Montag, 6. Juli 2009

Kommunikation & Blogs

Nachdem ich nun über eine Stunde an einem "sommerlichen Newsletter" (wie dämlich, dass dies klingt, merke ich erst jetzt) für die SP Langenthal schrieb, hält sich meine Lust oder der innere Trieb zum Blogschreiben klar in Grenzen. Irgendwie scheint mir für heute, dass ich genug mitgeteilt habe, obwohl das Schreiben noch gar niemanden erreichte.

Das ist mit dem Bloggen halt schon grundlegend anders und mir wird bewusst, dass man hier in einem Klick alles sofort für alle Welt lesbar macht. Sind wir uns Blogger aber dessen auch immer bewusst? Nein.
Da schreiben sie vor sich hin über ihre Lieben, über Lieben, über's Lieben, über Mode, über Technik und Politik und allem in ihrem Leben, wovon sie überzeugt sind, dass jemand sich dafür interessieren könnte, ohne sich stets bewusst zu sein, dass es jemand liest, der einem hierfür nicht bloss Gutes zukommen lassen könnte oder möchte.

Ein Politerfahrener sagte mir mal: "Über deinen Blog wirst du politisch einmal stolpern. Du machst dich angreifbar."
Auf mein Gegenargument, dass ich schon oft stolperte und doch nicht fiel, meinte er: "Manchmal rettest du dich aus heiklen Situationen argumentativ mirakulös, ein andermal mehr schlecht als recht."

Ich bin für solche Rückmeldungen dankbar, sie lassen mich mein Tun und Schreiben neu reflektieren, freue mich aber auch über die weniger kritischen Bemerkungen, die mich manchmal erreichen. Heute zum Beispiel per Email, welche mein Schreiben und Wirken würdigen. Danke.

Für mich ist es nach wie vor ehrlicher, als anderes, besser als nichts. Ob ich in einer Güterabwägung für oder wider "(m)einer" politischen Karriere handle, scheint mir im Moment sowieso nichtig. Das Risiko gehe ich ein, obwohl ich nicht weiss, wer hier alles und mit welchen Absichten mitliest.

Ich könnte auch weniger persönlich. Mehr politisch. Weniger ehrlich. Ob ich dann aber noch diese Leserschaft hätte, wenn ich mein Konzept "sicherer" gestalten würde?

Obwohl auch dies - wie die ganze Schreibe hier - relativ ist. Manchmal nahezu top geratet und viel diskutiert, scheinen mir die nackten Zahlen manchmal doch auch fast vernachlässigbar, was nicht heisst, dass ich meine Lesenden nicht würdigen würde - im Gegenteil - ich schätze alle Kommentare (Stoff zu mehr Diskussionen) sehr. Verglichen mit statischen Parteiseiten unserer lokalen Parteien erhalte ich aber im Gegenzug pro Tag etwa gleich viele Besuchende, wie diese, welche ich unter Beobachtung nahm, in einem Monat. Was wiederum bedeutet: Alles relativ.

Und so relativieren wir also weiter. Auch hier drin.

Kommentare:

ChliiTierChnübler hat gesagt…

Ich sags wie es ist: Würde ich Dich wählen können, ich täte es. Ich habe seit jeher Menschen und nicht Parteien gewählt, ausser es ging wie bei Nationalratswahlen um die Stärkung der bevorzugten Partei.
Durch dass Du greif-, auch angreifbar, wirst, wirst Du erst interessant für mich. Die Politik braucht Menschen mit einer Meinung, die auch nicht davor scheuen, diese öffentlich mitzuteilen. Besser als in einem Blog geht das gar nicht. Ich will Menschen mit Zielen und Wünschen in der Führung des Landes und nicht nur fleissige Arbeiter mit parteigegebener Meinung.

Da hat die SVP der SP etwas voraus: die sagen öfters ihre Meinung und die kommt ja bekanntlicherweise in einer Teil der Bevölkerung genauso gut an, wie sie in der anderen abgelehnt wird. Würde die SP wieder persönliche Meinungen fördern, dann müsste sie sich gleich weniger Sorgen für die nächsten Nationalratswahlen machen.

