Freitag, 21. November 2008

Bilder sagen mehr als 1000 Worte.

Warum nur, begreifen das viele Hobby-Politiker und -innen einfach nicht?
Quelle: Berner Zeitung, Oberaargau, 20. November 2008

Dies sind Herr Muralt links und Herr Wüthrich rechts mit Bildern in der gestrigen Ausgabe der Berner Zeitung, die sie notabene selber haben auswählen dürfen. Beide wollen in Huttwil Gemeindepräsident werden. In der Auswahl der Bilder zeigt sich ein Klassenunterschied sondergleichen.

Herr Muralt zeigt sich auf seinem Bild auf dem Friedhof der Gemeinde, vor dem Massengrab ehhh... Gemeinschaftsgrab, zusammen mit einem Werkhofmitarbeiter mit betenden Händen. Er blickt auf ein Mäppli und scheint etwas zu erklären. Die Frisur gerät aus den Fugen. Was ist die Botschaft dieses Bildes?
Er erklärt auf dem Friedhof? Warum? Wieso hält sich der Gemeindearbeiter an den Händen? Muss er sich zurückhalten, damit er nicht tätig wird? Wieso nicht ein Bild, auf dem der Kandidat in die Kamera und zu den Lesenden blickt? Ein Präsident für alle. Und damit auch für die Toten? Wer als Politiker freiwillig eine solche Location für Wahlbilder bestimmt, ist entweder verlorener Anhänger der Gothic-Szene oder politisch wohl schon scheintot.

Ganz anders Herr Wüthrich. Er symbolisiert mit dem Bild die Eigenschaften, die er acuh textlich propagiert: Dynamisch, offen (in der Körperhaltung), freundlich, bereit, lebensbejahend und frisch. Er bleibt geerdet und hat Halt (siehe Hand). Er zeigt sich vor seinem künftigen Wirkungsort: dem Stadthaus mitten im Dorfkern Huttwils.

Widersprüchlicher könnten die Bildaussagen nicht sein. Auf der einen Seite der trauernde, vergangenheitsgewandte und herunterblickende Politiker. Auf der anderen Seite der offene, fröhliche und zukunftsorientierte Mann.

Man darf zumindest noch hoffen, dass Herr Muralt nicht auch noch einen Berater oder Fotografen für so eine Auswahl bezahlt hat. Meine Ratschläge wären günstiger. Ich wage mal zu behaupten nicht nur im Porte-Monnaie.

Möge der Bessere gewinnen: Adrian Wüthrich.

Kommentare:

flöschen hat gesagt…

Manchmal frage ich mich, wie weit solche Bilder tatsächlich beabsichtigt sind, weil man eine Botschaft vermitteln will oder ob es nur ein (un)geschickter Zufall war.

Reto M. hat gesagt…

Das kann ich dir auch nicht beantworten, nur dass mich oft der Eindruck beschleicht, dass in der Lokalpolitik oftmals der Zufall und nicht die Absicht bestimmt.

Mättu Schmid hat gesagt…

Nicht alle Wähler reagieren auf Fotos von jungen, dynamischen Kandidaten. Das Median-Alter der Wähler in der Schweiz ist bei ca. 46 Jahren. Da sind vielleicht andere Werte wichtiger. Aber einverstanden, das Foto ist trotzdem nicht so toll.

Ich wünsche Ädu viel Erfolg, weil er Probleme sachlich angehen und fair diskutieren kann. Und weil er sich für einen starken ÖV einsetzt!

Reto M. hat gesagt…

@ Mättu Schmid:
Was du sagst, stimmt. Aber wir kriegen Ädu nicht älter, als er ist. Von dem her gesehen hat er aber aus seinem Potential und der Message mit dem Foto das Optimum herausgeholt.
Was man vom anderen Kandidaten nicht behaupten kann.

Die Erfahrungen, welche wir beide mit Ädu machen durften, bestätigen uns bestimmt in unserer Haltung, dass er fähig ist, das Amt wahrzunehmen und Huttwil weiter bringen wird.

Mättu Schmid hat gesagt…

Sicher, ich will ja auch gar niemanden älter machen, sondern nur darauf hinweisen, dass ältere Leute Fotos anders bewerten als jüngere.

Reto M. hat gesagt…

Das kann sein. Das kann sein. Näme mich Wunder, ob jemand das Foto von Herrn Muralt für gut gewählt hält und wie die Argumentation des Entscheids aussieht.

Urs Dubach hat gesagt…

Auch ich hätte Mühe, zum linken Bild eine Bildlegende zu verfassen. Den Kommentar von Reto M. finde ich aber weder lustig noch originell: Wenn einer das Wort "Massengrab" in den Mund nimmt, ist das schlichtweg primitiv.

Reto M. hat gesagt…

@ Urs Dubach:
Es stimmt:
Politisch korrekt ist das nicht.
Doch steckt auch hinter diesem Zynismus leider ein Stück Wahrheit. Wofür ich mich aber im Kontext zu entschuldigen habe.

Das wirft ein schräges Licht. Das gewählte Bild ist aber aus meiner Sicht immer noch ebenso absolut schräg.

