Mittwoch, 17. Juni 2009

Inspektion. Ein Wort, das uns bewegt.

Immer wenn ich im Militär bin, denke ich, dass ein Soziologiestudium äusserst interessant und reizvoll gewesen wäre.
Die enorme Vielschichtigkeit der Personen, welche man in diesem Dienst am Vater- bzw. Mutterland leistet, kennen lernt und zu denen man in seinem angestammten Leben wohl kaum den Kontakt gefunden hätte, ist wirklich faszinierend.

Dass man mit 31 Jahren immer noch in einem Zimmer zusammen mit zwanzigjährigen Jünglingen und anderen alten Schnarchern verbringt, ist doch auch spannend. Würde man sich dem privat oder sonst ungezwungen ausliefern? Wohl kaum. Nein, danke. Hier tut man es einfach.

Aber auch sonst haben die letzten Tage im Militär ihre spezielle Faszination. Wie schnell sich kommunikative Vakuen mit spekulativem Blabla (und das in einer Männerrunde) füllen, welche beinahe in die verbale Revolution ausarten, erstaunt mich wirklich. Ebenso schnell sind diese aber dann auch zerstreut und deshalb würde mich schon gelüsten mit einigen scheinbar viel "höheren" Menschen - wo gibt's denn heute so was noch - das direkte Gespräch zu suchen und sie auch zu fragen, weshalb die Organisation manchmal bis kurz vor Durchführung einer Übung einfach nicht klar scheinen - weshalb sie es denn damit schlussendlich überhaupt zulassen, dass überhaupt solche Vakuen für die direkt Führenden vor der Truppe entstehen können. Aber - und da will ich auch ganz ehrlich sein - ich bin in meinen letzten Tagen und lasse diese Fragen und Diskussionen, welche wahrscheinlich so oder so ziellos blieben, da früher oder später die Sinnfragen auftauchten, sein. Was ich aber feststelle ist, dass einige hier wirklich viel leisten. Vom Soldaten bis zu den Oberleutnants. Ich wahrscheinlich und da ich einen etwas geruhsameren Job in meinen letzten Tagen zugeteilt erhielt - ausgenommen. Heute waren die meisten AdA (Angehörige der Armee) von 5 Uhr morgens bis 23 Uhr pausenlos auf den Beinen. Chapeau. Finde ich wirklich beeindruckend.

Aber was mich diesbezüglich auch erstaunt. Es ist ja nicht mehr die RS, aber: Alle machen mit. Uniformiert. Konformiert. Von den 20 bis zu den 34 jährigen Menschen hier ist zwar manchmal wörtlich viel Unmut zu hören, schlussendlich ziehen sie dann doch mit und dies kann man positiv, wie auch negativ werten. Irgendwie haben die uns damals in der RS etwas eingeimpft, das uns auch heute noch militärisch prägt. So überlegte ich mir beim Einrücken tatsächlich, ob ich nicht den früheren Zug nehmen sollte, um ja nicht zu spät zu kommen oder dass ich für die morgige Inspektion doch noch mal meine Schuhe putze, um ja konform in der Wache sitzend zu sein.

Krass, oder? Ein Wort, das uns plötzlich wieder alle in die Gänge bringt: Inspektion. Morgen.
Was, wenn wir es einfach nicht geschehen lassen würden. Im Militär gegen den Strom zu schwimmen, individuell die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, bleibt aber wohl unmöglich, ansonsten soziologisch das ganze System Armee, Militär und schlussendlich Krieg nicht stattfinden könnten.

Nur. Wäre das denn so schlimm?

Kommentare:

NU hat gesagt…

Und wenn man nicht genug bekommt vom anstrengenden aber doch schönen Armeeleben, kann man ja auch im Ferienlager für Soldaten in Rumänien weitermachen. Siehe die Meldung in meinem Blog http://soweit-das-auge-reicht.blogspot.com/2009/06/krieg-spielen-in-den-ferien.html

Reto M. hat gesagt…

autsch... einfach bloss autsch... ;-)

(bezieht sich immer nur auf meine Sichtweise.)

Nun. Priska und ich buchten nun jedes Jahr in der Schweiz. All Inclusive. Ab kommenden Jahr macht sie dann jeweils allein Urlaub. Das wird mich trotzdem nicht aus der Bahn oder nach Rumänien werfen. Danke für den interessanten Link.