Mittwoch, 25. März 2009

Geld für Noten

Blogprovinziell gesprochen gleich bei mir um die Ecke, an der Schule Wiedlisbach, gibt's in einem Schulversuch Geld für gute Noten. Die Idee schlägt vor allem medienmässig viel Wind in kleineren und grösseren Postillen. Lassen sich doch seit letzten "Sonntag" bis heute 16 Artikel bis und mit "Blick" auf alle möglichen Meinungsgeber dafür ausmachen.

Das System ist simpel und kapitalistisch einfach: 5 Franken für eine 4,5, 12 Franken für eine 6. Dazwischen bonimässig Abstufungen.

Warum die Sendung "Futura TV" - abgesehen der Medienpräsenz und wahrscheinlich dadurch höheren Einschaltquote - diese Untersuchung überhaupt macht, ist mir schleierhaft, denn die Resultate sind abschätzbar.

Die Noten werden sich in einer ersten Phase im Schnitt bessern, wenn die Massstäbe dadurch nicht nach oben korrigiert werden. Der Anreiz wird aber sehr bald verblassen. Wer Leistung nicht der Leistung willen erbringt, sondern aus anderen Motivationen wird bald wieder vom riesigen inneren Schweinehund geknechtet. Das frankenmässige Belohnungssystem ist zudem ungerecht, da man Intelligenz belohnt und Dummheit straft. Warum bekommen nur die Lernenden mit guten Noten Geld und nicht diejenigen, welche die meiste Zeit per Üben und Trainieren (also durch effektive Leistung) in den Lernstoff investiert haben?

Die heutige Benotung - möge sie durch Aussenstehende manchmal noch immer nicht transparent erscheinen - basiert auf einer transparenten und förderorientieren Basis, welche ähnlich eines Mosaiks, abhängig von verschiedenen Faktoren über den Leistungsstand, die Arbeit und das Potential eines Lernenden Auskunft geben sollte. Die Leistung mit einem Fünfliber abgelten zu wollen, ist überdies à mon avis nicht wirklich das Nonplusultra der Wertvorstellungen, welche wir unserer Jugend heute vermitteln sollten.

Oder ist es wirklich so, dass wer heute viel verdient, viel bessere Arbeit verrichtet oder die grössere Leistung erbringt, als diejenigen welche wenig verdienen?

Kommentare:

bugsierer hat gesagt…

ich bin schockiert. dass so etwas überhaupt getestet wird, das sagt viel über die erfinder dieses tests: weltfremd und in den völlig falschen kategorien denkend. sie gehören ersetzt.

Reto M. hat gesagt…

ich teile deine meinung, aber das ist einfach eine fernsehshow, welche bei mir in dieselbe kategorie geht, wie bigbrother.

hansruedi hat gesagt…

ach man Reto, man muss das System mit den eigenen Waffen schlagen, 45% für den Lehrer und 45% für den Schüler, alle bekommen ab sofort zwei Noten eine realistische und eine Boni-note, die Boni-note ist immer sechs, ach ja 10% sind dann für mich. ;-)

hansruedi

Reto M. hat gesagt…

Abgesehen davon (:-D)war ich immer für eine leistungsbezogene Beurteilung der Lehrkräfte (und auch wenn das nicht gerne erhört wird... für Leistungslohn...). Aber dieses System beisst sich auch tot, da die Qualis für die engen Kader erfahrungsgemäss immer besser ausgestellt werden, als für weitere (entferntere) Angestellte. Oder für die Leistungsprämie schlussendlich gar kein Geld vorhanden ist. "Du bist in der Quali zwar A. Aber für die Prämie hättest du A++ sein müssen, was leider nur der Vize-Direktor erreichte."

Nun, die Leistungsbeurteilung einer Lehrkraft müsste dann aber nicht vom Schnitt der Noten abhängen, die er/sie generiert. ;-)

Noten: Der Versuch die Leistung, das Leistungsverhalten und das Leistungspotenzials eines Individuums in einer Zahl von 1 - 6 - wobei generöserweise auch halbe Schritte erlaubt sind - auszudrücken ist doch auch eigentlich irgendwie grenzwärtig. Oder sagt mir eine andere Lösung?

Die Wirtschaft hat die Lösung Multi- und Basic-Check dafür gefunden, doch auch hiervon - da es sich um Privatabzocker der heutigen Lehrstellenbewerber handelt - bin ich überhaupt nicht überzeugt. Staatliche Lösungen für staatliche Probleme wären mir lieber, als private Lösungen staatlicher Probleme.

godwi hat gesagt…

Es hat einige Zeit gedauert, bis sich das Thema auch zu mir durchgetrommelt hatte: Eine neue Fernsehshow ist auf einen neuen Dreh gekommen, ihre Quoten zu verbessern. Das ist erstmal nichts Besonderes. Was mich gefesselt hat, ist eher der bigotte Umgang der öffentlichen Meinung mit dem Thema. Wie ich das meine, steht in meinem Blog:

http://tonwertkorrekturen.wordpress.com/2009/04/08/notengeld/

Godwi