Donnerstag, 2. Juli 2009

Ein Minarett in Langenthal

Es kann gebaut werden. Die Baubewilligung wurde erteilt. Jetzt stellt sich noch die Frage, ob es denn gebaut wird.

Nach den zahlreichen Protesten und Meinungen zum Kunstminarett letztes Jahr auf dem Choufhüsi, wird wohl auch diese Mitteilung des Gemeinderates, so kurz und knapp sie auch ausfiel, nicht ganz ohne Aufhebens und weitere Diskussionen bleiben.

Nach Zürich, Genf, Wangen bei Olten, .... , (gibt's noch mehr?) wäre Langenthal auf alle Fälle hier mal vorne mit dabei.

O-Ton der gemeinderätlichen Pressemitteilung:
Minarett in Langenthal
Erteilung der Baubewilligung

Mit Datum vom 30. Juni 2009 wurde die Baubewilligung für das Baugesuch der Islamischen Glaubensgemeinschaft Langenthal (IGGL) Xhamia e Langenthalit für den Umbau des bestehenden Vereins- und Gebetsraumes mit Fassadensanierung und dem Erstellen eines Minaretts und einer Dachkuppe an der Bützbergstrasse 101a in Langenthal erteilt.

Kommentare:

odin hat gesagt…

Ausgerechnet hier soll Langenthal vorne mit dabei sein?? Keine anderen Projekte??

Mit Religionsfreiheit hat das ganze nichts zu tun. Für die Ausübung des Islam braucht es keine Minarette. Diese Meinung vertritt z.B der iranische Islamexperte Farhad Afshar. Es gibt auch die verbreitet Auffassung, dass der Islam eben weitaus mehr als nur eine Religion darstellt. Deshalb ist die Argumentation mit der Religionsfreiheit problematisch. Neben der Religion ist der Islam für manche eben auch eine Ideologie und Rechtssprechung ( Scharia). Aus diesem Grund ist es für viele Leute etwas merkwürdig, wenn hier von einer Glaubenslehre die Rede ist, die für die Ausübung der Gebete ein Minarett benötigt.

Bei uns jedenfalls gibt es eine strikte Trennung von Religion und Staat. Bei uns sprechen die Juristen die Rechtssprechung aus und nicht die Pfarrer oder die Bischöfe. Man kann das ganze auch so sehen: Nach der Moschee kommt das Minarett. Was kommt danach?? Der Muezzin und nachher die Scharia?? In Deutschland jedenfalls gibt es trotz anderslautenden Beteuerungen der Muslime plötzlich doch Muezzingesänge aus den Minaretten. Wo führt das nur hin? Die an und für sich schon heute schlecht integrierten Muslime werden sich so erst Recht nie in unsere Gesellschaft integrieren.

Man darf auch nicht vergessen, dass die Moschee und das Minarett in der islamisch-arabischen Welt vielfach der Mittelpunkt der Gemeinde darstellt. In Deutschland ist es nun eben so, dass nach der islamischen " Gebetseinrichtung " sich neben an auch gleich die islamische Metzgerei ansiedelt. Diese Mentalität führt in Deutschland und Frankreich zur Ghettobildung und islamischen Stadtvierteln. Das gibt Probleme und läuft gegen die Integration der Muslime.

Auch auf das Minarett in Wangen bei Olten würde ich nicht stolz sein. Frau Rauber von der SP hat sich in einer Arenasendung über dieses Bauvorhaben gefreut. Dummerweise hängen aber an diesem Minarett die Fahnen der türkischen Grauen Wölfe. Das ist eine rechtsextreme türkische Politbewegung. Ansonsten hat die SP immer eine grosse Klappe wenn es darum geht die einheimischen Rechtsextremen zu kritisieren. Hier schweigen aber die Sozis. Und für eine Ideologie braucht es auch keine Gebetstürme. Der Grossteil der Leute dieses türkischen Kulturvereins ist zudem der deutschen Sprache nicht mächtig. Vor drei Jahren fand man nur eine einzige Person aus diesem Umfeld, die genügend Deutsch beherrschte um an einer Clubsendung teilnehmen zu können.

