Sonntag, 2. November 2008

Die beliebtesten Politiker

... schrieb das Langenthaler Tagblatt am letzten Samstag, 1. November, auf eine ganze Seite ihrer Zeitung zum Thema Panaschier-Statistik der Stadtwahlen in Langenthal. Ich bin somit nicht der einzige mit grosser Freude an Zahlen und Statistiken nach den Wahlen.

Obwohl die Überschrift anders vermuten lässt. Das Podium der beliebtesten Politiker wird ausschliesslich von Frauen belegt. 1. Nadine Masshardt SP/JUSO, 2. Paula Schaub EVP, 3. Laura Baumgartner SP/JUSO.

Vierter und damit beliebtester (männlicher) Politiker bei den Wahlen 2008: Reto Müller SP/JUSO...

Nun. Die Panaschier-Statistik beschreibt ja nur, wie beliebt man bei Wählenden anderer Parteien ist. Ob das wirklich ein Kriterium ist? Da Nadine und ich ja auch innerhalb der SP massiv gepunktet haben und mit Laura Baumgartner die ersten Plätze der internen Liste belegen, mag Ausdruck dafür sein, dass wir in den letzten 4 Jahren mit der JUSO und der SP einiges in und um Langenthal geleistet haben. Ich nehme mir das auf jeden Fall mal so vor und lasse mir den inoffiziellen (männlichen) Titel nicht zu Kopf steigen....

zumal ich meinen Spitzenplatz bestimmt in erster Linie dem Stadtratspräsidium mitzuverdanken habe, das ich Ende Jahr in die Hände der EVP übergeben werde.

Hier die Top-30 aus dem Tägu (fett = gewählt; * = auch in den Gemeinderat gewählt):

DIE HITLISTE DER LANGENTHALER STADTRÄTE
Rang Name Partei Index

1 Nadine Masshardt SP 33.66

2 Paula Schaub* EVP 32.66

3 Laura Baumgartner* SP 28.08

4 Reto Müller SP 27.32

5 Christine Bobst* jll 26.79

6 Luzia Bossard GL 25.97

7 Aysel Güler SP 25.55

8 Christoph Stäger GLP 24.42

9 Kurt Blatter* SP 23.88

10 Pierre Masson SP 22.76

11 Patric Oppong jll 21.92

12 Mirko Hegi jll 21.67

13 Markus Gfeller FDP 20.70

14 Richard Bobst FDP 19.86

15 Rolf Bär* FDP 19.69

16 Daniel Steiner EVP 19.24

17 Hanspeter von Flüe SP 18.02

18 Anna Aeberhard GL 17.88

19 Stefanie Loser SP 17.57

20 Fritz Fiechter SP 17.52

21 Pascal Dietrich jll 17.08

22 Franz Flückiger SVP 16.49

23 Armin Flükiger SVP 16.39

24 Nathalie Scheibli SP 16.00

25 Beatrice Greber SP 15.69

26 Daniel Rüegger EVP 15.46

27 Karin Rickli GL 15.23

28 Michèle Rentsch EVP 14.81

29 Samuel Köhli SP 14.63

30 Urs Masshardt SP 14.60

Wer es genauer haben möchte:
Bericht aus dem Langenthaler Tagblatt, Samstag, 1. November 2008:

Die beliebtesten Politiker

Panaschier-Statistik Angeführt wird das Stadtratsranking von drei Frauen

Die Analyse der Panaschierstatistik zeigt, welche Politiker auch über die Parteigrenzen hinweg beliebt sind. Die Podestplätze gehen an Nadine Masshardt (SP), Paula Schaub (EVP) und Laura Baumgartner (SP).

