Samstag, 27. Dezember 2008

Was nach der stillen Nacht bleibt.

Fünf Tage herrschte nicht bloss stille Nacht, sondern auch Stille in diesem Gefäss, das gemeinhin nun als Blog anerkannt ist und eigentlich bloss meine Gedanken festhält. Zeit sich zu besinnen, Zeit um anderen, höheren Werten Raum zu geben. Oder zumindest sich in solchen Werten zu üben. *

Allzuoft nehmen wir uns doch als Politikerinnen und Politiker mit den Dingen, die uns tagein- und tagaus beschäftigen sehr ernst. Werden dann für einmal gar selbstironische oder sarkastische Züge laut, so werden diese oft fehlinterpretiert oder gar gänzlich missdeutet. Wenn ich zum Beispiel jemanden sage, die Politik sei ein Spiel, dessen Ausgang oft, wie in jeder anderen Sport- oder Spielart, dadurch geprägt wird, in welcher Frau- oder Mannschaft man mittut, egal wie gut oder weise die Intentionen, die in den Spielerinnen und Spielern stecken, sind, sondern auch dadurch bemessen ist, wie stark das ganze Team - aber auch wie herausragend einzelne "Stars" für die Wirkung gegen innen und aussen des Teams sind - so wird mir dies oft mit einer Art elitären SP-Denkens gleichgesetzt, welche in einer Partei in welcher eigentlich gemäss Grundgedanke jede und jeder gleich sei, nichts zu suchen habe. Entspricht aber das Festhalten an diesen ursprünglichen Sozialgedanken überhaupt noch den Realitäten oder ist nicht gerade dadurch das System des Marxismus, wie er durch den Kommunismus interpretiert wurde - abgesehen von der ungesunden diktatorischen Vetterlipolitik - gescheitert?
Wohingehend wir nun - nachdem Weihnachten und die Geschichte eines Menschen, welcher auf die Erde kam und auch nicht gleich ward, wie die anderen, sondern Schuld auf sich lud, um das Leben der Verbleibenden zu verbessern, uns schon auch fragen müssen, wohin uns der gelebte Kapitalismus in den letzten Monaten brachte. Nun - nebst der objektiven Feststellung, dass meine realpolitischen Gedanken hier absolut nichts mit der Religion zu tun haben sollten und eine Mischung derselben den Eindruck hinterlassen könnte, dass ich gewissen Politikerinnen und Politikern messianische Fähigkeiten attestieren würde - was man bei B. Obama beispielsweise behauptet - ich aber leugnen würde (wir sind alles nur Menschen), bleibt die Tatsache, dass wir uns 2009 auf ein "neues" System der sozialliberalen Marktwirtschaft machen müssen. Dies sowohl im Kleinen lokalpolitisch, als auch in der grossen Weltpolitik.

Es werden nie und nimmer alle Menschen auf der Erde gleich sein, obwohl wir uns dies noch so sehr wünschten und damit verbunden allen ein schönes, erfülltes und reiches Leben wünschen möchten, auf der anderen Seite führte der totale Liberalismus Menschen und Institutionen an oder in den Abgrund, aus welchem sie sich nicht mehr selber herausholen können.

Hierbei braucht es diejenigen, welche mehr können, als andere, welche helfen, welche Schuld auf sich laden, ohne dass sie diese selbst verschuldet haben.


* Zum Üben noch dies:
Ich nahm an einer römisch-katholischen Mitternachtsmesse in der Heiligen Nacht teil. Vor lauter Aufstehen und Absitzen, Verse sagen und allem Drum und Dran, war ich als (zugegebenermassen auch ungeübter) Reformierter derart verwirrt, dass ich meine Banknachbarin bei der Eucharistie fragte, ob es denn nicht auch - wie in unser Kirche üblich - noch was zu Trinken gebe. Uppsss...

1 Kommentar:

Julien Sorel hat gesagt…

Eine schöne Inspiration, die Sie da hatten, junger Freund. Selbst ebenfalls Protestant, ergreift mich eine katholische Messe immer. Warum? Die Schönheit ist eine (ungenannt bleibende) Konstante der Messe. Ein reformierter Gottesdienst dagegen entspricht viel zu oft einem nüchternen Vortrag, der seine Schwächen mit dem Hinweis auf "innere Werte" entschuldigt. Gäbe es einen Gott und ich wäre er, würde ich mir wünschen, die Menschen würden sehen, dass es nicht nur gut, sondern auch schön war, was ich geschaffen!