Freitag, 30. Januar 2009

Gedanken aus den Berner Bergen zu den Davoser WEF-Bergen

Heute kam mir auf der Alp sowohl eine Berner Zeitung, wie auch ein Tages Anzeiger in die Finger. WEF hier, Sozialhilfemissbrauch her, PNOS-Verurteilungen da, Generationen-Krach in der SP Stadt Zürich dort.
Alles Themen, über die es sich lohnen würde, eigenständige Diskussionen mit Beiträgen im Blog zu entfachen, anstelle von Bildern auf den Skipisten, die eigentlich doch niemand sehen will. ;-). Doch um sich zu beschränken und das "Fuder" nicht zu überladen, beschäftigen wir uns doch am besten erstmals mit dem World Economic Forum. Zumal die ja auch in den Bergen sind, wie ich. ;-)

Erdogan verlässt das Podium, weil Peres scheinbar 25 Minuten spricht, er 12, Ban-Ki-Moon gar nur 8 Minuten. Und was erzählt uns diese Geschichte? Würden sich die Herren wirklich ehrlich sagen, was sie voneinander und der Politik in ihrem Land halten und damit auch, weshalb Erdogan das Podium wohl effektiv verlassen hat, wäre das WEF eventuell wirklich für etwas gut und die ganze Welt einen Schritt weiter. Ansonsten liest man wiederum von viel "Blabla". Es wird zwar gesagt, dass nun mit der Finanzkrise andere Zeiten, Systeme und Ordnungen besprochen werden (müssten), doch gerade wie in konjunkturellen Hochs, als dies überhaupt kein Thema war und man sich plötzlich wie im letzten Jahr mit Brangelina, um die arme Weltbevölkerung zu kümmern schien, schwindet meine Hoffnung binnen Bruchteilen, dass sich effektiv nach dem ganzen "Blabla" am WEF in Davos etwas bewegen wird. Was hat sich denn wirklich bewegt für die Ärmsten dieser Welt, ausser dass sie nach dem Börsencrash auf Grund dümmster Spekulationen heute wieder NULL Thema sind. Sie sind verschwunden, weil wir uns lieber mit dem Aktienkurs und der Rettung unserer Grossbanken beschäftigen. Hauptsache wir sind irgendwie beschäftigt, damit's nicht langweilig wird. Scheint nicht nur die Devise in unseren Leben, sondern besonders auch am aufgeblasenen WEF zu sein.

Schlussendlich ist das WEF nämlich vor allem eins. Wirkungslos.

P.s.: & teuer.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

..Schlussendlich ist das WEF nämlich vor allem Eins: Wirkungslos...

Diese, Ihre Einschätzung, wird ebenso klar und absolut von Herrn Blocher geteilt. Wir haben also bereits zwei Urteile "abwesender Politgrössen" denen auffällt, dass sich die Welt, trotz zwei Tagen WEF, noch nicht verändert hat.

Kompliment!

Ahnliche Gestesgrössen ortet man auch in der Gilde der Journalisten: Noch keine pfannenfertigen Rezepte präsentiert...

Unglaublich, nicht?

Die Welt befindet sich gerade in einer der grössten Systemkrisen überhaupt und die Dummis am WEF kriegen das "Rezept" fürs neue Zeitalter nicht in 3 Sätzen aufs Papier.

Die reden, analysieren, streiten, tauschen Erfahrungen aus. Zudem teilen die Dummis nicht eine einheitliche politsche oder ökonomische Weltsicht. Nicht mal dazu sind die in der Lage.

Woraus die luziden Zeitgenossen dann messerschaft schliessen:

Schlussendlich ist das WEF nämlich vor allem Eins: Wirkungslos.

tja.

Ray hat gesagt…

Tom Wolfe hat in anderem Zusammenhang mal ein sensationelles Buch geschrieben.

Dessen Titel passt perfekt zum WEF: "The Bonfire of the Vanities".

Das WEF ist nichts. Nichts wert, bringt nichts und es wird tatsächlich (wie ich mich, da krank, ganztags am TV überzeugen konnte) nur Blabla geboten.

Ausnahmsweise Teile ich mal eine Deiner Ansichten, Reto. ;-)

Titus hat gesagt…

Ehrlich gesagt bin ich überrascht über die Erwartungshaltungen (vor allem der Medien), dass am WEF irgendwelche "Lösungen" hervorgebracht würden, die aus dem Dilema führen würden. Das WEF hat zumindest unmittelbar auch in früheren Jahren den Volkswirtschaften etwas gebracht. Es ist eine private, informelle Veranstaltung, welche meiner Meinung nach überbewertete wird.

Allerdings bietet das WEF etwas, das man ansonsten kaum findet: Einen Austausch zwischen Wirtschaft und Politik. Dies ist umso wichtiger, als dass sich die Wirtschaft um politische Grenzen foutiert und als dass gerade z. B. die USA auf Unilateralismus gesetzt haben statt auf gemeinsames Problemlösen. Wir verfügen heute ja noch nicht einmal über ein gemeinsames Rechtsverständnis des weltumspannenden Word Wide Webs - um nur ein Beispiel dieser "globalisierten Welt" zu nennen (mir fällt grad keinen besseren Begriff ein).

