Sonntag, 8. Februar 2009

59,6 Prozent Ja.

Ja, ja, ja. Und danke.

Das Ergebnis ist überdeutlich und ich bin dankbar. Ich gebe es zu. So deutlich hatte ich das Resultat nicht erwartet. Ich war geprägt von zahlreichen Leserbriefen mit etlichen Nein's und Internetforen mit teilweise haarsträubenden (um nicht idiotisch zu sagen) Argumenten gegen die Erweiterung oder grundsätzliche Personenfreizügigkeit. Öffentlich wollte ich meinen Pessimismus nicht ausschlachten, aber in Gesprächen mit anderen Interessieren prognostizierte ich 53% Ja (und auch das nicht aus voller Überzeugung).

Nun darf man sich mehr als glücklich schätzen. Der Bilaterale Weg kann fortgeführt werden. Die Zusammenarbeit der Parteien (Ausnahmen sind bekannt), der Gewerkschaften mit den Wirtschaftsverbänden hat Früchte getragen - mehr als nur Äpfel an einem Baum.

Da mutet es schon komisch an, dass ich nun als Langenthaler - das auf Grund der Firma Ammann und dessen Chef heute im Zentrum des SF & DRS-Medieninteresses steht - im Moment auf dem Weg nach Bern bin, um mit den Befürwortern von SP, Gewerkschaften, CVP und den Jungparteien von dabei-bleiben.ch auf den Erfolg anzustossen. Ich kann verstehen, dass die SP mit den Gewerkschaften auf den Erfolg anstossen will, für einmal hätten sich aber auch Arbeitnehmer und Arbeitgeber am selben Ort treffen können, da sie ja auch für dieselbe Sache kämpften....
Auf der anderen Seite werde ich den Eindruck auch nicht los, dass man in Langenthal "unter sich" FdP-etc-Arbeitgeber und Arbeitgeberverbänden bleiben wollte. Auf alle Fälle haben auch wir "Kleinen" der lokalen SP, aber auch die lokalen anderen Parteien, die ebenso für den Erfolg der Abstimmung kämpften, keine Einladung zum FdP-etc-Anlass erhalten. Ich hörte von ganz oben aus den lokalen Parteien, dass man gerne in die Fabrikhalle gegangen wäre, wenn....
Item. Morgen ist das der heutige Schnee von gestern, welcher mir im Zug inzwischen von den Sohlen tropft. ;-)
Von der SP Schweiz habe ich eine Einladung erhalten und deshalb bin ich nun auf dem Weg nach Bern.

Wenn es ums potentielle Scheinwerferlicht geht, wird nicht gerne geteilt. Weder unter den Parteien, noch unter Politikerinnen und Politiker. Darob die Sache von heute zu vergessen, wäre aber vermessen. Der Erfolg ist heute (fast) auf allen Seiten. Ich bin überzeugt, dass die Schweiz und Europa beide in gleichen Teilen vom heutigen Ja profitieren.

Kommentare:

hansruedi hat gesagt…

die Kommunikation über den Ammannanlass war wohl nicht die allerbeste und da dürfte für die Zukunft einiges Verbesserungspotential vorhanden sein, das begann mit der Information von SFDRS, über die beleidigten Statements von Grünen, SP, Cvp und Evp und auch der Jusolokalpolitiker mit eigenem Blog sagte schon im Vorfeld ab. Es gibt aber auch ein Gerücht auch die Jungliberalen sollen nur auf Umwegen zu einer Einladung gekommen sein. Jedenfalls habe ich auch gehört, jeder Mitstreiter für ein Ja wäre herzlich willkommen gewesen. Da ich aber heute mal wieder Kinderhüthedienst hatte, kenne ich natürlich alles nur aus zweiter, dritter und vierter Hand.

hansruedi

Reto M. hat gesagt…

Lieber Hansruedi:

Das Ganze lief kommunikativ eben sehr auf der Hörensagen-Ebene ab. Nicht nur bei dir. Mixt man dann noch ein wenig Mimosenhaftigkeit der Politikerinnen und Politiker hinzu (welche unzweifelhaft vorhanden ist), so kommt man zum Resultat des Wochenendes.

