Dienstag, 23. September 2008

Kosovarische Connections auf lokaler Ebene

Es war ein weiterer Tag mit unserem Besuch vom SP-Parteisekretariat des jungen Staates Kosovo.
Nachdem wir uns gestern auf Bundesebene bewegten, waren die zwei jungen Frauen und ich heute in Langenthal unterwegs. Am Morgen stand eigentlich eine Strassen- und Standaktion vom SAH auf dem Programm, doch wie Nadine uns kurz nach 08.00 Uhr mitteilte, steckte die Ausstellung irgendwo in Zürich fest und fiel somit für Langenthal aus. Die beiden jungen Damen waren nicht unglücklich, zumal sie teils bereits in meinen Winterjacken steckten und eine scheinbar keine Socken in ihren sommerlichen Ballerinas trug. ;-) Kosovo ist halt anders... wärmer. Zumindest im Moment noch.
Also tranken wir zunächst einen Kaffee - was sie übrigens für mein grösstes Laster halten - und mir als ungesunde Angewohnheit gerne nehmen möchten und führten interessante Gespräche über die Unterschiede der Länder, Menschen, Kulturen und Demokratie weiter. Nach einer kurzen Shoppingtour unter Damen, währenddessen ich zu Hause meine Kopfschmerzen kurierte, trafen wir uns zum Mittagessen wieder, bei welchem wir über unsere unterschiedlichen Auffassungen von Religionen und auch den Umgang mit dem Tod besprachen. Kremieren, Aushebung der Gräber nach einer bestimmten Zeit oder auch das Schmücken der Toten durch fremde Personen, ginge bei ihnen scheinbar gar nicht. Warum wir ausgerechnet auf diese Thematik kamen, war begründet dadurch, dass wir am Nachmittag die Stadtverwaltung in Langenthal besuchten und ich ihnen bereits am Mittag versuchte zu erklären, wofür die Verwaltung alles zuständig ist. "Do they burry them? Why do you burn them? This is someones daily job?"
Der Besuch und das Gespräch beim Stadtschreiber, die Erkenntnisse zwischen den Zusammenhängen von Verwaltung und Politik, wie auch das kurze Streifen der verschiedenen Ämter der Stadt, war bestimmt eindrücklich. So zumindest kam mir der Blick der beiden vor. Wir beendeten den Besuch auf dem Dach der Stadtverwaltung, von welchem man einen super Blick über die Stadt hat. Besonders interessierte sie dann noch, warum auf einem der Gebäude, das ich ihnen von weitem zeigte, ein Minarett stünde. Sie fanden die Idee des Künstlers und dessen Mut bemerkenswert. In der Diskussion kamen sie zum Schluss, dass es in einer dermassen stabilen Demokratie, wie derjenigen der Schweiz, eigentlich möglich sein sollte, die Religionsfreiheit auf alle Seiten - auch mit den entsprechenden Symbolen - ausleben zu dürfen.

Recht haben sie, dachte ich für mich und übergab sie für den Abend in andere begleitende Hände. Es erschöpft nicht nur die beiden jungen Damen, diese Besuche und Eindrücke manchmal hetzend von Ort zu Ort und die ständigen "sophisticated discussions" in fremder Sprache. Aber es tut auch sehr gut. Sie öffnen mir persönlich manchmal die Augen, da sie die Schweiz aus einem völlig anderen, fremden, neuen Blickwinkel betrachten und dies nicht bloss auf meinen Kaffeekonsum bezogen.

Trotzdem tut es gut, dass wir morgen Mittwoch eine "Pause" einlegen und gemeinsam ein kleines Reisli unternehmen....

Kommentare:

Ray hat gesagt…

Ja, der Kosovo ist anders, wie Du schreibst. Dort werden verurteilte Lehrer-Mörder nicht einmal, sondern gleich zweimal unnötigerweise und weit vor Ablauf ihrer Strafen laufen gelassen...

Reto M. hat gesagt…

@ Ray:
Ja, das war äusserst ungeschickt. Da die Schweiz eine der ersten Länder waren, welche den neuen Staat anerkannten, hätte sie in dieser Sache ruhig kooperativer sein können.

Es hat mir meine Stimmung gestern auch ein wenig vermiest. Es ist einfach aussenpolitisch tollpatschig ungeschickt sowas. Ärgerlich!

Ray hat gesagt…

Da habe ich als ex-Politiker und politischer Mensch natürlich gelächelt, ob Deiner Wortwahl. 'Ungeschickt','tollpatschig', 'ärgerlich' sind politische Verlegenheitsdiplomatie, natürlich. ;-)

Nennen wir das, was da abging, doch mal beim Namen: Ein Skandal, ein Verstoss gegen internationales Recht war das, von Korruption und Verachtung jeglichen rechststaatlichen Gedankens gezeichnet.

Reto M. hat gesagt…

@ Ray:
Also, so wie ich mich gestern informierte, ist die Begründung des Nichtauslieferungsentscheids durch die kosovarische Verwaltung noch ausstehend. Falls von dieser Seite keine rechtsstaatlichen Gründe genannt werden können, so werde ich deine Auffassung vollumfänglich teilen.