Freitag, 7. November 2008

Ich schwimme. Du nicht. Religion in Badehosen.

Das Bundesgericht hat nun schweizweit geltend beschlossen, dass auch streng muslimisch erzogene Kinder den Schwimmunterricht besuchen müssen.
Es stellt somit erstmals das Bildungsrecht über die Religionsfreiheit und handelt damit nach meiner Ansicht richtig.

Es ist ein heikles Thema. Zumal man als nicht wirklicher Kenner des Korans und grossmehrheitlicher Agnostiker im christlichen Glauben eventuell gewisse Grundsätze missachtet. Und trotzdem denke ich, dass es in der Schweiz absolut wichtig ist und über vielen anderen Gütern steht, dass man in erster Linie dieselben Möglichkeiten und dieselbe Bildung erfährt, wie alle anderen Menschen, die in diesem Land leben.

Daher finde ich es auch richtig, dass alle Schwimmen lernen, dass alle zum Beispiel Sexualkundeunterricht haben, dass alle in Klassenlager dürfen und dass alle einen Beruf erlernen können. Ich bin ein Verfechter einer individuellen Schule, die aber das Ziel verfolgt eine gleich hohe Bildung und gleiche Chancen für alle Bewohnenden der Schweiz anzustreben, ebenso wie ich dafür einstehe, dass Religion in die heutige Zeit übertragen werden muss, um gelebt werden zu können. Wir haben nicht mehr dieselben Um- und Missstände wie im Mittelalter oder davor, somit müssen wir auch nicht 1:1 nach den Regeln derselben Zeiten mehr leben.

Die Zeiten der Aufklärung, des Humanismus, sind nicht spurlos an der Gesellschaft und am Staat vorübergegangen, sondern haben bleibende und geltende Veränderung in Recht und System erschaffen, das mehr oder weniger der heutigen modernen Auffassung entspricht. Daher sollten diese Auswirkungen und Erkenntnisse auch an der Religion und deren Auslegung erkennbar sein.

Ich hoffe auf Toleranz. Im Interesse der Kinder.

Kommentare:

Ray hat gesagt…

Dies bleibt die Schweiz, wir werden nicht die Niederlande.

Die haben vor einigen Jahren mal ein paar Denkfehler gemacht, unsere lieben Oranjes und eben diese Denkfehler tun jetzt mächtig weh.

Die Miskonzeptionen kamen nicht von Rechts, muss man fairerweise schon auch sagen.

Schwimmuntericht: Lächerlich. Einer Religion brauchen wir uns nicht zu beugen. Keiner, übrigens.

Ausreise hier ist gratis.

Titus hat gesagt…

Schwimmunterricht hat ja nichts mit dem hierzulande weit verbreiteten christlichen Glauben oder der christlichen Weltanschauung zu tun, ist also von daher nicht gegen den Islam gerichtet.

Wir lernen ganz einfach deshalb schwimmen, um uns über Wasser halten zu können - und nicht etwa um uns leicht bekleidet zu exponieren. In einem Land mit so vielen Seen und Flüssen ist Schwimmunterricht doch nichts als vernüftig.

Wem das nicht gefällt, der sollte vielleicht wirklich in ein Land ziehen, wo die Fähigkeit, schwimmen zu können, keine Leben rettet...

Anonym hat gesagt…

Lieber Reto Müller
Bitte helfen Sie mir. Was zum Teufel wollen Sie mir in diesem Blogeintrag wirklich sagen? Gut, Sie sind ein "grossmehrheitlicher" Agnostiker! Allein der Begriff vergeht auf der Zunge. Aber immerhin ein Bekenntnis zum nachdenken. Interessant wäre es nun zu wissen ob nach Ihren Ansichten unsere Girls in muslimischen Ländern im Tangabikini baden dürfen oder gleich ausgepeitscht oder gesteinigt werden. Und natürlich ob die Kinder der Muslime sich ihre Schulstunden nach Lust und Laune Allahs aussuchen dürfen. Aber derart konkrete Stellungnahmen sind ja bekanntlich nicht Sache unserer "Agnostikrotweinsozialisten". Also schreibt Lehrer ein bisschen dafür ein bisschen dagegen und zeigt ein ganz klein wenig Verständnis. Fehlt bloss noch der sonst obligate Vorwurf an die Bürgerlichen, vorab an die SVP oder andere politische Schurken.

Reto M. hat gesagt…

@ Ray: Denkfehler gibt's überall. Vermehrt findet man sie aber oft in der Politik. ;-)

@ Titus:
"Wir lernen Schwimmen, um uns über Wasser zu halten." Der gefällt mir ganz gut.

@ Anonym:
Ganz einfach zum Mitschreiben (obwohl in meinem Text eigentlich alles schon ganz klar steht.)
- Ich begrüsse den Bundesgerichtsentscheid.
- Ich will, dass alle Menschen (egal welcher Herkunft, Religion, Hautfarbe) jeden Unterricht besuchen (auch Schwimmen).

Ich habe keinen Wischi-Waschi-Text verfasst. Ich schreibe in keinem Wort, dass es eine Begründung gäbe - aus meiner Sicht - Kinder von einer Art des Unterrichts auszuschliessen.
Mein Sichtweise belege ich sowohl aus der Unterrichtserfahrung wie auch historisch, deshalb wird sie vielleicht komplexer, da sie differenziert.

Zumal ich mich eh hüte Pauschalvorverurteilungen (analog Vorwüfen an bestimmte Wählerschichten) vorzunehmen...
ich weise ihre Bemerkungen, wie schon oft, wieder einmal zurück.