Freitag, 21. August 2009

Miliz- und Militäranlass in Langenthal - ohne mich

Es gibt scheinbar Leute, sie wollen ungenannt bleiben, welche denken, dass ich zum "Langenthaler Daig" gehöre und somit auch an jeder Hundsverlochete teilnehmen würde. Nun gut. Diese Aussage - so gebe ich unumwunden zu - entspricht nicht ganz jeglicher Grundlage. Doch trotzdem wage ich heute zuzugeben, dass ich einen Grossanlass, der gerade in der Langenthaler Marktgasse stattfindet, auslasse. Den Schweizerischen Miliz- und Militäranlass in Langenthal, welcher einem Treffen von Offizieren um 1822 in Langenthal gedenkt. Aufgefahren wird ganz gross mit Bundesrat Ueli Maurer, dem Chef der Armee Blattmann und vielen weiteren hochdekorierten Militärs und Politikern. Der Anlass ist aber wirklich nicht meine Welt. Gemeinsam mit Oberleutnant Priska Grütter hätte es mir wohl noch einigermassen Spass und die Überwindung wett gemacht, daran teilzunehmen. Alleine schwänze ich lieber, da ich mich auch mit dem Titel "Herkunft mit Zukunft" nicht wirklich identifizieren kann.
Obwohl die neuesten Aussagen von Bundesrat Maurer zur militärischen Zukunft, sprich zur Verkleinerung der Armee, effektiv meiner Beurteilung und auch Meinung entsprechen.

Ich werde bestimmt aus der Zeitung morgen Samstag ausführlich erfahren können, wie es war. Jetzt fliegt gerade ein SuperPuma am Schulhaus vorbei. Das muss er wohl sein...

...ich geh' lieber Salsa tanzen heute Abend.
Wehe ihr sagt jetzt, das sei ja auch so eine "Hundsverlochete". ;-)

Kommentare:

tinu hat gesagt…

Könntest du in Zukunft von Amtes Wegen gezwungen sein, solche Anlässe zu besuchen?

Reto M. hat gesagt…

Gezwungen werden wohl nicht, aber die Erwartungshaltung der Bevölkerung wird vielleicht schon eine andere sein. Also die totale Vogelfreiheit werde ich vielleicht in solchen Dingen einbüssen müssen. Ich weiss zum Beispiel, dass gestern der Gemeinderat geschlossen an der Veranstaltung war...

He ja. Ich wär' ja auch nicht gestorben, wenn ich hätte gehen "müssen". Aber für mich persönlich fand ich das nicht nötig.

priska hat gesagt…

ou man, ich waere gerne dabei gewesen. aber wohl eher als Helferin, da mitglied in der offiziersgesellschaft, denn als deine Begleiterin. schade warst du nicht dort. haette gerne deine persoenliche beurteilung gehoert.

Reto M. hat gesagt…

gemäss dem, was ich hörte, war herr bundesrat maurer nicht wirklich sehr überzeugend, nationalrat schneider schon viel mehr, aber dem ganzen anlass sei so ein grosses pathos anheim gewesen, dass es wirklich manchmal recht schwerfällig gewesen sei. aber eben. vorbei ist vorbei. persönlich kann ich es nicht beurteilen.

Reto M. hat gesagt…

ich muss mal wieder einen kommentar meinerseits nachbessern. es stimmt nicht, dass der gemeinderat geschlossen dort war. ich erhielt heute die nachricht von jemandem (den ich aber nicht ausdrücklich und ohne einverständnis beim namen nennen will), der/die auch nicht dort war. Chapeau! quelle war fehlerhaft... sorry.

Anonym hat gesagt…

Giorgio Girardet meint:

Mein Bericht in der "Basler Zeitung" wird am Montag erscheinen. Mir scheinen aber einige Eindrücke relevant:

Hans Schneider-Ammann verdient für sein (Lokal-)Patriotisches Engagement alle Achtung und ein angehender Gemeinderat hätte diesen Anlass nicht schwänzen sollen.

Wenn die Offiziersgesellschaft es nicht schafft dass ihr national bekanntes Medien-Küken Oblt Grütter aus patriotischen Rücksichten vor Ort ist, dann ist sie oder eben auch sie kein Schuss Pulver wert.

Wenn Oblt Priska Grütter vor der Weltöffentlichkeit bei ihrem Ihr unterstellten Schatz um eine "einschätzung der Lage" bittet, statt sie diskret bei ihren "Waffenbrüdern" einzuholen, dann sorgt sie beim chinesischen Internet-überwachungs-Soldaten (der Germanist im majorsrang Hui-chang-chin) für einen Lachanfall, der in der Kaffeepause im ganzen chinesischen Geheimdienst für grosse Heiterkeit sorgt: Die Eidgenossen küssen dem Gaddaffi den Rocksaum und haben Offiziere, die sich ihre Lagebeurteilungen über das Internet bei ihren unterstellten Soldaten einholen. Hahahaha, Hehehehe, Hihihihi zu komisch die Schweizer Langnasen! Tellensöhne? hohoho nein, wirklich hahaha selten so gelacht!

