Sonntag, 25. Januar 2009

Dein Ferrari - mein Ferrari? Über UBS-Boni.

Wäre es allzu populistisch, wenn man begönne die 2 Mrd. Franken anzuzweifeln, welche die UBS bis Ende März in baren Schweizer Franken an ihre Angestellten als Boni auszahlt?
Wäre es allzu schlimm, wenn man als absoluter Nicht-Banken-Kenner sagen würde, dass da vielleicht in solchen Augen etwas nicht stimmen möge.

Bestimmt darf man attestieren, dass sehr wahrscheinlich nicht alle Bereiche der UBS rekordverdächtig tiefrote Zahlen fabriziert haben und dass die Krise ja nicht wirklich bei der Bank selbst entstanden ist, sondern sie eher eine Folge falschen Vertrauens, falschen Einschätzungen und falscher Entscheidungen einiger wenigen waren, welche in das System und an dessen selbstheilende und stetig wachsenden Kräfte glaubten.
Zudem weiss ich, dass nun erst Recht einige Bereiche bei Banken ausserordentlich gefordert sind, um die Sache wieder einigermassen auf die Reihe zu bringen, so dass diese nun mehr Personal und auch mehr Geld bräuchten. Aber das liegt halt nun auch bei Banken nicht mehr auf der Strasse... könnte man meinen, wenn heute nicht die Pressemeldung über diese hohen Boni kam.

Trotz aller Gründe, die ich für eine Bonusausschüttung auch finde, um nicht allzu einseitig oder eben populistisch zu werden - irgendwie stört's mich halt doch. Umgerechnet erhält jede/r UBS-Angestellte im Schnitt CHF 26'000.--. Das wäre ja gut und recht, wenn es so wäre. Doch ich denke, dass die meisten oder zumindest viele, nichts oder nur wenig davon erhalte. Zudem vermute ich, dass zum Beispiel die Raumpflege oder das Catering längst out-sourced sind, dass diese Personen schon mal im vornherein nicht mehr für einen Bonus in Frage kommen. Aber wer arbeitet denn hier überhaupt oder alles - oder wer hilft alles mit, die Arbeit am Laufen zu halten.

Ich verstrick mich in meinen Theorien und es regt mich je länger, je mehr auf.
2 Mrd. von 6 Mrd. Staatshilfe sind einfach zu viel.
So viel, dass man sich beim nächsten Ferrrari, welcher aus der Garage eines UBS-Oberen gekarrt wird, schon eventuell die Frage stellen dürfte, ob das jetzt ein Staatswagen sei.

Kommentare:

flöschen hat gesagt…

Es sind übrigens nicht "nur" 6 Mia. Staatshilfe, sondern 66!

hansruedi hat gesagt…

ich bin jetzt nicht so der Bankfachmann, aber handelt es sich bei diesen "Boni" nicht um so was wie den 13 Monatslohn? Boni für die Direktionsetage sind zur Zeit bei der UBS zu verhindern, den 13. sollte man aber den "kleinen" Angestellten zugestehen.

hansruedi

Genosse hat gesagt…

Ein Bonus ist eben kein 13. Monatslohn. Der 13. Monatslohn ist fixer Teil der Lohnsumme. Ein Bonus ist abhängig vom Geschäftsgang. Das hat nicht mal viel mit Banken zu tun, das ist überall so.
Ich weiss jetzt allerdings nicht ob alle Angestellten der Bank demselben Lohnsystem unterstellt sind, oder ob einige sogar den 13. kriegen.
Ich weiss halt auch nicht wie gut die "kleinen" Angestellten Gewerkschaftlich organisiert sind...

Reto M. hat gesagt…

@ Flöschen:
In meiner Rechnung sind die 62 Mia. für den Abkauf der "Wert"papiere nicht eingerechnet, die man mal auf den Cayman's deponieren wollte. Dann verbleiben noch 6 Mia. vom Bund.

@ Hansruedi:
Boni und 13. ist nicht dasselbe. Aber es wird im Moment fälschlicherweise fast so gehandelt. Wenn ich dann noch von Boni schon in der Höhe meines Jahresgehaltes höre (das zwar glücklicherweise etwas höher ist, als die CHF 26'000.- im Durchschnitt) denk' ich einfach, ob man das so auf die Schnelle als Zusatz verdienen kann.

@ Genosse:
Ich vermute einfach stark, dass mit Boni dasselbe passiert, wie bei den Qualis - wo erwiesenermassen innerhalb der Teppichetagen einander bessere Qualis vergeben werden, als gegen unten - in der Arbeiterklasse. Obwohl echte Wirtschaftsförderung zur Zeit ja die Stütze der kleinen und mittleren Einkommen, welche den Ertrag auch wieder diversifiziert an verschiedene Wirtschaftszweige ausgeben würden.

300x 1000 CHF an verschiedene Betriebe bringt uns zur Zeit mehr, als 1x 300'000 CHF nach Modena.

