Mittwoch, 19. August 2009

Wie viel Stadtmarketing braucht es?

Nicht immer gefallen einem die Antworten auf Fragen, die man politisch stellt. Manchmal hängt dies damit zusammen, dass der Gemeinderat - aus Sicht eines Stadtrates - nicht ausführlich oder ehrlich genug antwortet. Das kann ich in meinem Falle dieses Mal bestimmt nicht behaupten:
(Bericht aus dem Langenthaler Tagblatt von heute.)
Ich finde die Antworten halt teilweise nicht wirklich befriedigend vom inhaltlichen Standpunkt her - teilweise gar erschreckend. Dass Potenzial im Stadtmarketing vorhanden ist, war auf Grund des heutigen Zustandes klar. Aus meiner Sicht muss da was Konkretes geschehen. Sei es, dass man einen Profi mit der Ausarbeitung eines Konzeptes beauftragt, das der Stadt effektiv von Nutzen ist oder selbst im Gemeinderat Richtlinien und Grundzüge eines Standortmarketings definiert, anstatt wie bis anhin, ein wenig dort und ein wenig dort etwas Geld zu geben, wofür sich dann bei Anlässen manchmal auch viele, viele andere sonnen, als nur die Stadt, welche aber einen Grossteil (behaupte ich mal) daran berappte. So geschehen beim Pestalozzianlass und so wird's auch sein beim Militäranlass am Freitag, bei denen die Stadt jeweils mehrere 10'000.-- Franken Unterstützungbeitrag bezahlte. Im hohen fünf- (einige sagen bei Letzterem gar, es sei im tiefsten sechsstelligen) Bereich. Etwas viel aus meiner Sicht für einen einmaligen Anlass, dessen Wirkung nicht messbar ist, da die Stadt die Instrumente dazu nicht hat.
Auch das Revival des Designgedankens macht mich nicht wirklich "heiss" auf Langenthal. Das hatten wir ja schon mal. Nun. Einige sagen eh, dass es kein Marketing bräuchte... ich teile diese Meinung aber nicht.
Etwas erreicht hat meine Fragerei ja trotzdem. Endlich wurden alte und falsche Passagen aus der Homepage entfernt. Zu behaupten, dass meine Interpellation bewirkte, dass die Homepage nun neu gemacht wird, die Ankündigung dessen erreichte mich wenige Wochen, nachdem ich die Interpellation einreichte, wäre etwas gar vermessen und passt doch irgendwie überhaupt nicht zu mir. ;-)

Die Frage bleibt trotzdem und auch mit der Interpellation bestehen: Welches Marketing ist für Langenthal sinn- und wertvoll?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Giorgio Girardet

Stadtmarketing: Stadtmarketing als Auftrag an ein PR-Büro ist Schrott. Stadtmarketing wie es Hans Schneider-Ammann mit seinen Gedenkanlässen macht, ist gold wert. Man soll dort graben wo man steht. Man soll selber graben und nicht "Experten" das tun lassen: "Unique Airport" in "little big city" und "downtown Switzerland" lassen ebenso grüssen wie der Schildbügerstreich "mocmoc" aus Romanshorn. Hingehen, wenn ein Verein was macht, das gute loben, das abverheite beschweigen. Nur nicht einen PR-Fritzen anstellen. Eher den pensionierten Gymilehrer beauftragen.

Reto M. hat gesagt…

Ich bin eben der Meinung, dass wir uns vielleicht eben mal selbst überlegen könnten, in welche Richtung es gehen soll. Welche Eigenheiten und Stärken wollen wir kommunizieren und hervorbringen, welche Schwächen wollen wir nicht betonen oder gar ausmerzen?
Dazu sollte die politische Führung eigentlich in der Lage sein.

Anonym hat gesagt…

Giorgio Girardet

Ein Beispiel wie Stadtmarketing wirkt. In einem Nebelspalterbeitrag schrieb ich von der Burgdorfer Rede Pestalozzis 180x. Mein Chef war von Schneider-Ammann als Chefredaktor 2008 an den Pestalozzi-Anlass eingeladen worden, darum korrigierte er mir den Text in "Langenthal 1826". Die Lehrer machten den Text auf ihrem Presse-Text-Archiv zugänglich und nun gibt es einen weiteren google-Hit zu "Langenthal, Pestalozzi" etc. pp.

http://www.impulsmittelschule.ch/deu/pressearchiv/Nebelspalter_05-09-2008_32471212.pdf

Kluges Standortmarketing ist auch der Sikh-Tempel: hier wurde einer Religion DIE Schweizer Heimstätte geboten, welche auf der Welt 25 Millionen Anhänger, mehrteils sehr tüchtige Geschäftsleute, hat. Die Sikhs fügen sich wohl gut in das calvinistische Bernbiet ein, da sie auch in Indien stets eine Minderheit waren und kaum gewalttätige Überwältigungs-Gelüste hatten in ihrer Geschichte. Der Sikh-Tempel sichert ein Netzwerk national und international.

Eine goldene Nase hatte Schneider-Ammann mit dem Armee-Anlass. Ich habe meine Bibliothek durchgekämmt. Dieser wichtige Scharnier-Anlass an der Kippe zwischen Restauration (welche die Heeresorganisation von 1817 brachte) und dem liberalen Aufbruch der 1830er Jahre scheint in allen mir bekannten Gross-Darstellungen noch ein "blinder Fleck" zu sein. Es würde sich lohnen ihn noch genauer auszuleuchten! In Verbindung mit der Geschichte der Studentenverbindungen und schützenvereine. Tolles thema für historische Genderforschung!

Die Juso könnten ja einen Historikerkongress zu Männerbilder und homosozialisation machen.

Was bleibt vom "Mannevolch" von 1822, wenn 2009 auch "Wybervölcher" Offizier werden können? Wohl das, dass am Anlass 2009 nur noch jene Militärs erschienen, die vor 1971 geprägt wurden, während die Männer von heute sich haupsächlich um Fussball kümmern. Denn die Fussballer-Garderobe ist der letzte Zufluchtsort für Männerbünde (ausser wenn Gigi Oeri in den Whirlpool steigt)