Dienstag, 25. November 2008

Wahlkampf à l' Amerika?

Letzte Woche und diese Woche hat nicht etwa der Artikel über die Komissionssitzverteilung hohe Wellen geworfen, die auf mich zurückschlugen, sondern es ist vielmehr der Artikel über zwei unterschiedlich gewählte Bilder im Wahlkampf Huttwils.

Dies ist nicht nur leicht in den Kommentaren zu letzterem ersichtlich, sondern wurde mir auch direkt durch zwei unterschiedliche Quellen von Langenthalern, die sich ab und zu in Huttwil aufhalten, zugetragen. "Der Müller hat da einen ganz bissigen Artikel gemacht." oder ähnliches. Ja, es war wirklich vielleicht für Volkes Seele hier in der Art der Wortwahl in unserer Region zu viel. Zumal da Erstlesende auf dieses für sie wohl neue Instrument des Blogs treffen und meine Art des Berichtens nicht nachvollziehen können. Allgemein geht man da noch davon aus, dass man einen pfleglichen Umgang miteinander hat und sich nicht direkt angreift. Als Wahlpolemik oder Propaganda wird das allzu oft früh verschrien. Warum? Ich wäre dafür, dass man offen über Probleme, Stärken und Schwächen spricht - nicht nur in Sachthemen, sondern auch der Politiker, weil man Entscheide trifft, tagtäglich und diese auch vertreten sollte.

Ich rege mich zum Beispiel immer darüber auf, dass junge Politiker und -innen dahingehend verschrien werden, dass sie noch keine Erfahrung hätten und darum nicht geeignet seien, dass sie jetzt zuerst mal etwas Arbeiten sollen, bevor sie sich in der Politik "wichtigtuen" sollen. Nicht erkannt werden hierbei die politischen Glanzleistungen, welche insbesondere junge Frauen in der SP Kanton Bern schon hervorgebracht haben. Das Alter sagt nichts darüber aus, ob jemand gut oder schlecht politisiert. Wichtiger sind Engagement und Wille. In jedem Gremium sollten zudem alle Altersschichten vertreten sein. Das wäre Volkes Herrschaft in Purität. Mir graut vor reinen Männergremien mit grauen Haaren, wie mir auch graut vor reinen Frauengremium, die alle noch nicht 30 sind.

Sie durfte den amerikanischen Wahlkampf per Einladung in den USA live mitverfolgen. Das für mich eindrücklichste, das sie mir schilderte war, dass sich dort fast jede Person für jemanden entscheidet und dies dann am Haus mit einem Transparent oder per kleinem Schild im Garten auch kundtut. Dass die Menschen unter Umständen stundenlang für ihren Kandidaten anstehen, um zu wählen und dass sie in den Strassen mithelfen, Karten zu verteilen, auch noch vor den Schlangen bei den Wahllokalen. Der Wahlkampf war sehr hart. Die Demokraten spielten auf die Gesundheit McCains an, die Republikaner drängten Obama in die Nähe von Terroristen. Schlussendlich entschied dann doch wohl vor allem ein Thema, das von aussen aufgedrängt wurde und von beiden Wahlteams weder erwartet, noch konzipiert war: die Finanzkrise.

Ich denke, dass vielleicht in Huttwil, dadurch dass sich glücklicherweise zwei Menschen entschlossen haben zu kandidieren, eine echte Auswahl besteht und sich die Wählenden entscheiden müssen, welches Schild sie sich in den Garten stellen und dass sie nun ihren Kandidaten auch gegen Angriffe von aussen verteidigen. Ich finde das gut. Eine leichte Amerikanisierung, die ich durchaus gutheissen könnte.

Dass sich jetzt ein "Ausländer" aus Langenthal in diese Entscheidung einmischte - wie auch immer - wird halt nicht gerne gesehen. Ich kann es verstehen.

Ich wünsche Huttwil auf alle Fälle die richtige Wahl und einen fairen Wahlkampf, der nicht auf Vorurteilen basiert.

Kommentare:

Titus hat gesagt…

Der amerikanische Wahlkampf schwapte ja auch auf andere Länder über, sodass viele ausländische Exponenten sich für den einen oder anderen Kandidaten aussprachen.

Mit anderen Worten: Reto, Du darfst auch in Deinem Garten oder auf Deinem Balkon ein Schild aufstellen ;-)

Reto M. hat gesagt…

@ Titus:
Dieses Schild ist bis Huttwil sichtbar, was einigen ziemlich missbehagt.

Warum sind die dort so nervös, wenn ich hier unten sage, was ich denke?

Als hätte das Einfluss auf irgendetwas...

Titus hat gesagt…

Den fraglichen Disput habe ich nun nicht als "Schild im Garten" verstanden. Du hast ja schliesslich nicht die Kandidaten an sich beurteilt resp. für einen Position bezogen, sondern Du hattest deren Selbst-Präsentation in Form einer Hintergrund-Auswahl beurteilt.

Es gibt einen direkten Bezug zu Langenthal, nämlich "wie präsentiert man sich in der Lokalpolitik". Das haben gewisse HuttwilerInnen wohl nicht ganz verstanden. Vielleicht sind sie aber auch ganz einfach neidisch auf Langenthal, weil sie selber keinen bloggenden Lokalpolitiker haben? ;-)

Nebenbei: Das Vermitteln des Blickes von Aussen kann vor Ort Augen öffnen...

Adrian Wüthrich hat gesagt…

@Titus: Huttwil hat einen bloggenden (Lokal-) Politiker. Dieser hat einen Link auf Reto's Analyse gemacht, deshalb haben die Huttwiler davon Kenntnis genommen. Aber das Bloggen passt nicht allen...