Das patriotische Pathos gewisser Redner war in der Tat beachtlich. Leider konnte ich keine uniformierten Offiziere im sensiblen Alter 20 - 32 ausmachen. Die ganze patriotische warme Luft wurde - nebst pensionierten und Funktionären - nur 2'500 Langenthalern um die Ohren geblasen (die meisten 50+). Der "Langenthaler Militärtopf war auf 5'000 Münder berechnet. Er schmeckte ausgezeichnet.

Ueli Maurer traf den Ton und den Nerv der Zühorer. Er sagte im wesentlichen: ich ziehe - ihr müsst stossen. Das ist wenig spektakulär, aber auch Obama sagte nichts anderes: "yes, we can". Was die Worte Maurers wert sind, entscheidet sich an den Taten aller Beteiligten. Wenn wir nur noch zynische Zaungäste sind, dann können wir Trachtenverein und Schweiz sofort auflösen.

Anonym hat gesagt…

Giorgio Girardet
PS:
Ob der "Tag von Langenthal" 2009 demjenigen von 1822 gleichen wird, oder eher dem verzweifelten bündnisschwur in Aarau 1798, als alle 13 Orte nochmals "ewige Treue" schworen aber nur die Berner wirklich ausrückten und gegen die Franzosen kämpften, wird die Zukunft weisen.

Als Zürcher muss ich sagen: Langenthal ist ein wunderbares Provinznest, mit einer gut regierten Buchhandlung (Tamara Probst) und einem rührigen Theaterdirektor (Herr Lang). Und einem cleveren Chef der Sikh-Community (Ja, die waren auch dort: um sich zu integrieren). Aber wer natürlich in der SP ist und vom Zeitgeist auf eine strahlende Zukunft hin geweht wird, der kann ruhig Salsa-Tanzen und warten bis das thumbe Volk auch noch "die Signale" der "Internationalen" hört.

Reto M. hat gesagt…

@ Giorgio:

Ich hoffe, es heisst in der BAZ dann wenigstens Johann-Niklaus und nicht Hans Schneider-Ammann.

Ich denke, dass pauschal provokativ einiges des Gesagten durchaus so stehen gelassen werden kann. Aber mein lieber Herr. Wir haben auch ein Privatleben und dies bedeutet bei uns auch, dass wir einen Teil davon auch via dieses Kanäle kommunizieren, was man durchaus in Frage stellen kann. Will aber auch heissen, weder ich noch Frau Oberleutnant waren in offizieller Missio unterwegs, was uns durchaus auch manchmal dazu veranlagt, selbst zu entscheiden, wo wir die Freizeit verbringen.

Entweder unterschätzte ich die Bedeutung dieses Anlasses oder die Medien (inkl. GG) überschätzten diesen ein wenig. Die Wahrheit wird sich wohl irgendwo dazwischen finden lassen und ich werde die Schlussabrechnung des Anlasses mit besonderem Interesse anschauen, auch dahingehend ob die initiativen Pat(h)en nicht doch noch ein wenig ihres Glanzes einbüssen...

Ich mag deine (man duzt sich halt in Blogs) Kommentare wirklich sehr. Macht mich immer gluschtig auf die nächste Nebelspalterausgabe. Die Art des Schreibens ist wohl eine Art Berufskrankheit, oder? Einfach sagen, falls wir es mal wirklich ernst nehmen sollten. ;-)

Sonst machen wir so weiter und überlassen dem Haussatiriker dieses Blogs weiterhin Kommentarstoff.

Anonym hat gesagt…

Giorgio Girardet

"Haussatiriker": nehm ich gern entgegen. Die Narren dürfen immer die Wahrheit sagen - und richtig: man braucht sie nicht ernst zu nehmen. Der "Nebelspalter" ist übrigens so ein Offiziershut, wie ihn die "Waffenbrüder" anno 1822 trugen (zumindest auf dem Wandbild vom Traffelet). Der "Nebelspalter" soll auch ein humoristischen Sittengericht im Emmental gewesen sein.

Mein Blog "Willensnation" wird auch als Satire empfunden (von Journis aus der Zürcher medienszene): ist aber nicht so gemeint. Aber immerhin hat er es bei der "google"-Suche auf Rang zwei gebracht (gleich nach dem Wikipedia-Eintrag).

Ich bin halt schon etwas älter: als ich jung war schwamm man als Atomkraftgegner gegen den Strom, heute ist es der Ueli Maurer der gegen den Strom schwimmt. Mir scheint hingegen, dass Evi Allemann und Barbara Häring genau dort treiben, wo der Mainstream am schnellsten ist und geistig mit dem Bauch nach oben.