Wenn also wirklich etwas wirkungsvoll angepackt werden soll, dann gemeinsam im Rahmen der UNO und nicht an einem WEF (wer kann und darf überhaupt daran teilnehmen?) und auch nicht an einem G-8, G-20, G-irgendwas-Gipfel, an welchem ein Grossteil der Weltbevölkerung immer ausgenommen bleibt...

Titus hat gesagt…

*grmbl* Nebst Schreibfehlern ging da ein Wort vergessen, deshalb nochmals der gesamte Satz:
Das WEF hat zumindest unmittelbar auch in früheren Jahren den Volkswirtschaften NIE etwas gebracht.

hansruedi hat gesagt…

das Wef hat zwei Fehler,

erstens die Politiker, die da eigentlich nichts zu suchen haben, naja alle 15 Jahre vielleicht mal, aber sicher nicht jedes Jahr, der zweite Fehler die presse, die sollte auch weg, ausser der Davoser Zeitung natürlich. Anstele der nutzlosen und sogar schädlichen Politikerpräsenz einfach mal wieder die Technokraten mitnehmen, jedes Jahr eine andere Sparte. In den Teilen des wef, die Politikerfrei sind, ist/war das Wef durchaus produktiv, lösungsorientiert und nützlich.

hansruedi

hansruedi hat gesagt…

@ Titus, ich bin der Meinung, der Gedankenaustausch mit der Politik ist schon wichtig, nur hat sich die Politik verselbständigt und die Wirtschaft und deren Probleme fast verdrängt, die Wirtschaft besteht nicht nur aus der Hochfinanz. deshalb sollte das Wef für eine reihe von Jahren mal ganz auf die Politiker verzichten, die können sich auch an anderen Veranstaltungen beschäftigen.

hansruedi

Reto M. hat gesagt…

@ Anonym: Ui... mit C.B. etwas gemeinsam haben. Sollte ich hierfür im Fratzenbuch eine Gruppe gründen? ;-)
Das WEF ist halt wohl doch eher ein Cüpli-Treffen, als ein knallharter, superökonomischer WorldThinkTank.
Schade, dass sich niemand mehr an die Regel hält, dass man zum WEF-Cüpli-Trinken in Davos auf Krawatte verzichten soll. Dann würde auch nicht der Anschein erweckt, dass dort oben jemand mehr an weltpolitischen Lösungen denn an Feiern interessiert ist.

@ Ray:
1. Gute Besserung.
2. Danke für den Buchtipp.
3. Du wirst doch wohl hoffentlich auch die gemeinsame Auffassung vertreten, dass man Ja zur Erweiterung der Personenfreizügigkeit am 8. Februar stimmt!
Ansonsten weiss ich, dass ich dir viel zu Sozi bin.

@ Titus:
Das WEF bewertet sich selbst viel zu hoch. Ich finde einfach, dass dort ohne Plan mal über viele Probleme diskutiert wird, die dann doch nie eine Lösung gebären. Warum dann überhaupt auch dazu Schweizer Steuergelder mit Polizei, Militär und weiss der Kuckuck was, investieren, nur dass wir Wirtschafts- und Politprominenz an der Davoser Höhensonne glänzen haben?
Ich wage noch zwei provokative Fragen: Schaut trotz gemeinsamer G-irgendwas Gipfel nicht am Ende jedes Land doch nur zu sich selbst? Sind wir nicht nach wie vor die Rosinenpicker Europas mit dem grössten je zelebrierten Sonderstatus?

P.s.: Sorry, dass mein Blogspot-Kommentar-Dingsbums keinen Korrekturmodus kennt. Oder gibt's so was?

@ Hansruedi:
Von mir aus könnte die Schweiz WEF-frei bleiben. Dann erübrigt sich die Frage, wo die Politiker hin sollten. ;-)
Warum übernimmt nicht mal ein anderes Land das WEF? Oder wie ist das eigentlich. Bezahlt Herr Schwab alle Kosten?

hansruedi hat gesagt…

ich hoffe über das wef-frei denkst du nochmals nach, uefa, ioc, uno ... da kommst du dann dem polteri doch sonst schon noch zu nahe. aber eben anstelle des Oberbonzen den Sachbearbeiter aus dem Ministerium schicken, dann reicht der Linienflug nach Zürich und der Davoser Dorfpolizist und der Denkertrag wird wieder grösser.

ach ja du solltest langsam Zeilengeld vom Käru verlangen. ;-)

hansruedi

Anonym hat gesagt…

Ich muss und darf ihnen nochmals widersprechen, Reto. ;-)

Wenn wir den Kommentar von Herrn Kurer (im Gespräch mit sog. Wirtschaftsfachfrau von SF) genau analysieren, lässt sich feststellen, dass dort doch etwas geschieht. ;-)

Neoliberale Sektierer sind bildungsresistent, wie alle Sektierer übrigens. (Blocher ist ja auch einer .-)

Also: Kurer findet die Stimmung in Davos eher depressiv. (Wir staunen)

Und er beklagt sich darüber, dass Politiker und Wirtschaftsführer sich nun "bekämpfen"

(im Klartext: es werden kritsiche Fragen gestellt, kontrovers diskutiert. Ernsthaft über Regulierungen debattiert, etc)

Für Kurer und die Banken, die in den letzten 20 Jahren von Politikern hofiert wurden, die keinen wirklichen Widerspruch, keine Kritik entgegennehmen mussten, ist dieser Zustand nun neu.

