Montag, 1. Juni 2009

Die Kostenexplosion im Gesundheitswesen

Wird man die drohenden happigen Prämienaufschläge tatsächlich mit einer Petition in den Griff kriegen?
Eher nein.
Wird sich Monsieur "l'état c'est moi"-Couchepin tatsächlich von einer Bittschrift beeinflussen lassen?
Eher nein.

Wie ihr seht: Ich erahne diesbezüglich nicht viel Positives und trotzdem habe ich die Petition, welche der Schweizerische Konsumentenschutz SKS auf seiner Homepage lancierte, natürlich unterschrieben.

Was dort steht, kann ich nämlich mit meinem Namen unterschreiben und voll und ganz unterstützen, obwohl ich grundsätzlich zweifle, ob der Bundesrat sich dahingehend zu Massnahmen zwingen wird oder doch lieber den Versicherten eine massive Erhöhung aufdrückt:
Der Bundesrat muss sofort handeln:

Massnahmen gegen Kostenexplosion gehören nicht länger auf die Wartebank!

(...)

Sparen ist möglich, ohne Qualitätseinbussen:

  • Durch Massnahmen bei den Medikamenten, insbesondere den Medikamentenpreisen, lassen sich 800 Millionen Franken einsparen.
  • Makler erhalten hohe Provisionen von den Krankenkassen, wenn sie junge, gesunde Versicherte anwerben. Diese Praxis muss unterbunden werden – damit lassen sich weitere 200 Millionen Franken einsparen.

Inzwischen ist zu viel wertvolle Zeit verplempert worden, doch der Bundesrat hat es in der Hand, sofort Einsparungen von einer Milliarde Franken - also 5 Prämienprozenten - anzuordnen!

Wo finde ich eigentlich die Petitionen, welche Bundesräte man gerne zum Rücktritt bewegt haben möchte? Gibt's das ausserhalb Facebooks?

Lassen wir die Satire und unterschreiben, auch das ist ein Zeichen. Immerhin...

Kommentare:

Andreas Kyriacou hat gesagt…

Leicht OT - aber nötig:

Auch die SKS - in die ich nur noch sehr begrenztes Vertrauen habe seit sich deren Präsidentin mit als Sprachrohr der Kügeli-Dealer betätigte - rafft nicht, wie Datenschutz zu erfolgen hat.

Die Stiftung verweigert sich im Gegensatz zur Comedia dem Thema zwar nicht gänzlich. Doch folgende Zusicherung genügt mir nicht:

Die Stiftung für Konsumentenschutz hält sich beim Umgang mit Gönner- und Kundendaten
an die geltenden gesetzlichen Bestimmungen, insbesondere an diejenigen des Schweizerischen Datenschutzgesetzes. Die Daten werden absolut vertraulich behandelt und an Dritte weder weitergegeben noch verkauft.
Das heisst letztlich: Wenn ich unterschreibe, gebe ich der SKS einen Freipass, mich nach Lust und Laune zuzuspammen. Dafür drücke ich aber sicher nicht auf den 'Senden'-Knopf.

Reto M. hat gesagt…

@ Andreas:
Ich habe mich bei den Bestimmungen auch gewundert und gefragt, warum dass sie nicht einfach nur Namen und Ort aufnehmen, ohne genauere Adress- und Emailzusätze und darüber hinaus noch diese komische Zusatzklausel hinzuschreiben.

Ich denke, dass es eine Deformation professioneller Art ist, welche hierzu führte. Sie dachten wohl, dass sie als Konsumentenschützende noch irgendwas betreffend des Datenschutzes schreiben müssten, das oberklug tönt. Herausgekommen ist ein Satz, der genau das Gegenteil bewirkt. "Häää... was wollen die damit sagen?"

Grundsätzlich hoffe ich aber schwer, dass trotz meinem Senden nun nicht der elektronische Postkorb voller SKS-Spam gefüllt wird. Also das wäre dann nix Konsumentenschutz. Da hätte ich klare Erwartungen und würde Verfehlungen auch in diesem Blog berichten. Aber ich denke, dass sie mit ihrer Formulierung eigentlich sagen wollten: Wir geben Ihre Daten unter keinen Umständen weiter. Wer will kann mehr Informationen erhalten.

Andreas Kyriacou hat gesagt…

Nach einer email-Adresse zu fragen ist ja durchaus nicht ganz sinnlos. Es macht Fake-Einträge zumindest etwas umständlicher. Aber falls das Zusendenkönnen eines Bestätigungslinks der Grund für die obligate email-Erfassung ist, sollen sie das so schreiben und zusichern, dass die Adresse ausschliesslich zu diesem Zweck verwendet wird. Dann ist's transparent - und verbindlich.

