Mittwoch, 22. April 2009

Autobahnzubringer - wirklich ein Thema für eine Maturarbeit?


Äusserst erstaunt nahm ich heute von den Forschungen von fünf jungen Berufsmaturanden in Langenthal Kenntnis, welche auf Grund von Umfragen und gewisser Unterlagen, die aber im Bericht nicht näher spezifiziert werden, einstimmig zum Schluss kommen, dass es den Autobahnzubringer Oberaargau brauche. Hierfür stellen sie sich auch sehr werbewirksam und charmant vor ein altbekanntes Plakat und um nicht noch mehr versteckte Botschaften zu platzieren und es geradeaus zu sagen: Ich bin absolut gegen den Autobahnzubringer, weil er das Problem in Aarwangen nicht löst, absolut überdimensioniert und unökologisch geplant und Bützberg und Langenthal mit einer Mehrbelastung an Verkehr konfrontiert, die in der Ringstrasse und der Zürich-Bernstrasse nicht mehr aufgenommen werden kann.

Der Artikel hinterlässt in mir viele Fragen, welche leider nicht beantwortet werden. So wird gesagt:
Zur Kostenfrage:
"Dass das Projekt überhaupt finanziert werden kann, ist für die Fünfergruppe unbestritten. «Diese Frage ist eher rhetorischer Art», sagte Patrick Jordi während der Präsentation; es sei einzig offen, wer die Kosten zu tragen habe. Im Vordergrund steht für die zwischen 19 und 21 Jahre alten Berufsmaturanden dabei ein bereits diskutiertes Public-Private-Partnership, das sie als «innovative Idee» bezeichneten."
Liebe Maturanden. Das ist nur eine rhetorische Frage, wenn das Geld an den Bäumen wächst. Wer bezahlt in einem PPP-Projekt wohl die Miete der Strasse, wenn nicht auch der Steuerzahlende? Findet sich heute eine Firma, welche eine Strasse sponsert, ohne einen direkten finanziellen Nutzen daraus zu ziehen? Ist es auch immer noch eine rhetorische Frage, wenn die Gemeinden der Region die 180 Mio. zu bezahlen haben? Sind Bundessteuern nicht auch Steuern? Was ich damit sagen will. Wir bezahlen den Autobahnzubringer so oder so. Von den flankierenden Massnahmen, die auf Langenthal, Aarwangen und Bützberg dann noch zukommen, gar nicht zu reden.
"«Der Bau des Autobahnzubringers ist beinahe unausweichlich, wollen die Betriebe den Anschluss nicht verlieren», hielten die Präsentatoren in ihrem Fazit denn auch fest; gleichzeitig verbessere diese Massnahme auch die Lebensqualität in Aarwangen deutlich. Unter den drei diskutierten Varianten «Ost», «Mitte» und «West» würde die Arbeitsgruppe letzterer den Vorzug geben. Wegen des dabei vorgesehenen Tunnels werde kein Waldgebiet zerschnitten, was die Variante am umweltfreundlichsten mache."
Die Zweckmässigkeitsbeurteilung, die der Kanton Bern veranlasste, kam zum Schluss, dass der Autobahnzubringer (wenn auch knapp) unter der Grenze der Wirtschaftlichkeit liegt und dies obwohl man einen sehr günstigen Kilometerpreis berechnet hat. Diese ZMB mit einem fadenscheinigen "Anschluss-nicht-verlieren"-Writschaftsargument vom Tisch zu räumen, erscheint dilletantisch. Zudem ist interessant, dass die regionalen Firmen - gemäss Aussage im Artikel - den Fragebogen mit einer Ausnahme nicht retourniert oder schlecht retourniert hätte. Ist der Autobahnzubringer somit für alle Firmen ausser einer (!) kein Bedürfnis? Warum braucht die Wirtschaft denn diese Strasse, wenn sie dafür nicht mal bereit ist, einen Fragebogen auszufüllen und zu retournieren? Die Behauptung, dass die Umfahrungen die Lebensqualität in Aarwangen tatsächlich verbessert, muss noch belegt werden, denn in Aarwangen ist es nicht einzig die Menge des Verkehrs, die das Problem verursacht, da zum Beispiel in Bützberg und Langenthal (Aarwangenstrasse) mehr Verkehr als in Aarwangen selbst zirkuliert. Die Strasse muss dringend umgestaltet werden. Das löst das Problem effektiv. Von einer der drei besagten Varianten als "die umweltfreundlichste" zu sprechen ist angesichts des riesigen Baus aller Varianten und dem massiven Einschnitt in die Kulturlandschaft ein Hohn sondergleichen. Eine Strasse ist nie umweltfreundlich. In dieser Art zu werben ist einfach nur Augenwischerei. Bösartigerweise wurde die vierte Variante, die reell existiert, durch die Maturanden scheinbar nicht beachtet. Die Variante Null+ wird mit keinem Wort erwähnt.
"Diese Schlussfolgerungen freuten Markus Quaile. Der Gemeindepräsident von Thunstetten und «grosse Befürworter» des Autobahnzubringers wohnte der Präsentation bei und lobte die «gute Arbeit». Einzig bei den Schlussfolgerungen zu den Auswirkungen des Projekts auf die Umwelt und dem Verkehrsaufkommen teilte er die Meinung der Referenten nicht ganz."
Schön. Darf damit die Meinung entnommen werden, dass Bützberg den Mehrverkehr, welchen ein Autobahnzubringer zwangsläufig mit sich bringt, will. Bützberg ist mit der Zürich-Bernstrasse heute bereits im Oberaargau das Dorf, das den grössten Verkehr auf(sich)nimmt. Mehr will ich dazu nicht sagen, da ich in diesem Dorf arbeite und mich politisch explizit nicht äussere.