Er qualifiziert dies gar als "Nicht gut". Er wünscht sich Harmonie. Harmonischer, rücksichtsvoller Gleichschritt, wie gewohnt, mit den Wünschen, Ansprüchen der Banken.

Kurer scheint von allen guten Geistern verlassen. Die Politiker, die sich das immer noch bieten lassen, auch!

Absurd in diesem Zusammenhang: In Genf werden die, die den destruktiven Gier und Sharholdergeist schon immer als solchen angeprangert haben, mit Wasserwerfern und Tränengas abgestraft.

Kurer beklagt sich, über den "rüderen Ton".

Ein Witz!

Titus hat gesagt…

@ Hansruedi
Daran gemessen, dass die Liste der Public Figures sieben Seiten (http://www.weforum.org/pdf/AM_2009/public.pdf) und jene der Business Leaders nur fünf Seiten lang ist (http://www.weforum.org/pdf/AM_2009/business.pdf), hast Du recht (was machte wohl Moritz Leuenberger da oben?)

Vier der 222 Sessions beschäftigten sich mit Afrika. Kein einziger Business Leader scheint jedoch aus Afrika zu kommen. Dies erstaunt umso mehr, als dass am 28.01. eine Session stattfand mit folgender Beschreibung: "Get together with African leaders at a dinner to discuss Africa beyond the headlines." Ich hoffe, an diesem Dinner gab's nichts zu essen, denn beyond the headlines haben viele in Afrika nämlich auch nichts zu beissen... :-(

Morgen steht auf dem Programm: "A Roadmap Out of the Economic Crisis"

"Business leaders and policy-makers examine how corporations, industries and governments can lead the world back to economic stability and prosperity."

Klingt irgendwie wie "Schwamm drüber was geschah, wir haben nichts falsch gemacht, lasst uns den Karren wieder zum Laufen zu bringen". Wenn ich's richtig gesehen haben, beschäftigte sich keine Session mit "what did we wrong" oder "what should we do better so stability and prosperity will come back" oder so ähnlich... Nächstes Jahr wird wieder Kaviar gegessen, denn Bescheidenheit wird wohl kaum eine neue Tugend der Weltwirtschaftsführer sein...

Eigentlich wollte ich ja auf Hansruedis Kommentar eingehen. Ich lass' es mal sein, habe schon genug geschrieben :-)

Reto M. hat gesagt…

Und ich darf hier drin auch mal poltern. ;-) Das provoziert schliesslich zig Kommentare. ;-)

Zudem ist das mein Blog und DIE Harmonie - die Kurer verlangt - geht mir auf den Senkel.

Vielleicht werden die Banken erst seitdem kritisiert, als dass sie die bourgeoisen Parteien nicht mehr so stark mit Spenden mitfinanzieren können, wie zuvor. Ufff... das ist aber wieder ziemlich populistisch gepoltert bzw. absolut gemutmasst.

Der ansonsten doch meist recht besonnene Reto M. hat wohl heute auf der Pist' zu viel Sonne gekriegt und geht jetzt pfuusen. Gute Nacht. WEF & ihr alle. Träumt schön (weiter).

hansruedi hat gesagt…

an alle die das Wef nur kritisieren, auf Wikipedia ist ein Artikel über das wef. Die Idee des Wef ist nötig und gut, der Nachteil es wird von Politik Und Journalismus zur Selbstdarstellungsshow misbraucht. Mein Vorschlag an Klaus Schwab lautet deshalb alle diese Hochrangigen Politiker und Journalisten ausladen und dafür soll jeder Wirtschaftsführer jeweils einen oder mehrere Technokraten aus der Verwaltung und lokalen Journalisten mitnehmen, vorzugsweise solche die ihm eher kritisch gegenüber stehen. Klar besteht dann die Gefahr das sich da kritische Leute vernetzen, aber viel eher verhilft es allen Teilnehmern aus allen Sparten wieder zu mehr Bodenhaftung.

hansruedi

Ray hat gesagt…

Mein JA zur Erweiterung der Personenfreizügigkeit ist längst abgeschickt.

Klarer Fall, wer da NEIN sagt, lebt an den Realitäten vorbei.

Du siehst, für einmal heben sich unsere beiden Stimmen nicht auf. :-)