Das die Christen im Gegenzug in der islamischen Welt nicht frei ihre Religion ausüben können dürfte auch bekannt sein. Aber in der Schweiz spielt es keine Rolle, wenn viele kulturfremde Leute sich nicht integrieren und den Glauben mit Ideologie, Rechtssprechung und Gesellschaftsordnung vermischen/ vermischt ist. Das dann noch auf unserem Boden gegen Christen gehetzt wird kam auch schon oft vor.

Reto M. hat gesagt…

Die JUSO hat hierbei mal klar und deutlich Stellung genommen und diese Meinung vertrete ich immer noch.
Sie hat sehr viel mit Religionsfreiheit zu tun und damit, dass wir hier in der Schweiz uns in deinem hochentwickelten Staate befinden, in dem auch geistig etwas davon auszumachen sein sollte.

Auf die automatisch generierte Facebook-Notiz waren die meisten aber auch nicht gut zu sprechen.

Dort gab's 9 klare Ablehnungen als Stellungsbezüge, 3 Fragen oder Kommentare und nur 1 Person äusserte sich zustimmend.

Ist unsere Toleranz bei einem 3m hohen Türmchen und obwohl wir etwa 15 verschiedene Kirchen in Langenthal haben, wirklich so gering?

Julien Sorel hat gesagt…

Es gibt bereits - seit etlichen Jahren, soviel ich weiss - in Genf und Zürich Moscheen mit einem Minarett. Es sind immer noch die Städte Calvins und Zwinglis, sie sind nicht untergegangen.

David hat gesagt…

In Winterthur gibt es auch noch eines, ein ganz schmales, kleines, dünnes, unscheinbares in einem Industrieareal. Wenn man es nicht sucht, sieht man es nicht. Der grösste Teil der Stadtbevölkerung kennt es nicht.

odin hat gesagt…

In Deutschland und Frankreich gab es zuerst auch nur einige unscheinbare Moscheen und Minarette. Nun hat sich das Erscheinungsbild aber leider zum negativen entwickelt.

Aber es geht nicht nur um diesen Aspekt, lieber Reto.M und Genossen. Wie ich schon sagte, ist hier nicht einzuordnen, ob der Islam wirklich nur eine Religion ( andere würden überhaupt bezweifeln das dies eine Religion sei) ist und nichts anderes?? Im Islam ist eben auch die Ideologie und die Rechtssprechung (sprich Scharia) integriert. Bei uns aber ist die Justiz und die Religion strikte getrennt voneinander. Von daher bleibt wirklich zu hinterfragen ob beim Bau der Minarette von Religionsfreiheit die Rede sein kann, wenn im Islam noch andere Elemente als nur die Religion einfließen??

Minarette sind vielmehr auch ein Machtanspruch und ein Expansions Symbol des Islam. Das hat für mich nichts mit Religionsfreiheit zu tun. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass sich in der Schweiz der Anteil der Muslime seit den 1970er Jahren verzehnfacht hat. Von guter Integration der Muslime kann keine Rede sein. Und das die Linken die rechtsextremen türkischen Grauen Wölfe in Schutz nehmen sei hier auch nochmals gesagt.

Mir geht es so ziemlich am A vorbei was die JUSO sagen. Die vielen negativen Kommentare bestätigen meine Kritik und die Naivität der Linken. Man muss auch wissen, dass in den meisten islamischen Ländern den Christen der Zutritt zur Moschee verweigert wird. Bei uns darf aber jeder Muslim in die Kirche. Ein christliches Gotteshaus zu besetzen ist dann auch noch erlaubt.