OLIVIER ANDRES

Die absolute Beliebtheit von Politikern ist schwer zu bestimmen. Einen Ansatz dazu liefern Auswertungen von Panaschierstatistiken. Denn je öfter ein Name auf Listen anderer Parteien auftaucht, desto beliebter ist die entsprechende Person auch über die Parteigrenzen hinweg. Von der Möglichkeit des Panaschierens wurde anlässlich der Stadtratswahlen vom letzten Wochenende rege Gebrauch gemacht. Knapp eine von fünf Stimmen war eine Panaschierstimme – die Stadtratswahlen waren somit nicht nur Parteien- sondern zu einem grossen Teil auch Personenwahlen.

Panaschierkönigin Masshardt

Für diese Zeitung berechnete der Politologe Daniel Bochsler von der Universität Zürich eine Hitliste der beliebtesten Politiker (siehe Kasten rechts). Angeführt wird diese von Nadine Masshardt (SP). Die Plätze zwei und drei gehen an Paula Schaub (EVP) und Laura Baumgartner (SP). Mit Reto Müller (SP) belegt der erste Mann Rang 4, und Christine Bobst (jll) liegt als beliebteste Bürgerliche auf Platz 5.

Betrachtet man das Panaschierverhalten innerhalb der beiden politischen Blöcke, ergibt sich folgendes Bild: Im «rechten» Lager (SVP, FDP, jll, EDU, Pnos) liegen mit Christine Bobst, Mirko Hegi und Patric Oppong drei Vertreter der Jungliberalen vorne, die beliebteste Politikerin des «linken» Lagers liegt mit Paula Schaub auf Platz 11. Unter den links politisierenden Parteien (SP, EVP, jevp, GL, glp) bleibt Nadine Masshardt die Panaschierkönigin. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Reto Müller sowie Aysel Güler (SP); Christine Bobst auf Rang 23 ist die beliebteste Bürgerliche. Diese Abfolge überrascht kaum, werden doch die meisten Panaschierstimmen gemäss Daniel Bochsler innerhalb der politischen Lager vergeben (siehe Nachgefragt).

Würde die überparteiliche Popularität als einziges Kriterium für die Wahl in den Stadtrat berücksichtigt, so sähe dessen personelle Zusammensetzung anders aus. Werden die sechs, auch für den Stadtrat kandidierenden gewählten Gemeinderäte nicht gezählt, so könnten sich ebenfalls Pascal Dietrich (jll), Karin Rickli (GL), Matthias Wüthrich (GL), Therese Grädel (SP) und Stefan Ryser (SP) über einen Sitz im Stadtparlament freuen. Nicht geschafft hätten es dagegen Willi Lanz (SVP), Robert Kummer (FDP), Timotheus Winzenried (Pnos), Rudolf Lanz (FDP) und Anita Steiner (EVP). Die Kräfteverhältnisse präsentierten sich wie folgt: 13 SP, 8 SVP, 7 FDP, 4 GL, 3 jll, 3 EVP und 2 glp.

Interessant wird es, wenn ein Politiker dank Stimmen von fremden Parteilisten gewählt worden ist, von den eigenen Anhängern aber nicht gewählt worden wäre. Innerhalb der SP würde dieses Los ausgerechnet Präsidentin Nathalie Scheibli treffen. Parteiintern belegt sie Platz 14 der Beliebtheitsliste und hätte somit den Einzug in den Stadtrat verpasst. Stefan Ryser auf Rang 6 dagegen hätte die Wiederwahl geschafft. Ähnlich verhält es sich bei Willi Lanz: Parteiintern hätte der SVP-Politiker den Sitz verfehlt und Albert Schaller wäre wiedergewählt worden.

SVP-Politiker bei Pnos beliebt

Der umgekehrte Fall kann bei Rudolf Lanz, dem Parteipräsidenten der FDP beobachtet werden. Bei sämtlichen anderen Parteien (ausser den jll) liegt Lanz auf der Beliebtheitsskala teils weit zurück, erst die Stimmen auf veränderten Listen mit FDP-Bezeichnung verhalfen ihm zum Stadtratssitz. Dass Pascal Dietrich parteiintern mehr Panaschierstimmen erzielte als der Bisherige Patric Oppong, nützte dem jll-Präsidenten dagegen nichts. Dank den Stimmen der anderen Parteien ging das Stadtratsamt an Oppong.

