Montag, 13. Oktober 2008

Ein kleines bisschen Geschichtsschreibung

Was für ein toller Bericht des Podiums im Langenthaler Tagblatt. Es hat mich sehr gefreut.
Merci, Tägu.

Sogar mit einem Podiumssplitter:
«Als erstes würde ich mir eine hübsche Königin suchen.»
DANIEL STEINER (EVP), eigentlich verheiratet, auf die Frage, was er als König von Langenthal tun würde.

«König zu werden ist nicht schwierig – schliesslich bin ich nun auch höchster Langenthaler.»
Stadtratspräsident RETO MÜLLER (SP) beantwortet die gleiche Frage.

«Ich bin neu im Stadtrat.»
MATTHIAS WÜTHRICH (Grüne) mit einem freudschen Versprecher in der Vorstellungsrunde.

«Die heutige Situation ist für Aarwangen ein Scheissdreck.»
Selbst MATTHIAS WÜTHRICH sieht die derzeitige Verkehrssituation als problematisch an.

«Das, was man will, kommt bei einer Zweckmässigkeitsbeurteilung auch heraus.»
PASCAL DIETRICH (jll), frei nach Winston Churchill.

«Wenn ihr in der SVP jemanden sucht, der die Steuern senken will, müsst ihr zu mir kommen.»
PATRICK FREUDIGER (SVP), lanciert einen persönlichen Werbespot.

«Als Amtsältester hier vorne ...»
RETO MÜLLER pocht auf seine Erfahrung.

«In der Stadt ist es halt teurer, als wenn man in ‹Hinterkaffligen› lebt.»
Darum ist RETO MÜLLER, seines Zeichens Lehrer in Bützberg, gegen tiefere Steuern.

«Irgendwann ist der Speckgürtel weg.» – «... und dann ist man endlich fitter.»
DANIEL STEINER und PASCAL DIETRICH zum gleichen Thema.

«Die FDP fordert tiefere Steuern, weil es einfach sexier ist.» – «...und noch sexier ist es, immer neue Ausgaben zu fordern.»
Nochmals DANIEL STEINER, diesmal mit PATRICK FREUDIGER.

«Ich bin nicht hier um rote Karten zu sehen, sondern um eine bürgerliche Politik zu machen.»
PATRICK FREUDIGER aufopfernd, angesichts der Überzahl an roten Karten.

«Solange der neue Platz nicht ‹Nabel der Schweiz› heisst, helfe ich mit.»
RETO MÜLLER unterstützt den Vorschlag von PASCAL DIETRICH, dem Platz vor dem Choufhüsi einen Namen zu geben.

«... damit man nicht gleich überfahren wird, wenn man aus dem ‹James› kommt.»
MATTHIAS WÜTHRICHS Begründung für ein verkehrsfreies Stadtzentrum.

«Jetzt versuche ich, auch fantasievoll zu sein ...»
Ob es PATRICK FREUDIGER gelang, bleibt hier offen.

«Ich kann nicht viel dazu sagen, wie das als Frau ist.»
MATTHIAS WÜTHRICH zum geschlechterspezifischen Sicherheitsempfinden.

«Das isch nid luschtig, das isch ärnscht!» – «Reg di nid uf, Pädu.»
PATRICK FREUDIGER reagiert auf eine Attacke von DANIEL STEINER und wird von PASCAL DIETRICH beruhigt.
Sogar mit einem Bild:Nicht zu vergessen eine gute Berichterstattung:

Polit-Unterhaltung mit Inhalt

Gemeindewahlen Vertreter mehrerer Parteien kreuzten die Klingen an Mitmach-Podium

Der Ehemaligenverein des Jugendparlaments Oberaargau organisierte ein Podium, an dem sich das Publikum aktiv beteiligen konnte. Mit roten und grünen Karten durfte es die Voten der fünf Politiker beurteilen.

