Montag, 23. Februar 2009

Hat die JUSO Initiative eine Chance?



Die JUSO lancieren eine Volksinitiative. Der Zeitpunkt ist bestimmt sehr stimmig.
Die Volksseele wegen managender Abzocker, Steuerhinterzieher und/oder -betrüger, 10 Fränkli-UBS-Aktie, etc kocht. Das Anliegen, dass der höchste Lohn maximal das 12-fache des Mindestlohnes in einem Unternehmen betragen kann, darf man sich aus meiner Sicht durchaus überlegen. Heute gibt es (einige einzelne) Manager, welche so viel im Jahr verdienen, wie ein normaler Arbeiter sein Leben lang nie. In Sachen gutes Timing lässt sich zudem schelmisch bemerken: In verschiedenen Kantonen finden für verschiedene JUSO Exponenten Wahlen statt... etc.pp. den Rest denken wir uns. Doch passt alles zusammen. Clever gemacht. Nun.
Wie dem auch sei. Für uns heisst das vor allem eins: Unterschriften sammeln. Wenn die JSVP Referenden zustande bringt, so müssen wir - auch wenn es um die doppelte Menge geht, - genügende Unterschriften für eine Initiative zusammen zu bringen. Alles andere wäre sonst nur eines: unglaublich unglaubwürdig, da man dann tatsächlich von einem Wahlgag sprechen müsste und dadurch extrem peinlich.
Es geht um die Sache und das ist auch ein Risiko. Denn ob die Idee beim Volk auf Grund der relativ massiven Forderung nach einem Eingriff ins kapitalistische System ankommt, werden wir erst auf der Strasse feststellen. Aber vielleicht muss man das Umdenken in den Firmen auch vom Volk aufzwingen. Ich unterstütze die Initiative und geh' auf die Strasse. Bald...

Mehr Infos: SDA via 20min

Kommentare:

David hat gesagt…

Was nützt es, wenn Billiglohnjobs einfach in Billiglohnunternehmen ausgelagert werden? Diese Initiative wird so oder so peinlich. Je schneller sie zurückgezogen wird, desto besser.

Reto M. hat gesagt…

Heute klingt's per Medienmitteilung nun schon so:

Mögliche Lancierung einer Volksinitiative

Die JungsozialistInnen (JUSO) Schweiz werden an ihrer Jahresversammlung vom 14. und 15. März 2009 in Bern über die Lancierung einer Volksinitiative entscheiden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Entscheid noch offen.

Am 14. und 15. März 2009 findet die Jahresversammlung der JUSO Schweiz statt. Dabei wird die JUSO Schweiz auch über eine mögliche Lancierung einer Volksinitiative entscheiden. Es liegen verschiedene Vorschläge vor: Die JUSO Linthgebiet Sarganserland fordert etwa, dass der öffentliche Verkehr für Jugendliche in Ausbildung subventioniert wird, die JUSO Thurgau will eine Zwillingsinitiative mit einerseits einer Erbschafts- und Schenkungssteuer und andererseits einer Gratis-Krankenversicherung für Kinder und Jugendliche unter 25 Jahren. Die JUSO Zürich Unterland fordert die Aufhebung der Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug. Ein Vorschlag der Geschäftsleitung geht dahin, dass die Löhne innerhalb eines Unternehmens auf eine Spanne von maximal dem Faktor 12 beschränkt werden.

Die Sektionen der JUSO Schweiz haben nun Zeit, die verschiedenen Vorschläge zu besprechen und allenfalls Änderungsanträge zu stellen.

Wenn nun gewisse Medien einen Entscheid betreffend Initiative bereits als definitiv hinstellen, ist das falsch. Wir bedauern dahingehend die unpräzise Berichterstattung von 10 vor 10. Der definitive Entscheid fällt am 14. März 2009 – die Unterschriftensammlung würde im Juni 2009 beginnen.

Michael Jäger hat gesagt…

Wenn sie denn beschlossen wird, hat die Initiative in meinen Augen keine Chance, auch wenn sie auf der Empörungswelle reitet. Sie wird eine breite Front aus Wirtschaft und Politik gegen sich haben.

Und das zu Recht, denn wenn man Firmen die Freiheit der Lohngestaltung nimmt, wird es für CH-Unternehmen schwierig, im internationalen Wettbewerb um gute Köpfe zu bestehen. Was bliebe einem Top-Manager, Kategorie Nestlé-CEO, denn noch nach der Initiative: eine halbe Million im Jahr. Da könnte man dann nur noch die tiefsten Saläre entsprechend anheben, gell :-)

Dänu hat gesagt…

Frage: Welche höhere Stellung wäre den bei Dir (Lehrer) zwecks ausrechnen des “Faktors 12“ massgebend? Regierungsrat? Oder gilt diese bescheuerte Idee nur für die Privatwirtschaft? Der Staat hat die unternehmerische Freiheit zu unterstützen und nicht einzuschränken, jedenfalls nicht im Lohnwesen. Ausserdem ist es scheinheilig, dass System durch welches wir alle(!) die letzten gut 20 Jahre profitiert haben, jetzt für null und nichtig zu erklären. Mag sein, dass es Fehler hat, aber im Groben und Ganzen funktioniert es ja. Jenes System welches nun einigen wieder vorschwebt und in einigen Köpfen leider nie ganz verschwindet hat jedoch komplett versagt und das ist historisch belegt und beweisen.