Wägmüller Chlöisu hat gesagt…

Das Bild der Bernerzeitung zeigt unseren Gemeinderat, Hansjörg Muralt in seiner bisherigen Funktion als Ressortvorsteher der öffentlichen Sicherheit. Es zeigt Ihn in Ausführung seines Jobs als Chef des Ihm unterstellten Friedhofwesens.
Huttwiler verzichten auf geschmacklosen interpretationpolemik, die wir seit ein paar Jahren aus der national Politik – und nun auch aus Ihrem schamlosen Artikel kennen!
Im übrigen weicht unsere anfänglichen Euphorie über die Wahl des jung und dynamischen "Wütherichs" langsam einem flauen Gefühl von misshandelten Karrieresprungbrettern !
Möge von Huttwil nach 4 Jahren noch etwas übrig bleiben ....

Reto M. hat gesagt…

Werter Herr Wegmüller

Unsere Politik und das damit verbundene System ist derart stabil, dass es nicht wegen 1 Person ins Wanken geraten wird. Dies wird meistens bedauert, da es in der Schweiz nur schwerlich möglich ist, dass sich binnen weniger Jahre wirklich etwas verändern lässt. Auf die Dauer und für die Stabilität ist das System aber bestimmt besser, als ein oppositionelles.

Auf der anderen Seite:
Da ich seit 8 Jahren in der Kommission für öffentliche Sicherheit in Langenthal bin, weiss ich, welche Aufgaben im Ressort anfallen können. Ein Bild umringt von Feuerwehrmännern und -frauen oder ein Bild einer Einsatzbesprechnung mit der Polizei oder ein Bild - einfach nur ein Bild von ihm alleine, wäre um einiges besser gewesen, als ein Bild auf dem Friedhof.

Da gibt's in Sachen öffentliche Sicherheit ja auch nicht wirklich viel zu tun... normalerweise... oder? Also in Langenthal sind wir da noch für Kremationen politisch zuständig, aber ob man das wirklich auch für einen Wahlkampf an die grosse Glocke hängen sollte, weiss ich nicht.

Ich weiss, ich bin Auswärtiger und mit meiner Kritik daher im Städtli zu Huttwil nicht gerne gesehen. Doch... seien wir ehrlich... welches Bild ist wirklich besser?

Nur darüber mutmasse ich. Eine Beurteilung der Politik lässt sich aus Langenthal nicht vornehmen. Nur so viel: Ich kenne Adrian Wüthrich gut und er hat enorm viel Potential, das Huttwil nutzen sollte.

Wägmüller Chlöisu hat gesagt…

Ja klar, in 4 Jahren wird Huttwil noch stehen, die von mir kopierte "Star Wars Form" war ja schliesslich von Ihnen.

Doch nochmals, ich zitiere Sie - Muralt zeigt sich auf seinem Bild auf dem Friedhof der Gemeinde, vor dem Massengrab ehhh... Gemeinschaftsgrab – entweder verlorener Anhänger der Gothic-Szene oder politisch wohl schon scheintot - dann Ihre kleine Entschuldigung im Blog.

Wir diskutieren hier nicht mehr über aussagekraft von Bildern, sondern über Ihre politisch unverhältnismässige Wichtigtuerei.

Entschuldigen Sie sich doch einfach bei Hansjörg Muralt für Ihre pietätlose Propaganda

Reto M. hat gesagt…

@ Wägmüller Chlöusu:

Ich ändere meine Meinung nicht:

Das Foto ist so was von schlecht gewählt, das es überhaupt nicht geht und ich gar die guten Formen der Sprache verliere. Jeder noch so anständige Berater hätte ihn darauf hingewiesen - auch von der Gegenseite. Wenn er gefragt hätte...

Ich habe mich für meine übertriebene Wortart entschuldigt, nicht für meine Meinung oder "Wichtigtuerei". Dieses Blog lebt von meiner eigenen Meinung, es ist einzig dafür konzipiert und es macht keinen Sinn, wenn ich die Konzeption verlasse. Weichspülerei hat in der Politik nichts verloren, wenn man doch auch sehr viele Wichtigtuer und Mimosen in diesem "Geschäft" findet. Überdies darf ich behaupten bereits einige Wahlen geleitet, begleitet oder selbst erlebt zu haben und daher durchaus auch eine gewisse Basis für meine Meinung habe.

Ich setze mich gerne der Diskussion auch über meine Meinung und die Art und Weise diese zu verlautbaren auseinander. Ich danke für jeden - auch kritischen Kommentar. Dahingehend müssen die Lesenden aber auf mich zukommen. Abgesehen davon, dass ich mich meiner Meinung nicht entschuldige, ist Herr Muralt nicht auf mich zugekommen.

Das mag auch staatsmännisch sein. Als Politiker kommentiere ich auch nicht alles, was über mich gesagt wird oder verteidige jeden meiner Entscheide... da steht man drüber... auch wenn man unter Umständen mal schlecht gewählt hat. Es ist ja bloss ein Bild. Wenn auch ein wahrlich... aber das habe ich schon gesagt. ;-)