TOBIAS GRANWEHR / OLIVIER ANDRES

Daniel Steiner fiel am Donnerstag aus dem Rahmen. Was sie als König von Langenthal machen würden, wollte Moderator Simon Schärer von den Teilnehmern des ersten Podiums zu den Gemeindewahlen wissen. Während sämtliche Vertreter von rechts bis links daraufhin zu einem flammenden Plädoyer für die Demokratie ansetzten, fand der EVP-Mann den Gedanken an royale Ehren «nicht schlecht».

Bereits dieser Einstieg deutete an, was sich im Verlaufe des Abends bestätigen sollte: Politische Diskussionen über Inhalte können durchaus entspannt und locker sein. Mit Patrick Freudiger (SVP), Pascal Dietrich (jll), Daniel Steiner (EVP), Reto Müller (SP) und Matthias Wüthrich (Grüne) – er war der einzige, der nur für den Stadtrat, nicht aber für den Gemeinderat kandidiert – auf dem Podium kommt stets auch ein gewisser Unterhaltungsfaktor hinzu. Doch zu sagen, die Diskussionsrunde sei alleine aus diesem Grund so zusammengestellt worden, wäre übertrieben, denn am Donnerstag standen immer auch Inhalte und nicht bloss deren «Verpackung» im Vordergrund.

Einziges Podium – wenig Interesse

Die parteiübergreifende Diskussion von Inhalten habe in den vergangenen Wochen gefehlt, sagte Matthias Schmid vom Ehemaligenverein des Jugendparlaments Oberaargau. «Diesbezüglich läuft im Wahlkampf nichts.» Relativ kurzfristig sei daher die Diskussionsrunde vom Donnerstag zusammengestellt worden. Da diese voraussichtlich das einzige überparteiliche Podium zu den Gemeindewahlen sein wird, erstaunte es ein wenig, dass nicht mehr als etwa 60 Interessierte den Weg in die «Alte Mühle» fanden. Zudem blieben auch die meisten Kandidierenden der Diskussion fern.

Gestritten wurde am Donnerstag über Themen, die die politische Diskussion in Langenthal seit einiger Zeit prägen – entsprechend voraussehbar waren denn auch die Positionen. So waren sich etwa von Freudiger bis Wüthrich sämtliche Podiumsteilnehmer einig, dass die Verkehrssituation in Aarwangen verbessert werden müsse. Einzig darüber, wie dies erreicht werden kann, waren die Ansichten unterschiedlich. Während die Vertreter von SVP, jll und EVP die positiven Auswirkungen eines Autobahnzubringers für Langenthal betonten, wurde dieser Nutzen von Müller und Wüthrich in Frage gestellt. Obwohl ein Befürworter der Wirtschaftsstrasse, warnte Pascal Dietrich in diesem Zusammenhang auch davor, den öffentlichen Verkehr zu vergessen. «Wir brauchen unbedingt bessere Anschlüsse in Randzeiten», so der jll-Präsident.

Die Steuerpolitik sorgte vor allem zwischen den beiden bürgerlichen Podiumsteilnehmern für einen emotionalen Wortwechsel. Während sich Wüthrich und Müller klar gegen eine Steuersenkung aussprachen und Steiner guten Rahmenbedingungen für Familien eine höhere Priorität als tiefen Steuern einräumte, warf Dietrich der SVP inkonsequentes Handeln vor. Dem hielt Freudiger entgegen: seine Partei sei zwar für Steuersenkungen, habe den entsprechenden Antrag der FDP im Stadtrat aber abgelehnt, weil dieser keine Sparvorschläge enthielt.

Auftrag der politischen Führung

Eine umgekehrte Rollenverteilung herrschte beim Thema Attraktivität des Stadtzentrums. Hier war es Freudiger, der Dietrich vorwarf, die jll seien dafür verantwortlich, «dass die Marktgasse tot ist». Nach dem Volksentscheid für eine verkehrsfreie Marktgasse hätten es die jll versäumt, mehrheitsfähige Vorschläge zu bringen. Deshalb solle die Gestaltung dieser Strasse nun den Anstössern überlassen werden. Der jll-Präsident hielt dagegen: «Das ist typisch SVP; die anderen sollen schauen, was sie daraus machen können.» Bei seiner Argumentation, wonach es nach drei Volksabstimmungen mit dem gleichen Resultat Sache der Stadt sei, entsprechende Vorschläge zu erarbeiten, wurde Dietrich von Steiner und Müller unterstützt. «Nun ist es die politische Führung, die den Auftrag hat, eine mehrheitsfähige Lösung zu entwickeln», so Müller.

