Sonntag, 22. Februar 2009

Der Konjunktiv im Bankenwesen

Nachdem mich die Schreibenden der lokalen Holzmedien ja des Vielschreibens auf Grund von Langeweile bezichtigten, hütete ich mich davor, dieses Wochenende viel in diesem Medium zu hinterlassen, da ja sonst der Eindruck entstehen könnte, dass ich mich am Wochenende schier endlos langweilen würde, obwohl ich mit Exponenten von Medien, die aber bestimmt ungenannt bleiben wollen, am Wochenende an einer Party war, die das Gegenteil belegen könnten. Aber da wir ja nicht nachtragend sein wollen, sei mir dieser Eintrag verziehen. ;-)

Es gibt tatsächlich wieder Dinge in dieser Welt, die mich bewegen und über die ich staune und berichte. Da verhilft eine grosse (mittlerweile unter anderem staatlich finanzierte) Bank reichen Menschen im Ausland zum Steuerbetrug - und dies scheinbar - fairerweise unbelegt muss man anmerken - mit System - und wir wundern uns, dass sich die Amerikaner nun darüber aufregen, dass dies in der sauberen Schweiz möglich ist und schlussendlich das Bankgeheimnis in Frage stellen. Jahrelang war Steuerhinterziehung oder Steuerbetrug auch innerhalb der Schweiz politisch absolut kein Thema. Lieber wurde über den IV-Missbrauch gewettert, der aus meiner Sicht ebenso schlimm ist, als darüber, dass nicht nur im Bereich der sozialen Unterstützung, sondern auch am anderen Ende der Skala scheinbar massiv Geld missbräuchlich vom oder am Staat vorbei geht. Hört man heute Zahlen, welche von 1 - 2 Billionen Franken sprechen, die scheinbar ohne Wissen des Fiskus' auf unseren Banken lagern und somit die Hälfte des Gesamtvermögens ausmachen, so könnte einem - dürften diese Gerüchte stimmen - schwarz ob allen Schwarzgeldes vor Augen werden, denn falls solche Informationen tatsächlich zutreffend sein sollten, basiert unsere heutige Geldwirtschaft auf Betrug. Auf einem Betrug ohne welchen sie gar nicht so gross hätte werden können, so würde sie auch zusammenbrechen, falls auf einmal all diese Gelder eingezogen würden.

Zum Glück scheinen meine Gedanken im Moment nur im Konjunktiv möglich zu sein, denn eigentlich hoffe ich, dass es nicht (alles) wahr ist, was man im Moment hört. Aber ich frage mich auch, wann denn endlich das Umdenken stattfindet, von dem man nun seit Anfang dieser sogenannten Finanzkrise spricht.

Brauchen wir das Bankgeheimnis wirklich?
Oder brauchen wir es nur zu unserem Schutz, damit wir weiterhin mit dem Konjunktiv leben können?

Kommentare:

hansruedi hat gesagt…

nein natürlich braucht der Mensch kein Bankgeheimnis zum leben, er benötigt auch kein Postgeheimnis dazu, kein Fermeldegehiemnis, auch das Artzgeheimnis ist nicht überlebenswichtig oder das Anwaltsgeheimnis. Der Mensch kann ohne alle diese Geheimnisse existieren, nur wollen wir wirklich so vegetieren. Keine Frage jedes dieser Geheimnisse kann missbraucht werden und wird missbraucht. Die frage muss also lauten lebt es sich besser mit dem Missbrauch des Geheimnis oder mit dem Missbrauch der Offenlegung der Daten. Wenn ich als Beispiel Deutschland ansehe, da darf jetzt jedes Behördenmitglied auf die Bankdaten aller Bürger zugreifen und es stellt sich nach kurzer Zeit heraus bei über 95% der Deutschen ist das auch dringend notwendig, denn es kann ja nicht sein dass einzelne Bürger zahlungen an WWF oder ADAC tätigen oder an eine Partei links der SPD oder rechts der CDU, ohne dass die Behörden das mitbekommen.

hansruedi

Reto M. hat gesagt…

Auf dem Weg zum gläsernen Bürger. Biometrischer Pass, genetische Krankenkassenbeiträge, etc...

