Sonntag, 7. Dezember 2008

Ein Blogger in der Zeitung

Wisst ihr noch, wie ich begann?
Nein, nicht politisch, sondern mit diesem Bloggen hier. Er machte mir im Sommerkino 2007 erst einmal bewusst, dass es dieses Bloggen und all die Blogs, die ich nun lese, überhaupt existieren. Ich fing dann mal an zu schreiben und war froh, dass eigentlich niemand wusste, dass ich das hier tat. Immer wieder wenn ich entdeckt wurde, fühlte ich mich ertappt. Ich fühlte mich und meine Gedanken hier frei - trotz aller Öffentlichkeit - und verschaffte mir auch Luft - die nicht immer allen bekam. Mittlerweile ist mein Bloggen bekannt(er) und ich habe gelernt abzuwägen, welche Informationen wann und in welchen homöopathischen Dosen abgegeben werden können, so dass sie nicht allzu sehr negativ auf mich zurückfallen (allen Recht machen, kann und will ich es (aber) auch nicht). Dies hatte unter anderem zur Folge, dass ich hier drin etwas an Biss verlor, des öfteren Dinge schrieb, die ich dann gar nicht veröffentlichte, sondern nur als Entwurf gespeichert blieben. Ihren Zweck hatten sie dann schon erfüllt, ich hatte mir Geschichten vom Leibe geschrieben.

Gestern - so schien mir - erschien die Seite des Langenthaler Tagblatts über "Langenthal" fast nur mit meinem Blog als Aufhänger - klar ist das übertrieben und klar nehm' ich mich jetzt zu wichtig, aber:

Die Lead-Story über die zweite Sitzung der Kommissionssitzverteilung von T. Granwehr beginnt so:
"«Ich danke allen Parteien, dass man einlenken konnte.» Stadtratspräsident Reto Müller (SP), der auf seinem Blog immer wieder gern aus dem politischen Nähkasten plaudert, verlieh seiner Erleichterung über die Kommissionssitzverteilung bereits am Donnerstagabend auf seinem Blog Ausdruck. Die Stadtratsfraktionen trafen sich zum zweiten Mal innert zweier Wochen – und nach nur 20 Minuten hatte sich das Hin und Her der ersten Sitzung erledigt."
Mein Blog ist also nun gar mein offizielles Sprachrohr. Das dies von Journalisten so anerkannt würde, hätte ich nicht erwartet. Ich wusste, dass einige hier mitlesen, dass sie daraus nun aber schon zitieren - auch wenn es nicht skandalbehaftet wie die Zeckengeschichte ist - dünkte mich aber schon noch ein ziemlicher Schritt mehr.

Dann kamen noch zwei kleine Seitenartikel (oder -hiebe) über das Stadtleben im sogenannten Langete-Tröpfli:

Im ersten "Käru" war man scheinbar von Zeitungsseite etwas enttäuscht darüber, dass die SP, welche in der Vergangenheit ab und zu schon den Eindruck hinterliess ein origineller und etwas bunter Haufen mit einzelnen Diven (Männer nicht ausgenommen) zu sein, welche sich im Stadtrat oder auch in Blogs ins Rampenlicht zu setzen pflegt, nun doch auch zurückhaltend und diskret sein kann, wenn es um strategische und/oder parteiinterne Dinge geht.
Wissen ist Macht und ich denke wir tun künftig gut daran, eine gemeinsame Strategie intern zu erarbeiten und zu besprechen, bis wir dann damit an die Öffentlichkeit dringen. Und Letzteres werden wir möglichst koordiniert tun, damit wir uns mit scheinbaren Zick-Zack-Kursen oder ähnlichem nicht selbst aushebeln. (Siehe nationale SVP). Da hoffe ich, dass sich einige Medien diesbezüglich etwas umgewöhnen werden.

Im zweiten Artikel nahmen die Print-Medien-Journis (von einigen Bloggern seit dem Diskurs mit David Bauers Sonntagszeitungsartikels auch Holz-Journis bezeichnet) Bezug auf den Ausspruch am Ende des folgenden Posts. Nun denn. Im Gegensatz zur nationalen Debatte über Blogs und "normale" Medien scheinen wir uns im Mikrokosmos Langenthal scheinbar zwischendurch statt zu kritisieren, gegenseitig zu fördern und zu erheitern. Ich danke dem Tägu für das mediale Interesse, das sie mir auch zukommen lassen und kann nur bestätigen, was einige schon länger sagen: Wer als PolitikerIn im Internet etwas machen möchte, sollte wohl bloggen, was aber alleine kaum genügt, sowohl was das Schreiben, wie auch die Politik anbelangt.

Kommentare:

flöschen hat gesagt…

Kompliment! Dein Blog ist es ja auch Wert, gelesen zu werden.

Apropos Blog: Danke für den Link zu mir! :-)

Reto M. hat gesagt…

Ob all des Lobes werde ich noch ganz verlegen.
Wer versteckt sich denn hinter diesem/r Flöschen?

Bitte für den Link. Ich handhabe es so, dass ich mindestens diejenigen verlinkt habe, welche auch auf mich linken. Deshalb gebe ich den Dank zurück.

flöschen hat gesagt…

"Ach wie gut, dass niemand weiss, dass ich Rumpelstilzchen heiss!"

Wenn ich nicht gerade studiere, blogge oder Sport mache, bin ich noch ein wenig Präsident der JUSO BL. ;-)

lg
florian

Reto M. hat gesagt…

Hach, das ist aber eine nette Überraschung. Wie kommst du denn auf den Namen Flöschen? ;-)

flöschen hat gesagt…

Das wäre eine zu lange Geschichte. :-D Kurz: Eine Klassenkollegin gab ihn mir im Gym. ;-)