Das ist meine Meinung als parteilose Aussenstehende und Bloggerin.

hansruedi hat gesagt…

Blogs sind wie Birchermüesli, man hat ganz viele tolle und gesunde Zutaten und macht dann etwas sehr schwer verdauliches daraus.

hansruedi

Julien Sorel hat gesagt…

Jeder anständige Politiker ist irgendwo angreifbar, weil er auf Angriffe anders reagiert, als der klassische Machtmensch (wenn es denn einen solchen gibt) es tun würde.
Ich schätze Ihren Blog als einen der wenigen, deren Lektüre und Kommentare anregend ist. Es bleibt mir auch ein Rätsel, wie Sie es schaffen, bei soviel Öffentlichkeit persönlich zu bleiben. Hier besteht vielleicht wirklich eine Gefahr - doch genau das macht den besonderen Reiz Ihres Tagebuchs aus. Dort wo andere sich einfach mit ihren Kommentatoren streiten, machen Sie Ihre Entscheidungsfindung transparent. Dazu braucht es mehr Mut, aber offensichtlich haben Sie die dazu passende Selbstsicherheit. Was ich durchaus als Kompliment meine, denn Politiker die leere Phrasen dreschen haben wir ja weiss Gott genügend.

Reto M. hat gesagt…

@ Chnübli:
Ich danke dir für deine netten Worte, die ich sehr zu schätzen weiss, auch deshalb, weil ich weiss, dass du dein Schreiben auch hinterfragst. Aber wie du schon mal während Wochen verlautet hast: "Ja wär Wind säit, ärntet Sturm..." könnte man auch auf die Blogs übertragen. Ich bin froh, wenn du weiter machst. Du gibst mir immer sehr hilfreiche Tipps. ;-) Ach gut, dass ich dich vor bald 3 Jahren habe treffen dürfen und du mich zum Bloggen verführtest. :-P

@ Hansruedi:
Sehr schöne Beschreibung. So lange einem das Müesli nicht im Halse stecken bleibt oder wochenlang für Dünnpf...annkuchen sorgt.

@ Julien Sorel:
Besten Dank für all den Balsam. Das mit der Öffentlichkeit ist eben genau der Punkt. Aber wir versuchen das mal auszubalancieren, so lange es geht. Ich bin zuversichtlich.

Anonym hat gesagt…

Giorgio Girardet

Als einer der noch mit dem "Zivilverteidigungsbüchlein" gross wurde muss ich mich doch fragen, wie stabil ein politisches System ist, dessen Hauptakteure soviel im Netz preisgeben. Als ehemaliger AdA fühle ich mich über die Blogseligkeit eines Teils des Kaders der "armada svizra" bedroht. Reto Müller ist vielleicht noch zu jung, um sich an den "Fichenstaat" zu erinnern. Das waren harmlose wohlmeinende Mitbürger. Aber gerade heute spielen Blogger den Überwachern in einer wunderbaren Naivität in die Hände. Der Chinese muss gar nicht mehr spionieren, es genügt ein paar geschwätzige Blogs zu verfolgen. Am nützlichsten sind diejenigen von "anständigen, ehrlichen" Politikern. "Der Informationskrieg" wird diese redseligen Blogger als erste reale Opfer sehen. Es wird möglich mit "chirurgischen Morden" ein politisches System zu zerstören.

Reto M. hat gesagt…

Werter Giorgio Girardet:

Fragen, die man sich durchaus stellen darf, doch welchen tatsächlichen Informationsgehalt diese Blogs über Militärdinge und anderes in Wirklichkeit haben, sollte auch extrem stark relativiert werden.

Meine Militärblogs sind nichts ausser persönlichem Blabla... es sind weder Ortschaften, noch Namen, noch irgendwelche nachrichtendienstlich wertvolle Details genannt. Ob Soziologiegedanken der Schweizer Armee tatsächlich schadet, darüber könnte man nach erfolgtem psychologischen Angriff dann beraten.

Wer Angst vor einer Spionage hat, dürfte seinen PC gar nicht mehr starten. Im Netz saugt uns Google alles Wissenswerte in Rechnungszentren ab und es gäbe Spionagesatelliten, welche gar PCs abzapfen können, die nicht am Internet hängen.

Es war damals eine geniale Erfindung im CERN. Doch hat uns dies alles effektiv weiter gebracht?

Item. Dem ausländischen Geheimdienst werde ich als AdA a.D. nun nicht mehr schaden. Nur noch mir selbst...

Über etwaige Folgen meines mutigen öffentlichen Bloggens, werde ich berichten, hier drin... so fern ich kann.