Nur für die EDU-Wähler gehörte Timotheus Winzenried zu den 40 beliebtesten Politikern. Bei der SVP rangiert der Pnos-Mann knapp, bei den übrigen Parteien deutlich unter «ferner liefen». Von allen Stimmen auf veränderten Pnos-Listen gingen 78 an Winzenried. Oft auf Pnos-Listen panaschiert wurden die SVP-Politiker Patrick Freudiger, Franz Flückiger und Armin Flükiger. Der unter Pnos-Wählern beliebteste FDP-Vertreter war Rolf Baer, und Kurt Blatter holte von allen SP-Politikern am meisten Pnos-Stimmen.

Kommentare:

Mättu Schmid hat gesagt…

"...auf eine ganze Seite ihrer Zeitung zum Thema Panaschier-Statistik der Stadtwahlen in Langenthal."

Aber es wurde nicht genau beschrieben, wie dieser Beliebtheitsindex zu Stande kommt. Oder habe ich etwas übersehen?

Reto M. hat gesagt…

Hoi Mättu:

Nö. Welche Bestandteile genau zum Index führten, behält Bochsler für sich.
Ich hätte für so eine Berechnung einfach die Zahl der Fremdstimmen von Panaschierstimmen im Vergleich zur Gesamtparteistimmenzahl (wer einer grossen Partei angehört, macht ja wohl auch etwas mehr Panaschierstimmen) gesetzt und daraus dann einen Index generiert.
Genau weiss ich es ja - wie gesagt - nicht. Das bleibt wohl auch Politologen-Geheimnis. Gut. Erstaunt hat mich das Podium nicht. Nicht wirklich.

Andreas Kyriacou hat gesagt…

wer einer grossen Partei angehört, macht ja wohl auch etwas mehr Panaschierstimmen

In absoluten Zahlen gerechnet in der Tendenz wohl schon, da die Unterstützung einer grosse Partei eher zu Aufmerksamkeit führt.

Aber im Grunde gilt natürlich das Umgekehrte: Je kleiner der Wähleranteil der eigenen Liste, desto grösser das Fremdstimmenpotential.

Reto M. hat gesagt…

@ Andreas Kyriacou:

Das kann gut sein. Die absolute Stimmenzahl, welche sich zwischen der SP & den Grünen hin und herschob war etwa im Verhältnis 1624 Stimmen von den Grünen für die aber nur 518 Stimmmen von SP-Listen für die Grünen. Deshalb kam ich zu meiner Aussage. Man muss hierbei beachten, dass die Grüne Liste nicht vollbesetzt und daher wohl gerne SP'ler zur Ergänzung "draufgesetzt" wurden.

Übrigens habe ich bei meinen eigenen Panaschierberechnungen, um zu ergründen, ob die vorkumulierte Liste der SP geschadet hat, festgestellt, dass ich das Podium und somit den 3. Platz um läppische 5 Stimmen verpasst habe... grrrrrrr...

daniel b. hat gesagt…

Die Methode ist im Artikel nicht in aller Breite dargestellt, aber die online erhältliche Broschüre "Konzepte zur Analyse der Panaschierstatistik" (Rudolf Burger, BfS) erklärt Hintergründe.
Zu Reto Müller's Rechenvorschlag: überlegen Sie sich mal, wie viele Ihrer 494 Stimmen von veränderten SP-Listen von WählerInnen kommen, die Sie bewusst gewählt haben (z.B. von Hand auf eine leere, mit SP betitelte Liste geschrieben haben), und wie viele einige Kandidierende von der SP-Liste gestrichen haben, Sie aber eher zufällig auf der Liste geblieben sind. Genau wegen dieser - unmöglichen - Unterscheidung lassen sich parteiinterne Stimmen kaum mit Panaschierstimmen vergleichen. Ferner verunmöglicht das Vorkumulieren den überparteilichen Vergleich von parteiinternen Stimmen.

