Mittwoch, 26. November 2008

Nazi-Stadt?

Als ich heute Morgen zur Bank ging, erblickte ich am "Choufhüsi" (ehemals Gemeindehaus, mittlerweile Kunsthaus, Restaurant, Stadtladen und Juwelier) mitten in unserer Stadt, folgendes Transparent:
"Wir kämpfen um das Burgerrecht", steht darauf in kapitalen Lettern geschrieben. Mein Rätseln über die Urheberschaft liess verschiedene Schlüsse zu: Ein Überbleibsel einer Demo? Eine Ankündigung der Untersteckholzer betreffend der bevorstehenden Fusion? oder Eine kleine Provokation der nächsten Ausstellung U30 im Kunsthaus?

Letztere sind ja nicht erst - aber vor allem national - mit der Kunstaktion des Minaretts schweizweit bekannt geworden.

Die Aufklärung folgte heute dann mit der BernerZeitung. "Täterin" ist wiederum das Kunsthaus.


Das Kreuz, das am Boden des ehemaligen Gemeindepräsidentenzimmers mit Langenthaler Porzellan als weitere Provokation ausgelegt wurde, hinterliess auf mich einen angesäuerten und bleibenden Eindruck. Ich bin für eine sehr offene und freie Kunst. Kunst darf aus meiner Sicht fast alles... aber diese nun schon beinahe dauernde Provokation kann mich nicht mehr anregen, sondern eher aufregen... sprich auf den ersten Blick ging mir das ziemlich an die Ei...ngeweide.

"Ich mag nicht immer derjenige sein, der aus der Stadt mit DEM Vertreter einer rechtsextremen Partei kommt. Ich habe das Herumhacken auf dem rechtsextremen Wähleranteil langsam satt."

Die Tatsache der Existenz dieser rechtsextremen Gesinnung in unserer Stadt ist aber nur ein Teil der künstlerischen Darstellung. Scheinbar habe dazu mitgetragen, dass Langenthal gerüchteweise bei einer möglichen Einnahme durch die Nazis als Stützpunkt eines KZ verlautbart wurde, in welchen die Brennöfen der Porzi eine neue Bedeutung erhalten hätten.

Tragisch genug. Zumindest Letzteres, wovon ich noch nie hörte, hat mich dann doch noch bewegt und angeregt geschichtskundigen Menschen Langenthals eine Email zu schreiben, um nachzugehen, ob an dieser Behauptung Wahres dran ist.

Abgesehen davon müssen wir nun endlich die Gründe rechtsextremen Denkens und Handelns in Langenthal angehen, anstatt Kleber, Nazikreuze oder Minarette als Kunst und Provokation dagegen aufzustellen.

Wir wollen doch nicht zur Nazi-Stadt verkommen! Dann wäre ich ja...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die These mit denn Bernhöfe der Kadi ist mir nicht neu... Keine Ahnung wo ich das aufgeschnappt habe. Doch die Porzi wird wohl kaum etwas wissen wollen! :-/

Anonym hat gesagt…

ich wundere mich, was man heute alles als Kunst verkaufen kann, ich wundere mich von was sich Leute heutzutage alles provozieren lassen und ich wundere mich über den Sachverstand heutzutage. Ich empfehle allen einmal eine KZ-Gedenkstätte zu besuchen und sich die Vernichtungsmaschinerie anzusehen.

hansruedi

Reto M. hat gesagt…

@ Anonym 1:
Jetzt mischt die Kadi auch noch mit? Ich hörte nur von der Porzi via BZ...
Kann es sein, dass einfach überall, wo Öfen im Spiel waren, dann Gerüchte gestreut wurden, dass diese auch anders verwendet hätten werden können - im Fall der Fälle?
Auf der anderen Seite waren die Nazis ja nicht so dumm, als dass sie Firmen mit kriegswichtigen Lieferungen still gelegt hätten, um deren Öfen anders zu verwenden. Emaillewaren gehörten dazu.

@ Anonym 2:
Ich finde es jetzt und nach dem grossen Bericht über die Ausstellung im Tägu (Langenthaler Tagblatt) schon viel verständlicher und besser.

Auf alle Fälle sollte mal jemand der Frage nachgehen, was man darüber weiss/wusste/wissen könnte.

Genosse hat gesagt…

Naja, man weiss immerhin das es 1939 in Langenthal eine NSDAP Ortsgruppe gab, die im damaligen Hotel Kreuz trafen.
Haben wir belege dafür.

bugsierer hat gesagt…

diese geschichte hat vor ca. 20 jahren schon mal einer rumgeboten (ein ex bz journi). soweit ich mich erinnere, war es aber eine ente, jedenfalls weitgehend. an fakten kann ich mich nicht erinnern, dafür aber daran, dass man aus laufen eine ähnliche geschichte hörte, resp. davon, dass auch dort ein paar wirrköpfe diese geschichte aufbrühten.

mag sein, dass es damals ein paar hitzköpfe gegeben hat, die den nazis schon mal eine liste mit allen brennöfen angefertigt haben. daraus aber eine langenthaler nazivergangenheit abzuleiten und sie auch noch museal zur diskussion zu stellen, halte ich für unseriös.

die schiere provokation als mittel zur diskussionsanregung ist generell heikel (erst recht in museen), und in diesem fall voll in die hosen gegangen.

Anonym hat gesagt…

Schuld sind natürlich die Schulen, äh die Lehrer, denn wenn so ein hochgelobter Künstler den Unterschied zwischen backen(sintern) und verbrennen nicht kennt bleibt er zeit seines Lebens auf den Pizzaurier angewiesen. Deshalb mehr Kochunterricht für zukünftige Künstler.

hansruedi