Aber haben wir uns nicht selbst schon lange auf diesen Weg begeben, zumindest diejenigen, welche im Internet schreiben, einen Facebook-Account oder 3-4 Kundenkarten von Einkaufscentern haben?

hansruedi hat gesagt…

den Biomtrischen Pass halte ich nicht für so problematisch, solange ich die Wahl habe zwischen einem biomtrischen Pass und einer nicht biometrischen ID. Ich bin da etwas eigen, ich habe selten ein Problem damit meine Daten selber rauszugeben, wenn das aber jemand anderer tut, stört es mich ganz gewaltig. das ganze Geschwätz von wegen Steuerhinterziehung ist doch nur FUD.

hansruedi

kathrinb hat gesagt…

Hier ein kurzes Zitat zum Thema Schweiz als Steueroase:

"Steuerhinterziehung wird nicht strafrechtlich verfolgt, deshalb sind ausländische Steuerhinterzieher hierzulande in Sicherheit. ... Den Ländern des Südens entgehen dadurch jährlich mindestens fünf Milliarden an Steuereinnahmen. Fünfmal mehr Geld als die gesamte Entwicklungshilfe der Schweiz."
Detailliert recherchiert von der entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern http://www.evb.ch/p25.html.

Bruno hat gesagt…

Grundsätzlich bedeutet die Existenz eines Geheimnisses noch nicht, dass es ausgenutzt wird. Ein Geheimnis ist, was es ist: Ein Geheimnis. Darauf haben Bürger in einer wahren Demokratie Anrecht. Bürger, die keine Geheimnisse mehr haben dürfen, leben in einer ...

Wenns ausgenutzt wird, gehts nur darum:

- Was ist faul im Ursprungsland des Geldes?
- Wenn nichts faul ist: Wie arbeiten Quell- und Zielland zusammen?

Die Diskussion um Steueroasen halte ich für Scheingefechte. Es geht schlicht darum, Geld für eine immer höhere Staatsquote einzutreiben.

Geld vermehrt sich nämlich nicht, sondern verlagert sich bloss.

Banken, die kriminell agieren und Missmanagement betreiben, können von mir aus eingehen. Das System braucht sie nicht. Zumal der Staat schon lange quasi über eine eigene Bank verfügt. Die braucht nur noch eine Lizenz. Faktisch ist sie ja schon in die Bresche gehüpft.

Item. Gute Nacht. Möglicherweise. Die Sonne lauert schon. Ganz sicher. Der Ecowar wird auch noch sein Ende finden.

Reto M. hat gesagt…

@ Hansruedi: ;-)
Mal kuck'n. FUD.

@ Kathrin:
Erschreckend, aber wahr.

@ Bruno:
Wir haben glücklicherweise alle unsere Geheimnisse. Was mir nicht passt ist der Ausdruck Ecowar, obwohl er wahrer sein könnte, als ich mir das vorstellen möchte...

Bruno hat gesagt…

Na ja, es finden sich viele Elemente eines "Kriegs" auf ökonomischer Ebene im aktuellen Geschehen.

A propos Schurkenstaat: Wieviele Deutsche bunkern wohl ihr Geld in den britischen Steuerparadiesen? Hat sich der Peer schon mal unflätig über GB geäussert?

Reto M. hat gesagt…

@ Bruno:
Gordon Brown hat mindestens dieselben Probleme wie wir. Ich denke, das grossbritannische System ist auf Grund der Historie und Aufbau aber noch weit komplizierter. Man könnte fast meinen, dass zum Beispiel die Isle of Weight neben den Caymans liege.

Und nun kommen wir zur EU-Differenz. Auf Grund der Unterschiede in der Europapolitik ist es im Moment für die EU massiv einfacher an der Schweiz ein mögliches Exempel statuieren zu wollen, als an einem EU-Land. Auch wenn wir uns da nicht kleiner machen dürfen, als wir sind. Die Schweiz ist oder war was die Bilanzsummen betrifft, sicher ähnlich gross bankenmässig wie GB (wage ich mal zu behaupten).

Kommt noch hinzu, dass Steinbrück sich da wohl auch persönlich sehr profilieren will. Als SPDler will er vielleich bald Merkel angreifen? Aber vielleicht will Peer auch nur von den eigenen Banken ablenken.... ;-) Peer Steinbrück ist Urgroßneffe des Bankgründers Adelbert Delbrück (Deutsche Bank).

Lueg zersch mau wohär dass der Wind wäiht... Peer.