Eigentlich fand ich es als TV-Zuschauer aber auch recht erfrischend mal in die Werkshalle, dann wieder ins Resto geschaltet zu werden.

Ich habe eben Infos aus mehreren Lokalparteien - auch der FdP sehr nahe stehenden - dass man keine Einladung erhalten habe.
Ich persönlich - übrigens nicht mehr JUSO-aktiv sondern eigentlich nur noch SP-aktiv - zumindest offiziell, gehe halt grundsätzlich nur an solche Veranstaltungen, wenn sie grundsätzlich entweder für jedermann und -frau öffentlich sind oder ich eine Einladung erhalte. Nur weil ich im Stadtrat bin, einen Blog betreibe, 2x am Bahnhof für ein Ja flyerte, im Bila-Blog.ch engagiert war, nehm' ich mir nicht das Recht heraus, dort unangemeldet als "Held" der Abstimmung aufzutauchen.

Aber eben. Hin oder her. Oder wie ich schon sagte. Eigentlich hätten die SP & die Gewerkschaften für einmal auch nach Langenthal kommen können. Aber - In Bern war's auch gut. Und auf's Resultat hatte das sowieso keine Auswirkungen. Darum: Egal. Ich freue mich für den Erfolg und auch über den hervorragenden Auftritt der Firma Ammann, welche für Langenthal ebenso werbewirksam war und danke dafür den Beteiligten.

Markus Meyer hat gesagt…

Lieber Hansruedi & Reto

Es ist halt schon so: man geht dorthin, wo man eingeladen ist. Es war tatsächlich ein FDP-interner Anlass mit Beteiligung des SF DRS.
Weder die Gewerkschaften noch die SP Oberaargau waren eingeladen.

Nun, das macht das macht das Abstimmungsresultat nicht schlechter. Obwohl: Die SVP hat 29% Wähleranteil, macht aber bei dieser wichtigen Vorlage 40%. Trotz allem bemerkenswert.

hansruedi hat gesagt…

Mein Kentnisstand zur Wahlparty ist ein anderer, es war eine SFDRS Veranstaltung und die Nationalen Parteien und Organisationen wurden eingeladen. Aber ich denke es ist gewesen und man sollte einfach nur für das nächste mal, das kommt leider bestimmt, die Lehren für eine Verbesserung eines solchen Anlasses ziehen.

hansruedi

Reto M. hat gesagt…

@ Markus und Hansruedi:

Die nationalen Parteien wurden eingeladen. Die Gewerkschaften (meines Wissens) nicht und deshalb blieb die SPS in Bern, um mit den Gewerkschaften gemeinsam zu feiern. Zumal CVP und SP pikiert waren, dass das SF (scheinbar vom Hörensagen) 2 Monate mit der FdP verhandelt und alle anderen Parteien 3 Wochen vor dem Anlass vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

Was die Prozente anbelangt, Markus:

10% sagen sowieso grundsätzlich immer Nein. ;-) 29% plus 10% machen dann die fast 40% von heute. Eine etwas zu simple Rechnung. Aber genau so macht es der politische Gegner oft und deshalb würde ich der typischen SVP-Rhetorik, die wieder einmal mit scharfem Gegenangriff und wischi-waschi-man-habe-immerhin-mehr-%-gemacht-als-wähleranteil-und-deshalb-gewonnen nicht zu grosse Beachtung schenken, denn damit wollte sie einfach eines verhindern heute: Den Verliererstempel aufgedrückt zu erhalten, den sie aber mehr als verdient hat. Denn die Kampagne war äusserst primitiv, welche die grösste Partei der Schweiz da wieder einmal auspackte, um "umzverrecken" zum Erfolg zu kommen: Fremdenfeindlich, angsttreibend und teuer.

Das Resultat ist glücklich, überraschend, deutlich. Die SVP hat klar verloren. Der Volkswille ist klar für den Bilateralen Weg.

Genau so falsch finde ich deshalb Aussagen unserer EU-Turbos heute, jetzt sei der Beitritt nah. Autsch. Das verstehen die Leute nicht. (Ich hatte bereits 2 Rückmeldungen Parteiloser auf der Strasse deswegen und viel mehr Leuten bin ich gar nicht begegnet...)