Religionsfreiheit steht zwar in den islamisch-arabischen Ländern vielfach in der Verfassung, in der Praxis aber werden die Christen daran gehindert. In Saudiarabien etwa können die Christen deutlich weniger frei ihren Glauben ausüben als die Muslime bei uns. Hierzulande kann man sogar gegen Christen hetzen. Für die gleiche Handlung würde ich in Arabien die Todesstrafe erhalten. Ich könnte noch weiter aufzeigen wie es um die Toleranz der Christen in der islamischen Welt steht. Ich bezweifle aber das die Sozis überhaupt einmal etwas kapieren und intelligenter werden. Aber Hauptsache wir zeigen hier immer nur eine einseitige und überzogene Toleranz, während dem wir uns in die Islamisierung der Schweiz begeben.

Julien Sorel hat gesagt…

Das Argument mit den in islamischen Ländern verfolgten Christen ist ein scheinheiliges. Denn einerseits erinnert man sich ihrer doch nur dann, wenn es um die Minarett-Diskussion geht. Andererseits wollen wir unsere Republik nicht mit Diktaturen wie Syrien vergleichen und die Religionsfreiheit abschaffen, nur weil sie sich andernorts noch nicht hat durchsetzen können. Im Gegenteil, wir hoffen mit einem aufgeklärten, demokratischen Staat ein Beispiel dafür liefern zu können, wie friedlich verschiedene Religionen nebeneinander existieren können.
Und das können sie, wenn Religion von Staat konsequent getrennt werden (was in der Schweiz nicht der Fall ist) und wenn wir in der Diskussion mit welchen Gläubigen auch immer, nicht selbst zu eifernden Fanatiker werden, die die Wahrheit für sich gepachtet zu haben glauben.

Reto M. hat gesagt…

Odin:

Du sagst wörtlich:
"Mir geht es so ziemlich am A vorbei was die JUSO sagen."

Dann brauche ich auch nichts mehr zu sagen. Worum diskutieren wir denn hier noch?

Danke für die Kommentare Julien und die Info David.

Anonym hat gesagt…

Giorgio Girardet

Das Problem ist das Zusammenspiel von Demokratie und Religionsfreiheit. Im absolutistischen Preussen etwa durfte jeder "nach seiner Fasson selig werden", der aus den märkischen Sandböden noch etwas Korn rausholte und bereit war "zu gehorchen". Auch in den muslimischen Kalifaten gab es "aufgeklärte Herrscher", die Juden und Christen generös Religionsfreiheit gewährten. Sie herrschten aber absolut und unumschränkt. Wie haben hingegen eine calvinistische Verfassung, die von den Liberalen den Kahtoliken mit Waffengewalt aufgedrungen wurde. Die berühmte "Trennung von Kirche und Staat", eine Erfindung Calvins, galt unter der Voraussetzun, dass alle reformiert waren, Juden wurden geduldet, Katholiken verfolgt. Das schweizer Weltwunder einer multikonfessionellen Demokratie muss mit grosser Sorgfalt und mit viel Verstand gegenüber dem Islam geöffnet werden. Ich tendiere dazu, die Bedenken von Odin zu teilen.

hansruedi hat gesagt…

das verbot von Symbolen ist hirnrissig, egal ob es nun Minarette sind oder Nazisymbole. Steckt eure Energie lieber in die Erziehung und überzeugung der Menschen.

hansruedi

Julien Sorel hat gesagt…

Die Bedenken Odins teile ich übrigens auch. Doch wie Sie es richtig sagen, lieber Hansruedi, wir bekämpfen keine Fanatiker, indem wir Türmchen oder Kopftüchli verbieten.
Ich erlaube mir, hier Karl Raimund Popper zu zitieren: «Wir sollten daher im Namen der Toleranz das Recht für uns in Anspruch nehmen, die Unduldsamen nicht zu dulden. Wir sollten geltend machen, dass sich jede Bewegung, die Intoleranz predigt, ausserhalb des Gesetzes stellt.»
Wenn wir Minarette verbieten wollen, dann nur aus ästhetischen oder baurechtlichen Gründen. Damit helfen wir weder den verfolgten Christen in Syrien, noch behindern wir irgendwelche Hassprediger.
Darüber hinaus gilt das schweizerische Gesetz, nicht die Scharia. Das gilt auch für Fanatiker. Für die vielen, grundanständigen Muslime ist das kein Problem, sie sind für uns auch keine Bedrohung.

