Montag, 26. Januar 2009

Über Blocher in Langenthal und eine Heldin.

Darüber ob und was man tun könnte, wenn der SVP-Messias Langenthal beehrt, haben wir ja bereits ausführlich diskutiert. Nicht unerwartet zog C.B. vergangenen Freitag denn auch viele Leute an. Die Veranstalter sprachen von 900 Personen, neutralere Beobachtende nannten eine Zahl zwischen 300 und 500 Menschen, welche das Referat Blochers hören und erleben wollten. Ein solcher Auftritt ist halt auch ein wenig Erlebnis. Oder sollte hierfür gar ein neudeutscher Begriff des "Politainments" eingeführt werden analog des mir geläufigen "Edutainment" (vielleicht gibt's den aber auch schon so oder ähnlich).

Wie dem auch sei. Blocher kam und sprach und fast alle nickten. Fast alle, bis auf eine junge Frau. Eine Heldin in meinen Augen, die sich trotz Pfiffen und Buhrufen, die ihr entgegen schallten für ein klares Ja votierte und zudem von C.B. eine faire Debatte forderte. Denn Blocher verteilte laut Medien seine Schelte wiederum an: "die Medien, die Linken, die Mitte, das eidgenössische Parlament, den Bundesrat, die Classe politique allgemein, die Economiesuisse, den schweizerischen Bauernpräsidenten." - an (fast) alle. "Die Argumente der Befürworter würden sich bei genauerem Betrachten in Nichts auflösen.", liess sich Blocher zitieren, um auf die Kritik der jungen Frau dann zu sagen: "Ich habe nicht gesagt, dass die Befürworter Unrecht haben. Aber sie kommen nicht, sie haben Angst, sie haben keine überzeugenden Argumente." Dass Blocher mit seinem Auftritt wohl nur seine zuhörenden und reichlich eingewanderten Fans im Saal mehrheitlich begeisterte, ist aus meiner Sicht auch an den Medienüberschriften erkennbar.
Langenthaler Tagblatt: "Blochers zweifelhafter Vergleich."
Berner Zeitung: "Die Einmann-Show des Christoph B. zieht noch immer."
Aber wie sagte er doch selber: "Wenn man merkt, dass man gegen alle anderen ist, weiss man, dass man auf dem richtigen Weg ist."

Zu Recht erhält die einzige Stimme des Widerstands im Saal auch in den Kommentaren auf BZ-Online Komplimente:

Vitus Ehrenbolger 12:12 Uhr

Chapeau für die Frau, welche an der SVP-Kopfnicker-Versammlung in Langenthal mutig ihren Standpunkt vertrat. Solche Leute braucht die Schweiz. Dass die wohl einzige mutige Person im Saal ausgelacht und verhöhnt wurde, erinnert an die dunkelsten Zeiten der Weltgeschichte, wo einer wie ein Affe schrie und alle andern einfältig Beifall klatschten! Kaum zu glauben, aber wahr. Ach, wie traurig!!

Den beiden Schreibenden der Zeitung (deren Arbeit ich im übrigen sehr schätze und ihre Artikel gerne lese) und die eigentlich die junge Frau meines Wissens auch hätten erkennen sollen... oder vielleicht auch haben und trotzdem nicht erwähnten, wie auch allen Lesenden in dieser bescheidenen Blogwerkstatt sei hier der Name und das Gesicht meiner Heldin verraten: Priska Grütter, Roggwil.

Mehr dürfte bekannt sein oder ist meinem Beziehungsstatus im Fratzenbuch (Facebook) zu entnehmen. Ja. Dieser Artikel ist auch eventuell leicht emotional verfärbt. ;-)

Mehr zu Blochers Auftritt im BZ-Online-Artikel.

Kommentare:

Titus hat gesagt…

Immer noch das gleiche Schema: Man vermag in Bundesrat und Parlament keine Mehrheit für sich gewinnen und dann, um seine eigene Unzulänglichkeit zu verdecken, poltert man eben gegen alles und jeden...

Zu Politainement: Das ist zu allgemein (betrifft die gesamte Politik). Blochertainment wäre treffender. Oder noch besser und etwas doppeldeutig: SV-Pain-ment...

Gab's keine Äpfel ausgangs Veranstaltungslokal? :-)

Reto M. hat gesagt…

Äpfel gab's nicht, da wir am besagten Abend bloss 3 Leute aus der JUSO und dem Jungfreisinn mobilisieren konnten.
Blocher mobilisiert eine Hunderschaft und wir nur 3 Leutz... das war uns als Bild zu riskant. Deshalb haben wir "unsere" Leute unter die Zuhörerschaft gemischt. Die Idee mit den Äpfeln fand ich aber wirklich gut. Wir haben's ernsthaft geprüft.

kathrinb hat gesagt…

es braucht wirklich mut, in einem saal voller blocher-anhänger eine andere meinung zu äussern. hut ab!
und da priska ja in der region keine unbekannte ist, wird sich das auch herumsprechen und ist somit für die JUSO beste werbung.

