Montag, 1. Juni 2009

Das Recht am eigenen Bild. Auch für Fotografen?

Ich gehöre nun halt zur Sorte, welche das Internet nicht nur mit Informationen füttert, sondern daraus auch solche bezieht. Nach der Meldung des Absturzes eines Flugzeuges vor Brasilien von heute klickte ich auf blick.ch auf ein Video, das zwar nicht viel aussagte, als die verstörten Gesichter scheinbarer Angehöriger, was mich einerseits an meiner Wahl der Informationsquelle zweifeln liess, aber auch andere Rätsel aufgab.

Am Ende kommt jeweils ein animierter Abspann der Ringier Press. Vollton, Vollfarbe, voll animiert, voll krass, voll durchdacht. Meint man, doch:

Dort ist auch ein Bild eines Fotografen zu sehen. Siehe hier ab 1 Minute. Nämlich das folgende der
Quelle: Screenshot von www.blick.ch
(http://www.blick.ch/news/ausland/wurde-flug-af-447-vom-blitz-getroffen-120461)

Nun: Dieser Fotograf - da bin ich mir fast zu 100% sicher - arbeitet nicht bei Ringier. Diese Frisur habe ich schon hinter Fotoapparaten zu BZ-Artikeln entdeckt (so ist das halt bei Politikern: den Journi erkennst du am Mund und den Fotografen an der Frisur.) Sie gehört zu einem Mann mit zwei Vornamen als Namen, wovon einer Peter ist und zum Kuriosum: Die Berner Zeitung gehört zur Tamedia.

Ob sich mein Verdacht aber erhärten liesse, ob es tatsächlich der vermutete Fotograf ist, ob da tatsächlich genug von besagtem Fotograf zu sehen ist, als dass dieser das Recht am eigenen Bild von Ringier einfordern könnte, ob er mit dem Bild einverstanden war oder manchmal nicht nur für die Tamedia sondern auch für Ringier arbeitet, wird wohl ebenso unbeantwortet bleiben, wie diejenige, ob ich mich mit dem obigen Screenshot nicht mindestens ebenso strafbar mache...
aber so ist das halt mit diesem Internet. Es braucht Bilder, es geht schnell, es ist grenzwertig.

Kommentare:

Tom hat gesagt…

Ohne hier den Lehrer spielen zu wollen: Winziges und völlig unwichtiges Detail - das letzte Wort schmerzt mein Auge. Stammt "grenzwertig" nicht vom Nomen "Grenzwert" ab und müsste folglich mit "e" und nicht mit "ä" geschrieben sein? Wenn nicht, müsste es mit "Grenzwart" verwandt sein, was ich für nahezu ausgeschlossen halte;)

Gruss Tom

Titus hat gesagt…

Aber Reto...was ärgerst Du Dich bei dieser Tragödie ob diesem Abbild eines Fotografen?

Erbärmlich finde ich die heisshungrigen Kameraleute und Fotografen, welche die weinenden Angehörigen an den Flughäfen um jeden Preis ablichten wollen, weil ja ansonsten keine Bilder zur Verfügung stehen.

Da geht es nicht nur um das Recht des eigenen Bildes, sondern um einen äusserst intimen und privaten Moment: Um Trauer.

Es ist schlichtweg primitiv, solche Bilder zu schiessen, in alle Welt zu verbreiten und dann dafür noch etwas zu verlangen, zumal das Ganze ohnehin ungefragt geschieht...

Reto M. hat gesagt…

@ Tom: Puuhhh, das ist sehr wahrscheinlich absolut richtig, was du sagst. Wird geändert.

@ Titus: Ich ärgere mich nicht. Nein, nein. Ich finde das Bild des krausköpfigen Fotografen vom wahrscheinlich falschen Verlag witzig. Deshalb hab' ich's gebloggt.
Der Videobericht ist wirklich grenzwertig. So jetzt ist auch das noch richtig geschrieben. Aber kein Angebot ohne Nachfrage, respektive in dieser Sache Konsum. Da müssen wir uns selbst an der Nase nehmen.

M. Ischi hat gesagt…

Die Frage die man sich im Hinblick auf das Recht am eigenen Bild stellen muss ist, dürfen die Trauernden überhaupt ungefragt gefilmt und deren Bild veröffentlicht werden?
Denn dies ist auch das Recht am eigenen Bild, dass Bilder vorauf man selbst abgebildet ist, nicht ohne die Genehmigung des Abgebildeten veröffentlicht werden dürfen.

Reto M. hat gesagt…

Hoi M. Ischi:

Das ist richtig. Da stellt man sich dann wieder Google-Street-View-Fragen, gell.

Sonst sieht man noch, dass ich in Langenthal abends aus der falschen Beiz komme oder so.