Dienstag, 24. März 2009

Ein Abend mit Polit-Freunden. Die Stadtratssitzung.

Nach über dreistündigem Zuhören an einer Stadtratssitzung wie gestern, kann man sich schon die Frage stellen: "Was tue ich hier eigentlich?"
Letztes Jahr war schliesslich dadurch geprägt, dass ich den Sinn meiner Sitzungsanwesenheit bereits bei der ersten Sekunde erkannte. Nun musste ich mich gestern neu auf das politische Tun eichen.

Mir macht's nach wie vor - auch wenn das für einige schwer verständlich ist - Spass, politischen Diskussionen über Sinn und Unsinn von Vorstössen und Vorschlägen zuzuhören und falls sich Gelegenheit und Wortschatz bieten, mitzudebattieren. Gestern sagte ich kein (offizielles) Wort. Es war auch nicht nötig. Wann es dies an einer regulären Stadtratssitzung das letzte Mal gab, daran kann ich mich gar nicht zurück erinnern. Kann es sein, dass mich das Jahr als Präsident gemässigt hat? Bin ich liberaler und ruhiger geworden? Betrachte ich das politische Diskussionsspielchen (und zeitweise Provokationsspielchen) nun objektiver? Wahrscheinlich schon.
Es braucht heute mehr, um mich Stadtratsindianer aus dem Busch zu klopfen, wenn wir uns mal der steinbrück'schen Rhethorik bedienen wollen, als die paar wenigen Minarett-Kunst-Provokationen gestern. Sie rangen mir ein Lächeln ab und das innere Bewusstsein, dass ich mich im Gegensatz zu vielen wichtigen politischen Sprechenden gestern, dazu bereits an der öffentlichen Debatte mit dem Kunstverein zumindest durch Anwesenheit an sämtlichen Gesprächen und Podien, zu denen eingeladen wurde, beteiligt hatte. Braver, Müller. ;-)

Die Meinung des Stadtrates war hierbei sowieso mit 7 Ausnahmen praktisch unisono: "Politik hat sich in die Kunst nicht einzumischen. "

Noch etwas war schön. Der geneigte Lesende mag sich erinnern, dass ich auf Abraten gewisser Stellen einen Vorstoss betreffend der Finanzsituation Langenthals nicht einreichte, worauf dann, nach (oder auch unabhängig davon) dem Blog, die Berner Zeitung über die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Dörfer im Oberaargau berichtete.

Gestern dann orientierte der Gemeinderat in seinen Mitteilungen wie folgt:

Anfangsbestand des Wertschriftendepots war 62 Mio. am 1.6.06
Am 31.12.06 waren's 63.562 Mio.
Am 31.12.07 waren's 62.423 Mio.
Am 31.12.08 waren's 55.791 Mio. (zuzüglich 3 Mio. welche man ausgelöst hatte, um Schulden zu begleichen)

Will heissen, dass man an Zinsen und Dividenden 3.831 Mio im Zeitraum vom 1.6.06 bis am 31.12.08 einnahm und die (nicht realisierten) "Verluste" sich auf -3.209 Mio belaufen.
Resultiert ein Nettoertrag von 0.622 Mio, abzgl. Kosten von -0.345 Mio ein "Gewinn" o.277 Mio.

Ich würde mal sagen: Wir haben immer noch viel Geld in Langenthal und wir sind dank einer klugen und vorsichtigen Anlagestrategie (Dank an Finanzamt, -kommission und Gemeinderat) zur Zeit noch mit einem blauen Auge aus der Finanzkrise gekommen.
Oder wie der zuständige Gemeinderat sagte: "Das Ergebnis ist überraschend gut."
Hoffen wir auch in Zukunft das Beste. Natürlich auch für die beiden Vorstösse, welche ich gestern einreichte. Ich bin auf die Reaktionen und auf die Antwort des Gemeinderates gespannt. Zumal mir die Motion echt brisant scheint.

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