Sonntag, 30. August 2009

geschächtetes Fleisch bei Coop?

Wie dieser 20min Artikel und das Blog der meistgelesensten Frau der Schweiz, Frau Chliitierchnübler, besagen, wird Coop neu geschächtetes Fleisch verkaufen. Schenkt man den Berichten von Tierschutzorganisationen Glauben, so werden die Tiere hierfür ohne Betäubung getötet, um anschliessend das Sortiment der Coop hinsichtlich Multikultur-Nahrung zu ergänzen, was sich bislang - gemäss Aussagen der Coop - hervorragend verkaufte.

Tja. Ich frage mich trotzdem ernsthaft, wie viel Schmerzen wir Tieren des Umsatzes oder des Glaubens wegen zufügen dürfen, ohne gleich extremistisch einem Herrn Novartis-Chef die Bude abzufackeln oder zum Boykott des Grossverteilers aufzurufen. Ich will nicht eine neuerliche Glaubensdiskussion entfachen und doch frage ich mich, warum zur heutigen Zeit nicht extrem traditionalistische Religionsansichten, auf Grund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse der Modernität angepasst werden können, damit sie niemandem mehr schaden (Sprichwörter: Beschneidung von Mädchen, Schächten von Tieren, ...). Ein Tier mit oder ohne Betäubung ausbluten zu lassen, wird wohl weder auf das Fleisch noch deren Verzehrer einen Einfluss haben. Oder?

Obwohl mir persönlich grundsätzlich so oder so unverständlich bleibt, wie man überhaupt Fleisch essen kann...

... deshalb und bei allem Gesagten und trotz religiöser Freiheit: "Nein danke, Coop!"

Kommentare:

Diana Kennedy hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Diana Kennedy hat gesagt…

Da in der Schweiz das Schächten von Säugetieren verboten ist (Geflügel ist erlaubt!) wird es sich um Importware handeln. Schächtfleisch, also Koscher (Judentum) oder halal (Islam) ist das einzige Fleisch, was orthodoxen Anhängern dieser Religionen erlaubt ist. Es geht vorallem darum, dass das Tier völlig ausblutet. Allerdings ist der Grad der Entblutung mit oder ohne Betäubung exakt der selbe, wie wissenschaftlich einwandfrei belgbar ist, wobei eine völlig rückstandsfreie Entblutung eh nicht möglich ist, wem also Blutgenuss aus religiösen Gründen verboten ist, sollte eigentlich Vegetarisch leben. Sowohl Reformjuden als auch diverse Islamschulen akzeptieren mittlerweile die vorherige Betäubung. Von daher halte ich das Ganze auch für eine fragwürdige Verbeugung vor religiösem Extremismus.
Bei uns in Frankreich ist Schächten ubringens erlaubt und jede grössere Supermarkkette hat die "Espace halal" wo schächtfleisch verkauft wird.

Reto M. hat gesagt…

Rege Diskussionen finden zum gleichen Post bei mir im Moment auf Facebook statt.
Die Überlegungen reichen von liberal-marktwirtschafltichen bis religionsfreiheitlichen Inhalten, bis zur blanken Empörung.
Verglichen wird dort unter anderem auch mit den Minaretten, wobei ich sagen muss, dass Minarette nun wirklich niemanden schmerzen... ausser sie fallen runter.

Coop beschwichtigt derweil scheinbar und sagt, dass die Tiere vorher betäubt würden, was dann aber nicht wirklich einen grossen Unterschied zu unserem "normalen" Schlachtfleisch darstellen würde.

Um es genauer zu wissen, habe ich Coop nun mal eine Email geschickt. Mal kucken, was sie antworten.

ChliiTierChnuebler hat gesagt…

Mich erstaunt ja immer noch, dass keiner der grossen Zeitungen etwas dazu zu sagen hat. Auch auf der Coop Homepage findet man zu den Begriffen "halal", "Balkan", "Schächtfleisch" keinerlei brauchbaren Resultate...

Verunsicherung des Konsumenten...

