Mittwoch, 7. Januar 2009

Ich osterweitere mich gedanklich.

Des kleinen Sozialisten Traum in mir wäre es schon einmal mit der Eisenbahn, via Berlin, Warschau, St. Petersburg bis nach Moskau in den Osten zu fahren. Die reine Fahrzeit beträgt rund 35 Stunden und die Strecke gäbe einem auch bei gelegentlichen Aufenthalten in genannten oder andern bedeutenden Städten bestimmt auch sonst einiges an Erlebnissen und Sehenswertem mit.
Ich habe keine Angst vor dem Osten. Obwohl der russische Bär neuerdings die Schweiz in militärischen Strategiegedanken nicht mehr mit Panzern an unserer Grenze bedrohen könnte, sondern mit dem Gashahn in seiner Hand, verstehe ich die Menschen sowieso nicht, welche den Ängstemachern (ja, es sind mehrheitlich Männer - ausser eine aus dem Osten, die trotzdem typisch luzernerisch heisst) aufspringen, zumal sich die hoffentlich abzeichnende Osterweiterung ja nicht bis nach Russland erstreckt.

Bleiben wir mal bei den Fakten und betrachten die Lage nüchtern. Wer kennt einen aus dem "fernen" Osten eingewanderten Arbeiter, der ihm die Stelle weg nimmt?

Ich bin nämlich auf der Suche nach Menschen, welche durch die Personenfreizügigkeit ihre Brötchen nun in der Schweiz verdienen. Ich will Interviews für den RotSPecht machen und die Beweggründe erfahren, weshalb sie nun in der Schweiz leben. Je weiter im Osten desto besser. Estland, Lettland, Litauen, Slowakei, Ungarn wäre toll. Mit einem Deutschen oder einer Französin hau' ich in unserer Parteizeitung mit einem Interview niemanden vom Sockel.

Kommentare:

Titus hat gesagt…

Aus den besagten Länder kommen glaube ich nur Frauen in die Schweiz, die dann häufig illegal im Rotlichtmillieu arbeiten. "Sex sells" - aber ich glaube sowas in der Art suchst Du für den RotSPecht wohl nicht, obschon deren "Beweggründe" oder deren Schicksal durchaus auch ein Thema wäre, mit welchem sich eine SP auseinandersetzen sollte (nur gewinnt man damit leider keine neue WählerInnen...).

Reto M. hat gesagt…

@ Titus:
Ich würde selbstverständlich auch mit einem Menschen mit solchem oder ähnlichem Migrationshintergrund ein Interview führen. Aber mit der Osterweiterung würde ich es nicht in Zusammenhang bringen. Das wäre vermutlich nicht wirklich ein zutreffendes Beispiel.
Ich behalte das mal im Hinterkopf, obwohl ich in dieser Beziehung durchaus eine Kontaktscheu aufweise.

Titus hat gesagt…

Krähen vs. Apfelbäume - damit lässt sich der aktuelle Abstimmungskampf kurz zusammenfassen. Oberflächlich wie so oft.

Wieviele Rumänen und Bulgaren leben und arbeiten heute eigentlich legal in der Schweiz? Wir wissen es schlichtweg nicht. Soziale Probleme in den beiden Ländern? Keine Ahnung. Allerdings, wenn viele Frauen illegal hier dem roten Gewerbe nachgehen und dabei wie Sklavinnen gehalten werden, scheint es doch soziale Probleme zu geben. Wie sonst lässt sich dieser Umstand erklären?

Deren Status ist menschenunwürdig. Sie haben weder Rechte noch Pflichten. Eine Ablehnung der Vorlage am 8. Februar wird auf jeden Fall nicht dazu führen, dass diese Damen nicht mehr da wären. Im Gegenteil: Die Osterweiterung könnte dazu führen, dass man sie nicht mehr illegal in einem Hinterzimmer versteckt hält und dabei straffällig wird. Alles in allem sollten die Betroffenen eigentlich nur gewinnen - und wir hätten in der Schweiz die Sklaverei dann doch endlich abgeschafft...

Reto M. hat gesagt…

@ Titus:

Wenn das der einzige Grund wäre für die Zustimmung - schon nur deshalb müssten wir sie annehmen. Aber es ist ja nicht bloss wegen des illegalen Frauenhandels, den es breit zu bekämpfen gilt.

Übrigens. Ich habe mal die Zahlen in der Höhe von 4000 Rumänen und 2200 Bulgaren, welche bereits in der Schweiz leben sollen, gehört.