Im Unterschied zu Rudolf Burger berechne ich zwei unterschiedliche Werte für Stimmen aus dem linken und solche aus dem rechten Lager, und nehme anschliessend den Mittelwert.
Folgendes hypothetische Beispiel erläutert dies. Nehmen wir an, es gäbe keine (oder kaum) Panaschierstimmen ZWISCHEN den Lagern, sondern nur INNERHALB der Lager. Nehmen wir ferner an, Links gebe es eine grosse Partei G mit 45% der Listen und eine kleine K mit nur 5% der Listen. Welche Kandidierende haben mehr Chancen, Panaschierstimmen zu kriegen? Partei K, logisch, weil sie können von 45% der Listen Panaschierstimmen kriegen, währenddem Kandidierende der Partei G nur von 5% potenziell Listen kriegen können. Deswegen muss man die Panaschierstimmen durch die Anzahl parteifremder veränderter Listen teilen. Weil aber in der Schweiz (und auch in Langenthal) die Panaschierstimmen überwiegend innerhalb der Blöcke verteilt werden, macht es Sinn, die Panaschierstimmen-Ratio separat für das eigene politische Lager (viel Panaschierstimmen) und für das fremde Lager (wenig Panaschierstimmen) zu berechnen, und danach auszumitteln. Rechnen Sie ein fiktives Beispiel für zwei Kandidierende einer grossen und einer kleinen Partei, die sowohl im eigenen Lager als auch im fremden Lager jeweils gleich viele Panaschierstimmen kriegen (aber im eigenen Lager beliebter sind).

Reto M. hat gesagt…

@ daniel bochsler:
Besten Dank für Ihre Erklärungen. Das ist super.
Irgendein Untschied zwischen meinen Überlegungen als Reallehrer und einem studierten Politologen, dessen täglich Brot es ist, solche und ähnliche Berechnungen vorzunehmen, musste es ja geben. ;-) Ich danke auf alle Fälle bestens für die Erklärungen. Ich blick' noch nicht 100% durch, aber ich werde mir 2 beliebige Kandidierende morgen Nachmittag schnappen und versuchen nachzurechnen, was Sie da vollbracht haben.

Wenn ich etwas Plakatives wünschen darf: Ich hätte gerne Platz 3 nächstes Mal. ;-) Könnte man da bei den Berechnungen etwas machen?

Ansonsten besten Dank und herzliche Grüsse.

mättu schmid hat gesagt…

Wow, dieser Blog ist wirklich nicht schlecht. Man stellt eine Frage und entweder wird gleich über Mittag nachgerechnet oder der Experte meldet sich persönlich zu Wort.

Mir ist auch nicht alles 100% klar (hatte Polito nur im Nebenfach :-), aber die Erklärung ist natürlich logisch.

Reto M. hat gesagt…

@ Mättu:
Ja. Dieses Blog erstaunt mich manchmal auch...

mal mehr positiv, mal mehr negativ. Wir bleiben auf alle Fälle dran und werden zwischendurch bestimmt auch wieder mal so ein Highlight landen.

Merci diesbezüglich an Daniel Bochsler. Wie er auf dieses Blog und den dementsprechenden Eintrag kam, nähme mich schon auch ein wenig Wunder.

Ich habe heute Morgen mal die besagte Broschüre (Burger, gfs) ausgedruckt und werde heute Nachmittag mal mit 2 x-beliebigen Kandis nachzurechnen versuchen.

Ich hoffe dazuzulernen, ohne den Anspruch zu erheben, je mit Laienkunst ein Polito-Studium aufholen zu können.