Reto M. hat gesagt…

Ich möchte diese Diskussion gerne öffentlich machen.
Sie ist so hochwertig, dass diese Gedanken und Argumente eigentlich ausserhalb diese "beschränkten" Blogs hinaus getragen werden müssten.

Denn - wie die zahlreichen Kommentare, welche ich auf meine automatisch generierte Facebook-Notiz dieses Blogbeitrages zeigten - sind die Bedenken riesig gross. Zudem wird in grosser Unkenntnis geschichtlichen und religiösen Wissens argumentiert, was in diesem Blog überhaupt nicht der Fall ist. Das bereitet mir Sorgen.

Es wird in Langenthal in der Öffentlichkeit weder von Seiten der Befürworter (diese halten sich schön still, denn das Thema ist weder gewinnbringend noch sexy) noch von Seiten der Glaubensgemeinschaft für das Minarett argumentiert. Ein wahrscheinlich fataler Fehler.

Item. Bis morgen Montag muss ich innerhalb von 1000 Zeichen für ein Medium zum Thema Stellung beziehen. Als Präsi der SP Langenthal. Das wird nicht einfach, ich werde mich aber auch auf die Diskussion in diesem Blog stützen. Dafür wird er von mir auch geführt. Danke.

Julien Sorel hat gesagt…

Eigentlich müssten es ja die Liberalen sein, die die in der Aufklärung erkämpften Grundfreiheiten verteidigen und nicht die Sozialdemokraten. Aber es ist schön, wenn wenigstens eine Partei mutig genug ist, sich in die Nesseln zu setzen.

Dazu eine nette Geschichte: Die katholische Kirche wurde im Kanton Zürich erst in den 60er Jahren als gleichwertige Landeskirche zur zwinglianischen anerkannt. Damals argumentierten die Gegner auch mit den vielen Italienern, Spaniern und Portugiesen, die mehrheitlich katholisch seien und Zürich den Untergang bescheren würden.
Das Problem bleibt dasselbe, es findet nur eine jeweils zur Zeit passenden Verkleidung.

Ich darf mich hier als Mitglied einer Freimaurerloge outen? Wir praktizieren Toleranz, indem wir als Bund «freier Männer» uns miteinander auseinandersetzen müssen. Es ist sehr schwer, zuzuhören ohne zu unterbrechen, jede Meinung anzuhören und mit sachlichen Argumenten zu überzeugen zu versuchen. Diese Form «ritualisierter» Auseinandersetzung ist in der Politik der Gehässigkeiten und der Rechthaberei verloren gegangen. Schade. In einer offenen Gesellschaft sollte sich das beste Argument durchsetzen können und nicht das lauteste oder die Angst.

Die Freimaurer wurden übrigens von allen totalitären Systemen verfolgt - auch von der Kirche verbannt, im Islam verboten. Weshalb eine gewisse Diskretion als Vorsichtsmassnahme leider auch heute noch angezeigt ist. Damit will ich aber lediglich zum Ausdruck bringen, dass ich mich trotzdem für die Freiheit derer einsetze, die die meine verbieten will.

odin hat gesagt…

Julien Sorel, ich bin nicht so engstirnig, um nur und extra bei der Minarettdiskussion an die Unfreiheiten zu denken, die den Christen im Islam widerfährt. Man braucht nicht die Minarett Diskussion um zu erkennen, dass Christen in islamischen Ländern größtenteils keine Moscheen betreten dürfen. Vor diesem Hintergrund werden wir dort dann noch als Ungläubige bezeichnet. Vielerorts werden die Christen im Islam unterdrückt und verfolgt. Oder glauben Sie ernsthaft, dass die Schweizer erst seit der Minarettdiskusion den Islam hinterfragen??

