Mittwoch, 8. Juli 2009

Mehrheit ist für das Minarett

Heute erschien nun also der Artikel im Langenthaler Tagblatt deren 1000-Zeichen-Stellungnahme mir mehrere Hirnzellen raubte. Interessant scheint mir, dass die Parteien ausserordentlich ähnlich zu argumentieren scheinen.Link zur Digitalausgabe:
http://www.a-z.ch/news/vermischtes/mehrheit-ist-fuer-den-minarettbau-2194545

Wie bereits versprochen, veröffentliche ich hier und auf der Website der SP Langenthal die ganze (ungekürzte) Stellungnahme der SP Langenthal (also von mir und einigen zugewandten, ungenannten Mitschreibenden), um unsere Haltung zu verdeutlichen und einer neuerlichen Diskussion zur Verfügung zu stellen:

Stellungnahme der SP Langenthal zum Baugesuch eines Minaretts in Langenthal

Ist der Entscheid der Stadt zur Bewilligung eines Minaretts aus Sicht Ihrer Partei richtig?
Der Entscheid wurde nach geltendem Baurecht gefällt. Das Baurecht – Teil der schweizerischen Gesetzgebung - gilt für alle Bewohnerinnen und Bewohner gleichermassen. Es gibt kein Verbot religiöser Symbole oder Bauten. Der Entscheid ist richtig.

Können Sie sich erklären, warum dieses Verfahren seit der Rückweisung der kantonalen Baudirektion im April 2007 über zwei Jahre in Anspruch nahm?
Unserer Partei gegenüber erklärte der Gemeinderat das Erstellen des Nutzungskonzeptes durch die Glaubensgemeinschaft und das Verhandeln zwischen den Antragsstellern und Einsprechenden habe viel Zeit in Anspruch genommen. Wir haben ein gewisses Erstaunen, dass ein Baugesuch über zwei Jahre Zeit in Anspruch nimmt, sehen aber weder Gründe, noch Anzeichen einer Verschleppung des Entscheids.

Was bedeutet der Bau eines Minaretts für die Stadt Langenthal?
Grundsätzlich ändert sich nichts. Für die Ausübung des Islams braucht es keine Minarette, aber durch ein Verbot oder das Verhindern einzelner religiöser Symbole wie Kopftücher oder Minarette, Kirchenkreuze, -glocken oder Sikh-Fahnen lösen wir weder gesellschaftliche, noch religiöse, fundamentalistische Konflikte. Die Glaubensgemeinschaft Xhamia e Langenthalit besteht schon seit 17 Jahren und sie leben ihren Glauben integriert in unserer Gesellschaft. Bevor sie das Minarett aufstellen wollten, waren keine Klagen zu vernehmen. Sie fiel ohne Minarett nicht negativ auf, wieso sollte sie es mit Minarett? Ob das Anbringen eines Turmes aus dieser Gemeinschaft urplötzlich radikalere Menschen macht oder gar eine Islamisierung Langenthals oder der Schweiz nach sich zöge, ist stark zu bezweifeln und gehört ins emotionale Ausredenrepertoire der Gegnerschaft verbannt. Dass die Gemeinschaft ihren Glauben gegen aussen – ähnlich wie viele Kirchen, Freikirchen, Sikhs und Buddhisten in Langenthal – zeigen wollen, können wir verstehen. Die Akzeptanz der Kuppel und eines drei Meter hohen Minaretts durch die Bevölkerung bedeutet für uns daher einerseits die Einhaltung der geltenden Gesetze inklusive der schweizerischen Verfassung und das Ausleben einer gegenseitigen religiösen Toleranz und Freiheit. Wir sind eine aufgeklärte und demokratische Stadt. Die Diskussion über Toleranz und Freiheit wird die Langenthaler Bevölkerung und unsere muslimische Glaubensgemeinschaft einander näher bringen und gegenseitiges Verständnis und religiöses Wissen aufbauen. Das Minarett auf der Fabrikliegenschaft, wird in der Stadt sichtbar machen, dass innerhalb der abendländisch-christlichen Kultur auch das Leben einer anderen Kultur möglich ist, wie der Sikhs-Tempel im Dennli dies auch symbolisiert. Das Minarett wird deshalb hoffentlich den Anstoss geben, gerade auch in der eigenen Kultur über Vielfalt und Toleranz nachzudenken und wird helfen, gegenseitig religiöses Wissen aufzubauen.
Das religiöse Mit- und Nebeneinander kann in Langenthal gelebt werden, wie in den aufgeklärten Städten Genf, Zürich oder Winterthur, wo es auch Minarette gibt. Unsere Stadt hat im 19. Jahrhundert als liberales „Grütli der Schwiez“ eine Kultur der Humanität aufgebaut, welche religiöse Toleranz mit einschliesst. Wir können gerade im Zusammenhang mit der Minarettfrage beweisen, dass es uns damit heute noch ernst ist. Eine vernichtende, politisch polemische Schlammschlacht über religiöse Gefühle, Fanatismus und Extremismus, wie in Wangen bei Olten, kann verhindert werden.

