Dienstag, 16. Dezember 2008

Die Schlussrede

Was sagt man in so einer Schlussrede als Stadtratspräsident in der vermeintlich durchschnittlichsten Stadt, wenn man nicht durchschnittlich sein will?

Sollte man die neuerlich aufgeflammten Diskussionen in Kunst und Kultur darüber, überhaupt aufgreifen, um nicht durchschnittlich zu sein oder ist man gerade deswegen durchschnittlicher Politiker, weil man aufgreift, was zur Zeit Stadtgespräch ist?

Sind wir tatsächlich und nach all den Jahren Testmarkt, wirklich nicht mehr als der Durchschnitt? Ist das also die Stadt mit den durchschnittlichsten Menschen mit überdurchschnittlich hoher Anzahl Kreisel, überdurchschnittlich viel Geld, überdurchschnittlich vielen Kunst(diskussionen), überdurchschnittlicher Industrie-, Coiffeur- oder Beizendichte und überdurchschnittlicher Dachdecker – der Weltmeister arbeitet bei Franz Flückiger?

Denken oder meinen wir überdurchschnittlich zu sein und sind es vielleicht gar nicht?

Sitzt hier das durchschnittlichste Parlament mit den durchschnittlichsten Vorstössen und den durchschnittlichsten Reden, dem durchschnittlichsten Präsidenten mit unterdurchschnittlichem Alter und wahrscheinlich Fähigkeiten?

Oder überhaupt...

Was wollen wir sein?

Insgeheim will wohl jede und jeder von uns etwas mehr als der Durchschnitt sein und insgeheim ist für uns Langenthal viel mehr als der Durchschnitt. Doch ohne uns jeweils verblendet diesem geliebten Selbstbild hinzugeben, ist es vielleicht nicht schlecht, wenn wir davon ausgehen, Durchschnitt zu sein und dafür die Chancen und Möglichkeiten erkennen, wie wir unsere Stadt für unsere hier lebenden Menschen stetig verbessern können, um mehr zu sein, mehr zu bieten und schliesslich mehr zu leisten für unsere Wohnbevölkerung. Schlussendlich werden wir dadurch besser sein.

Langenthal ist – so weit haben wir sie gebracht - eine Stadt voller Chancen und Optionen.

Viele von euch werden im nächsten Jahr dabei sein, um Chancen zu nutzen oder bewusst auf Optionen zu verzichten und die Stadt weiterzubauen in und für die Zukunft. Ich freue mich darauf.

Einige werden uns verlassen. Ihnen gebührt heute mein grosser Dank. Einige treten freiwillig einen Schritt zurück, andere werden zu meinem grossen Bedauern dazu gezwungen. Ich möchte euch allen an dieser Stelle recht herzlich danken, für die Arbeit, welche ihr für die Stadt und deren Menschen getan habt. Es ist längst nicht selbstverständlich und in diesem Wissen wünsche ich mir, dass ihr vom Parlament mit grossem Applaus verabschiedet werdet. Leider gibt’s Ende Legislatur keine Blumen. Da hätte man vorher zurücktreten müssen, darauf habe ich euch am Anfang des Jahres aufmerksam gemacht... doch ihr wisst, wer das Budget macht und was man in 4 Jahren vielleicht diesbezüglich ändern könnte. Ihr, Stadträte und -innen.

Ein Wort zum Gemeinderat – auch wenn uns der eigentlich nichts angeht – aber parlamentarischer Dank gebührt auch Werner Meyer, welcher acht Jahre als Gemeinderat im Amt für öffentliche Sicherheit und auch sonst für diese Stadt wirkte. Ich mag dir die zusätzliche Freizeit für Familie und Sport gönnen, wenn auch die Stadt dadurch einen sehr fähigen Politiker verliert. Ich durchbreche hier das Protokoll und übergebe dir das Wort.

Der Dank geht weiter. Ich danke meinen Vorgängern in dieser Legislatur, Reto Steiner, Stefan Costa, Armin Flückiger für deren Präsenz und Aufbau einer stadträtlichen Kultur, welche einem die Leitung unserer Runde zum Vergnügen werden lässt.

Ich danke dem Büro des Stadtrates. Gaby Heiniger, Beatrice Lüthi, Vize Daniel Rüegger, Stadtschreiber Daniel Steiner, Stefan Grossenbacher für die gute Zusammenarbeit.

Ich danke der Verwaltung herzlich für all die Arbeit und bitte die Amtsvorsteher diesen Dank in Ihre Belegschaft zu bringen.

Und schlussendlich danke ich euch. Ihr habt es mir – mit wenigen Ausnahmen der Auslegung der stadträtlichen Ordnung - sehr einfach gemacht. Ihr habt euch mehrheitlich die kulturellen Inputs gefallen lassen oder gar begeistert mitgemacht. Mir hat’s gefallen. Ich sage das nicht ganz ohne Wehmut. Aber es ist auch gut zu gehen.

Ich habe das Amt gerne gemacht und ich übergebe das Amt gerne und hoffe, dass Daniel Rüegger am 2. Februar mein Nachfolger wird, im Wissen darum, dass es ein schönes Amt in einer schönen Stadt ist. Durchschnitt hin oder her.

Kommentare:

flöschen hat gesagt…

Gute Rede! Live sicher noch etwas besser/anders/lebendiger.

Reto M. hat gesagt…

Danke dir. Ich wollte zuerst einen Poetry-Slam draus machen, da ich von letzten Samstag noch stark beeindruckt war, liess es dann aber bleiben, da ich
a) vielleicht kein Slammer-Talent bin.
b) die politischen Leutz das wohl nicht verstanden hätten.

Obwohl ich diesen Gedanken auch einem Journalisten mitteilte, welcher mir begeistert sagte, dass er mir dann eine ganze Seite Bericht gewidmet hätte. Nun. Man muss ja nicht immer den Handstand zelebrieren, nur um in der Presse zu kommen.