Dienstag, 31. März 2009

"Bossnapping"

Die Franzosen sind arbeitsrechtlich und gewerkschaftlich schon krass.

Michelin-Mitarbeitende zündeten gestern Reifen vor dem Palais d'Elysée an, um ihrem Unmut über die wirtschaftliche Lage und die darauf folgenden (Nicht-)Reaktionen der eigenen Regierung Sarkozy (isch knutsche lieber mit Carla durch arabische Länder) kund zu tun.



Seit neustem wird nun auch "Bossnapping" praktiziert. Da werden Manager aus der Chefetage in ihren Büros "zum Nachdenken" eingesperrt, wenn sie Massenentlassungen oder hohe Boni ankündigen. Heute traf es 5 Manager von Caterpillar Grenoble, die seit dem Morgen festsitzen und auch der Chef der PRR-Groupe, der auch Carrefour und andere Grossverteiler angehören, durfte eine Stunde in seinem Wagen "nachdenken", da er von seinen Mitarbeitenden blockiert wurde.

Betriebswirtschaftlich und rechtlich ist ein solches Vorgehen natürlich äusserst bedenklich. Ob sich damit eine Firma und die Arbeitsplätze retten lassen? Da lob ich mir eher die Standpauke Obamas gegenüber AIG und GM. Bye-bye Wagoner. Ungenügend.



Einerseits verurteile ich das Verhalten der Franzosen und mir kommen metaphorisch nur Wild-West-Szenen in den Sinn, welche dieses Verhalten nachzeichnen können, ich aber aus steinbrück'schen Gründen nicht widergeben will und andererseits bewundere ich die Franzosen für ihr zwar kindlich-reaktionäres, klar ungesetzliches Verhalten ein wenig, da sie für ihre Arbeitsplätze einstehen und kämpfen und versuchen den Tarif der Arbeitenden durchzugeben. Arbeitende, die eine jede Firma für ihre Existenz braucht. Und sie tun endlich was! Wir stehen oft nur da und schauen zu. Auch ein grosser Fehler.

Da frag' ich mich in diesem Zusammenhang auch, ob ich mich solidarisch dem Protest des Putzpersonals des Bundes anschliessen soll und warum man zum Kuckuck immer beim oder am Putzpersonal sparen will. Das ist doch nicht normal! Auslagerung an Dritte. Anstellung unter schlechteren Bedingungen. Etc pp. Wenn der Bund das Putzpersonal nicht organisieren kann, wie sollte dann überhaupt etwas anderes funktionieren? Das ist doch echt nicht so schwierig. Zudem: Echt sparen würde man, wenn man zum Beispiel den Kauf neuer Kampfflugzeuge nicht bloss verschieben, sondern streichen würde. Dafür wären im Gegenzug wohl Jahre von Putzpersonalstunden gesichert.

Kommentare:

Titus hat gesagt…

Da wirfst Du gleiche eine Menge Themen in den virtuellen Raum...

Irgendwie dachte ich bei diesen "Bossnappings" der letzten Tage automatisch an eine neue, moderne Form von Revolution. Eine Revolution beginnt immer "unten" beim Volk und richtet sich gegen die Machthaber. Da der Arbeitgeber für viele mehr Bedeutung hat als die Politik, sind die Machthaber eben nicht die Politiker, sondern die Firmenbosse...

Jede Revolution hatte in seiner Zeit gegen geltendes Recht verstossen. Demgegenüber war das Ausnehmen des einfachen Bürgers immer "straffrei" - oder artete eben in eine Revolte aus. Vielleicht greift dieser Vergleich zu kurz, aber ein Funken Wahrheit dürfte er schon drin haben...

In diesem Zusammenhang hörte ich, dass Frankreich ein Dekret erlassen hätte, wonach Bonus-Zahlungen verboten würden. Dieses Dekret würde für diese Krise und bis Ende 2010 gelten, hiess es weiter. Oder anders gesagt: Kommt der Aufschwung, sind derart fragwürdige Boni-Zahlungen wieder zulässig... (und man hat nichts gelernt).

Zum Putzpersonal im Bundeshaus ein anderer Gedanke: Wer hinterlässt an seinen Arbeitsplatz nach Arbeitsschluss oder ein Sitzungszimmer nach Sitzungsende eine derartige Sauerei wie dies unsere nationalen Politiker in den Ratssäalen tun? Man könnte da ja einmal anfangen... und die Flugzeuge trotzdem nicht beschaffen ;-)

Reto M. hat gesagt…

@ Ich weiss, dass war eine Häufung von Themen. Aber ich pflichte dir bei. Insbesondere auch beim Schlusssatz. ;-)