Was erwarten Sie nach dem Entscheid von der Glaubensgemeinschaft Xhamia e Langenthalit?
Ein Minarett wird die Muslime noch mehr in die Verantwortung nehmen. Es macht ihnen unsere demokratisch-rechtstaatliche Verfassung sichtbar, die die Bewilligung des Minaretts ermöglicht hat. Deshalb wird der Turm sie selber noch mehr verpflichten, in jeder Beziehung die Gesetze und die Verfassung unseres Staates und unserer Gesellschaft einzuhalten.
Wir erwarten von allen Beteiligten – auch von der Glaubensgemeinschaft - dass sie sich nun öffentlich über ihre Beweggründe austauschen. Das Misstrauen und die Vorurteile der Bevölkerung sind in weiten Teilen gross und basieren meist auf Angst oder Unwissenheit. Diese gilt es abzubauen. Es geht nicht darum eine einseitige Toleranz oder Bereitschaft zu zeigen, es braucht immer beide Seiten. Eine solche muss gelebt werden, damit das Minarett für Langenthal mehr ist, als ein umstrittenes drei Meter hohes Türmchen.


Reto Müller
Präsident SP Langenthal

Die Stellungnahme unseres Parteimitglieds Toni Ronchi in derselben Zeitung verdeutlicht mir auf alle Fälle, dass wir als Partei eine einheitliche und für uns richtige Meinung vertreten.
Danke, Toni.

Kommentare:

ChliiTierChnübler hat gesagt…

"Für die Ausübung des Islams braucht es keine Minarette."

Für mich die Hauptaussage überhaupt.

Reto M. hat gesagt…

Wie es für die Ausübung des Christentums keine Kirchentürme, keine Kirchen, für die Buddhisten und Sikhs keine Tempel bräuchte....

Glauben ist eine Frage des Herzens und nicht der Gebäude.

odin hat gesagt…

Ich hatte keine Lust um mich durch diesen langen Post zu quälen. Die Haltung von Reto M. und der SP zu den Minaretten ist hinlänglich bekannt.

Wissen Sie überhaupt was die Kirchentürme ausser der Religion sonst noch genau für unsere Kultur bedeuten?? Die Kirchentürme mit der Uhr dienten früher z.B den Bauern auf dem Feld als wichtige Hilfe bei der Tagesplanung. In den Städten wurde früher sogar von den Kirchentürmen herab die Zeit von einem Turmwächter ausgerufen ( in Lausanne gibt es das noch). Oder dann dienten die Türme mit deren Glockengeleut als Mittel um wichtige Ereignisse im Dorf zu verkünden. Das Telefon war da noch längst nicht erfunden.

Kirchtürme waren und sind einfach ein wichtiger Bestandteil unserer jahrtausendalten Kultur und Architektur.

Minarette hingegen gehören nicht in unseren abendländischen Kulturkreis hinein. Zudem bestätigen selbst viele Muslime, dass für die Ausübung des Islam keine Minarette benötigt werden. In den islamischen Staaten können wir auch ohne Kirchtürme unsere Religion ausüben, vorausgesetzt die Christen werden nicht daran gehindert.

Reto M. hat gesagt…

Werter Odin.

Dass wir uns gegenseitig in den Meinungen bekehren könnten, ja da sind wir uns bestimmt einig, das wird nicht möglich sein.

Aber es ist in der christlich-abendländischen Kultur doch möglich Platz zu schaffen für andere Kulturen ohne Vergeltung oder Verachtung dem anderen gegenüber aufzubringen und dadurch die Stärke des Christlichen erst recht zu leben?

Ich weiss, dass dies anders gesehen wird. Aber sehen wir doch noch diesen Vergleich. Wie können wir in Langenthal ohne grosses Aufhebens einen Sikh-Tempel bewilligen und bauen lassen, aber bei einem Minarett (einem kleinen dazu) ein derart grosses Theater veranstalten. So viel wie ich von der Sikh-Religion mitbekommen habe, ist diese junge rund 300 jährige Lehre um das grosse Buch relativ stark kriegerisch ausgelegt. Die jungen Gelehrten tragen Reifen, um sich zu schützen und Säbel, welche nicht dem blossen Ritual dienen. Doch auch dies ist be- und ergründbar, da die Sikh-Religion eine verfolgte Religion ist.

odin hat gesagt…

Das lässt mich doch gleich in Gänsehaut erstarren:) Haben die Sikh auch Schriftbelege, die eindeutig belegen, dass diese Lehre mit dem Schwert verbreitet werden soll ?? Haben die Sikh auch Leute die weltweit für Terror sorgen ?? Wissen Sie überhaupt wie gross die Sikhgemeinschaft ist ?? Wohl kaum größer als das Judentum! Im Vergleich zum Islam und der Christenheit sind die Sikhs ein Klecks dagegen. Damit dürften die Sikhs auch nicht all zu sehr nach der Schweiz expandieren. Und das Siedlungsgebiet der Sikhs liegt auch nur auf dem indischen Subkontinent.

Das Thema mit den Siks dürfte sich schnell erübrigen wenn Sie die richtigen Antworten kennen. Bei der Grösse des Islams, dessen rasanten Wachstum, islamistischen Terror, der Scharia, der Verschmelzung von Religion, Ideologie und Rechtssprechung, liegt eben die Problematik ganz anders als bei den übrigen Religionen die bei uns präsent sind. Es wäre deshalb gut wenn Sie sich endlich einmal stärker mit dem Islam befassen würden.

P.s Die Sikh werden wohl am allerwenigsten von den Christen verfolgt.

Reto M. hat gesagt…

Zu glauben, dass die Muslim eine weltumspannende Verschwörung und Ausdehnung planen, gehört wirklich den Denkweisen der Kreuzritter zugeordnet. Aber reiten Sie nur weiter. Ich glaube nicht, dass sie dabei glücklicher werden.

odin hat gesagt…

Dann haben Sie aber einiges im Leben verschlafen... Fakt ist einfach, dass sich die Zahl der Muslime in der Schweiz, in den letzten 40 Jahren verzehnfacht hat! Von 50'000 auf 500'000 Menschen!!