Diana Kennedy hat gesagt…

Wenn die Tiere vorher betäubt werden, gibt es keinerlei Unterschied zum normalen Schlachten. Ausser vielleicht noch, wenn dazu die entsprechenden rituellen Handlungen (Anrufen Allahs) vorgenommen werden. Solches Fleisch könnte auch in der Schweiz produziert werden. Wenn dem SO ist, dann wäre in der Tat die Aufregung vergebens. Man müsste dem genauer nachgehen. Auf die Reaktion Deiner Email bin ich gespannt.
Boah, ich habe zwar einen Facebook-Account, komme damit aber irgendwie nie klar. Irgendwie mag mich die Facebook Software nicht. Ich werde aber mal wieder versuchen, mich in dieser wirren Welt zurechtzufinden.

@Chliitierchnübler: Das Thema ist klar ein mediales Tabu. Schon auch weil Kritik am Schächten gerne mit der Rassismus-Keule begegnet wird.

Reto M. hat gesagt…

Verstärkt wird bei mir der Eindruck des medialen Tabus dadurch, dass sich auf denselben Eintrag im Facebook (alle meine Einträge hier, werden dort auch automatisch hochgeladen) 18 Kommentare ergeben haben und sich hier dann nur mal deren 6 finden lassen werden. Man äusserst sich zum Thema lieber im "privaten" Rahmen, da es (zugegebenermassen) religiös, wie auch aus liberaler Sicht, ziemlich heikel ist.

Mal schauen, wie die Coop auf unsere zahlreichen Emails reagiert. Spätestens da werden auch die Printmedien aufsteigen.

Diana Kennedy hat gesagt…

Na, das mit dem "privaten Rahmen" wundert mich nun gar nicht. Das ist ein typisches Vorgehaltene-Hand Thema.
A propos facebook: Meine Suche ergab über 99 Reto M. ;-) Gibt es einen Weg, das irgendwie einzugrenzen?

Reto M. hat gesagt…

Es ist ja kein Geheimnis mehr:

Reto Müller, Langenthal

sollte Eingrenzung genug sein...

Anonym hat gesagt…

Natürlich muss Coop als traditionelle Schweizer Firma Schweizer Tierschutzgesetz einhalten. Ganz egal ob die Tiere in der Schweiz oder im Ausland geschlachtet werden.

Abgesehen von der ganzen Tierschutzthematik finde ich es absolut störend, dass Coop jetzt Lebensmittel mit religiösen Inhalten
anreichert. Mir persönlich verdirbt diese Gesinnungsmaschinerie den Appetit.
Wie seht Ihr das?

kathrinb hat gesagt…

mediales tabu? zeitungsente...

Reto M. hat gesagt…

@ anonym:
Religiöse Anreicherung. Tja. Koscher oder nicht ist nicht ganz neu. Siehe mal Deklaration aller Cornflakes.

@ Kathrin:
Ja, ja. Wir kriechen zu Kreuze. Siehe mein neuestes Post.

ChliiTierChnüber hat gesagt…

Tun wir das? Ich bin grad etwas enttäuscht von Dir Reto. Da schreibt Coop 5 Zeilen und nun sind alle Fragen geklärt?

Wäre es so einfach gewesen, weswegen konnte man das nicht am Freitag tun, als die Sendung auf Radio Zürisee ausgestrahlt wurde und 20 Minuten das Thema aufgriff? Warum wurde erst jetzt reagiert?

Du kriechst zu kreuze, ich stelle weiterhin fragen.

Reto M. hat gesagt…

Etwas enttäuscht geht ja noch gerade, liebe Chnübli. ;-)
Nun, natürlich ist die Sache im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht ausgestanden, doch sprechen für mich die Indizien stark dafür, dass Coop Recht behält.
Grund 1: Kein Printmedium hat die Sache aufgegriffen.
Grund 2: Ein derart grosses Unternehmen, wie die Coop, welche in der Lebensmittelbranche von der Glaubwürdigkeit - auch der Ehrlichkeit ihrer Produkte - lebt und daher garantieren muss, dass das was drauf steht, auch drin ist, wird kaum das Risiko eingehen, nun eine Meldung als Falschmeldung zu deklarieren, die es nicht ist, weil es bestimmt nun Leute geben wird, die genau überprüfen werden, was an der Geschichte dran ist. Falls sich Coops Mitteilung als unwahr herausstellen sollte, so wäre dieser Skandal ähnlich gross, wie derjenige der Ravioli und die Schäden für das Unternehmen grösser, als wenn man Halal-Fleisch wieder - nach den Protesten - aus dem Sortiment entfernt hätte.

(ach, alles doppelt. Facebook und hier...)