Reto M. hat gesagt…

I hope so!

Wer Blocher nicht mehr hören mag, soll der JUSO beitreten. ;-)

Giorgio Girardet hat gesagt…

Es freut einen ja sehr, ein weiteres Stückli dieser Jungfrau Kurasche aus dem Bernbiet zu hören. Bedauerlich allerdings, dass die Kuraschierte kaum mehr Zeit hat, ihren Blog zu betreiben. So deponiere ich meinen Unmut über die JuSo bei der testosterongetriebenen "besseren Hälfte". Mir als tumbemb Medienkonsument will einfach scheinen: Euer Cedric Wermuth ist eine rechte Nilpe und Schande für die JuSo. Kuraschiertes habe ich bis dato wenig von ihm vernommen, aber viel hagelstrohdummes (UBS Bankrott gehen lassen, Botellon-Förderung, schlecht geplante Hausbesetzungen).
Zum Herrn B. aus Herrliberg: es erscheint eine Biografie vom Somm von dem Herrn, am 12.2.2009. Hab sie gelesen. Es lohnt sich, gerade wenn man politisch das Heu nicht auf seiner Bühne hat.

Reto M. hat gesagt…

@ Monsieur Girardet:

Der Herr geht etwas leichtfüssig mit seinen Äusserungen um, zumal er missachtet, dass Madame Courage nicht bloss eine Eintagsfliege ist, sondern auch schon für den Prix Courage 06 des Beobachters nominiert war. http://www.beobachter.ch/familie/artikel/das-sind-die-nominierten-2/
Item. Was das Bloggen angeht, so ist das nicht jedem sein Ding. Ich würde niemandem einen Vorwurf machen, wenn er zum Beispiel, am 21. September 2008 seinen letzten Eintrag gemacht hätte, wenn er nicht jemanden darin kritisieren würde, um die Weihnachtszeit 2008 den letzten Eintrag gemacht zu haben. Item.

Monsieur Girardet meinte es wohl nicht so.

Was Cédric anbelangt, so darf man ruhig sagen, dass er eine Persönlichkeit ist. Streitbar hin oder her. Betrachtet man die vielen Jahre, welche die JUSO ohne Präsidium ein jämmerliches medieninexistentes Leben fristete, so darf man nun auf alle Fälle, auch aus neutraler Warte betrachtet, sagen, dass diese Zeiten vorbei sind.

By the way. Ich habe Cédric nicht gewählt. Ich stimmte für die "Kuraschierte". So viel sei zur Abrundung des Kreises abschliessend verraten.

Übrigens: Meine Politik, mein Bloggen oder meine Begeisterung für meine Freundin auf meinen Hormonspiegel zurückzuführen, finde ich absolut daneben. Merkt man's?

Giorgio Girardet hat gesagt…

@müller: Vielen Dank für die Replik. So besteht noch Hoffnung für die JUSO, was mich ja freut. Wählt das nächste Mal die "Kuraschierte". In Zürich macht die SP generell nicht so eine gute Falle im Moment. Dieses eigenartige Eindreschen auf bewährte Exekutiv-Poltiker (Bewegung der U40) im Moment ist ziemlich befremdlich. Die SP braucht wohl in Zürich noch eine tüchtige Abfuhr an den Urnen um wieder zu Bewusstsein zu kommen.

Reto M. hat gesagt…

@ Giorgio Girardet:
Die Mehrheit obsiegt. Gelegentlich auch an der Urne. ;-)

Ich habe im Tagi über den Streit innerhalb der SP Zürich gelesen. Dazu Folgendes:

- Jede Partei tut gut daran, so einen Streit - wenn immer möglich - intern zu lösen.
- Durch gezielte Jugendförderung ist ein solcher Konflikt zu vermeiden.
- Dadurch, dass die Parteijugend Arbeit vollbringt und nicht nur fordert, kann sie sich selbst in wichtige Positionen bringen.

Konkreter:
Der Zeitpunkt des Konflikts ist denkbar ungünstig, da es in 2 Wochen ev. keinen Konflikt mehr gibt, da die Stadträtin und besagter -rat eventuell von sich aus gar nicht mehr antreten wollen. Das verschärft den Vorwurf, dass Rebecca den Zeitpunkt extra so gewählt hat, dass es eben noch zum medienwirksamen Streit kommt, bevor die Tatsachen auf dem Tisch liegen. Aber wie immer ist das reine Spekulation. Wichtig erscheint mir, dass alle Kräfte innerhalb der SP sehen sollten, wie es gemeinsam vorwärts geht. Hier ist es eher ein gegeneinander rückwärts kriechen... schade.