Meine Sympathie gehört den engagierten Idealisten, die gegen den Strom schwimmen.

Wenn du also - da wir hier im blog sind - wenn du also ein engagierter Idealist bist und meinst gegen den "Strom" zu schwimmen, dann musst du mir sympathisch sein. Und darum ist mir auch Oblt Priska Grütter sehr sympathisch, Nur halte ich aus meiner liberal-konservativen Sicht Frauen in der Armee für eine Zeitgeistkrankheit.

Die Berner haben immer grosse Satiriker gehabt. Allen voran Jeremias Gotthelf, über dessen Roman "Zeitgeist und Bernergeist" ich eben kürzlich wieder Tränen gelacht habe. Eine Lektüre die sich lohnt, gerade die Wahl des Grossrats in der Kirche in den ersten drei Kapiteln musst du dir zu Gemüte führen. Gotthelf ist der Beitrag Berns zur Weltliteratur, wie auch Mani Matter, Dürrenmatt.

ChliiTierChnübler hat gesagt…

Grad als ich vorher mit spitzer Kanüle Blut nehmen wollte bei einem Patienten flog einer dieser Steuergeldverschleuderungsmaschinen ziemlich tief über Bern. Hündchen UND Tierarzt ziemlich verchlüpft und ein bitzeli Blut nicht ins Laborröhrli getröpflet...

Reto M. hat gesagt…

@ Giorgio:
Dass wir nicht dieselben politischen und weltanschaulichen Bilder und Perspektiven pflegen, war mir durchaus bewusst, umso reizvoller ist die Konversation und Auseinandersetzung mit "dir", obwohl "du" mich intellektuell schon an Grenzen meiner selbst heranführst.
Wenn's hart auf hart kommt, werde ich "dir" nicht das Wasser reichen können. Was die Historie der Schweiz anbelangt, halt erst recht nicht...
sorry, ich habe nie "wirklich" studiert, was auch immer das heissen mag.

@ Chnübli:
Ich hoffe, dass sowohl Tierärztin, wie auch Hund den Vorfall überlebten.
Tja, die können schon donnern, wenn sie müssen. Doch müssen sie wirklich heute noch?

Anonym hat gesagt…

Giorgio Girardet

@Reto:

Das mit dem "nicht richtig studiert" würde ich an deiner Stelle nicht schreiben. Du warst bestimmt nicht nur Soldat in der NATO-kompatiblen Armada Svizra, sondern bist sicher auch Abgänger einer EU-genormten "Pädagogischen Hochschule", kurzum ein "europäischer Bernergring" und dies sind doch hoffentlich nicht neuerdings "von plastigg". Aber für historische Nachhilfe: "Willensnation" lesen (mein Blog, nicht das Buch vom Villiger).

Reto M. hat gesagt…

Ist das hier jetzt ein Werbeblog oder was?

;-)

Ich habe noch das altehrwürdige LehrerInnenseminar in Langenthal besucht, dann noch ein Nachdiplomstudium an der Uni und PH Bern angehängt, damit wir schlussendlich auf den Seklehrerlohn kommen. Rein monetäres Interesse... und nicht um sich zu bilden... versteht sich... :-D

Priska hat gesagt…

Danke fuer die Zeitgeistkrankheit und die Vorwuerfe, wegen eines militareanlasses nicht meine Reise nach Indien abgeblasen zu haben.
scheint mir schon etwas seltsam, ihr grosses interesse an 'Oblt Gruetter'. Ich bin sonst Priska, wenns recht ist. Und mein Offizier-Sein dominiert mein Leben und meine Beziehung nicht so, wie sie es sich vorstellen. Naja, irgendwo hat Satire seine Grenzen. mir will das lachen nicht so recht kommen...

Anonym hat gesagt…

"Bumann der Restauranttester" hat mit seinem Rettungsversuch im Restaurant Alte Post endlich wieder einmal das Interesse der schweizerischen Öffentlichkeit auf Langenthal gelenkt. Beim etwas genaueren Hinsehen wird dem unbefangenen Betrachter schnell klar, dass der Marktflecken an der Langete doch viel eher an ein ziemlich gesichtsloses, etwas aufgeblasenes Dorf als an eine "Metropole" erinnert - mit entsprechender Mentalität seiner Bevölkerung notabene. Da dürften Anlässe wie das Gedenken an die Gründung der Offiziersgesellschaft vor bald 200 Jahren wunderbar zum örtlichen Lebensgefühl passen. Und seitdem die Langete bei Hochwasser nicht mehr spektakulär durch den Ort geleitet wird, bringen selbst so banale Dinge wie die Restaurant-Tester-Sendung endlich wieder etwas Leben ins Dorf, pardon in die Stadt..!