Anonym hat gesagt…

Die Initiative zeigt die geistige Verfassung der SP: Sie ist noch besoffen, vom Stimmenanteil, der ihnen Blocher in die kassen gespült hat und meint, sie könne "grosse Kisten" stemmen. Die Sache ist wenig durchdacht. Die SP täte besser daran, die Sozialwerke kreativ zu überprüfen und zu sichern. Nur dazu bräuchte es Sachverstand und Fleiss. Und das sind nicht die Stärken von Leuten wie Cedric Wermuth, der kiffend bottellons verteidigt. Auch im Bereich der Schulen bräuchte es klare Konzepte und Ideen. Aber auch hier: da werkelt ja schon das "Professionelle" Elektorat der SP, diese heisse Eisen will man nicht anfassen.
Besser macht es die AL in Zürich, die mit der Initiative zur Pauschalbesteuerung als kleiner Player einen grossen Erfolg einheimsen konnte.

Giorgio Girardet

Reto M. hat gesagt…

@ Michael Jäger:

Mit den tiefsten Löhnen meintest du wohl meinen, obwohl ich da immer auch staune, dass es Menschen gibt, welche bedeutend viel weniger verdienen als ich und dazu noch eine 4-köpfige Familie ernähren, nie jammern oder mehr verlangen und trotzdem als "working poor" ein Leben führen, das es zu verbessern gilt. Ob der Vorschlag der JUSO das Mittel dazu sein kann, weiss ich nicht. Aber die Anhebung der Löhne auf Kosten der obersten Managersaläre fänd' ich nicht so dumm. Kann jemand wirklich mehr verdient haben, als CHF 500'000 pro Jahr?

@ Dänu:
Da vermischt sich Realität mit Fiktion. Niemand will Kommunismus, welcher als dikatorisch, imperialistisches und ungenügendes System viel Übel über weite Teile der Menschheit gebracht hat.
Ich finde es absolut ungenügend, wenn man zudem in der Phase in welcher wir momentan wirtschaftlich stecken, die liberalistischen Hoheziele, welche mindestens ebenso verfehlten, wie die kommunistischen, weiterhin dermassen hochhält: "Der Staat hat die unternehmerische Freiheit zu unterstützen und nicht einzuschränken,...". Bravo! Deshalb darf z.B. das Unternehmen Geld "dublen" und wir jetzt bezahlen? Wo bleibt der Lerneffekt?

@ Giorgio Girardet:
Halt stopp. JUSO nicht mit SP und umgekehrt verwechseln. Das sind 2 Paar Schuhe.
Im Moment hat die JUSO rund 70 Parlamentarierinnen und Parlamentarier in der ganzen Schweiz aber niemanden im Nationalrat.
Man kann nun sagen: "Jaja, nicht vermischen, aber Cédric Wermuth ist ein Vizepräsident (von mehreren) der SP."
Stimmt. Was ich grundsätzlich auch falsch finde.
Die fortschreitende Personifizierung in der Politik allgemein, speziell aber auch in Themen finde ich aus demokratischen Aspekten heraus nicht gut.
Die Idee der AL und deren Erfolg mit der Pauschalbesteuerung in Zürich fand ich sehr gut und ermutigend, wenn der Erfolg für mich zugegebenermassen überraschend kam.

hansruedi hat gesagt…

ein Hebel von 12 für Arbeiter und Angestellte ist weder sozial, sozialistisch noch liberal oder kapitalistisch. Anständig wäre ein Hebel von drei, möglicherweise könnte man noch einen von vier tolerieren. Und die doofe Neiddebatte, das bei solchen Löhnen die guten Leute alle auswandern, halte ich für egoistisch, gönnen wir doch dem Ausland auch ein paar Spitzenkräfte. Uebrigens wer wirklich soo gut ist, der macht sich selbständig und steht als Eigentümmer natürlich ausserhalb von irgendwelchen Hebeldiskusionen.

hansruedi

Reto M. hat gesagt…

Also ich frag' mich manchmal, wohin die ach-so-erfolgreichen Investmentbanker der UBS und anderer Banken hingehen sollten, was man von Bankseite immer betont. Und wenn dem so wäre, warum sind denn die erfolglosen Banker auch noch dort, wenn man Angst haben müsste, dass schlussendlich nur noch diese bleiben würden, wenn die ach-so-erfolgreichen Exemplare gingen?