Es geht hier halt leider schon um die Frage, wie viele Freiheiten und Übertreibungen die Muslime bei uns erhalten, im Gegensatz zu dem was den Christen ständig von den Muslimen vorenthalten wird. Und wie ich schon sagte - das ist mir sehr wichtig - ist der Islam unter manchen Gesichtspunkten eben weitaus mehr als nur eine Religion. Im Islam wird auch die Scharia vollzogen, die sich u.a nach Surren aus dem Koran bezieht. Nach dem Koran aus dem Islam. Bei uns spricht aber die Justiz die Rechtssprechung aus und nicht unsere Kirche oder die Bibel. Beim Islam mit Minaretten spricht man von Religion und Religionsfreiheit. Beim Islam spricht man aber leider auch über die Scharia und Fathwas, die sich eben auch auf dem Begriff Islam und dem Koran beziehen. Mit Religion hat das nichts mehr zu tun. Nachher beim Minarettbau wieder von Religionsfreiheit zu sprechen ist etwas paradox, wenn unter dem gleichen Begriff " Islam " die Schariaelemente eben dem Islam als etwas hervorheben, was nichts mit Religion zu tun hat.

Reto.M, es gibt vielleicht noch andere Leute hier, mit denen ich diskutieren will, als nur mit Ihnen, der SP oder den JUSO. Die JUSO gehen mir in dem Sinne am Arsch vorbei, als dass diese für mich nicht von der Bedeutung sind, als dass was Ihnen diese Partei anscheinend bedeutet.

Ich verurteile Rechtsextremen und Neonazis. Nur müssen Sie sich eben nicht wundern, wenn in Langenthal durch dieses Minarett noch mehr Rechtsextreme in Erscheinung tretten.

Julien Sorel und Hansruedi, Symbole sind sehr wohl wichtig und haben schon die ganze Welt mitverändert. Was wäre ein Taliban ohne Bart?? Das Minarett war und ist das Symbol des islamischen " Leuchtturms " als Wegbereiter in der Landnahme. Das Minarett ist ein Machtsymbol und Kompass in der Wegbeschreitung. Vergessen wir nicht, wie sich in der islamischen Welt, um die Moscheen und Minarette herum das Leben entwickelt und abspielt...

Für die interessante Geschichtslektion von Giorgio Girardet möchte ich mich bedanken.

hansruedi hat gesagt…

@reto

facebook? muss das sein? ich habe da zwar auch einen Account, aber so richtig überzeugt bin ich davon nicht.

übrigens Urs Zurlinden hat sich im Stadtrat für die Baubewilligung eingesetzt.

http://www.fdp-langenthal.ch/page/dms/Detail.asp?dse=866&Doc=5879&MenuID=20807&ID=65733&Menu=431&Item=9

das da bei den Bürgern keine Begeisterung aufkommt ist klar, da müsste der Bauherr schon ein wenig mehr machen. Und das die Kunstschickeria zusammen mit der Drittklasspresse das Thema für sich missbrauchte und dabei wieder einmal versuchte Langenthal ein wenig zu diskreditieren, hat auch nicht geholfen. So gesehen benimmt sich im grossen ganzen die Bevölkerung doch erstaunlich und erfreulich beruhigt und gelassen.

hansruedi

Reto M. hat gesagt…

Odin:
Ich verstehe die Bedenken. Aber ausser einer baurechtlichen Auslegung der Sachlage sehe ich keine Gründe, diesem Turm eine weitere politische Bedeutung in der Schweiz beimessen zu wollen.

Ich hoffe schwer, dass in Langenthal in der Bevölkerung eine sachliche Diskussion über Freiheit und Toleranz gegenüber religiösen Symbolen geführt werden. Auf Grund der Rechtslage muss diese in unserem Land aber für alle Religionen gleich geführt werden.

Ich verwehre mich zudem der Ängste, dass sich unsere islamische Glaubensgemeinschaft, welche seit 17 Jahren in Langenthal trifft und nie Anstoss zu Klagen gegeben hat nun urplötzlich mit dem Minarett radikalisieren soll.

