 2007!!! LuscheraBerne.ch. Ein scheinbar webtechnisch Ewiggestriger, der sich da in den Bundesrat bewirbt?



Dort bedankt er sich auf der Titelseite immer noch artig über die Wahl in den Nationalrat, als wären seitdem nicht schon Jahre vergangen. Schlimm ist die Grafik. Mit der Gischt des "jet d'eau" im Gesicht wird der Mann nie ganz trocken. Noch schlimmer das Bild unter der Rubrik "Best of", das ihn in Front einer Versammlung "Femmes Socialistes" zeigt mit der Überschrift "Le ChouChou de ces dames". Was soll das? Ist das sarkastisch? Eine Erklärung, die ich mir auf Französisch auch noch zusammen hätte reimen können, steht nicht dabei. Keine Erklärung, kein Bild! Dafür ist er trotz Heimatort Muhen AG wohl ein echter Romand.... die Seite gibt's nur in Französisch. Ist ja klar, denn für die Nationalratswahlen benötigte er auch nur die Stimmen aus dem Kanton Genf.... Lüscher selsbt möchte diesen Webauftritt wohl tot schweigen, denn via Parlament.ch verlinkt er sich nur mit der Homepage seiner Kanzlei (siehe weiter unter Gaddafi...), aber dann wäre es doch auch ein Leichtes, das Teil vom Netz zu nehmen, oder?

Tot schweigen scheint das webmässige Hauptstichwort von Didier Burkhalter zu sein. Es gibt ihn im Web nur auf den Parlamentsseiten. Somit schneidet Herr Burkhalter nochmals schlechter ab, als die beiden anderen Kandidierenden. Gibt's heute wirklich noch, dass jemand, der in der Politik das höchste Amt anstrebt, im Web gar nicht vorhanden ist! Aus meiner Sicht: Erstaunlich. Erschreckend. Schlecht.

Zumindest auf Wikipedia sind alle verzeichnet. Alle mit verschiedenen Autorenverzeichnissen, so dass zumindest offensichtlich nicht der Eindruck aufkommt, sie hätten es selbst geschrieben.
Alle sind mit etwa den gleichen Einträgen auf der französischen, wie auf der deutschen Version eingetragen. Bezüglich der Inhalte überragt auch dort einer - wie auch sonst im Web -, die beiden anderen: Urs Schwaller, CVP.
Liebe Eventualzukünftigebundesrätinnen und -räte. Legt euch bitte einen durchdachten, gestalteten und sinnvollen Internetauftritt zu. Das Internet wird zur Visitenkarte im Alltag (ja, ich bin kein gutes Beispiel mit dem Blog und mit der Homepage auch nur bedingt). Und dies sei noch gesagt: Das kostet euch was! Lasst es nicht gratis machen, denn das ist einfach nur... billig! Und das sieht man auch!
Kurzum, müsste ich nach Web wählen:
1. Urs Schwaller, CVP
2. Christian Lüscher, FdP
3. Didier Burkhalter, FdP
Aber allesamt nur zähneknirschend.

Kommentare:

Diana Kennedy hat gesagt…

Immer wieder erfrischend, so eine bissige Rezi zu lesen :-D Ist aber auch wahr. Wer als Politiker ganz offensichtlich die modernen Kommunikationsmittel nicht ausreichend kennt und in Anspruch nimmt ist nicht am Puls der Zeit und letazteres halte ich für unabdingbar um für Gegenwart und Zukunft gewappnet zu sein.

Anonym hat gesagt…

Also ich würde da einen ganz anderen wählen. Dick Marty wäre ein wirklicher Vertreter der FDP. Seine Wahl wäre sinnvoll, gut und konstruktiv. Aber er ist ohne Chancen. Burkhalter und Lüscher sind rechtsbürgerliche Marionetten. Unnötig und nicht sinnvoll sie zu wählen. Schwaller steht der Sitz nicht zu.

Also: Warum nicht gleich den SVP Rime unterstüzten. Damit würde sich im Bundesrat nicht mehr ändern, als wenn Burkhalter oder Lüscher gewählt würden.
Der SVP würde man die warme Luft für den Wahlkampf, also den Wind aus den Segeln nehmen. Und Rime könnte (also die SVP) an den Sozialversicherungen die Zähne ausbeissen...;-)

Naja. Im Ernst. Die morgige Wahl ist doch eh ein Witz!

uertner hat gesagt…

Und ich hoffe immer noch, dass aus der "Nacht der langen Messer" Dick Marty noch auftaucht.
Was mich zweifeln lässt: Andi Gross, der Theoretiker hat die Sache grossspurig an die Hand genommen, ob es eine "glückliche Hand" ist?
Und: die SP, fest in der Hand der SP-Frauen, kennt den Anstand gegenüber der Konkordanz nicht und kennt den Unterschied katholisch/reformiert nicht. Die SP-Frauen werden Schwaller unterstützen, weil er so nett ist, was dann, nachdem die SP-Sitze weiter zusammenkartätscht worden sind in den Wahlen 2011, zum verlust eines Bundesrats-Sitzes führen wird. Aber auch die Frauen müssen mal so eine Erfahrung gemacht haben.

Anonym hat gesagt…

Nun ja, es ist die fdp die leider nicht in der lage war, marty zu nomminieren. grossens aktion ist wohl eher ein verzweiflungsakt. hätte die fdp, nebst lüscher für die rechtsextremen, marty für mitte links vorgeschlagen, wäre ihr der sitz sicher geblieben.

wie gesagt: warum lüscher wählen, wenn man das original haben kann. und damit verschiedene fliegen auf einen streich schlagen kann???

die svp würde begeistert sein. die fdp, cvp, bdp könnte sich nach 2011 um die drei mittesitze streiten..

;-)

warum sind reformiert/katholisch hier wichtig. marty und schwaller sind doch beide katholisch?