Sonntag, 8. März 2009

Wahlschlappen der SP

Auch wenn ich inständig hoffte, dass die zahlreichen Banken-, Wirtschafts- und sonstigen Skandale wiederum ein wenig den Wahlimpuls hin zur SP senden würde, wurde ich heute von den Resultaten der Grossratswahlen in den Kantonen Aargau und Solothurn sehr enttäuscht.

Im Kanton Aargau resultierte eine Schlappe von minus 8 Sitzen, vor allem zu Gunsten der Grünen (+6), aber wohl auch der neu angetretenen GLP (+5). Bestimmt spielte der Doppelte Pukelsheim, der erstmalig zur Anwendung kam, darin auch eine Rolle (CVP - 5; FdP -4; SVP -1), doch muss man brutalerweise doch auch eingestehen, dass wenn die Wirschaftspartei(en) weniger Sitze in dieser Krise als die SP verliert, dass man echte Fragen um die Existenzberechtigung einer Arbeiterpartei zulassen muss. Will heissen: Trotz Krise in welcher uns die bürgergliche Mehrheit mit kapitalistischer Sicherheit und Überheblichkeit hinein steuerte, wird vom Volk diesen Parteien immer noch mehr Vertrauen für die Zukunft geschenkt und der SP weiter in grossem Stile entzogen. Scheinbar konnten wir mit unseren Lösungen und dem Bekenntnis, dass wir die Krise schon immer haben kommen sehen, nicht in der Bevölkerung beider besagten Kantone überzeugen. Scheinbar haben wir unsere Aufgaben immer noch nicht gemacht und unsere Ziele für eine sozialere und gerechtere Gesellschaft verfehlen leider auch in diesen Zeiten, in denen wir sie so zwingend notwendig hätten.

Ähnlich zeichnet sich die Situation - ohne Systemwechsel in der Auszählung - im Kanton Solothurn ab. Die SP büsste 4 Sitze ein. Gesamthaft sieht das Bild wie folgt aus: FdP 27 (-3), CVP 25 (+2), SP 21 (-4), SVP 18 (+1), Grüne 6 (+2), Grünliberale Partei 2 (+2) und EVP 1 (+0).
Trotz dem Schmerz, den das SP Resultat in mir hinterlässt, gratuliere ich meinem Cousin Stefan Müller-Altermatt

209 Müller-Altermatt Stefan
3264 Stimmen

, für sein Spitzenresultat und seine glanzvolle Wiederwahl in den Kantonsrat für die CVP Thal-Gäu. Das ist top.

Kommentare:

kusito hat gesagt…

eine arbeiterpartei die ihre basis nicht versteht! kultur geht dem arbeiter oft am a**** vorbei! nicht konsequente asyl und sozialpolitik schafft auch nicht vertrauen!
in allen länder wo die sp oder wie sie auch heissen mögen wieder erfolg haben, wurde der kurs radikal geändert! lösen von den gewerkschaften und wirtschaftsfreundlicher wird politisiert...

auch ich werde kaum mehr SP wählen in zukunft! nach dem schlamasel was in der berner sozialdirektion gefunden wurde, erst recht nicht mehr! söihäfeli söidecheli lässt grüssen!

Ray hat gesagt…

Nicht der Doppelte Pukelsheim sondern der all zu einfache Levrat wird Euch zum Verhängnis.

Ich schaue weiterhin amüsiert zu...

Reto M. hat gesagt…

Meine Lieben.
Bodenmann war auch recht einfach. Die Leute haben ihn verstanden.
Und da hakts im Moment, die SP kann sagen, was sie will, sie wird nicht verstanden. Sagt Blocher dasselbe erhält er die 100fache Resonanz dessen, was unsere Partei im Moment erzeugen kann. Und das ist erschreckend und muss verändert werden. Über das "Wie" mache ich mir nach dem Schneesportlager weitere Gedanken. Denn das "Wie" griffe auch in unserer Region.

Anonym hat gesagt…

Giorgio Girardet meint:
@Ray
Nein, Levrat ist nicht das Problem. Der scheint mir spritzig, wendig und mit einer klaren Vision ausgestattet, die er in seiner Antrittsrede skizzierte, als er auf Robert Grimm Bezug nahm.
Die Probleme der SP sind:
- Negativ-Patriotismus: Seit der kulturellen Wende von 68 versteht sich die SP als Partei, derjenigen, die sich von nationalen Mythen verabschieden will. Robert Grimm schrieb 1919 im Gefägnis das Buch "Die Schweizergeschichte als Klassenkampf": diese kompakte Verschmelzung von nationalen und revolutionären Mythen bildete das kulturelle Substrat einer Bildungsarbeit in der Partei, die in den Bundesrat führte.
- Die Arbeiterschaft hat keinen Schweizer Pass oder wählt SVP.
- Der Wählerzuwachs in den letzten Jahren ging auf das Konto Blocher.
- Auf einem "garantierten" Wähleranteil (treue Gewerkschafter, die immer SP einwerfen, egal was die Führung macht & Blocher-Effekt) kassierten Frauen dank Quotenregelung eine überproportionale Machtstellung, die sie für symbolische Scheinpolitik nutzten: Ohrfeige verbieten, Sturmgewehr ins Zeughaus, Stimmrechtsalter 16 und andere belanglose Schaumschlägerthemen.
- Der Medienmainstream ist derart auf der Seite der SP (auch die Intelligenz auf den Lehrstühlen), dass es kaum kreativen Widerspruch gibt. Auch alle Politologen orakeln alle zugunsten der SP. Dem durchschnitts-SPler wird ständig auf die Schulter geklopft, bis er dann einfach nicht gewählt wird.
- Die harten Themen: Neukonzeption des Sozialstaates, Neukonzeption der Bürgerpflichten (allg. Wehrpflicht? Gebärpflicht? Dienstpflicht?) werden nicht angegangen. Es fehlen Visionen, aber viele hängen noch feministisch-pazifistischen Utopien an.