Das musste ich mir in der ersten Aufregung nun von der Seele schreiben. Ich will die Arbeit der Maturanden nicht anhand des zwar ausführlichen Presseberichtes beurteilen. Auf Grund des im Bericht Geschriebenen, das in mir all diese Fragen hinterlässt, müsste ich sonst zu einem ungemütlichen Schluss kommen. Aber ich werde mich morgen auf die Suche nach den Personen hinter dieser Arbeit machen, mir ein Exemplar zukommen lassen, damit ich mir ein genaueres Bild machen kann und mich mit den Erstellern, falls dies möglich ist, auch treffen, um mich mit ihren Argumenten und Antworten auf meine Fragen auseinanderzusetzen. Das klingt auf alle Fälle nach spannender Politik. Die Motivation hinter der Arbeit will ich ebenfalls ergründen. Das finde ich spannend.

Auf alle Fälle ein Thema, das bewegt. Siehe Samstag: www.sp-oberaargau.ch

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

wirklich bedenklich.

zumal wenn man folgendes beachtet:
wer will den autobahnzubringer:
glas trösch
wo arbeitet der lehrling:
glas trösch
wo arbeitet der gemeindepräsident thunstettens:
glas trösch

merksches?

Reto M. hat gesagt…

Ich glaube nicht, dass das einen Einfluss hat. Also, ich hoffe nicht, dass das einen Einfluss hat.

Anonym hat gesagt…

Es fehlt der SP an einer Vision für unsere Region. Das Mobilitätsbedürfnis wird in Zukunft eher noch zunehmen und die Variante 0+ ist pure Kosmetik. Während wir uns im Oberaargau fleissig "bekriegen" wegen einem Stück Wald oder Wiese fliessen unsere Steuergelder munter in Strassenprojekte anderer Regionen im Kt. BE (und Zugverbingungen werden gestrichen) Das kann doch nicht in unserem Interesse sein!?

Reto M. hat gesagt…

Meine Vision einer Verkehrsplanung im Oberaargau ist eine Ausgestaltung des Korridors Aarwangen zu einer Strasse, welche die Bedürfnisse des regionalen Verkehrs, aber auch die Bedürfnisse Aarwangens in einem ausgewogenen Verhältnis befriedigt. Dass dies möglich ist, wird eine Studie beweisen.

Was mir unrealistisch erscheint, ist das Aufschieben einer Lösung der Probleme auf eine zusätzliche Strasse, die frühestens 2017 gebaut ist und an die im Moment weder der Kanton, noch der Bund die nötigen finanziellen Mittel zu Verfügung stellen will. Spätestens beim Entscheid des Bundes Ende 2009 werden die Träume der Region platzen. Aber ich vermute, dass einige Unrealistische dann mit dem Glauben an ein PPP versuchen werden, den Traum aufrecht zu erhalten, was uns einer Lösung des Problems in Aarwangen aber keinen Schritt weiter sondern nur Jahre in die Zukunft bringen wird.

Die Vision einer SP und anderer Organisationen für die Verkehrslösung im Oberaargau wird noch in diesem Jahr vorgestellt werden. Mehr kann und will ich dazu nicht sagen.

Reto M. hat gesagt…

Übrigens die Mär, dass da unser Geld in andere Regionen fliesst, nur weil die weniger kritisch mit Bundes- und Kantonsgeldern umgehen würden und wir uns immer nur selbst bekriegen, statt geeint hinter etwas zu stehen, ist wohl seit der Ablehnung des Agglomerationsprogramms vom Tisch.

Wir sind scheinbar nicht fähig unsere Ansprüche an Bundesgelder gültig zu formulieren, im Gegensatz zu 29 anderen Regionen. Das ist 'was ganz anderes. Hätten die Kritiker des Autobahnzubringers gänzlich Unrecht, wäre die Strasse doch schon längst in den 70er oder 80er Jahren gebaut worden.