Titus hat gesagt…

Der 13. Monatslohn, auf den es übrigens keinen gesetzlichen Anspruch gibt, hat nichts mit Boni zu tun. Allerdings: Wurde in der Vergangenheit immer ein 13. Monatslohn ausbezahlt, ist er auch in "schlechteren" Jahren auszuzahlen (er gilt dann als fester Lohnbestandteil). Er könnte hingegen zu einem späteren Zeitpunkt, wenn das Unternehmen wieder "flüssig" ist, ausbezahlt werden (es bringt ja wenig, wenn der Arbeitgeber Geräte und Maschinen verkaufen müsste, um am flüssige Mittel zu gelangen).

Was unter "Bonus" fällt, ist wohl von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Es gibt die "Erfolgsbeteiligung am Unternehmensgewinn" oder die "Zielerreichung" (MBO) oder beides oder...

Bei der UBS spricht man zurzeit ja davon, dass das Boni-System so geändert werden soll, dass Boni nicht bei Verlusten ausbezahlt werden. Wenn eine Equipe so gute Arbeit leistet, dass der Verlust einer anderen Equipe nicht so stark ins Gewicht fällt, wäre das neue System auch nicht unbedingt gerecht (die Einen reissen sich den A... auf und die Anderen verspekulieren sich...).

Nicht ausser acht lassen sollte man die "Auszahlungsform" der Boni: Häufig werden diese nämlich in Form von Aktien des eigenen Unternehmens ausbezahlt, deren Verkauf erst nach einer Sperrfrist von x Jahren möglich ist. Es gilt dann der Wert der Aktien zum Zeitpunkt der "Boni-Auszahlung" und nicht der Wert zum Zeitpunkt des Aktienverkaufs. Ich meine gehört/gelesen zu haben, Ospel hätte seine jährlichen 18 Mio. auch zu einem grossen Teil in Aktien erhalten. Da der aktuelle UBS-Aktienkurs im 3. Untergeschoss ist, dürften diese Aktien im Moment sicher nicht mehr den Wert von 18 Mio. haben.

Werden jetzt die 2 Mrd. Boni in Aktien ausbezahlt (welche sicher auch einer Sperrfrist unterliegen), werden sie in z. B. 3 Jahren gewiss das Mehrfache wert sein...

Helvetia hat gesagt…

Es gibt hunderte Unternehmen im Land, welche ein schlechtes Geschäftsjahr hinter sich haben oder aber ein solches erwarten und deshalb nicht einmal eine Reallohnerhöhung gewähren. Die Mitarbeiter dieser Unternehmen haben auch harte und gute
Arbeit geleistet und tragen an der ganzen Wirtschaftskrise ganz sicher keine Schuld.

Die Banker haben jetzt fast zehn fette Jahre hinter sich während derer sie unglaublich hohe Boni ausgeschüttet erhielten. Jetzt hat man die UBS und somit auch die Stellen der Banker mit 68 Mia. Staatsvermögen gerettet und schon schreien die wieder nach Boni!

Es ist jetzt an der Zeit, dass die UBS-Belegschaft Ihre Opfer bringt und zwar vom Management bis hinunter zum kleinen Schalterangestellten.

Wer dies nicht akzeptiert hat nichts kapiert und soll das Unternehmen verlassen. Seit letzten Herbst wurden in der Finanzbranche weltweit zehntausende Jobs abgebaut. Da dürfte es ein leichtes sein die Abgänge zu ersetzen. Vielleicht wäre es sowieso besser, dass diejenigen bei welchen eine Realitsanpassung noch nicht stattgefunden hat die UBS verlassen würden.

Anonym hat gesagt…

Ich weiss, ich komme etwas spät. Inhaltlich habe ich auch nichts neues beizutragen und eine Abhandlung zum Unterschied zwischen Boni und 13. Monatslohn erspare ich euch.

Eines aber: der Ferrari als Staatswagen, das ist ein Heuler. Gefällt mir.

Markus Meyer

Titus hat gesagt…

Heute in der NZZ ist ein interessanter Artikel zu diesem Thema lesen, siehe meinen verlinkten Namen.

Reto M. hat gesagt…

@ Titus:
Je nachdem. Da der Staat nun die UBS rettete, werden die Aktien, die sie heute erhalten, wohl ein Vielfaches mehr wert sein. Weshalb gab man denen denn nicht von den 62 Mia. Ramsch was ab?

@ Helvetia:
Nicht beizufügen. Die alten Zeiten, denen einige dort noch nachleben, sollten mit dem begonnen Umsturz der globalisierten Geldwirtschaft endgültig überdacht werden. Ich denke oder hoffe zumindest nicht, dass es revolutionär wird, sondern dass man sich pragmatisch einer sozialeren Welt- und Geldwirtschaft zuwendet.

@ Grossrat Markus Meyer:
Darfst die Metapher gerne in Diskussionen so einbringen - ohne Quellenangabe. ;-) Pardini wird wohl Freude haben - so wie er sich laut BZ und Berner Rundschau in den UBS Interpellationen mit BDP-Gasche metzgete - bedarf er wohl eines Trösterlis.
Bin zwar auf der Alp - aber nicht ab von der Welt. ;-)

@ Titus:
Besten Dank für den sehr interessanten Artikel.