Anders als bei ähnlichen Veranstaltungen durfte das Publikum am Donnerstag die Voten der Podiumsteilnehmer unmittelbar beurteilen. Mit roten und grünen Karten konnten die Zuhörer zeigen, was sie von den jeweiligen Äusserungen hielten. Während Patrick Freudiger vor allem rot sah, überwog bei den übrigen Politikern die grüne Farbe teilweise deutlich – was aber auch auf die «Kräfteverhältnisse» im Publikum zurückgeführt werden kann. Aber auch mit Voten brachten sich die Zuhörenden ein. So wurde gleich mehrmals gefragt, wie die Politiker die Sicherheitssituation in Langenthal verbessern und gegen das Littering-Problem ankämpfen wollen. Während Freudiger auf mehr Polizeipräsenz setzte, bezweifelten die übrigen Stadt- und Gemeinderatskandidaten die Wirksamkeit dieser Massnahme. Stattdessen forderten sie, die Eltern stärker in die Pflicht zu nehmen und appellierten an die Zivilcourage.

Alles Copyright Langenthaler Tagblatt, letzten Samstag

Kommentare:

daniel.steiner hat gesagt…

Es hat richtig SPASS gemacht.

Merci den Organisatoren (jpo) und Mitdiskutierenden! Ihr wärt kein schlechtes royales Kabinett ;-)

Solange Politik auch noch einen Spassfaktor hat, mache ich weiter...

Reto M. hat gesagt…

Etwas möchte ich als Kommentar doch noch ergänzen:
Zu den Steuern: Ich habe betont und belegt, dass Langenthal die günstigste Stadt im Kanton Bern ist und dass wir mit einem ausgeglichenen Budget arbeiten müssen, damit unsere Onyx-Reserven für künftige Generationen nicht flöten gehen. Erlaubt es die Situation aber langfristig, dass man das Angebot der Stadt nicht abbaut und nicht auf Kosten des "Speckgürtels" und künftiger Generationen lebt, dann kann man die Steuern noch senken. Aber sonst halt nicht.
Zudem schade es den "normalen" Steuerzahlenden mehr, wenn sie jetzt Briefe von der IBL bekommen und 10% mehr für die Energie bezahlen müssen.

Das musste als Ergänzung noch gesagt sein... ;-)

Aber ich weiss, dass es schwierig ist einen ganzen Abend in ein paar Sätzen zu verpacken. Der Bericht ist sonst wirklich gut.

Reto M. hat gesagt…

@ Daniel Steiner:

Es hat wirklich SPASS gemacht. Und den Zusehenden und -hörenden auch. Das war meine erste Frage: War's für euch auch kurzweilig. Die Antworten waren allesamt: Ja.

Wir sehen uns vielleicht irgendwann im Gemeinderat wieder... dann braucht's kein royales Kabinett. Ansonsten werden wir Putschversuche dann bestimmt mal besprechen können.

Reto M. hat gesagt…

Apropos Dänu:

Was meinte Maria dazu, dass du dir eine hübsche Königin suchen würdest???

Das wollen deine Wählenden wissen!

daniel.steiner hat gesagt…

Ein Gemeinderat, zusammengesetzt wie auf dem Podium??????

Puuuh!

Da müsste der Gemeinderat wohl ganztägige Sitzungen ansetzen, bis alle Diskussionen und Gefechte geführt wären. Gute Nacht!

daniel.steiner hat gesagt…

Apropos Königin: Natürlich war damit Maria gemeint! Sie erfüllt das genannte Kriterium der Schönheit problemlos.

So what?

Reto M. hat gesagt…

Herr Steiner. Mathematisch ausgedrückt war das beim Podium aber nicht eineindeutig.

Lassen wir das. Bis zum nächsten Podium....