Reto M. hat gesagt…

stimme zu.

hansruedi hat gesagt…

warum eine Petition unterschreiben die nichts bringt? die nichts bringen kann! warum nicht endlich mal einen Plan aufstellen wie man die Gesundheitskosten in einen vernünftigen Rahmen bekommt. Was wir benötigen ist eine (min.) zwei Klassen Medizin. Grundleistungen für alle zum kleinen Preis und wer mehr will, muss dafür eine sep. Krankenkasse bezahlen. Mir gefällt dieser Gedanke auch nicht, nur die Alternative ist noch weniger schön, denn der Medizinische Fortschritt ist nicht aufzuhalten und dürfte die Prämien in kurzer Zeit für viele unbezahlbar machen.
Solange über 90% der Menschen noch nicht mal eine genügende Grundversorgung haben, ist das für mich auch kein moralisches Problem, eher ein mulmiges Gefühl und Angst, weil es mich selber ja auch betrifft.

hansruedi

Reto M. hat gesagt…

Ich bin absoluter Gegner einer Intensivierung der Zweiklassen- oder gar Mehrklassenmedizin. Faktisch haben wir die Zweiklassenmedizin ja schon. Jegliches weitere Abdriften in Richtung amerikanische Verhältnisse in welchen Vermögende sagen, was Grundleistung für Unvermögende bedeutet oder wer überhaupt als versichert gilt, darf nicht zugelassen werden. Dann lieber hohe Prämien bezahlen oder echt erst mal die Medikamentenpreise bekämpfen. Die sind in der Schweiz nämlich wirklich abartig hoch.

Ich wäre zudem für einen sofortigen Werbestopp aller Krankenkassen. Wenn man dem Gehörten Glauben schenkt, dass die Kolping-Krankenkasse ihr Engagement bei der Kloten-Flyers-Arena und der Eishockey-WM zu 30% aus Geldern der Grundversicherten bezahlte, dann ist das nur eines: KRANK! Eine kranke Kasse. Insofern es stimmt, was mir zugetragen wurde.

Es ist erschreckend und da sind wir uns bestimmt einig, wenn man hört, dass eine Familie in etwa CHF 12'000 pro Jahr für Versicherungsprämien ausgibt. Da arbeitet man dann bald wirklich nur noch, um die Steuern und die Prämien zu bezahlen, nebst dem dass man die Familie ernähren sollte.

hansruedi hat gesagt…

nur dagegen sein, gilt nicht, wenn du von deinen 12'000 pro Jahr ausgehst und in die Zukunft extrapolierst kommst Du irgendwann an einen Punkt an dem die Prämien einer Familie den Lohnmedian übersteigen, da nützen auch alle Kosteneinsparungen nichts, die verschieben den Zeitpunkt einfach nur ein paar wenige Jahre nach hinten. Wenn du eine Lösung hast, dann bring sie, aber bitte ganz schnell. Wenn du keine andere Lösung findest, dann mach dich auf eine Mehrklassenmedizin gefasst. Diese Mehrklassenmedizin haben wir übrigens schon heute, geh nur mal ins Ausland in die Ferien und schliesse dazu keine Zusatzversicherung ab und werde Krank.

hansruedi

Reto M. hat gesagt…

@ hansruedi:

Wir haben diesbezüglich ein Dilemma. Nun werden wir dieses aber bestimmt auch nicht in diesen Blogzeilen lösen können. Hierbei erwarte ich von den sogenannten Gesundheitspolitikerinnen, welche selbsternannt zuhauf als Bundesräte, National- und Ständeräte tagtäglich politisieren Lösungen. Echte Lösungen.

Ideen, die ich als Laie (;-))nicht bieten kann, respektive mir nicht in den Sinn kommen.

hansruedi hat gesagt…

kein Fachmann, nun gut, aber wer ist eigentlich Fachmann für den Schreibstil der Briefe von Langenthal? Wie es der Zufall will, habe ich heute wieder mal einen Brief von Langenthal erhalten, am Inhalt selber ist nichts auszusetzen, nur der Ton.... mein lieber Herr Gesangsverein der gehört nicht ins 21. und noch nicht mal ins 20. Jahrhundert. Und da ich den Brief als Serienbrief einstufe, dürften diesen Wisch, der von allen drei grossen Langenthaler Parteien Federführend verbrochen wurde, einige Menschen erhalten haben.

Meine lieben Damen und Herren Politiker, tut doch wenigstens so, als ob ihr die Einwohner als Mitmenschen achten würdet.

hansruedi

Reto M. hat gesagt…

Siehe meinen neuen Blogpost. ;-)

Also ich weiss nicht, worum's geht. Ich habe keinen Brief erhalten, noch geschrieben und vom Gesangsverein auch nichts unterschrieben.

So schlecht ist mein Stil ja nicht (immer)....

Das musst du mir mal zeigen. Wer hat da unterschrieben?
Kam der Brief von der Stadt?
Oder von einem Verein?

hansruedi hat gesagt…

den Brief kann ich dir schon zeigen, aber ich denke es handelt sich um einen üblichen 08/15 Brief. Ich glaube nicht dass sich da extra 2 Gemeinderäte und ein Stadtrat zusammensetzen um mich explizit mit einem Brief zu ärgern. Das macht die Sache jedoch schlimmer, es zeigt, die Langenthaler Politik kümmert sich lieber um den 2345. Vorstoss der Sanierung der Marktgasse, Bahnhof, Wuhrplatz als um die Einwohner. Das überarbeiten der Standartbriefe von 1815 ist eben Arbeit und kein Fun.

hansruedi