Lasst sie doch gehen. Ins Pfefferland. Angebot und Nachfrage sollten doch mittlerweile so sein, dass es ein grösseres Angebot an Bankern gibt, als an deren Nachfrage. Lasst den Markt spielen, anstatt dass sie mit dem Markt spielen.

Titus hat gesagt…

In der Tat besteht die Gefahr, dass viele "Spitzenmanager" ins Ausland abwandern könnten. Das ist zwar schade, weil dadurch auch Steuereinnahmen wegfallen. Aber der Vorteil, dass dafür hierzulande nur noch Leute mit einem "ehrlich" verdienten Lohn leben und arbeiten, überwiegt meiner Ansicht nach (das verlangt ein Umdenken, man handelt dann aus lauteren Beweggründen als dem Stutz).

Was hingegen problematischer ist, ist die logische Folge, dass dann auch die Unternehmenssitze ins Ausland abwandern könnten. Auch hier denke ich weniger an die Steuerausfälle, sondern vielmehr daran, dass damit auch für ein Unternehmen wichtige Abteilungen wie z. B. die Forschung "mitwandern" würden. Ein Land ohne natürliche Ressourcen sollte jedoch versuchen, sich genau in derartigen Bereichen (noch) stärker zu etablieren.

Selbst wenn die mögliche Initiative der JUSO bachab geht, ist sie schon dann ein Erfolg, wenn nun vermehrt über die Frage diskutiert wird, wonach sich denn die Höhe eines Lohnes zu richten hat. Wie rechtfertigen sich die hohen Löhne des Top-Managements? Mit "höherer Verantwortung" lassen sich diese nicht rechtfertigen, denn wer Schei... baut, der nimmt einfach den Hut und erhält dazu häufig noch einen goldenen Fallschirm. Verantwortung wahrzunehmen würde meiner Ansicht nach eher bedeuten, die Schei... auszubaden. Als Kind mussten wir doch auch wieder gut machen, was wir angestellt hatte, oder etwa nicht? Top-Manager sind keine Kinder mehr, die sollten erst recht wissen, was sich eigentlich gehört...

Dass ein Top-Manager viel verdient, weil er "so gut" ist, mag ich auch nicht glauben. Denn wenn das Top Management nicht weiter weiss, holt man irgendwelche teuren Consultants ins Haus (was ich in dem Moment als klägliches Scheitern des Top-Kaders betrachte). Zudem kann auch die Putzfrau "so gut" sein. Weshalb erhält sie nicht einen so hohen Lohn? Oder ist etwa ein Top-Manager speditiver im Büro- und WC-reinigen? (die können in der 1. Klasse ja nicht einmal ihren leeren Kaffeebecher wegräumen).

Eben, die Diskussion, wann man wofür ein x-fach höheres Salär erhält, täte der ganzen Welt sehr gut...

hansruedi hat gesagt…

Ein Gesetz ist natürlich immer das Eingeständnis des Scheiterns. Besser ist es immer wenn man kein Gesetz braucht. Insofern hoffe ich immer noch darauf, einige Leute mögen ein wenig vernünftiger werden. Und die Behauptung die Leistungsträger müsse man mit ganz viel Geld bei der Stange halten, kann ich auch nicht so ganz nachvollziehen. Ich habe immer den Eindruck, die wahren Leistungsträger gehören nicht zu den bestbezahlten und bestangesehenen Mitmenschen.

hansruedi

Reto M. hat gesagt…

@ Titus:
Ich stimme zu. Insbesondere dass diese Diskussion eigentlich global geführt werden müsste. In der NHL gibt's den salary cap. Den bräuchte es in der Wirtschaft auch. Dann ist die Angst der Abwanderung auch weniger gross. Entweder ich nehm' dann 1 Spitzenspieler oder 10 sehr gute Spieler. Schlussendlich gewinnt das Team.

@ Hansruedi:
Ich stimme zu.

Ray hat gesagt…

Die Schnapsidee ist nun wirklich was für Bekloppte. Es fragt sich nicht, ob die Initiative eine Chance hat, sondern ob man die Initianten mal einem Intelligenztest unterziehen sollte.

Wenn ich Unternehmer bin, verdiene ich so viel ich nur kann. Weil, bei mir ist keine Schraube locker.

Bei dem Gedankengut dass die JUSOs so in letzter Zeit verstreuen, könnte man ja gleich katholisch werden, den Papst cool finden und an die jungfräuliche Befruchtung glauben.

Ich bleibe bei Darwin.

Auch in der Wirtschaft.

Reto M. hat gesagt…

Willkommen im Schauspiel, das wir gemeinhin hier drin manchmal als Politik bezeichnen. ;-)

Ray: "I have a dream."

das funktionierte - bis zum Schuss.... eh Schluss.