Was die Plattform für die Rechtsextremen betrifft, so bin ich auch in Sorge. Es geht wiederum um die Argumentation mit Ängsten und um das Politisieren mit Gefühlen. Diese haben aber in einem Baurechtskonflikt eigentlich überhaupt nichts verloren.
Würden wir aber das Baurecht ändern - wie verlangt - würden wir viele Errungenschaften unseres aufgeklärten, humanitären Staates verlieren.

@ Hansruedi:
Ich will Urs Zurlinden nicht zu nahe treten, aber er hat mal Fragen gestellt, die man stellen darf, vielleicht gar stellen musste. Aber ein klarer Positionsbezug pro oder contra ist daraus auch nicht abzuleiten. Nun gut. Ich werde froh sein, wenn ich nicht der einzige in der Zeitung morgen bin, welcher sich aus staatspolitischen, historischen, religiösen und toleranten Gründen für das Minarett ausspricht.

hansruedi hat gesagt…

für mich schon.
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Zitat: wie es die baurechtlichen Grundlagen vorsehen, ist deshalb nicht weiter hinaus zu zögern.
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sagt es doch deutlich.

hansruedi

Reto M. hat gesagt…

Deutlich bedeutet für mich halt:

Baut jetzt das Minarett. Oder:
Erteilt der Glaubengemeinschaft nun die Baubewilligung, damit sie das Minarett bauen kann.

Aber ich bin diesbezüglich kommunikativ halt vielleicht etwas weniger blumig oder einfach einfacher gestrickt.

Ich bewundere ihn im Stadtrat übrigens bereits für seine schönen Abschlusssätze in den Reden. Das kriegt keiner so schön hin. Ist ja auch vom Fach halt.

Julien Sorel hat gesagt…

Geschätzter Odin, Sie setzen sich für die Freiheit ein, das darf man so sagen, nicht? Deswegen haben Sie, wir wir alle eigentlich, etwas gegen religiöse und sonstwie geartete Fanatiker, die anderen Menschen vorschreiben wollen, wie sie zu leben haben. Das würden die islamischen Fundamentalisten hier auch machen, wenn sie die Möglichkeit hätten.
Das wollen wir ja auch alle nicht. Aber ob Hassprediger bei uns mehr Einfluss bekommen, entscheidet sich nicht an der Frage von Minaretten, auch wenn sie diese als Symbole ansehen, für uns bleiben es Türmchen. Und auch wenn: wir können unsere Freiheit nicht glaubwürdig verteidigen, indem wir die Freiheit von anderen beschneiden.
Was wir tun können und sollen, ist jede Religion von staatlichem Einfluss fernhalten, ist für die Glaubensfreiheit an den Schulen eintreten, für die Meinungsäusserungfreiheit überhaupt.
Dass in europäischen Ländern zunehmend Menschen islamischen Glaubens leben, ist eine Folge der Migration. Sie haben die gleichen Rechte wie wir, solange sie sich - wie wir auch (fast alle) - an die Gesetze halten, dürfen sie glauben was sie wollen!
Die Meinungsäusserungsfreiheit gilt nämlich auch für die, deren Meinung uns nicht passt. Deshalb stammt Toleranz von dulden ab, die Freiheit der anderen ist manchmal einfach zu erdulden.

hansruedi hat gesagt…

möglicherweise geht es ihm, wie mir, ich finde das Recht auf den Bau für eine wichtige Errungenschaft, das Minarett als solches ist mir aber egal. In der heutigen Zeit, in der so gut wie jede Familie mindestens einen Uhr besitzt, sind für mich Türme auf Sakralbauten eh nur noch Geldverschwendung.

hansruedi

Titus hat gesagt…

@ Odin
Von wegen Trennung von Kirche und Staat: Es ist heute Usanz, dass christliche Feiertage zu nationalen Feiertagen geworden sind.

Unsere Bundesverfassung beginnt auch nicht ganz religionsfrei:

«Im Namen Gottes des Allmächtigen!

Das Schweizervolk und die Kantone,

in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung,

im Bestreben, den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken,

im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben,

im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen,

gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen,

geben sich folgende Verfassung:»

Amen.

odin hat gesagt…

Lieber Reto, ich habe sehr wohl verstanden was Sie meinen. Hingegen habe Sie nicht genau verstanden um was es hier geht. Sie können noch lange von Religionsfreiheit reden und dem von Ihnen nachgeschobenen Baurecht. Bei der Religionsfreiheit steht eben die Religion dahinter. Und beim Islam wird eben von vielen Leuten kritisch hinterfragt, ob der Islam eine Religion ist, oder mindestens nur in Teilen davon.

Viele Menschen fragen sich dann:
Religion = Religionsfreiheit

Religion + Judikative ( Scharia)+ Ideologie (Islammisten) = Religionsfreiheit ??

Ihre Satzsstellung Islam = Religion = Religionsfreiheit = Baurecht passt nicht so gut zusammen.

Sie können es drehen und wenden wie Sie möchten, im Koran gibt es neben der Religion auch Elemente der weltlichen Gerichtsbarkeit und auch viel Ideologie. Unsere Justiz nimmt aber nicht das Strafmaß aus der Bibel. Und Titus möchte ich sagen, dass die Ehrerbietung an Gott ( Im Namen Gottes des Allmächtigen, in Verantwortung gegebüber der Schöpfung) und die Vorgabe durch Gott ( z.B Scharia) nicht das gleiche sind. Sprich: Bei uns wird immer noch nach den Gesetzen der Juristen und der Verfassung entschieden und nicht nach den Gestzen der Religion und Glaubensschrift.

Ich frage mich auch wo hier der Heimatschutz bleibt?? Ansonsten legt der Heimatschutz peniblen Wert darauf, dass zu bestehenden Bauten dieser Kultur und Arkitektur nichts verfremdet wird. Ich bin im Baugewerbe und weiss wovon ich spreche. Mit dem falschen Anbau, den falschen Jalousieläden der falschen Fassadenfarbe schaftt man sich behördliche Probleme. Selbst in Industriezonen. Auf der anderen Seite ist es aber kein Problem, dass Minarette nicht in unsere Kultur und nicht ins Quartierbild hineinpassen.

Julien Sorel, man kann nicht sagen, dass Sie meine Bedenken teilen, mit dem was nachher von Ihnen gesagt wurde. Hansruedi meint wohl auch nicht das gleiche wie ich. Wissen Sie Julien, für manche Christen bleiben die Minarette vielleicht noch Türmchen, für den Islam und viele Muslime sind es aber weitaus mehr als nur simble Türmchen. Ein Machtanspruch für etwas das über eine Religion weit hinaus geht. Gewisse Symbole waren zuerst auch einmal ganz harmlos, bevor diese in vergangenen Zeiten plötzlich etwas ganz anderes bedeuteten... Ohne diese Symbole wäre vieles besser verlaufen. Sie brauchen auch nicht so zu tun, wie wenn die Muslime ohne Minarette keinen Glauben mehr ausüben könnten! Das Gegenteil von dem bestätigen selbst solche Leute wie der Muslim Farhad Afshar.

Reto M. hat gesagt…

Ich verweise auf meinen neuesten Kommentar im neueren Artikel und möchte hier nur noch beifügen, dass wir hier in der Schweiz sind, mit Schweizerischem Gesetz und Rechtssprechung und wir keine Scharia haben.

Das kann man nicht in einen Topf werfen.

odin hat gesagt…

Nur blöd das einige Leute die Religion, Ideologie, Gesellschaftswesen und die Gerichtsbarkeit auf dem gleichen Feuer kochen lassen...

Reto M. hat gesagt…

Finde ich in islamisch-traditionalistischen Ländern, welche mit Scharia etc. eine Gesellschaftsstruktur verordnen, welche enorme Unterdrückung für Frauen mit sich bringen auch nicht gut. Da sind wir uns einig.

In diesen Ländern sollte man etwas zur humanistischen Öffnung unternehmen. Vorschläge willkommen.